La Liga | El Clásico: Ein Spitzenspiel zum richtigen Zeitpunkt

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Am Sonntagabend steht zum Abschluss des 29. La Liga-Spieltags der zweite Clásico dieser Saison an, wenn der FC Barcelona zu Real Madrid ins Santiago Bernabéu reist. Dabei verbindet beide Mannschaften eine Gemeinsamkeit: Nach einer schwierigen und für sie unbefriedigenden Saison haben sie nun eine positive Entwicklung genommen. Der Clásico ist ein Spitzenspiel zum richtigen Zeitpunkt.

Real Madrid: Ein offener Brief als Katalysator für die positive Entwicklung

Es war der 27. Mai des letzten Jahres, der Real Madrid nachhaltig in Unruhe versetzen sollte. Zinédine Zidane gab zum zweiten Mal seinen Rücktritt bei Real Madrid bekannt. Die Stimmung, sie war nicht ganz so erdrutschartig wie bei seinem ersten im Sommer 2018, als er sich mit dem dritten Champions-League-Titel am Stück verabschiedete. Vielleicht auch, weil Zidanes Abgang diesmal ein Stück erwartbarer kam. Immer wieder gab es Diskussionen um seine Person, obwohl er aus einer Saison mit über 60 Verletzungen noch das Maximum herausholte. In diesem Fall war das Maximum jedoch weit von der eigenen Anspruchshaltung entfernt. Den Meistertitel musste Real Madrid an Stadtrivale Atlético abtreten. Pokalsieger wurde, nachdem man sich in Überzahl bei Drittligist Alcoyano blamierte (1:2 n.V.) Barcelona und in der Champions League schied man im Halbfinale gegen Chelsea (1:1, 0:2) so aus, wie es normalerweise keiner Mannschaft der Königlichen passieren darf: chancenlos. Mit dem 0:2 an der Stamford Bridge war Real angesichts von fünf vergebenen Großchancen der Blues bestens bedient.

 



 

In einem offenen Brief an die Fans, den Zidane in der AS schrieb, rechnete der sonst eigentlich zurückhaltende Franzose teilweise gnadenlos mit der Vereinsführung ab: „Ich gehe, weil der Klub mir nicht mehr das Vertrauen gibt, das ich benötige. Er bietet mir nicht die Unterstützung, um mittel- oder langfristig etwas aufzubauen. Ich kenne den Fußball und die Anforderungen, die bei einem Klub wie Real Madrid herrschen. Ich weiß, dass du gehen musst, wenn du keinen Erfolg hast. Aber hier wurde eine sehr wichtige Sache vergessen: Es wurde alles vergessen, was ich in der täglichen Arbeit aufgebaut habe, was ich in der Beziehung zu den Spielern geleistet habe, zu den 55 Mitarbeitern rund um die Mannschaft. Ich bin ein geborener Gewinner-Typ und ich war hier, um Trophäen zu gewinnen. Aber noch darüber befinden sich die Menschen, die Emotionen, das Leben, und ich habe das Gefühl, dass diese Dinge nicht geschätzt wurden und nicht verstanden wurde, dass auch damit die Dynamik bei einem großen Klub beibehalten wird. Es wurde mir zusätzlich sogar zum Vorwurf gemacht.“

„Es tat sehr weh, als ich nach einer Niederlage in der Presse las, dass man mich entlassen würde, wenn ich das nächste Spiel nicht gewinne. Es tat mir und der gesamten Mannschaft weh, denn diese nach außen zu den Medien dringenden Botschaften kreierten Störgeräusche innerhalb des Teams, sie brachten Zweifel und Missverständnisse hervor. Gott sei dank hatte ich wunderbare Jungs, die bis zum Tod hinter mir standen. Als die Dinge hässlich wurden, retteten sie mich mit grandiosen Siegen. Weil sie an mich glaubten und sie wussten, dass ich an sie glaube.“

„Wie kann man ein Champions-League-Finale nach 3:0-Führung noch verlieren?“ – Ancelotti hält vor Clásico die Spannung hoch

Rumms. Mit diesen Worten zog sich Zidane gekonnt aus der Affäre und gab den ganzen Druck an Florentino Pérez weiter. Nun war klar, dass die nächste Personalie sitzen musste. Eine weitere verkorkste Saison wie 2018/19, die schlimmstenfalls wie einst bei der Entlassung Vicente del Bosques zu einer jahrelangen Abstinenz aus Europas Elite führen würde, konnte sich Pérez nun nicht mehr leisten. Also ging er auf Nummer sicher und holte Zidanes einstigen Lehrmeister zurück: Carlo Ancelotti. Schon allein die Tatsache, dass Real Madrid den Trainer des FC Everton verpflichtet, klingt, als hätte ein bekanntes Fußballvideospiel begonnen, Zufallstransfers zu generieren.

