Brighton | Yves Bissouma – Der beste Sechser der Premier League?

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Spotlight | Brighton ist hervorragend in die neue Saison gestartet. Ein Hauptgrund hierfür ist Yves Bissouma. Der defensive Mittelfeldspieler war bereits letzte Saison der herausragende Mann der Seagulls, in diesem Jahr hat er sein Niveau nochmals verbessert.

  • Yves Bissouma kam erst mit 19 Jahren nach Europa
  • Entwicklung in Lille und Brighton sehr rasant
  • Vertrag bis 2023 mach Wechsel kommenden Sommer wahrscheinlich

Yves Bissouma verließ früh die Heimat

Yves Bissoumas (25) Weg in Richtung Profifußball begann in seiner Heimat Mali. Mit 13 Jahren musste er seine Eltern verlassen, um in Bamako, der Hauptstadt Malis, mit den besten Talenten des Landes in der JMG Akademie trainieren zu können. Es war keine leichte Zeit für ihn, wie Bissouma immer wieder in Interviews betont: „In dem Alter seine Eltern zu verlassen ist nicht leicht. Aber mein Traum war es immer, Fußballer zu werden, also musste ich diesen Schritt gehen.“

 

Und es zahlte sich aus. Insgesamt sechs Jahre verbrachte Bissouma in Bamako, 2015 wechselte er zum AS Real Bamako, einem der größten Vereine des Landes. Hier schließlich wurde der OSC Lille auf den Mittelfeldspieler aufmerksam. Im März 2016 holten die Franzosen Bissouma nach Europa. Eine Spielberechtigung bekam er aufgrund des geschlossenen Transferfensters in der Saison 2015/16 zwar nicht mehr, doch Lille war es wichtig, dass Bissouma sich vier Monate an sein neues Leben in Frankreich gewöhnen konnte.

Die Eingewöhnung verlief so gut und Bissouma zeigte derart starke Trainingsleistungen, dass er bereits im Sommer 2016 in die erste Mannschaft aufrückte. Ursprünglich war geplant, dass er in der ersten Saison in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammeln sollte. Zwei Jahre blieb der Malier in Lille und absolvierte dabei 47 Ligaspiele. Im Sommer 2018 wechselte Bissouma schließlich für 16,9 Millionen Euro nach Brighton.

Schwierige erste zwei Jahre in England

Zu Beginn seiner Zeit in England hatte Bissouma große Schwierigkeiten, sich in der Mannschaft zurecht zu finden. Unter Ex-Coach Chris Hughton (62) spielte er zwar insgesamt sogar mehr als in der Vorsaison in Lille, doch war Bissouma auf der Doppelsechs im 4-2-3-1 nur die dritte Wahl hinter Davy Pröpper (30) und Dale Stephens (32). Nach dem Trainerwechsel hin zu Graham Potter (46) im Sommer 2019 setzte den Malier zunächst eine Schulterverletzung außer Gefecht, wodurch er große Teile der Vorbereitung sowie die ersten vier Spiele der Saison 2019/20 verpasste.

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Es dauerte bis zum 14. Spieltag, ehe Bissouma erstmals von Anfang an auf dem Platz stand. Auch danach pendelte er zwischen Bank und Startelf hin und her, kam mehrfach sogar überhaupt nicht zum Einsatz. Erst im Februar 2020 konnte er sich endgültig durchsetzen und wurde zum Stammspieler. Nach dem Restart kam ihm hierbei vor allem entgegen, dass mit Tariq Lamptey (20) neben ihm nun ein Rechtsverteidiger agierte, mit dem sich Bissouma perfekt ergänzte. Lamptey schaltete sich immer wieder offensiv ein, Bissouma sicherte ab.

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Seither ist der zentrale Mittelfeldspieler nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. In der vergangenen Saison verpasste er lediglich zwei Spiele, beide gesperrt. Alle anderen Spiele absolvierte er von Beginn an. In der noch jungen Saison verpasste er noch keine einzige Spielminute.

Bissouma: Der perfekte Sechser?

Nun aber zum Entscheidenden: Was für ein Spieler ist Bissouma? Was sind seine Stärken und Schwächen? Zunächst muss man sagen, dass er perfekt nach Brighton passt. Die Seagulls wollen Fußball spielen, pressen stark und gewinnen die Bälle in der Regel sehr hoch. Ihre 56,7% Ballbesitz übertreffen nur vier Mannschaften, mit 82,7% Passquote steht die Mannschaft in dieser Statistik immerhin auf Rang acht.

