6 Talente aus der Championship, die die Topligen im Sturm erobern könnten | Teil 3

Alex Scott, das größte Talent der Championship, im Einsatz für Bristol
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Spotlight | Die Championship, also die zweite englische Liga, wurde in den letzten Jahren qualitativ immer stärker und stärker. Inzwischen ist sie wohl eine der zehn stärksten Ligen in Europa. Und auch der Talentepool wird immer größer.

Inzwischen ist dies bereits der dritte Teil unserer jährlichen Reihe, in der wir euch Talente vorstellen, von denen wir glaubten, sie würden zeitnah den Durchbruch schaffen. Im Sommer gelang von den sieben Spielern aus dem zweiten Teil immerhin dreien der Sprung in die Premier League. Brennan Johnson (21) und Djed Spence (21) stiege mit Nottingham Forest auf, Keane Lewis-Potter (21) wechselte für 19 Millionen Euro zum Brentford FC.



Während Johnson Stammspieler ist, müssen sich die beiden anderen noch an die neue Liga gewöhnen. Lewis-Potter kam im Laufe der Saison immer mehr zum Einsatz und dürfte spätestens 2023/24 Stammspieler sein. Spence hingegen merkt man an, dass der Sommerwechsel zu den Tottenham Hotspur vielleicht ein zu großer Sprung war. Der Flügelverteidiger kommt noch zu sehr wenigen Einsatzminuten.

Zu Teil 2 geht es hier entlang!

Das größte Championship-Talent: Alex Scott (19, Bristol City)

Das aktuell wohl größte Talent in Händen eines Championship-Teams ist Alex Scott (19). Der als rechter Flügelspieler ausgebildete Engländer mit nordirischen Wurzeln ist bereits unumstrittener Stammspieler in Bristol und einer der besten Spieler der Robins, für die er im April 2021 mit 17 Jahren debütiert hatte. Im Süden Englands wird Scott jedoch nicht nur auf dem Flügel eingesetzt. Im Gegenteil, diese Saison wurde der Teenager hauptsächlich im zentralen Mittelfeld aufgestellt, teils sogar im defensiven im 3-4-2-1-System.

Neben dieser Flexibilität hat Scott sowohl im Dribbling als auch im Passspiel bereits jetzt hervorragende Qualitäten. Sein niedriger Schwerpunkt sorgt dafür, dass der 1,78 Meter große Mittelfeldmann nur schwer vom Ball zu trennen ist. Entsprechend ist er bei Bristol der mit Abstand am häufigsten gefoulte Spieler. Um Scott erst gar nicht Fahrt aufnehmen zu lassen verteidigen ihn die Gegner bereits jetzt sehr eng, was wiederum Passoptionen öffnet. 1,1 Schlüsselpässe pro 90 Minuten sind ein entsprechend hervorragender Wert, genauso wie die vier Torvorlagen.

Defensiv ist Scott gerade für einen gelernten Offensivspieler extrem giftig und bissig. 2,5 gewonnene Zweikämpfe pro Spiel sind auch hier der Bestwert Bristols. Aktuell übertreibt er es mit der Aggressivität noch ab und an, wodurch auch seine Foulrate recht hoch ist. Zudem wird Scott noch zu leicht ausgedribbelt. Beides wird mit der Erfahrung aber sicherlich besser werden. Der Vertrag Scotts läuft noch bis Sommer 2025, doch ein Wechsel in die Premier League im Sommer 2023 scheint unumgänglich. Nahezu sämtliche Erstligisten sind an dem englischen U20-Nationalspieler interessiert.

Nathan Wood-Gordon (20, Swansea City)

Ein Spieler, der erst im vergangenen Sommer zu seinem aktuellen Verein gewechselt ist, ist Nathan Wood-Gordon (20). Der Innenverteidiger wurde in Middlesbrough geboren und folgerichtig auch bei Boro ausgebildet. Nach Leihen zu Crewe Alexandra (Rückrunde 2020/21) und Hibernian (Hinrunde 2021/22) ging Woods-Gordon aufgrund fehlender Perspektive (keine Minute Ligafußball in der Rückrunde 2021/22) im Sommer 2022 nach Wales zu Swansea City.