Nichtsdestotrotz machte sich die Maßnahme bezahlt. Real Madrid gewann fünf der ersten sieben Ligaspiele und setzte sich gleich zu Beginn ganz oben fest. Besonders das neue Traumduo aus Karim Benzema und Vinícius Júnior sowie Neuzugang David Alaba wussten zu überzeugen. Nach 21 Spieltagen stand nur eine Niederlage zu Buche, sowie der 2:1-Sieg im Camp Nou. Dass es so gut läuft, war aufgrund der Abgänge von Zidane selbst und Sergio Ramos nicht zwingend zu erwarten.

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Photo by Rafa Babot/Getty Images

In der Champions League holte Real Madrid souverän den Gruppensieg vor Inter, Sheriff Tiraspol sowie Shakhtar Donezk, wenngleich man sich gegen Underdog Shakhtar eine Heimniederlage erlaubte. Auch in der Copa del Rey lief es zunächst. Unter anderem konnte man in Form eines 3:1 erfolgreich Revanche an Alcoyano nehmen.

Inzwischen steht Real Madrid nach der Aufholjagd gegen Paris Saint-Germain (0:1, 3:1) im Viertelfinale der Königsklasse, wo man qua Selbstverständnis immer zu den Titelfavoriten gehört. Außerdem beträgt der Vorsprung auf das zweitplatzierte Sevilla mittlerweile zehn Punkte. Der 35. Meistertitel der Vereinsgeschichte ist bestenfalls Formsache. Für Carlo Ancelotti wäre es ein besonderer. Nach seinen Erfolgen mit Milan, Chelsea, Paris Saint-Germain und dem FC Bayern könnte er den Royal Flush vollenden und zum ersten Trainer werden, der in allen fünf Topligen den Meistertitel holt. Während seiner ersten Amtszeit 2013/14 reichte es „nur“ zum Double aus Copa Del Rey und Champions League. Meister wurde überraschend Stadtrivale Atlético. Real lief punktgleich mit Barcelona drei Zähler hinter den Colchoneros auf Platz 3 ein.

Soweit will Ancelotti selbst aber noch gar nicht denken. Auf die Frage, wie man diese Tabellenführung noch verspielen könne, antwortete er: „Wie kann man ein Champions-League-Finale nach 3:0-Führung noch verlieren?“

Real Madrid will und muss das Momentum aufrechterhalten. Nicht nur, weil die Saison langsam in ihre entscheidende Phase geht. Sondern auch, um eine besondere Serie am Leben zu erhalten: Wettbewerbsübergreifend konnten die Königlichen die vergangenen fünf Clásicos alle gewinnen.

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FC Barcelona: Die Rückkehr zu den Wurzeln bringt den Erfolg

Damit haben sie den Trend der letzten Jahre erfolgreich umgekehrt. Ende des letzten Jahrzehnts war es noch der FC Barcelona, der den Clásico dominierte und in La Liga zwischen April 2016 und März 2020 ohne Niederlage blieb. Teilweise führten sie ihren Erzrivalen nach Belieben vor. 3:0 im Bernabéu einen Tag vor Heiligabend 2017, 5:1 im Oktober 2018. Auch im Copa-Halbfinale 2018/19 feierte Barcelona ein 3:0 bei Real Madrid.

Trotzdem schien die Gewissheit in der Luft zu liegen, dass es Fußball für den Moment ist, für das Hier und Jetzt, nicht die Zukunft. Auf dem Platz standen Spieler wie Ivan Rakitić, Luis Suárez oder Arturo Vidal, alle jenseits der 30 Jahre. Mit den Gigantentransfers von Philippe Coutinho, Ousmane Dembélé und später auch Antoine Griezmann erinnerte nur noch wenig an das junge Barcelona, das Pep Guardiola gut ein Jahrzehnt zuvor aufgebaut hat. Unter Präsident Josep Maria Bartomeu verkam der Klub zum reinen Starensemble – und einem hochverschuldeten noch dazu. Um gut anderthalb Milliarden US-Dollar soll es sich handeln.

Dazu wurden die Katalanen in der Champions League, für die sie eigentlich diesen Kader aufgebaut haben, in schöner Regelmäßigkeit demontiert. 0:4 in Paris, 0:3 in Turin und Rom, 0:4 in Anfield. Trotzdem war die Blase noch intakt, weil es Barcelona gelang, am Saisonende Tafelsilber zu präsentieren. Das Ganze ging ziemlich genau bis zum 14. August 2020 gut, als Barcelona das wahrscheinlich größte Debakel seiner jüngeren Vereinsgeschichte erlebte. Einem hungrigen und spielfreudigen FC Bayern hatten sie aber mal überhaupt nichts entgegenzusetzen.

Champions League FC Barcelona FC Bayern

Photo by Rafael Marchante/Pool via Getty Images

Barcelona wurde überrannt und auf jede nur erdenkliche Weise gedemütigt. 4:1 stand es bereits zur Pause. In der zweiten Halbzeit dribbelte Linksverteidiger Alphonso Davies die halbe Mannschaft aus und legte Rechtsverteidiger Joshua Kimmich am Fünfmeterraum das 5:2 vor. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, kam eine Viertelstunde vor Schluss mit Philippe Coutinho der eigene Leihspieler, legte für Robert Lewandowski auf und traf noch zweimal selbst. „Sie spielen nicht gegen irgendeinen Bundesligisten, sondern die beste Mannschaft der Welt“, hatte Ex-Münchener Arturo Vidal noch zuvor auf der Pressekonferenz getönt. Nach der Partie bleibt festzuhalten, dass es für Barcelona in einem Spiel soviele Gegentore gab, wie sie im Jahrzehnt zuvor bis dahin nur St. Pauli (1:8) und der HSV (2:9, 0:8, 0:8) hinnehmen musste.

