Arsenal und die Super League: Fans werden mal wieder für dumm verkauft

Arsenal-Fans protestieren gegen die Super League und die Kroenke-Familie
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Josh Kroenke, Direktor des FC Arsenal und Mitglied der Familie, die als Besitzer der Gunners fungiert, äußerte sich in einem Interview zur vorerst gescheiterten Super League. Was er als Einsicht verkauft, kann dennoch als dreist wahrgenommen werden. Ein Kommentar.

Arsenal: Josh Kroenke spricht über die Super League

In einem Interview mit Sky Sports hat sich Arsenal-Direktor Josh Kroenke zum versuchten Beitritt der Gunners zur Super League geäußert. Vor wenigen Monaten versuchten sich einige Klubs an einer Revolution des europäischen Fußballs, scheiterten vorerst jedoch nur nach wenigen Tagen. Bei allen Klubs gab es große Proteste der Fans. Laut Kroenke sei dies der Tiefpunkt zwischen den Besitzern des Londoner Klubs und dessen Fans gewesen.

„Aber als Person, die immer versucht, positive Aspekte in solchen Situationen zu finden, kann man auch festhalten, dass es nur aufwärts gehen kann, wenn man einmal ganz unten angekommen ist“, erklärte er. Bei einem Treffen mit Fanvertretern teilte er diesen mit, dass sich die Vereinsführung nicht über diese 48 Stunden, in denen Arsenal öffentlich zum Beitritt zur Super League bereit war, definieren lassen will. „Uns wurde eine Möglichkeit präsentiert und wir haben uns die folgende Frage gestellt: „Was ist schlimmer: Eine Super League mit oder eine ohne Arsenal?“, erläuterte Kroenke die Entscheidung.

Nach großen Protesten entschied sich Arsenal schnell um und entschuldigte sich. Nun wolle Kroenke „nach vorne gucken“. Es sei doch aufregend, dass sich Fans und Vereinsführung so gut ausgetauscht hätten.

Steht zu euren Fehlern

Dass die Kroenkes bei den Gunners dermaßen unbeliebt sind, kann man – allerspätestens auch jetzt – als Außenstehender sehr gut nachvollziehen. Hier wird ein panisches Zurückrudern nach einer der wohl weitreichendsten Entscheidungen der Klubgeschichte als positiver Austausch zwischen Fans und Verein dargestellt.

Hätte der Klub sich vor der Entscheidung an die Fans gewandt und diese mitbestimmen lassen, wäre dies ein positiver Austausch gewesen, aber so wurde letztendlich nur ersichtlich, wie schlecht die Besitzer ihren eigenen Klub kennen. Lieber sprach man sich im Hinterzimmer mit Florentino Perez, Andrea Agnelli und Co. ab. Zumindest stehen die Präsidenten von Real Madrid und Juventus zu ihren Überzeugungen, während Kroenke nun auf kommunikative Anbiederungstour zu sein scheint.

Der Kroenke-Familie und den restlichen Besitzer anderer Klubs, die nach dem vorläufigen Ende der Super League Bedauern vorspielten, wäre es natürlich deutlich lieber gewesen, wenn die eigenen Fans diese Entscheidung einfach hingenommen hätten. Insbesondere für Arsenal, das seit Jahren die Spitzengruppe der Premier League nur mit einem Fernglas beobachten kann, wäre dies ein sehr einfacher und lukrativer Weg zurück in Europas Elite gewesen.

Josh Kroenke beweist mit diesem Interview lediglich, dass er Arsenal und den europäischen Fußball nicht verstanden hat. Vielleicht mag es als US-Amerikaner auch schwierig zu verstehen sein, wo die Fans, insbesondere in England, ihre Grenzen ziehen. Während die Super League von vielen als großes Verbrechen am Vereinsfußball betrachtet wird, werden Deals mit Staaten, die Menschenrechte mit Füßen treten, von den eigenen Anhängern noch gefeiert (siehe u. a. Newcastle United).

Arsenal-Fans protestieren gegen die Super League und Kroenke-Familie

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Es ist viel Geld im Spiel. Vielleicht schon längst zu viel. Aber, wenn sich Besitzer schon dafür entscheiden, die Route zu wählen, die noch mehr Geld einbringt, aber den Verein auch entwurzelt, sollen sie auch dazu stehen. Kroenke hat aus den Fehlern nicht gelernt und will die eigenen Fans weiter für dumm verkaufen. Er hat bewiesen, dass er den Klub und den Sport nicht versteht. Dies nun als Erfolg zu verkaufen, weil danach ein kommunikativer Austausch mit Fans stattfand, ist beinahe unglaublich. Die Vereinsführung kann sehr wohl über diese 48 Stunden im April definiert werden. Denn da zeigte sie ihr wahres Gesicht.

Es ist wieder einer dieser Tage, an denen ich froh bin, mit der Bundesliga verwurzelt zu sein, auch wenn diese ihre eigenen Probleme hat. Diese erscheinen im Vergleich zu England jedoch schon als relativ angenehm.

(Photo by Justin Setterfield/Getty Images)

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

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