Ligue 1 | Sechs junge Talente, die im Auge zu behalten sind

Maxime Esteve hier im Einsatz gegen RB Leipzig
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Spotlight | In keiner Liga ist der Pool an Talenten aktuell so groß wie in der Ligue 1. Jahr für Jahr kommen neue, hochtalentierte Spieler aus den Jugendakademien hoch in die französische Beletage. Vor allem für deutsche Vereine sind diese Spieler sehr interessant, da die Bundesliga der perfekte nächste Schritt für die Talente ist. Alleine im letzten Sommer wechselten vier Talente aus der Ligue 1 in die Bundesliga. Im Folgenden stellen wir einige Talente vor, die in den kommenden Jahren den Weg nach Deutschland finden könnten:

Ligue 1: Die Talentschmiede Europas

Über 100 französische Spieler sind in den vier besten Ligen Europas unterwegs. Aus keiner anderen Drittnation sind in Bundesliga, Premier League, Serie A und La Liga mehr Spieler unter Vertrag. Viele dieser Spieler sind Talente, die ihre ersten Schritte im Profifußball in der Ligue 1 gegangen sind. Entsprechend schauen Scouts aus den Topligen ganz genau hin, wenn neue Talente ihren Durchbruch in Frankreich schaffen. Auch in diesem Jahr sind dies wieder einige Spieler, unter anderem die folgenden sechs:



Mohamed-Ali Cho

Mohamed-Ali Cho (17) hat bereits in seinem jungen Alter eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Aus der Jugend von PSG stammend zog es den Franzosen mit elf Jahren nach England zum Everton FC. Viereinhalb Jahre blieb der Stürmer in England, ehe er nach Frankreich zurückkehrte. In Angers fand Cho seine neue Heimat. Seither entwickelt er sich hervorragend, bereits mit 16 Jahren debütierte er in der Ligue 1 und wurde 2020/21 regelmäßig eingewechselt. In dieser Saison nun hat Cho den nächsten Schritt gemacht und ist Stammspieler beim SCO Angers. In neun Spielen stand er achtmal in der Startelf.

 

Der Stürmer zeichnet sich vor allem durch seine gute Technik sowie seinen Zug zum Tor aus. Dieser ist noch etwas zu ausgeprägt, in Sachen Abschlüsse führt er seine Mannschaft an, während er kaum einmal einen Key-Pass spielt. Findet er hier einen besseren Mittelweg, steht dem Stürmer eine große Zukunft bevor. Bereits im kommenden Sommer könnte Cho den nächsten Schritt gehen, sein Vertrag läuft 2023 aus, will Angers noch eine Ablösesumme mit dem Youngster generieren, muss man ihn 2022 abgeben.

Maxime Esteve

Einen gänzlich anderen, unspektakuläreren Verlauf hat die bisherige Karriere von Maxime Esteve (19) genommen. Der Innenverteidiger ist in Montpellier geboren und verbrachte seine komplette Karriere in seiner Heimatstadt beim HSC Montpellier. Nachdem er letzte Saison nur zweimal überhaupt im Kader stand, ist sein Aufstieg zum Stammspieler so früh in der Saison umso erstaunlicher.

Auch wenn man hier etwas relativieren muss, denn der als Stammspieler eingeplante Mamadou Sakho (31) verletzte sich nach fünf Spieltagen, Pedro Mendes (30) fehlt schon die ganze Saison aufgrund eines Kreuzbandrisses. Es ist jedoch keineswegs sicher, dass Esteve seinen Stammplatz wieder verlieren wird, wenn die beiden genannten Spieler von ihren Verletzungen zurückkehren. Im letzten Spiel gegen Straßburg stand Sakho wieder in der Startelf, neben ihm lief Esteve auf.

Seine Leistungen geben es nämlich durchaus her, dass der Innenverteidiger seinen Platz behaupten kann. Sowohl mit als auch gegen den Ball zeigt der Franzose bereits ein gutes Spielverständnis. Er weiß, wann er im Spielaufbau andribbeln kann und wann der Pass die bessere Option ist. Seine Passquote von 86,3% ist hervorragend, dabei muss er nur sehr selten auf den langen Ball zurückgreifen. Gegen den Ball macht er seine aufgrund der Größe von 1,92 Metern teils fehlende Geschwindigkeit durch starkes Stellungsspiel wett, er fängt lieber Pässe ab, als sich in Zweikämpfe verwickeln zu lassen. Eine entsprechend niedrige Foul-Rate ist die Folge. Dass Esteve den Verein bald verlassen wird ist unwahrscheinlich, erst am 23. September verlängerte er seinen Vertrag langfristig.

Sinaly Diomande

Den wohl schwersten Weg zum Stammspieler hat auf dieser Liste Sinaly Diomande (20). Der Innenverteidiger steht bei Olympique Lyon unter Vertrag und muss sich demnach mit namhafter Konkurrenz auseinandersetzen, allen voran Jason Denayer (26) und Jerome Boateng (33). Zumindest scheint es Diomande, der 2019 aus Mali nach Lyon kam, bereits jetzt geschafft zu haben, sich in der internen Rangordnung an Marcelo (34) und Damien Da Silva (33) vorbeizuschieben und der dritte Innenverteidiger beim Team von Peter Bosz (57) zu sein. In zehn der elf Spiele in dieser Saison kam er zum Einsatz, siebenmal von Beginn an.

