Fede Valverde: Der königliche Alleskönner

Fede Valverde
La Liga

Spotlight | Bei Real Madrid macht momentan ein Spieler in großem Stile auf sich aufmerksam. Es ist nicht Karim Benzema und auch nicht Toni Kroos oder Vinicius Junior. Fede Valverde heißt der Mann, dessen Name im Bernabeu dieser Tage am häufigsten besungen wird. Doch was macht den Uruguayer so stark? Wir stellen vor: Die Allzweckwaffe der Königlichen.

  • Wie Ancelotti seine Hand für Valverde ins Feuer legte
  • Von der Reserve zum Leistungsträger bei Real Madrid
  • Allzweckwaffe vorne und hinten

Eine Trainerwette als Ausgangspunkt

„Ich habe ihm gesagt: ‚Wenn du nicht in der Lage bist, mindestens zehn Tore in einer Saison zu machen, muss ich meinen Trainerschein zerreißen und in Rente gehen‘.“ – es sind Worte mit Gewicht, die Carlo Ancelotti (63) dieser Tage über Federico Valverde (24) verliert. Noch schwerer wirken sie, wenn man bedenkt, dass der Uruguayer in der vergangenen Spielzeit nur ein einziges Tor erzielt hat. 36 Schüsse gab er 2021/22 insgesamt ab, der durchschnittliche Ecpected-Goals-Wert lag bei 0,03 pro Versuch (fbref.com). Valverdes Offensivbemühungen waren zumindest rein statistisch der Inbegriff von ungefährlich. 

Im 24-Jährigen müssen die Worte seines Übungsleiters und die motivierenden Zusprüche von Mitspielern und Staff, weiter mutig den Abschluss zu suchen, etwas freigesetzt haben. In der laufenden Saison kommt Valverde nach gerade einmal elf Ligaspielen nämlich schon auf sechs Tore. Damit ist er der beste Schütze bei den Madrilenen – noch vor Karim Benzema (34) und Vinicius Junior (22). Dabei kommen besonders seine Qualitäten im Distanzschuss zur Geltung. Der Uruguayer kann hart schießen, ohne die nötige Präzision vermissen zu lassen.

So ist es kaum verwunderlich, dass er seinen aktuellen Expected-Goals-Wert massiv überperformt. Tatsächlich erzielte der Allrounder schon ganze 4,7 Tore mehr als statistisch zu erwarten gewesen wären. Zuletzt traf er in drei aufeinanderfolgenden Ligaspielen von außerhalb des Strafraums. Seit Beginn der Datenerfassung 2003/04 ist Valverde erst der dritte Blanco, dem das gelingt. Zuletzt vollbrachte ein gewisser James Rodriguez (31) dieses Kunststück im Jahr 2015.

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Erst Achter, dann (Deckname) Flügelspieler

„Mein Job ist sicher“, sagte Ancelotti nach dem 3:0-Sieg vergangenen Mittwoch in Elche und spielte damit auf die Wette mit Valverde an, der an jenem Abend den Führungstreffer beitrug. Nur drei Tage später folgte ein weiterer Strahl aus der Distanz, der beim 3:1-Sieg gegen den FC Sevilla den Deckel draufmachte. Man kann ohne Optimismus behaupten, dass das italienische Trainer-Urgestein recht hat. 

Dabei grenzt es fast an eine Frechheit, dass dieser Tage fast ausschließlich über die Torquote von Valverde gesprochen wird. „Fede“, wie er von allen genannt wird, ist nämlich weitaus mehr als ein guter Distanzschütze. Im Gegenteil: Seine Vielseitigkeit ist es, die den Uruguayer auszeichnet. Er ist so etwas wie das Schweizer Taschenmesser der Königlichen – ein Alleskönner. 

2016 für fünf Millionen Euro von Peñarol aus dem Heimatland Uruguay gekommen, wurde er zunächst in Reals zweiter Mannschaft eingesetzt, ehe er 2017 für eine Saison an Deportivo La Coruña verliehen wurde. Erst im Sommer 2018 stieß er zu den Profis der Königlichen, bei denen er nach und nach Fuß fasste. Seine Einsatzzeiten steigerten sich von Jahr zu Jahr, ebenso seine Wichtigkeit für die Mannschaft.

