Die Right to Dream Academy und ihre Bedeutung für den afrikanischen Fußball

11. Januar 2024 | Spotlight | BY Lukas Heigl

Immer häufiger hört man inzwischen von afrikanischen Fußballern, die ihre Ausbildung in der Right to Dream Academy genossen haben. Doch was ist das für eine Akademie, wie kommen die Talente nach Europa und welche Spieler aus der Akademie sind beim diesjährigen AFCON dabei? All diese Fragen wollen wir in der Folge klären.

Die Geschichte der Right to Dream Academy

Bereits 1999 begann man in Ghana mit dem Aufbau eines Internats mit angeschlossener Fußballschule. Im Laufe der Jahre wurde dieses Internat immer weiter professionalisiert, seit 2004 arbeitete man mit US-Internaten zusammen und konnte Sportstipendien anbieten. Und auch das Angebot wurde immer weiter ausgebaut, immer mehr Standorte kamen hinzu. Und so war früh klar, dass hier etwas großes für den afrikanischen Fußball entstehen könnte. Die Akademie entwickelte sich immer mehr zu der großen Anlaufstelle für Talente in Zentralafrika, vor allem aus Ghana und Bukina Faso.



Doch es dauerte eine ganze Zeit, bis diese sich soweit entwickelt hatte, wie sie heute kennen. 2014 begann die Akademie erstmals, Talente nach Europa zu bringen. Die ersten beiden Vereine, mit denen man Partnerschaften einging, waren Manchester City sowie der irische Club Limerick FC. Wirklich funktionieren wollte das Konzept jedoch nicht, bei beiden Vereinen gelang den Talenten der Durchbruch nicht.

Nordsjaelland als Umschlagplatz für Talente

Und so suchte die Akademie einen neuen Kooperationspartner. Dieser wurde mit dem FC Nordsjaelland aus Dänemark gefunden, den die inzwischen durchaus wohlhabende Gesellschaft hinter der Akademie 2015 kurzerhand kaufte. Damals war Nordsjaelland zwar ein guter Erstligist, aber bei weitem kein Topteam der dänischen Liga. Erst 1991 gegründet stieg der Verein 2002 in die erste Liga auf und spielt seither dort. 2011/12 konnte überraschend die Meisterschaft gewonnen werden, nachdem man zuvor jahrelang im Mittelfeld der Tabelle unterwegs war.

Nordsjaelland ist die perfekte erste Station in Europa für Talente aus Afrika

(Photo by Srdjan Stevanovic/Getty Images)

Durch diese neue Möglichkeit, Talente nach Europa zu bringen, änderte sich einiges. Seit 2016 kamen insgesamt 26 Talente aus der Akademie, um von dort aus nach ganz Europa verteilt zu werden. Inzwischen ist die Right to Dream Academy in den Händen der Mansour Group aus Ägypten, die die Akademie für die stolze Summe von 120 Millionen Dollar übernahmen.

Die neuen Eigentümer treiben das Projekt nun immer weiter. Neben einem ägyptischen Fußballverein, der dem Konstrukt angebunden wurde, wird man ab 2025 auch eine Mannschaft in der Major League Soccer stellen, den San Diego FC. In Kalifornien wird zudem eine weitere Right to Dream Academy erbaut.

Einige ehemalige Talente sind beim AFCON dabei

Beim diesjährigen AFCON sind lediglich vier Spieler dabei, die in der Right to Dream Academy ausgebildet wurden. Doch diese vier Spieler könnten allesamt absolut prägende Akteure des Turniers werden. In den nächsten Jahren wird sich die Zahl der Spieler aus der Akademie beim AFCON sicherlich weiter deutlich erhöhen, die vier Spieler sind allesamt 23 Jahre oder jünger, und es kommen einige vielversprechende Talente nach.

Der größte Name und aktuell wohl der zweitbeste Spieler des Kontinents ist Mohammed Kudus (23). Der ghanaische Offensivspieler wechselte nach drei Jahren beim AFC Ajax im Sommer für 43 Millionen Euro in die Premier League zu West Ham United. Bei den Hammers ist Kudus nach ein paar Anpassungsproblemen inzwischen absoluter Stammspieler und mit sechs Tore in 16 Ligaspielen ein wichtiger Faktor für die starke Saison der Londoner. Macht er so weiter, wird ein Wechsel zu einem absoluten Topteam nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bei diesem AFCON kann er sein Land ebenfalls weit tragen.

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Beim tragen helfen wird ihm Ernest Nuamah (20). Der ähnlich wie Kudus offensiv vielseitig einsetzbare Spieler war noch bis Sommer für Nordsjaelland unterwegs. Dann wechselte Nuamah für die Rekordsumme von 25 Millionen Euro zu RWD Molenbeek nach Belgien. Dieser Wechsel war jedoch nur Schein. Grund hierfür war, dass Molenbeek und Olympique Lyon der gleichen Besitzergruppe gehören. Lyon hatte Probleme mit dem Financial Fairplay, und so wechselte Nuamah eben nach Belgien, um sofort nach Lyon weiterverliehen zu werden. Dort macht sich der Ghanaer immer besser, stand zuletzt siebenmal in Folge in der Startelf.

Ein ausführliches Porträt zu Nuamah und weiteren Talenten des AFCON findet ihr hier!

Der einzige Spieler, den Nordsjaelland beim AFCON stellt, ist hingegen Adamo Nagalo (21). Der Innenverteidiger ist absoluter Stammspieler in Dänemark, wird aber auch schon sehr intensiv mit einem Wechsel in Verbindung gebracht und wird den Verein wohl im Sommer verlassen. Beim AFCON ist Nagalo, der 2020 nach Europa kam, für Burkina Faso unterwegs und dürfte somit deutlich weniger Chancen haben als Nuamah und Kudus, sich lange im Turnier zeigen zu können. Doch durch den Turniermodus mit 24 Teams sollte zumindest das Achtelfinale drin sein.

Simon Adingra brachte sein Weg von der Right to dream Academy bis in die Premier League

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Simon Adingra (22) hingegen muss hoffen, dass seine Kollegen ihn lange genug im Turnier halten. Der Flügelspieler wird der Elfenbeinküste verletzungsbedingt zu Turnierstart nicht zur Verfügung stehen. Adingra ist jedoch so stark, dass er trotz Verletzung nominiert wurde. Der Ivorer wechselte im Sommer 2022 nach Brighton, nach einer Saison auf Leihbasis in Belgien ist Adingra – auch aufgrund von Verletzungen – schnell zum Stammspieler beim Europapokal-Anwärter geworden. Wettbewerbsübergreifend stehen in seiner ersten Saison auf höchstem Niveau bereits fünf Tore und drei Vorlagen zu Buche.

(Photo by RAUL ARBOLEDA/AFP via Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert


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