Real Madrid hat derzeit nicht viel zu lachen. Eine titellose Saison ist quasi fix, heute Abend kann der FC Barcelona ausgerechnet im Clasico Meister werden und intern gibt es auch jede Menge Unruhe.
Zuletzt gingen nicht nur einmal Spieler aufeinander los. Aurelien Tchouaméni und der in der Auseinandersetzung mit ihm verletzte Federico Valverde wurden mit drastischen Strafen belegt. Es heißt, die Kabine sei im Ausnahmezustand.
Und der Trainer, der das regeln soll, heißt offenbar José Mourinho. Er ist der favorisierte Kandidat von Präsident Florentino Perez und die Gespräche laufen. Mourinho ist bereit für den Job bei den Königlichen. Und es könnte wirklich zeitnah der Fall sein, dass es zu einer Übereinkunft kommt.
Mourinho zuletzt nicht positiv im Rampenlicht
Es gibt Kritiker, die sagen, dass Jose Mourinho bei seinen letzten Stationen eher nicht positiv aufgefallen ist. Seine Arbeit bei der Roma war solide, aber brachte die Giallorossi nicht unbedingt langfristig nach vorne. In Istanbul bei Fenerbahce wurde er zu Saisonbeginn entlassen, weil einiges nicht so lief, wie man sich das vorstellte. Und bei Benfica läuft es generell sehr ordentlich, aber ein Taktikfuchs auf dem allermodernsten Stand ist Mourinho nicht mehr.

Was er nicht „verlernt“ hat, ist es, sich vor seine Mannschaft zu stellen. The „Special One“ ist noch immer jemand, der im Falle des Misserfolgs genau darauf achtet, wie er seine Worte wählt und wenn er angreift. Schiedsrichter stehen dabei gerne im Mittelpunkt, nicht selten sucht er gleich nach einer großen Verschwörung, nur, um von sich und seinem Team abzulenken. Manchmal funktioniert das gut, aber die Spielchen sind mittlerweile auch bekannt. Trotzdem: Mourinho strahlt natürlich noch immer etwas aus.
Vielleicht braucht es genau diesen Typen bei Real
Und vielleicht ist genau das der essenzielle Punkt. Mourinho strahlt etwas aus. Hat eine Aura, die ihn sofort zu einer Respektsperson macht. Hat in diesem Bereich sicher auch einem Xabi Alonso etwas voraus, der taktisch alle Fähigkeiten mitbringt, um ein absoluter Toptrainer auf Dauer zu werden, das hat er in Leverkusen gezeigt. Aber Alonso scheiterte an einem – so muss man es klar benennen – Sauhaufen in der Kabine, der dachte, sich alles erlauben zu können.
Der Ex-Bayer-Coach wollte die Disziplin verbessern und den Spielern innerhalb gewisser Leitplanken, die er vorgab, sogar Freiräume gewähren. Doch es kam nicht dazu, dass er sein System implementieren konnte. Sein Nachfolger Alvaro Arbeloa scheiterte auch, mit einer womöglich zu „kumpelhaften“ Art.
Genau da könnte die Idee Mourinho ansetzen. Nach außen hin verteidigt er sein Team, ja, aber intern ist er bekannt dafür, die Dinge klar anzusprechen. Sein Führungsstil könnte das sein, was Real braucht. Und damit wird er vielleicht keine Ära über Jahre prägen, aber vielleicht für ein oder zwei Jahre der genau richtige Trainer sein, um auszumisten, den Kader wieder auf Kurs zu bringen und die Basis für eine taktische Revolution zu schaffen.
Und mal ehrlich: Real Madrid unter Zinedine Zidane und Carlo Ancelotti war nun auf keine auf modern getrimmte free-flow-Fabrik, sondern es war ein Team mit einem hervorragenden Kader, der einfach gut moderiert wurde.

