Manchester City arbeitet weiter an der Verpflichtung von Ayyoub Bouaddi – und diesmal kommt die Bestätigung nicht aus England, sondern aus Frankreich. Davide Ancelotti, Trainer des OSC Lille, hat öffentlich eingeräumt, dass beide Klubs über einen Wechsel des 18-jährigen Mittelfeldspielers verhandeln.
Ancelotti äußerte sich nach dem Testspiel seiner Mannschaft gegen den FC Everton. Der Daily Telegraph griff die Aussagen auf, Sky Sports führte sie in seiner Presseschau als eine der zentralen Meldungen des Wochenendes. Bemerkenswert ist dabei weniger das Eingeständnis selbst als der Zusatz, den der Lille-Coach anfügte.
„Natürlich gibt es Verhandlungen“
„Natürlich gibt es Verhandlungen. Es gibt Interesse von so vielen Klubs. Er ist ein wirklich, wirklich guter Spieler – und ich hoffe, dass er bei uns bleibt“, sagte Ancelotti. Der Trainer bestätigte damit erstmals von Vereinsseite, was in England seit Wochen berichtet wird: dass City den Teenager als Verstärkung für das Zentrum ins Auge gefasst hat.
Gleichzeitig ließ Ancelotti keinen Zweifel daran, welchen Wert er dem Spieler beimisst. „Er hat eine riesige Persönlichkeit. Er ist unglaublich intelligent auf und neben dem Platz, er ist sehr reif. Er ist 18 Jahre alt, aber auf dem Feld wirkt er wie 32“, so der Italiener. Technisch sei Bouaddi „wirklich komplett“, dazu körperlich stark in den Zweikämpfen. Ancelottis Prognose: Bouaddi werde „in den nächsten zehn Jahren einer der besten Mittelfeldspieler Europas“ sein.
100 Millionen gefordert – City kalkuliert niedriger
An der Bewertung hängt auch die Verhandlung. Lille rief nach übereinstimmenden Berichten aus Frankreich zunächst eine Ablöse im Bereich von 100 Millionen Euro auf. Manchester City soll dagegen darauf setzen, ein Gesamtpaket in der Größenordnung von rund 80 Millionen Euro darstellen zu können – inklusive Bonuszahlungen, die die Differenz über die Laufzeit hinweg schließen sollen.
Auf Spielerseite ist die Lage offenbar geregelt. Bouaddi soll sich mit den Citizens bereits über die persönlichen Konditionen verständigt haben und einen Wechsel noch in diesem Sommer priorisieren. Das erhöht den Druck auf Lille, das den Spieler eigentlich halten will, einen Rekordtransfer aber kaum blockieren dürfte, wenn die Summe stimmt.
Vom jüngsten Europapokal-Debütanten zum 100-Millionen-Thema
Bouaddi, geboren am 2. Oktober 2007, kam 2021 in die Akademie des OSC Lille. Sein Pflichtspieldebüt für die Profis gab er am 5. Oktober 2023 in der Conference League gegen KI Klaksvik – mit 16 Jahren und drei Tagen war er laut Transfermarkt der jüngste Spieler, der jemals in einem europäischen Klubwettbewerb auflief. Sein Vertrag in Lille läuft nach der jüngsten Verlängerung bis zum 30. Juni 2029.
International hat sich der in Frankreich geborene Mittelfeldspieler im Mai 2026 für Marokko entschieden, das Heimatland seiner Eltern. Die lange Vertragslaufzeit ist einer der Gründe, warum Lille in den Gesprächen mit City aus einer komfortablen Position heraus verhandeln kann.
City baut das Mittelfeld um
Bei City fällt der Vorstoß in eine Phase des Umbruchs im Zentrum. Tijjani Reijnders steht laut Berichten vom Wochenende vor einem Wechsel nach Saudi-Arabien, parallel beschäftigt die Zukunft von Rodri den Klub. Sky Sports thematisierte zuletzt ausdrücklich die Frage, ob Bouaddi im Fall eines Rodri-Abgangs als Nachfolger taugen würde.
Sportlich wäre es ein typischer City-Zugriff: ein sehr junger Spieler mit bereits erheblicher Ligue-1-Erfahrung, der nicht als Soforthilfe, sondern als Baustein für mehrere Jahre eingeplant wird. Der Preis wäre allerdings ungewöhnlich hoch für ein Profil dieses Alters.
Eine Einigung zwischen den Klubs gibt es Stand jetzt nicht. Das englische Transferfenster schließt Anfang September – bis dahin bleibt beiden Seiten Zeit, die Lücke zwischen Forderung und Angebot zu schließen. Ancelotti dürfte hoffen, dass sie bestehen bleibt.

