Saisonfazit Ligue 1 – Lille als Überraschungsmeister, Marseille mit einer Chaos-Saison

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Spotlight ǀ Die Saison in Frankreich ist zu Ende. Wir erlebten ein sehr spannendes Jahr. In jeder Region der Tabelle wurde bis zuletzt um die Platzierungen gekämpft. Meisterschaft, Champions-League-Qualifikation, Europa-League-Qualifikation und Abstieg wurden allesamt erst am letzten Spieltag entschieden. Im Folgenden geben wir ein Saisonfazit darüber ab, was in der Ligue 1 passiert ist:

Der Meisterschaftskampf in der Ligue 1

Neben Spanien sahen wir in dieser Saison in Frankreich den spannendsten Kampf um die Meisterschaft in den Top-5-Ligen. Vier Mannschaften waren involviert, fünf Spieltage vor Saisonende lagen nur drei Punkte zwischen dem LOSC Lille, PSG, der AS Monaco und Olympique Lyon. Die Gründe, warum nach Jahren der Dominanz PSGs in diesem Jahr gleich mehrere Mannschaften Schritt halten konnten, sind vielschichtig.

Lesen Sie hierzu unsere ausführliche Analyse zum Meisterschaftskampf in Frankreich!

Am Ende setzte sich etwas überraschend der OSC Lille durch. Die Mannschaft von Christophe Galtier (54) lieferte im Saisonendspurt extrem konstante Leistungen auf höchstem Niveau ab. Vor allem aufgrund der starken Bilanz in den direkten Duellen und den wenigsten Niederlagen ist die Meisterschaft auch absolut verdient. Lille verlor lediglich drei Spiele. Gegen PSG, Lyon und Monaco konnten die Nordfranzosen sogar ungeschlagen bleiben und zwölf Punkte aus den sechs Spielen generieren (drei Siege, drei Unentschieden).

Ligue 1: Lille behält die Nerven

Die beiden für die Meisterschaft vorentscheidenden Spiele fanden am 31. und am 34. Spieltag statt. Am 31. Spieltag schlugen die Doggen PSG mit 1:0. Dadurch eroberte Lille Platz 1. In diesem Spiel zeigte sich die große Stärke der Mannschaft, die Defensive. PSG war über weite Strecken der Partie optisch überlegen, kam jedoch kaum zu Chancen. Lille hingegen reichte ein starker Angriff für den Sieg. Am 34. Spieltag zeigte Lille ein gänzlich anderes Gesicht: Gegen Lyon präsentierte man sich in der ersten Halbzeit sehr schwach, lag bis kurz vor der Pause mit 0:2 zurück. Burak Yilmaz (35) gab der Mannschaft mit einem Traumfreistoß in der Nachspielzeit zum Anschluss wieder Hoffnung, in der zweiten Halbzeit drehte Lille die Partie und gewann mit 3:2.

Niko Kovac und Kevin Volland (AS Monaco)

Photo: Norbert Scanella / Imago

Hinter Lille reihen sich PSG, Monaco und Lyon auf den Plätzen 2 bis 4 ein. Für Lyon ist diese Platzierung in der Ligue 1 extrem bitter, da Platz 4 in Frankreich nicht die Teilnahme an der Champions League, sondern der Europa League bedeutet. In Monaco wird man über den Ausgang des Europa-League-Finale am 26.05. wahrscheinlich noch enttäuschter sein als bei Manchester United: Hätten die Red Devils nämlich den Pokal gewonnen, hätte dies den Monegassen um Trainer Niko Kovac (49) den Weg über die Champions-League-Qualifikation erspart, die Mannschaft aus dem Fürstentum wäre als Dritter direkt für die Gruppenphase der Königsklasse qualifiziert gewesen.

Der Kampf um Europa:

Auch im Kampf um Europa-League-Platz 5 herrschte bis zum Schluss ein erbitterter Kampf. Drei Mannschaften waren daran beteiligt, Olympique Marseille setzte sich schlussendlich gegen den RC Lens und Stade Rennais durch. Die Südfranzosen haben eine mehr als turbulente Saison hinter sich. Zu Saisonbeginn sah man wie eine echte Spitzenmannschaft aus, die womöglich sogar Chancen auf die Meisterschaft haben könnte. Am 14. Spieltag gewann die Mannschaft 2:1 gegen Monaco und grüßte von der Tabellenspitze.

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In der Folge ging fast alles schief, was schief gehen kann. Aus den nächsten 14 Spielen gewann Marseille nur noch zwei, es gab internen Streit zwischen Trainer André Villas-Boas (43) und dem Präsidium. Am 02. Februar entließ man Villas-Boas und ersetzte ihn durch Jorge Sampaoli (61). Der Argentinier konnte die Mannschaft stabilisieren und in dieser insgesamt enttäuschenden Saison immerhin noch auf Platz 5 führen.

