Real Madrid vs. FC Barcelona – „El Clásico“ als großes Verfolger-Duell

La Liga

Vorschau | Wenn Real Madrid und der FC Barcelona im Clásico aufeinandertreffen, steht immer viel auf dem Spiel, doch in diesem Spiel ist es vor allem die Tabellensituation, die den großen Reiz ausmacht. Beide Teams befinden sich in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Atlético, sodass dieses Spiel, neun Spieltage vor dem Saisonende, einen wahrlich richtungsweisenden Charakter hat. 

Anpfiff der Partie ist am Samstag, 21 Uhr, live auf DAZN (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat).

  • Der FC Barcelona ist seit drei Clásicos sieglos, Real Madrid gewann die beiden letzten Aufeinandertreffen mit jeweils zwei Toren Vorsprung
  • Real ist wettbewerbsübergreifend seit zwölf Spielen ungeschlagen (zehn Siege, zwei Remis), Barça seit 19 ist (16/3)
  • Mit 31 Toren in 14 Spielen stellt Barça die beste Auswärts-Offensive, Real mit nur neun Gegentoren in 14 Spielen die beste Heim-Defensive

Real Madrid

Die „Königlichen“ haben zwar die letzten beiden „Clásicos“ mit jeweils zwei Toren Unterschied gewonnen. Doch trotzdem gehen sie als Verfolger in dieses Duell. In der Tabelle haben sie drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Atlético und deren zwei auf den heutigen Gast aus Katalonien. Mit einem Sieg könnten sie folglich auf jeden Fall auf den zweiten Rang vordringen und würden den Rückstand auf Platz eins mindestens halten. Die Mannschaft von Zinedine Zidane ist also gewissermaßen zum Siegen verdammt.

Trotzdem gehen die Gastgeber mit breiter Brust und einem großen Selbstvertrauen ins Spiel, schließlich haben sie keines der letzten zwölf Pflichtspiele verloren, bei zehn Siegen und zwei Remis. Mit dem 2:0-Sieg über Kellerkind Eibar und dem überzeugenden 3:1-Sieg über Liverpool im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League unter der Woche, sind sie zudem blendend aus der Länderspiel-Pause gekommen. 

 

 

Personelle Probleme in der Viererkette

Nichtsdestotrotz ist Trainer Zidane sicherlich nicht sorgenfrei, was vor allem am gut gefüllten Lazarett liegen dürfte. Mit Kapitän Sergio Ramos (35, verletzt) und Raphael Varane (27, COVID-19) fällt die Stamm-Innenverteidigung genauso aus, wie Rechtsverteidiger Dani Carvajal (28), der schon die ganze Saison lang Probleme mit kleineren und größeren Verletzungen hat. Als Vertretung werden erneut mit Lucas Vázquez (29), Éder Militão (23) und Nacho Fernández (31) erwartet, schließlich haben sie ihre Aufgabe gegen den FC Liverpool durchaus zufriedenstellend erfüllt.

Ohnehin gehen die vereinsnahen Medien davon aus, dass Zidane weitestgehend auch die gleiche Startelf vertrauen wird wie am Dienstag, was zum einen daran liegen dürfte, dass er derzeit kaum Alternativen hat (Eden Hazard (30) ist nach seiner Verletzung noch nicht wieder so weit), und zum anderen darauf zurückzuführen ist, dass er schon gegen den FC Liverpool seine favorisierte Startelf aufgeboten hat, auf die er wohl auch im „Cláscio“ vertrauen wird. 

Valverde als Option für mehr Kontrolle im Zentrum?

Zu dieser Startelf gehört logischerweise das altbewährte Mittelfeld-Trio aus Casemiro (28), Luka Modric (35) und Toni Kroos (31), sowie das zuletzt so formstarke Offensiv-Trio aus Karim Benzema (32, ein Tor in den letzten beiden Pflichtspielen), Vinícius Júnior (20, zwei Tore und eine Vorlagen) und Marco Asensio (25, zwei Tore). Die einzige Veränderung, die noch denkbar wäre, ist ein Einsatz von Federico Valverde (22), der zwar zuletzt mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte, aber gegen Liverpool immerhin eingewechselt wurde. Sollte Zidane ihm den Zuschlag geben, dann wohl vor allem, um das Zentrum zu stärken und Unterzahl-Situation, die Barça stets forciert, zu vermeiden. Ein Schachzug, den Zidane in der Vergangenheit nicht nur einmal gespielt hat.

(imago)

Lesen Sie auch: „El Clasico“ im Umbruch – Ein Statusbericht

FC Barcelona

Während es Real Madrid unter der Woche mit dem FC Liverpool zu tun hatte, konnte sich der FC Barcelona, der bereits im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden war, in aller Ruhe auf das womöglich richtungsweisende Duell mit dem Erzrivalen vorbereiten. Wenn man so will, sind es die Woche der Wahrheit für die Katalanen, schließlich steht am folgenden Samstag bereits das nächste große Highlight an: Das Copa del Rey Finale gegen Athletic Club. Doch eins nach dem anderen.