Fede Valverde

(Photo by David Ramos/Getty Images)

Zunächst hauptsächlich als zentraler Mittelfeldspieler auf der Acht eingesetzt, startete Valverde immer öfter auch auf dem rechten Flügel. Nominell war Real dort eigentlich gut aufgestellt, doch durch den Qualitätsverschleiß bei Gareth Bale (33) und Eden Hazard (31) sowie das Nichtzustandekommen von Wunschtransfers bedingt, sah Ancelotti es als Mittel der Wahl, den Uruguayer zum Rechtsaußen zu transformieren – mit Erfolg.

Auf seiner neuen Position verleiht Valverde dem Spiel seiner Mannschaft eine bessere Balance, da er ein hohes Laufpensum mitbringt und mit seiner defensiven Arbeitsrate auch das Spiel gegen den Ball unterstützt.  Von der eigenen bis zur gegnerischen Grundlinie beackert der 44-fache uruguayische Nationalspieler die gesamte rechte Spielfeldhälfte.

Valverde: Allzweckwaffe von vorne bis hinten

Der 24-Jährige hat ein enorm hohes Energielevel und schafft es, dieses auch über die vollen 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Verschnaufpausen machen und vorne auf die Zuspiele warten, während der Rest die Drecksarbeit erledigt? Nicht mit Valverde. Bei gegnerischen Angriffen arbeitet der physisch starke Uruguayer aufopferungsvoll mit nach hinten. Mit gut getimten Zweikämpfen und einer herausragenden Antizipation doppelt er zusammen mit Dani Carvajal (30) gefährliche Gegenspieler oder ermöglicht dem Rechtsverteidiger, ins Zentrum zu rücken, um dort die Kollegen zu unterstützen. 

Ist seine Mannschaft im Ballbesitz, lässt sich „Fede“ gerne auch mal ins Zentrum fallen. Zwar ist Reals Mittelfeldtrio um Toni Kroos (32) in punkto Übersicht und Pressingresistenz stärker, doch kann die Nummer 15 von Real mit seinem punktuellen Zentrumsfokus Überzahlsituationen herstellen und die Außenbahn für Carvajal freimachen.



Mit schnellen Pässen und gezielten Seitenverlagerungen kurbelt Valverde das Kombinationsspiel zudem immer wieder an. Die Passgenauigkeit von 90 Prozent in der Liga, darunter 86 Prozent in der gegnerischen Hälfte, ist ein extrem starker Wert für einen Spieler, dessen Kernqualitäten eigentlich andere sind. Denn fast noch wichtiger für Reals Angriffe ist Valverdes Gespür für den freien Raum. Immer wieder stößt er in höhere Zonen, zieht so entweder gegnerische Verteidiger auf sich oder bringt sich selbst in optimale Abschlusspositionen. 

Darüber hinaus macht sich der Allrounder auch als Balltreiber nützlich. Vereinzelt bekommt Valverde den Ball in der eigenen Hälfte zugespielt, von wo aus er über den Flügel oder den rechten Halbraum Tempo macht. Der Uruguayer ist kein herausragender Dribbler. Vielmehr verhelfen ihm seine Dynamik am Ball sowie die körperliche Robustheit, die Ketten des Gegners zu durchbrechen. Auf diese Weise gelang ihm ein wunderbares Tor beim 4:1-Sieg gegen Mallorca (ab Minute 2:07).

Für Real Madrid ist Valverde mehr als der Mann für den rechten Flügel. Er ist der fünfte Verteidiger und der vierte Mittelfeldspieler. Die Allzweckwaffe einer Mannschaft, die sich Champions-League-Sieger nennen darf und daran arbeitet, die nächste goldene Generation zu gründen und neue Geschichtsbücher zu schreiben. In Valverde sieht Ancelotti nicht nur einen wichtigen Part des Prozesses, sondern darüberhinaus einen wertvollen Menschen für die Mannschaft. „Er macht seine Sache sehr gut und ist immer noch sehr bescheiden“, so der Italiener. „Das kann dir helfen, in der Zukunft ein großartiger Anführer zu werden.“

„Fede“ als Leitwolf der Königlichen? Noch ist es nicht soweit, aber vielleicht ja eines Tages. Bis dahin wird der Uruguayer kein Kapitänsamt, wohl aber die rechte Spielfeldhälfte für sich beanspruchen.

(Photo by JAVIER SORIANO/AFP via Getty Images)

Michael Bojkov

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