Laporta geht ins Risiko und liegt damit goldrichtig – Xavi bringt den Erfolg zurück

Spätestens damit war klar, dass es ein „weiter so“ nicht geben konnte. Trainer Quique Setién wurde wenig überraschend entlassen. Im Oktober 2020 wurde auch für Bartomeu der Druck zu groß, er trat zurück. Sein Nachfolger war auch einer seiner Vorgänger: Joan Laporta. Unter ihm hatte der Klub 2009 das Sextuple geholt. Das Ziel war klar: zurück zu den eigenen Wurzeln, eine stärkere Einbindung der Jugendakademie „La Masia“. Kurzfristig brauchte es aber Erfahrung und Stabilität, weshalb der Klub Ronald Koeman zurückholte. 2020/21 führte er Barcelona immerhin auf Platz 3 und gewann mit einem 4:0 gegen den Athletic Club die Copa.

Zur kommenden Saison musste Barcelona jedoch den Super-GAU hinnehmen. Der 5. August 2021 war ein Tag, von dem alle, die es mit dem Klub halten, wussten, dass er irgendwann kommen wird, aber gehofft hatten, ihn so lange wie möglich hinauszögern zu können. Weil die eigene Gehaltsliste die Anforderungen von La Liga weit überschritt, musste sich Barcelona von Lionel Messi trennen.

Ohne ihren Talisman blieben die Ergebnisse aus, der Klub versank im Mittelfeld und die Ära Koeman war am 28. Oktober 2021 – genau ein Jahr nach Bartomeus Rücktritt – schon wieder beendet. Um die Fans zurück ins Boot zu holen, blieb Laporta nichts anderes übrig, als ins Risiko zu gehen. Xavi sollte den Klub in die Zukunft führen.

Gleich vom ersten Tag an setzte er radikal auf den eigenen Nachwuchs, ließ Spielern wie Pedri, Gavi oder Ansu Fati noch wichtigere Rollen zukommen. Die Stars vergangener Jahre wurden nach und nach aussortiert, Griezmann und Coutinho an Atlético, respektive Aston Villa verliehen. Dadurch klafften riesige Lücken im Kader, die erst im Winter geschlossen werden konnten. Das Ausscheiden aus der Champions League kann man Xavi daher nur bedingt anlasten. Mit dem 0:3 bei Benfica war der Abstieg in die Europa League praktisch besiegelt. Es war klar, dass die Mission „Auswärtssieg in München“ mit dieser Mannschaft eine ausslichtslose werden würde, galt es etwas zu vollbringen, was selbst den Sextuple-Siegern 2009 (1:1) und Triple-Siegern 2015 (2:3) nicht gelang.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit kanalisierte Xavi seinen inneren Felix Magath und ließ Disziplin Einkehr halten . Unter anderem waren die Spieler nun dazu verpflichtet, 90 Minuten zu früh zum Training zu erscheinen, durften nun nicht mehr Hochrisikoaktivitäten wie Surfen oder E-Bike-Fahren nachgehen und vor allem mussten sie nun positive Repräsentanten des Klubs sein. Zudem kehrten die Geldstrafen zurück.

Als man im Winter Planungssicherheit hatte und dank cleverem Wirtschaften von Laporta und Sportdirektor Mateu Alemany auch wieder einigermaßen liquide war, wurden die Lücken im Kader mit Ferran Torres, Adama Traoré sowie Pierre-Emerick Aubameyang aufgefüllt. Auch Ousmane Dembélé machte zuletzt große Schritte nach vorne. Die Mannschaft kombiniert wieder schnell und ansehnlich in der Offensive. Als Belohnung gibt es im Moment Platz 3. Wo es noch zu Beginn von Xavis Amtszeit Bedenken gab, ob man den europäischen Wettbewerb nicht gänzlich verpassen könnte, ist sogar wieder die Vizemeisterschaft möglich. Seit dem 0:1 gegen Betis Anfang Dezember ist Barcelona in La Liga ungeschlagen.

Dieser Clásico am Sonntagabend ist also ein Spitzenspiel zum richtigen Zeitpunkt. Beide Mannschaften haben nach einer schweren Spielzeit eine positive Entwicklung genommen, beide Mannschaften können noch einen europäischen Titel am Saisonende gewinnen und für beide Mannschaften geht es in der Liga um einiges. Real Madrid will die Spitzenposition festigen, Barcelona weiter an den Champions-League-Plätzen dranbleiben.

Möge das Spektakel beginnen.

Photo by FAYEZ NURELDINE/AFP via Getty Images

Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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