Brighton & Hove Albion: So funktioniert das neuartige 1-8-1-System

Brighton jubelt
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In den letzten Wochen der Saison schickte sich eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Tabelle an, sämtliche Europapokal-Aspiranten zu schlagen. Die Mannschaft war Brighton & Hove Albion, die am Ende auf Platz 9 landeten. Die Siege waren vor allem dank einer neuartigen Taktik möglich.

Starke Ergebnisse für Brighton seit der Systemumstellung

2:1 gegen Arsenal, 1:0 gegen Tottenham, 3:0 gegen Wolverhampton, 4:0 gegen Manchester United und 3:1 gegen West Ham. Die letzten Saisonwochen verliefen für die Seagulls wie ein Traum. Noch verwunderlicher waren die Ergebnisse wenn man bedenkt, dass die Mannschaft aus dem Süden Englands zuvor sieben Spiele in Folge nicht gewinnen konnte. Sechs dieser sieben Spiele gingen gar verloren, nur gegen den Tabellenletzten Norwich gab es einen Punkt.



Der Grund für diesen Extrem-Umschwung was die Ergebnisse und auch die Leistungen angeht ist eine neue Taktik, das 1-8-1-System. Dieses neue System hat Trainer Graham Potter (47) seit Ende Januar einstudieren lassen, die Mannschaft war jedoch erst im März bereit dazu, es auch in den Spielen zu nutzen. Daran sieht man bereits, wie komplex das ganze ist. Eingesetzt wird das neue System zudem nur im Spiel mit dem Ball. Gegen den Ball agiert man in einem klassischen 5-4-1.

Nur zwei Spieler haben eine feste Rolle

Mit dem Ball ist die Grundtaktik ein 3-4-2-1. Kapitän Lewis Dunk (30) agiert in diesem System als zentraler Teil der Dreierabwehrkette und ist dafür zuständig, als letzter Mann die Gegenangriffe abzuwehren. Dafür ist es auch durchaus in Ordnung, die Bälle auf die Tribüne zu schlagen. Wichtig ist, den Mitspielern genug Zeit zu geben, in ihre Positionen zurückzukommen. Der einzige Spieler neben Dunk, der eine feste Rolle hat, ist der Mittelstürmer.

Welbeck und Dunk jubeln für Brighton

(Photo by OLI SCARFF/AFP via Getty Images)

Im Saisonendspurt war dies oft Danny Welbeck (31), der durch seine Größe bei gleichzeitiger technischer Qualität als wichtige Relaisstation dient, wenn man sich nicht ins letzte Drittel kombinieren kann. Zur Not kann auch Neal Maupay (25) diese Rolle ausfüllen, auch wenn der Franzose mit seinen 1,73 Metern nicht ganz so geeignet ist wie Welbeck. Abgesehen von diesen beiden Positionen gibt es keine festen Positionen.

Aufteilung zwischen den Spielfeldhälften

Die übrigen acht Spieler sind nicht in Abwehrspieler, Mittelfeldspieler und Stürmer aufgeteilt. Vielmehr besteht die Aufteilung darin, dass vier Spieler für die linke Spielfeldhälfte zuständig sind und vier Spieler für die rechte Hälfte. Das ganze funktioniert deshalb so gut, weil die eingesetzten Spieler sehr variabel und spielintelligent sind. Die beiden nominellen Innenverteidiger Marc Cucurella (23, links) und Joel Veltman (30, rechts) sind gelernte Außenverteidiger und haben in der Vergangenheit auch schon als Flügelverteidiger agiert.

Die Flügelverteidiger Solly March (27, rechts) und Leandro Trossard (27, links) sind normalerweise offensiver unterwegs, wurden jedoch von Potter umgeschult. Im zentralen Mittelfeld agierten Yves Bissouma (25, rechts) und Shootingstar Moises Caicedo (20, links). Die beiden Halbstürmer-Positionen besetzen Pascal Groß (30, rechts) und Alexis Mac Allister (23, links). Beide sind sehr flexibel einsetzbar und haben in den letzten beiden Saisons sämtliche Positionen im Mittelfeld eingenommen.