 

 

Ebenfalls enttäuscht hat Rennes. Der Vorjahresdritte und damit Champions-League-Teilnehmer konnte trotz großer Ausgaben von knapp 70 Millionen Euro nicht an die Vorsaison anknüpfen. Nach einem 1:2 am 27. Spieltag gegen OGC Nizza, wodurch die Mannschaft auf Platz neun abrutschte, musste der letztjährige Erfolgstrainer Julien Stephan (40) seinen Hut nehmen. Es übernahm Bruno Genesio (54). Unter dem ehemaligen Lyon-Trainer lief es bedeutend besser. Erst durch einen starken Schlusssprint kam man überhaupt noch in die Nähe der europäischen Plätze. Schlussendlich sprang Platz sechs und damit die Qualifikation für die European Conference League heraus.

Die einzige positive Überraschung dieses Trios war ohne Zweifel Lens. Der Aufsteiger um den ehemaligen Bielefelder Jonathan Clauss (28) spielte eine bockstarke Saison. Von Ende Januar bis Anfang Mai blieben die Nordfranzosen 13 Spiele lang ungeschlagen. Diese Serie spülte die Mannschaft von Trainer Franck Haise (50) bis auf Platz 5 nach vorne. Diesen konnte man zwar aufgrund des extrem schweren Restprogramms (PSG, Lille und Monaco waren drei der vier letzten Gegner) nicht halten. Dennoch wird man in Lens mehr als zufrieden mit der ersten Ligue-1-Saison seit 2014/15 sein.

Der Abstiegskampf in der Ligue 1:

Der erste Absteiger stand extrem früh fest. Dijon FCO muss nach fünf Jahren Ligue 1 wieder in die Zweitklassigkeit. Die Mannschaft aus Ostfrankreich konnte die Abgänge wichtiger Stammspieler wie Keeper Alfred Gomis (27) oder Innenverteidiger Nayef Aguerd (24), die es beide nach Rennes zog, nicht verkraften. Daran konnten auch die für die eigenen Verhältnisse hohen Ausgaben von 15,8 Millionen Euro nichts ändern, kaum ein Neuzugang zeigte erstligataugliche Leistungen. Am Ende erreichte die Mannschaft nur 18 Punkte.

Der zweite direkte Absteiger wehrte sich deutlich mehr. Es war bis zuletzt spannend, zwei Spieltage vor dem Ende hätte es noch sechs Mannschaften erwischen können. Der FC Nantes sowie Olympique Nimes, die lange auf den Plätzen 18 und 19 standen, punkteten zu Saisonende extrem stark. Nantes gewann vier der letzten fünf Spiele , Nimes verlor zwischendurch nur zwei von acht Spielen. Dadurch rutschten auch Mannschaften wie Girondins Bordeaux und Stade Brest noch einmal in den Abstiegskampf.

 

Erwischt hat es schlussendlich jedoch trotzdem Nimes. Die Südfranzosen konnten ihre extrem schwache Phase Mitte der Saison, als sie in 13 Spielen nur vier Punkte holen konnten, nicht mehr ausgleichen. Für Nimes geht es demnach nach drei Jahren zurück in die Zweitklassigkeit. Bereits letzte Saison deutete sich dies an, zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs stand Nimes auf dem Relegationsplatz. Auf dem Relegationsplatz landete schlussendlich doch Nantes, der Rückstand war einfach zu groß. Dazu konnte man am letzten Spieltag nicht das rettende Remis gegen Montpellier erreichen, sondern verlor mit 1:2.

Ausblick auf die neue Saison:

Corona traf die französischen Vereine nochmals härter als viele andere. Dadurch, dass die Saison 2019/20 im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in Frankreich nicht nur unterbrochen, sondern abgebrochen wurde, ging den Vereinen viel Fernsehgeld durch die Lappen. Darüber hinaus verlor die Liga durch die Insolvenz des TV-Partners Téléfoot Chaine in dieser Saison nochmals sehr viel Geld. Das tut extrem weh, da man im Bereich Fernsehvermarktung sich endlich auf einem Niveau mit der Serie A und der Bundesliga wähnte. Der ab 2020 laufende Deal sollte jährlich fast eine Milliarde Euro an die Vereine ausschütten, zuvor waren es knapp 600 Millionen Euro.

Photo: Imago

Daher werden die Mannschaften auch in diesem Sommer wieder ihre besten Spieler und Talente abgeben müssen. Die ersten Transfers sind bereits bestätigt, so geht Marseilles Superstar Florin Thauvin (28) ablösefrei nach Mexiko, da sich Marseille eine Verlängerung nicht leisten konnte, Mohamed Simakan (21) wechselt für knapp 15 Millionen Euro von Racing Straßburg zu RB Leipzig, Mike Maignan (25) von Lille zum AC Mailand. Weitere Spieler werden folgen, Boubacary Soumare (22) von Lille steht beispielsweise bei Leicester City auf dem Zettel. Um den Mannschaften mehr finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, wurde zuletzt auch eine Verkleinerung der Liga diskutiert. Dies scheint – zumindest vorerst – jedoch keine Option zu sein.

(Photo by PASCAL GUYOT/AFP via Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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