Stärken hat der 1,84 Meter große Innenverteidiger vor allem mit dem Ball. Seine 92,3% Passquote ist herausragend, vor allem, wenn man bedenkt, dass er der erste Aufbauspieler ist und im Schnitt knapp doppelt so viele Pässe spielt wie Denayer oder Boateng. Defensiv versucht Diomande vieles mit gutem Stellungsspiel zu regeln, nur ungern geht er in den direkten Zweikampf. Dadurch läuft der Ivorer kaum Gefahr, Foulspiele zu produzieren. Ein Wechsel wird wohl beim Nationalspieler der Elfenbeinküste in nächster Zeit nicht auf dem Zettel stehen, er verlängerte seinen Vertrag im Januar dieses Jahres bis 2025.

Melvin Bard

Ein Spieler, der in Lyon nicht die Chance sah, sich ausreichend Spielzeit zu erarbeiten, ist Melvin Bard (20). Der Linksverteidiger durchlief die komplette Nachwuchsabteilung von Olympique Lyon. Im Sommer 2020 waren unter anderem der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt an dem Franzosen interessiert, Bard zog es jedoch damals noch vor in Lyon zu bleiben. 2021 schließlich verließ er seinen Heimatverein und wechselte für drei Millionen Euro zum OGC Nizza. Nach einer Einwechslung im ersten Spiel ist er seit Spieltag zwei Stammspieler auf der linken Abwehrseite.

Sowohl defensiv als auch offensiv zeigt Bard dabei starke Leistungen. Defensiv fängt er für einen Außenverteidiger ungewöhnlich viele Bälle ab, dazu hat der Linksverteidiger eine gute Zweikampfquote. Diese ist vor allem in Kombination mit extrem wenig Foulspielen eine positive Eigenschaft. Offensiv übernimmt Bard viele Aufgaben im Spielaufbau, kaum ein anderer Außenverteidiger spielt ligaweit mehr Pässe. Auch in Sachen Key-Pässe ist Bard weit vorne mit dabei unter den Außenverteidigern. Ein Wechsel ins Ausland wird wohl aufgrund des erst kürzlich erfolgten Transfers noch etwas auf sich warten lassen.

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Saidou Sow

Saidou Sow (19) ist der nächste hochtalentierte Innenverteidiger aus der Schule von AS St.-Etienne. Der Verein hat bereits in den letzten Jahren in der Ligue 1 durch die Ausbildung von Innenverteidigern auf sich aufmerksam gemacht, Wesley Fofana (20) und William Saliba (20) wechselten für zusammen 65 Millionen Euro nach England. Sow trat dem Verein mit 14 Jahren bei, nachdem St.-Etienne den Innenverteidiger bei einem Pariser Vorstadtclub entdeckt hatte. Im vergangenen Jahr wurde der Guineer langsam an die erste Mannschaft herangeführt und bekam unregelmäßig Einsätze, seit Sommer ist er nun Stammspieler.

Ähnlich wie die übrigen Innenverteidiger in unserer Liste geht auch Sow recht selten ins Tackling. Im eigenen Verein steht er in dieser Statistik nur auf Platz 14. Stattdessen löst der junge Franzose viele Situationen mit seinem guten Stellungsspiel, er führt seine Mannschaft bei den abgefangenen Pässen an. Im Offensivspiel könnte sich Sow definitiv noch mehr einbringen, hier muss er sich noch verbessern. Weder die Anzahl an Pässen noch die Qualität dieser ist auf einem hohen Niveau.

Konrad de la Fuente

Konrad de la Fuente (20) hat in seiner Karriere bereits einiges gesehen. In Miami geboren kam der Offensivspieler früh nach Spanien, um nach einigen Stationen bei kleineren Vereinen 2013 in die Jugendakademie des FC Barcelona aufgenommen zu werden. Dort entwickelte sich de la Fuente gut, war jedoch nie ein solches Ausnahmetalent, um eine Chance auf einen Platz in Barcas erster Mannschaft zu haben. Und so entschloss sich der US-Amerikaner im Sommer 2021 zu dem Schritt nach Frankreich, genauer nach Marseille. Bei den Südfranzosen ist der Nationalspieler noch nicht absolut gesetzt, bekommt jedoch schon nach ein paar Monaten im Verein regelmäßige Einsatzzeiten.

De la Fuente ist ein ungewöhnlicher Flügelspieler. Er vereint Tempo und Technik auf die bestmögliche Art. Als Rechtsfuß spielt der Amerikaner am liebsten links außen, um dann nach innen zu ziehen. Seine größte Stärke ist, dass er auch in höchstem Tempo oder unter Gegnerdruck die Ballkontrolle sowie die Übersicht behält. Kaum ein Flügelspieler in Frankreich ist so gut darin, Ballverluste im Dribbling zu vermeiden. Nach diesen Dribblings setzt de la Fuente lieber die Mitspieler ein als selbst auf den Torabschluss zu gehen, auch das ist für einen inversiven Flügelspieler eher ungewöhnlich.

Honorable Mentions

Einige Talente, die aktuell in der Ligue 1 auf sich aufmerksam machen, sind bereits bei Topteams unter Vertrag und wurden daher nicht vorgestellt. Zumindest die Namen sollten jedoch auf jeden Fall genannt werden: Pape Sarr (von den Tottenham Hotspurs an den FC Metz verliehen), William Saliba (vom Arsenal FC an Olympique Marseille verliehen), Timothee Pembele (von PSG an den FC Girondins Bordeaux verliehen), Arnaud Kalimuendo (von PSG an den RC Lens verliehen).

 (Photo by Ronny Hartmann/Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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