Das System ist extrem fluide, die vier Spieler auf den beiden Spielfeldhälften rotieren oft. Wer in den verschiedenen Offensivsituationen auf welcher Position steht ist zweitrangig, wichtig ist nur, dass alle Positionen besetzt sind. So kommt es regelmäßig vor, dass vor allem auf der linken Seite Cucurella als eigentlicher Innenverteidiger eher der Halbstürmer ist, während Mac Allister auf der Außenverteidigerposition zu finden ist, Trossard im zentralen Mittelfeld steht und Caicedo das ganze absichert.

Überraschte Gegner als Folge

Folgerichtig merkt man in den Spielen immer wieder, wie überrascht die gegnerischen Spieler sind, dass Brighton-Akteure auf einer Position auftauchen, auf die sie eigentlich nicht gehören. Entsprechend fällt es den Seagulls leichter, ins letzte Drittel zu gelangen, weil man entweder Überzahl in Ballnähe schaffen kann oder durch die Läufe Gegenspieler aus ihrer Position gezogen werden und so viel Raum entsteht für die nachrückenden Spieler.

Lest auch unsere Analyse zur Entwicklung von Brighton

Mehrere Tore in den vorgenannten Spielen fielen durch diese Verwirrung. Beim zweiten Treffer gegen Arsenal rückte Trossard zunächst in den Angriff vor, Cucurella übernahm die Außenverteidigerposition, Caicedo stand im Mittelfeld und Mac Allister sicherte das ganze ab. Im Laufe der Angriffsaktion rotierten bis auf Mac Allister alle Spieler eine Position weiter. Caicedo zog in den Strafraum, Trossard ließ sich nach außen fallen und Cucurella schon ins Mittelfeldzentrum. Entsprechend war Caicedo bei seinem Lauf weitestgehend alleine und konnte das Tor von Mwepu vorbereiten.

Gegen Manchester United und West Ham lief es ähnlich, dort waren die Nutznießer Cucurella beim 2:0 gegen United, Groß beim 3:0 sowie Veltman beim 1:1 gegen die Hammers. Verliert man den Ball, rennen die Spieler schnell, aber auch stark koordiniert auf ihre Ursprungspositionen zurück. Sieht ein Spieler, dass der eigentliche Innenverteidiger noch Zeit braucht, um wieder auf seine Position zurückzukehren, übernimmt er auch defensiv die Position und kehrt erst dann auf seine Stammposition zurück, wenn die Dreierkette aufgefüllt ist.

Auch im nächsten Jahr umsetzbar?

Das funktioniert natürlich nur, wenn alle ganz genau aufeinander abgestimmt sind und wissen, wann sie welchen Raum zu bespielen haben. Daher dürfte das System auch sehr schwer zu kopieren sein. Spannend wird außerdem zu sehen sein, ob Brighton nach den wahrscheinlichen Abgängen von Cucurella (zu Manchester City), Bissouma (mehrere Interessenten, u.a. Arsenal, Monaco, AS Rom) und Welbeck (Vertrag läuft aus) weiterhin dieses System spielen kann. Vor allem Cucurella ist durch seine Vielseitigkeit essentiell.

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Innenverteidiger Adam Webster (27) hat seine Stärken zwar auch mit dem Ball am Fuß, ob er jedoch vor allem in der Rückwärtsbewegung dieselbe Leistung bringen kann wie der Spanier ist fraglich. Daher könnte hier ein Neuzugang die Lösung sein. Axel Tuanzebe (24) von Manchester United etwa wird immer wieder genannt. Welbeck könnte durch Deniz Undav (25) ersetzt werden. Der Stürmer wurde im Januar für acht Millionen verpflichtet, verbrachte die Rückrunde jedoch noch in Belgien bei Royale Union Saint Gilloise, für die er 39 Scorerpunkte in ebensovielen Spielen zustande brachte. Bissouma hingegen dürfte durch Enock Mwepu (24) oder Steven Alzate (23) relativ leicht intern zu ersetzen sein.

(Photo by Bryn Lennon/Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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