Bissouma ist gegen den Ball vor allem für die Absicherung im Mittelfeld zuständig. Er hat sich zu einem Spieler entwickelt, der nahezu unüberwindbar ist. Mit 4,19 gewonnenen Zweikämpfen pro Spiel und genauso vielen abgefangenen Pässen führt er die Liga in diesen Statistiken an. Starke 8,72 Spielzüge der eigenen Mannschaft beginnen mit ihm.

Photo: Gareth Fuller / Imago

Mit dem Ball wird Bissouma auch immer stärker. Schwächen hat er hierbei vor allem noch im Passspiel, während er sich in der Regel exzellent mit Dribblings aus schwierigen Situationen befreien kann. Diese Stärke sieht man vor allem nach Ballgewinnen. Er versucht nicht den schnellen Pass, sondern erdribbelt sich Freiraum und spielt erst dann den sicheren Pass. Mit zwei Dribblings pro 90 Minuten steht er ligaweit auf Platz elf, lediglich Declan Rice (22) hat von den zentralen Mittelfeldspielern einen höheren Wert. Nur 2,3 lange Pässe sprechen ebenfalls eine klare Sprache.

Dass das Passspiel seine größte Schwäche sein soll sieht man auf den ersten Blick nicht, 87,4% Passquote sehen mehr als ordentlich aus. Der Grund für diese hohe Quote ist, dass Bissouma nahezu ausschließlich Sicherheitspässe spielt. Kaum ein Ball ist nach vorne gerichtet, in der gegnerischen Hälfte ist er im Kombinationsspiel kaum noch zu gebrauchen. In dieser Saison steht er nach fünf Spielen bei einem (!) Pass in den gegnerischen Strafraum.

Auch torgefährlich ist Bissouma nicht wirklich. Seit er in Brighton ist, hat er wettbewerbsübergreifend lediglich vier Treffer erzielt. Sieht man genauer hin, leitet sich hier jedoch auch eine Stärke ab. Diese vier Tore machte Bissouma nämlich allesamt aus der Distanz. Im Bereich um 25 Meter vor dem gegnerischen Tor ist sein Abschluss durchaus eine Waffe und für Gegner zu respektieren.

Vertragssituation sorgt für Spekulationen

Zu lange dürften sich die Fans der Seagulls also nicht mehr an der Anwesenheit des Maliers in der eigenen Mannschaft erfreuen. Denn auch wenn es bisher gut läuft, wird Bissouma sicherlich bald den nächsten Schritt gehen wollen. Bereits letzten Sommer gab es Gerüchte bzgl. eines Wechsels, Arsenal FC und der Liverpool FC wurden immer wieder genannt, aber auch Manchester City.

Brighton-Trainer Graham Potter und Yves Bissouma

Photo: Kieran Cleeves / Imago

Sollte Bissouma bis dahin seinen Vertrag nicht verlängern, wovon aktuell nicht auszugehen ist, dürften die Wechselgerüchte spätestens zur Rückrunde wieder lauter werden. Denn sein Vertrag läuft 2023 aus, will Brighton noch eine Ablöse generieren, muss man im kommenden Sommer verkaufen. An Interessenten wird es nicht mangeln, sodass Brighton mit etwas Glück trotz der kurzen Vertragsdauer immerhin noch eine marktgerechte Ablöse für den Mittelfeldmann bekommen dürfte. Wo auch immer er landet, er wird auch dort seine Qualitäten einbringen und jeder Mannschaft der Welt helfen.

Ein weiterer Grund, warum er für jedes Topteam interessant sein dürfte ist die Tatsache, dass Bissouma seit Oktober 2018 nicht mehr für die Nationalmannschaft Malis aufläuft. Bis dahin sammelte er 18 Einsätze, seit seinem Wechsel nach England will sich der Mittelfeldspieler jedoch voll auf den Vereinsfußball konzentrieren. Potentielle Interessenten dürfte dies sehr freuen, dass Bissouma nicht mehrmals während der Saison nach Afrika reist.

Photo: David Blunsden / Imago

Stats: theanalyst.com; whoscored.com

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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