Weitere News und Berichte rund um die Premier League 

Dort blüht der englische U20-Nationalspieler seither regelrecht auf. In fast jedem Spiel steht der Innenverteidiger in der Startelf und konnte sich dabei gegen durchaus starke Konkurrenz wie etwa Joel Latibeaudiere (22, ehemals Manchester City, jamaikanischer Nationalspieler) durchsetzen. Die Stärke von Wood-Gordon ist dabei vor allem sein Spielverständnis. Dieses hilft ihm, defensiv viele Situationen durch Stellungsspiel und Antizipation zu lösen und nicht auf Grätschen und andere riskante Tacklings angewiesen zu sein.

Mit dem Ball spiegelt sich die Spielintelligenz vor allem im Passspiel wieder. 60,9 Pässe pro 90 Minuten bei einer Passquote von über 90% sind herausragende Werte. Genau wie die Tatsache, dass er fast immer eine Lösung findet die die eigene Mannschaft im Ballbesitz hält. Die Vertragssituation des Innenverteidigers gestaltet sich für interessierte Vereine als sehr günstig. Er unterschrieb vor der Saison lediglich einen Zweijahresvertrag. Will Swansea Ablöse mit ihm generieren, wird man also spätestens im Sommer ein Angebot annehmen müssen.

Dennis Cirkin (20, Sunderland FC)

Der gelernte Linksverteidiger galt vor einigen Jahren als ganz großes Talent. Damals spielte Dennis Cirkin (20) in der Jugendakademie der Tottenham Hotspur. Jeder, der sich mit dem Nachwuchs der Spurs beschäftigte hielt große Stücke auf den 1,82-Meter-Mann. Doch in den letzten Jahren kam seine Entwicklung ins Stocken. So sehr, dass sich die Spurs gegen die bei Talenten eigentlich obligatorische Leihe entschieden und Cirkin im Sommer 2021 fest an den AFC Sunderland abgaben.

Dennis Cirkin bejubelt den Aufstieg in die Championship mit dem AFC Sunderland

(Photo by Eddie Keogh/Getty Images)

Bei den Black Cats blüht der Linksfuß seither auf. In seiner ersten Saison hatte er als Stammspieler wesentlichen Anteil am Wiederaufstieg in die Championship, und auch in diesem Jahr ist Cirkin gesetzt. Jedoch nicht wie man denken könnte als Linksverteidiger, sondern zumeist als linker Innenverteidiger in einer Dreierkette. Diese Position bekleidet er derart stark, dass sich viele Spurs-Fans bereits eine Rückkehr des englischen Juniorennationalspielers wünschen. Und eine Rückkehr scheint nicht unrealistisch. Tottenham besitzt eine Rückkaufoption in Höhe von 6 Millionen Pfund, in den letzten Wochen mehren sich die Gerüchte, dass diese spätestens im Sommer gezogen werden soll.

Andrew Omobamidele (20, Norwich City)

Bereits Nationalspieler seines Heimatlandes ist Andrew Omobamidele (20). Der Innenverteidiger von Norwich City hat bereits fünf A-Nationalspiele für die Republik Irland auf dem Buckel. 2018 wechselte er mit noch nicht einmal 16 Jahren aus Irland nach Norwich, in den letzten beiden Jahren durchlief Omobamidele eine erstaunliche Entwicklung. Ende der vergangenen Saison bekam er bereits einige Einsatzminuten in der Premier League, inzwischen ist er in der Innenverteidigung der Canaries gesetzt.

Omobamidele zeichnet sich vor allem durch sein hervorragendes Aufbauspiel aus. Jeder Angriff läuft über ihn. Das sieht man auch an den Zahlen: Mit 73 Pässen pro 90 Minuten spielt er beinahe 20 mehr als der Spieler mit den zweitmeisten Pässen im Team, Ben Gibson (29, 55 Pässe pro 90 Minuten). Die Passquote ist mit 87,5% bei diesem Volumen herausragend. Dabei hilft seine gute Technik Omobamidele dabei, fast immer ballbesitzwahrende Lösungen zu finden. Nur 4% seiner Pässe sind lang.

Gegen den Ball bleibt Omobamidele recht passiv. Er lässt sich so gut wie nie ausdribbeln, nimmt dem Gegner allerdings auch selten den Ball ab, sondern wartet lieber auf die Mitspieler, um den Ball gemeinsam zu erobern. Mit seiner ganzen Spielweise erinnert der junge Ire an Virgil van Dijk (31). Ein Wechsel in die Premier League könnte allerdings noch etwas auf sich warten lassen, im Sommer verlängerte Omobamidele seinen Vertrag bis 2026. Sollte ihn doch ein Erstligist verpflichten wollen dürfte sicherlich ein Betrag zwischen 20 und 30 Millionen Euro fällig werden.

