Nachspielzeit | Bayern – Der bevorstehende Wechsel von Renato Sanches bringt Fragen mit sich

Nachspielzeit

Beim FC Bayern ist Renato Sanches nie so wirklich angekommen. Nach einem enttäuschenden Jahr, in dem der Portugiese sein zweifelsohne enormes Talent nicht unter Beweis stellen konnte, ist dem Rekordmeister scheinbar schon jetzt die Geduld ausgegangen…zu früh?

 

Sanches vor Wechsel zum AC Mailand?

„Wir sind wir im Zweifelsfall sogar bereit, ihn abzugeben.“ – Spätestens bei diesem Kommentar von Karl-Heinz Rummenigge wurde klar, dass Renato Sanches (19) den FC Bayern bei einem entsprechenden Angebot nach nur einem Jahr verlassen darf. Dem mittlerweile wechselwilligen Mittelfeldspieler kommt dies auf der Suche nach Spielpraxis gerade recht.

Als der Vorstandsvorsitzende der Münchner zudem erklärte, dass der AC Mailand nicht bereit wäre, die geforderte Ablösesumme zu zahlen, standen die Vereine wohl schon längst in konkreten Verhandlungen. Die Aussage Rummenigges war nämlich höchst wahrscheinlich eine Aufforderung an die Mailänder, ihre Offerte zu verbessern!

Dies scheint nun auch zu passieren, denn die L’Équipe berichtet heute: Renato Sanches wird den FC Bayern verlassen! Demnach stehe der Portugiese vor einer Übereinkunft mit den neureichen Italienern hinsichtlich eines Vierjahresvertrags. Als Ablösesumme wirft das Sportmagazin eine Summe von ca. 40 Millionen Euro in den Raum. Ob die Franzosen hier auf die allgemein bekannten Medienberichte reagieren, oder aus eigener Quelle berichten, ist unklar. So oder so, der Abgang des Mittelfeld-Talents scheint nur eine Frage der Zeit zu sein…

Keine Geduld?

Der Bundesligist reagiert so auf die enttäuschende Entwicklung von Renato Sanches und zieht somit nach nur 12 Monaten die Reißleine. Klar, die Leistungen des Energiebündels waren zweifelsohne schwach und nicht gerade vielversprechend. Von der neuen Fußballhoffnung Portugals, dessen Stern bei der EM 2016 endgültig aufzugehen schien, ist mittlerweile keine Rede mehr.

Trotzdem, dass der FC Bayern, nur ein Jahr nachdem man eine Ablösesumme aushandelte, die im Optimalfall bis zu 80 Millionen Euro erreichen könnte, die Reißleine zieht, ist sehr überraschend.

Vor genau einem Jahr war nämlich vorhersehbar, dass ein 18-Jähriger, zum ersten Mal fernab der Heimat und gleich bei einem Top-Verein, noch etwas Zeit brauchen könnte. Dass die Leistungen darunter erstmal leiden können, ist menschlich und absolut normal. Auch das Spiel des Mittelfeldspielers offenbarte damals gerade hinsichtlich Konstanz und Reife noch deutliche Schwächen, die für sein Alter aber alles andere als ungewöhnlich waren und durch Spielpraixs korrigierbar sein sollten. Diese Faktoren waren den Verantwortlichen zum Zeitpunkt des Transfers sicherlich bewusst, sodass die Sockelablöse von 35 Millionen Euro von Anfang an als Investition zu betrachten war. Ein unmittelbarer Durchbruch in den ersten 12-24 Monaten war hoffentlich nicht die realistische Erwartung.

 

Dass die Münchner also nach nur einem Jahr, ohne regelmäßige Spielpraxis oder ohne überhaupt die Option einer Leihe zu testen, die Geduld verlieren, spricht Bände über das derzeitige Vertrauen in die Entwicklung des so verheißungsvollen Talents.

Vielleicht ist Carlo Ancelotti über den Leistungsstand seines Wunschspielers ernüchtert und sieht keine große Chance auf Besserung? Vielleicht ist Renato Sanches über das (zu diesem Zeitpunkt nicht ganz unberechtigte) mangelnde Vertrauen in sein Können enttäuscht und pocht daher auf einen Wechsel? Vielleicht sieht der Rekordmeister dies schon jetzt als letzte große Gelegenheit, ohne Verlust aus der Affaire zu kommen? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus alledem. Nur die Zukunft wird Zeigen, ob den Bayern die Geduld nicht etwas zu früh ausging…

 

Was meint ihr? Hätten die Bayern Renato Sanches noch eine Chance geben sollen?

 

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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