Nachspielzeit: „#FreeVerratti – gefangen im kleinen Paris“

Nachspielzeit

Ein Jahresgehalt von knapp 7 Millionen Euro, amtierender Meister, italienischer Nationalspieler und jährlicher Champions League Teilnehmer mit Paris Saint-Germain. Das Leben von Marco Verratti ist wahrlich nicht einfach – das könnte man meinen, wenn man den Worten von Donato Di Campli Glauben schenkt…unsere Kolumne:

 

Ein großes Ziel

Seit seinem Wechsel in die französische Hauptstadt im Jahre 2012 hat sich Marco Verratti (24) zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt entwickelt. In Paris ist der Italiener Nationalspieler geworden, hat 4 Meisterschaften & 9 nationale Pokale gewonnen und ist Dauergast im Viertelfinale der Champions League. In den ambitionierten Plänen des aktuell Tabellenzweiten der Ligue 1 spielt Verratti eine zentrale Rolle. Folglich wurde sein Vertrag im letzten August bis 2021 verlängert.

Alles im Lot – könnte man annehmen. Donato Di Campli sieht das allerdings anders und betont immer wieder , dass sein Schützling ein ganz großes Ziel habe – den Gewinn der Champions League.

So auch letzten Monat, als er mehr als deutlich machte, dass der Verein, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll, eigentlich keine große Rolle spielt!

„Unser Ziel ist immer das gleiche: die Champions League mit PSG zu gewinnen, das ist auch das Ziel des Klubs. Es geht nicht darum, Marco um jeden Preis aus dem Verein zu holen, aber er will diesen Wettbewerb gewinnen. Wenn es mit PSG nicht möglich ist, dann wird er es wo anders tun“ [L’Equipe]

Worte, die man in Paris nicht gerne hören wird, aber an die man sich gewöhnen muss…

(Photo JOSEP LAGO/AFP/Getty Images)

 

#FreeVerratti

Keinen Monat später meldet sich Di Campli erneut zu Wort, dieses Mal gegenüber der Gazzetta dello Sport. Thema wie so oft: Das „Leid“ seines Klienten und die mangelnde sportliche Perspektive bei PSG:

„Es ist eine komplizierte Situation. Er möchte Titel gewinnen und PSG kann, wie es momentan aussieht, nicht gewinnen. Er ist seit fünf Jahren in Paris und muss nun überlegen, ob er viel verdienen möchte ohne zu gewinnen oder viel verdienen möchte und dabei ein Champion werden“

Dabei stellt Di Campli den 19-fachen Nationalspieler ins Schaufenster:

„Es geht nicht um das Geld- wer auch immer ihn kaufen möchte, wird viel zahlen müssen. Denn eine Sache steht fest, wenn er PSG verlässt, dann um zu einem europäischen Top-Klub zu wechseln“.

Eine weitere Pfeilspitze in Richtung PSG konnte er sich am Ende seiner Aussage nicht verkneifen:

„Wir haben noch nicht den echten Verratti gesehen. Er ist erst 24 und spielt wohl kaum in der perfekten Umgebung“

 

Hört man Donato Di Campli reden, so erhält man den Eindruck, Marco Verratti würde bei einem Kreisklasse-Verein gefangen gehalten.

Das kleine Paris, mit dem der erst 24 Jahre alte Taktgeber in den letzten fünf Jahren „nur“ 13 Titel gewann und stets am Halbfinale der Königsklasse schnupperte, wird den hohen Anforderungen also nicht mehr gerecht. Das muss man akzeptieren…allerdings fragt man sich dabei unweigerlich:

Wenn in Paris die hoch gesteckten Ziele nicht erreicht werden können und es nicht ums Geld geht, warum hat man dann vor sieben Monaten den Vertrag langfristig und ohne Ausstiegsklausel verlängert? Und viel wichtiger: Muss man sein „Sprungbrett“ dabei öffentlich so in Frage stellen? 

 

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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