Yaser Asprilla (19, Watford FC)

Der Watford FC ist – zumindest was die eingesetzten Spieler angeht – gerade dabei, seinen Ruf als Chaos-Verein etwas hinter sich zu lassen. Die Hornets versuchen seit dieser Saison, Talenten vermehrt Spielzeit zu geben. Dazu verpflichten sie deutlich mehr junge Spieler als in den vergangenen Jahren. Im Winter kommen beispielsweise mit Ismael Koné (20, für 8 Millionen aus Montreal) und Matheus Martins (19, für 6 Millionen von Fluminense) zwei neue dazu.

Einer, der bereits in London ist, ist Yaser Asprilla (19). Der Kolumbianer wurde im Januar 2022 für 3 Millionen Euro aus seiner Heimat verpflichtet und kam im Sommer nach England. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist Asprilla inzwischen voll bei den Hornets angekommen. Der Nationalspieler stand seit dem dritten Spieltag nur einmal nicht auf dem Platz, sammelte 12 Startelfeinsätze.

Spielerisch ist er ein dynamischer Achter, der sich gerne mit nach vorne einschaltet, sowohl durch sein Passspiel (0,8 Schlüsselpässe pro 90 Minuten und 2 Vorlagen) als auch durch Dribblings (0,7 erfolgreiche Dribblings pro Partie). Gegen den Ball muss er noch lernen seinen 1,86 Meter großen Körper besser einzusetzen, aber das dürfte nach erst vier Monaten in England niemanden verwundern. Schafft er das, könnten wir ihn bereits kommende Saison mit Watford (aktuell Platz 4) in der Premier League bestaunen dürfen.

Jordan James (18, Birmingham City)

Irgendetwas scheinen sie bei Birmingham City ihren Mittelfeldtalenten ins Essen zu mischen was deren Entwicklung besonders stark vorantreibt. Nur zwei Jahre nach dem Abgang von Eigengewächs Jude Bellingham (19) drängen in dieser Saison gleich vier Spieler aus dem eigenen Nachwuschs auf dieser Position in die erste Mannschaft und beanspruchen Spielzeit: Judes jüngerer Bruder Jobe Bellingham (17), George Hall (18), Jordan James (18) und Alfie Chang (20).

Da er bisher die meiste Einsatzzeit bekommen hat und am weitesten in seiner Entwicklung zu sein scheint, haben wir uns für James entschieden. Der walisische U21-Nationalspieler ist ein sehr progressiver Mittelfeldspieler, der im Umschaltspiel seine Stärken hat. Er dribbelt gerne aus dem Zentrum nach vorne und schaltet sich ins Offensivspiel ein. Auch schnelle lange Pässe nach Ballgewinnen zählen zu seinen Qualitäten. Langfristig dürfte James auch ob seiner defensiven Schwächen ein Spieler für die offensive Acht sein.

Jordan James läuft für Birmingham City durchs Mittelfeld

(Photo by Tony Marshall/Getty Images)

Bereits im Sommer waren die Wolverhampton Wanderers an ihm interessiert, doch James verlängerte etwas überraschend nochmals seinen Vertrag bis 2025. Birmingham besitzt außerdem eine Option auf ein weiteres Jahr. Ein möglicher Transfer im kommenden Sommer dürfte also sehr kostspielig werden, ein zweistelliger Millionenbetrag dürfte mindestens fällig werden.

Honorable Mentions: Talente in der Championship

Da von Erstligisten geliehene Spieler nicht vorgestellt wurden, hier noch einige dieser Spieler, die in den nächsten Jahren sicherlich ebenfalls für Aufsehen sorgen werden:

Ian Maatsen (20, Linksverteidiger, von Chelsea an Burnley), Brooke Norton-Cuffy (18, Rechtsverteidiger, von Arsenal an Rotherham), Charlie Patino (18, zentrales Mittelfeld, von Arsenal an Blackpool), Tyler Morton (19, defensives Mittelfeld, von Liverpool an Blackburn), Taylor Harwood-Bellis (20, Innenverteidiger, von Manchester City an Burnley), Ethan Laird (20, Rechtsverteidiger, von Manchester United an QPR), Callum Doyle (19, Innenverteidiger, von Manchester City an Coventry)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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