Mit Rückenwind und jugendlicher Leichtigkeit

Die Ausgangslage des FC Barcelona liest sich blendend. Barça ist seit 19 (!) Ligaspielen ungeschlagen, ist vom Punkteschnitt her die beste Auswärtsmannschaft der Liga (die letzten neun Auswärtsspiele wurden ausnahmslos gewonnen) und hatte eine komplette Trainingswoche Zeit, um sich auf dieses Spitzenspiel vorzubereiten. Nimmt man allein diese Tatsachen, so könnte man dem FC Barcelona leicht die Favoritenrolle zuschieben, schließlich stehen sie auch in der Tabelle vor Real Madrid und haben die Meisterschaft seit letztem Sonntag auch wieder in der eigenen Hand. Doch in den Spitzenspielen haben sie in der bisherigen Spielzeit leider fast ausnahmslos enttäuscht, allen voran bei der 1:3-Niederlage im „Hinspiel-Clásico“.

Das Spiel am Sonntag ist demzufolge auch durchaus als Reifeprüfung zu verstehen, insbesondere für die vielen Youngster in den Reihen Barças, allen voran für Pedri (18) und Sergiño Dest (20), die ihren Platz in der Startelf sicher haben dürften. Ein weiterer junger Spieler, Óscar Mingueza (21) hat zudem ebenfalls gute Chancen in der Startelf zu stehen, falls sich Gerard Piqué (34) nicht doch noch rechtzeitig fit meldet. Sollte der Routinier aber fit genug sein, ohne eine erneute Verletzung zu riskieren, könnte er als emotionaler Leader gefragt sein und in die Startelf rücken, schließlich verkörpert kaum jemand die Rivalität mit den Madridern so sehr, wie er. Zudem gab es immer mal wieder Bedenken, angesichts der Frage, ob Mingueza tatsächlich schon weit sei, um in so bedeutenden Spielen beginnen zu dürfen. 

De Jong und Jordi Alba als Schlüssel?

Ansonsten spricht vieles dafür, dass Ronald Koeman weitestgehend auf die Elf vertraut, die sich am vergangenen Montag mühsam mit 1:0 gegen Real Valladolid durchsetzte. Falls dem so ist, würde das auch bedeuten, dass Frenkie de Jong (23) erneut als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette beginnt, um den Spielaufbau anzukurbeln und bei Bedarf ins Mittelfeld vorzurücken, um das Zentrum zu überlagern. Das hat in den vergangenen Wochen oft gut funktioniert und könnte auch gegen Real Madrid vielversprechend sein, um im Zentrum die Oberhand zu behalten.

Ein weiterer Schlüssel für Barça könnte unterdessen das Duell auf ihrer linken Seite sein, wo der extrem formstarke Jordi Alba (31) höchstwahrscheinlich auf den gelernten Offensivspieler Lucas Vázquez trifft. Vázquez hat seine Sache zuletzt zwar sehr ordentlich gemacht und bringt auch ein gutes Grundtempo mit, doch defensive Stellungsfehler bestraft der routinierte Alba, den Lionel Messi (33) so gerne mit seinen gefürchteten Diagonalbällen aus dem rechten Halbraum füttert, für gewöhnlich sofort. Ein spannendes Duell, dass man auf jeden Fall im Auge behalten sollt.

(Tomas Rubia/imago)

Prognose

„El Clásico“ steckt immer voller Brisanz und die Neuauflage am Samstag macht da keinen Unterschied. Das Spiel verspricht vor allem eines: Spannung. Die Ausgangslage ist dramatisch, beide Teams befinden sich in extrem guter Form und die heiße Phase der Saison ist bereits im vollen Gange. Barça hat einen kleinen Vorteil in Hinblick auf die Vorbereitungszeit, während Real Madrid zumindest die vermeintlichen Heimvorteil auf seiner Seite wähnt.

Die „Königlichen“ haben unterdessen vielleicht ein kleines bisschen mehr Druck, weil sie, angesichts der Tabellensituation unbedingt gewinnen müssen. Das öffnet womöglich den einen oder anderen Raum für Barça, was dem Spiel eigentlich nur gut tun kann. Doch Langeweile dürfte ohnehin nicht aufkommen, dafür steht zu viel auf dem Spiel. 

 

 

Mögliche Aufstellungen:

Real Madrid: Courtois – Lucas Vázquez, Éder Militão, Nacho Fernández, F. Mendy – Modric, Casemiro, Kroos – Asensio, Benzema, Vinícius Júnior

FC Barcelona: Ter Stegen – Mingueza (Piqué), F. de Jong, Lenglet – Dest, Sergio Busquets, Pedri, Jordi Alba – Messi, Dembélé, Griezmann

(David Ramirez/imago)

Christoph Albers

Cruyff-Jünger und Taktik-Liebhaber. Mag präzise Schnittstellen-Pässe, schwarze Leder-Fußballschuhe, Retro-Trikots und hat einen unerklärlichen Hang zu Fußball-Finanzen. Seit 2016 bei 90PLUS.

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