Premier League: Klimaschützer Klopp, Haalands Jagd und Wachablösung in den Top-Four?

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5 Awards zum 11. Spieltag der Premier League: Jürgen Klopp und Liverpool geben sich als Klimaschützer. Erling Haaland ist auf Rekordjagd und ein vorhersehbares Ergebnis beim Topspiel zwischen Chelsea und Manchester United. 

Sie sind wieder zurück! Naja, fast. Denn fortan verteilt 90PLUS wieder Awards zum abgeschlossenen Spieltag der Premier League. Fünf statt bisher sieben Awards und damit kurz und kompakt das Wichtigste zum Fußball-Wochenende auf der Insel.



„Natürlich Unentschieden“-Award: Chelsea gegen Manchester United

Das Topspiel des 11. Spieltags der Premier League zwischen dem FC Chelsea und Manchester United endete nach einer wilden Schlussphase 1:1-Unentschieden. Natürlich Unentschieden. Laut Statistikdienst Opta gab es in der Geschichte der Premier League keine Spielpaarung, die öfter mit einer Punkteteilung endete (26). Alleine die letzten fünf Duelle zwischen den Blues und den Red Devils endeten Remis.

Ganz so ausgeglichen war das Spiel an diesem Samstag zunächst allerdings nicht. Das späte 1:0 für Chelsea nach einem Elfmeter (87.) wäre nämlich ein schmeichelhafter Endstand gewesen. Denn die Londoner strahlten erneut zu wenig Torgefahr aus, während Manchester United unter Erik ten Hag die nächste vielversprechende Vorstellung bot.

Ohne Cristiano Ronaldo, der zurecht aus dem Kader gestrichen wurde, dominierte United die erste Hälfte und kreierte deutlich mehr Chancen (1.71 zu 0,68 expected Goals bestätigen den Eindruck). Der zweite Durchgang war ausgeglichener, der Last-Minute-Ausgleich durch Casemiro folgerichtig und in der Gesamtbetrachtung vielleicht sogar etwas zu wenig für die Gäste.

 

„Klimaschützer“ – Award: FC Liverpool

Nur acht Tage nach dem Heimsieg gegen Manchester City, verlor der FC Liverpool auswärts mit 0:1 gegen Nottingham Forest. Das war nicht nur die Punchline eines gelungen Tweets, bei dem Jürgen Klopp als Klimaaktivist bezeichnet wurde. Immerhin hatte er City (also die Stadt) „zerstört“ und Abstiegskandidat Forest (also dem Wald) „beschützt“. Es war auch sinnbildlich für Formschwankungen seiner Mannschaft in der Saison.

Nur eine Woche, nachdem die Reds einen überzeugende „Vintage Liverpool“-Auftritt gegen den zuvor ungeschlagenen Meister hinlegten, verfielen sie am Samstag wieder in neue, alte Muster. Diese heißen 2022/2023 in der Premier League: Verletzungsprobleme, individuelle Formschwankungen und Lethargie statt Intensität. So auch bei Schlusslicht Nottingham Forest.

Thiago, der kurzfristig aufgrund einer Ohrenentzündung ausfiel, war nicht zu ersetzen. Jordan Henderson wurde trotzdem geschont, Curtis Jones und Harvey Elliott waren im Mittelfeld überfordert und Mohamed Salah im Angriff isoliert. Die Reds, sinnbildlich komplett in weiß gekleidet, agierten ohne ihre typische Intensität, Durchschlagskraft und Homogenität.

 

„Auf Rekordjagd“ – Award: Erling Haaland

Erst 15 Spiele hat Erling Haaland für seinen neuen Arbeitgeber absolviert und doch könnte man jede Woche eine Bestmarke auflisten, die er für Manchester City oder in der gesamten Premier League aufgestellt hat. Nach dem 3:1-Heimsieg über Brighton & Hove Albion steht die Ausbeute der norwegischen Naturgewalt bereits bei 22 Pflichtspieltoren.

Allmählich rückt die ultimative Bestmarke ins Visier: die beste Premier-League-Saison aller Zeiten. Haaland hat nach elf Spielen 17 Saisontore geschossen. Der Rekord für die meisten Treffer in einer Spielzeit beträgt 34, geteilt von Andy Cole (1993/1994) und Alan Shearer (1994/1995). Damals hatte eine Saison allerdings 42 Spiele. Übertragen auf das aktuelle 38-Spiele-Format wären das 30,7 Treffer.

So funktionieren die Rekordbücher allerdings nicht. Und in Anbetracht von Haalands Quote – 1,54 Tore pro Spiel, was 58 Tore bedeuten würde – scheinen die 34 Treffer mehr als realistisch zu sein. Doch warum hier aufhören? Der Erstligarekord des englischen Fußballs – die Premier League gibt es erst seit 1992 – steht bei 60 Toren in einer Saison, aufgestellt von Dixie Dean. Dafür müsste sogar Haaland sich etwas verbessern, auf eine Quote von 1,59 in den verbleibenden 27 Partien. Will jemand gegen ihn wetten?

Premier League: Erling Haaland feiert einen Treffer beim Heimsieg über Brighton

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

 

„Wachablösung?“-Award: Newcastle United

Es ist nur eine Woche her, dass wir uns an dieser Stelle fragten, wie gut Tottenham trotz des besten Starts der Vereinsgeschichte wirklich ist. Sicher, die Spurs hatten 23 Punkte aus zehn Spielen gesammelt. So richtig überzeugend, geschweige denn nachhaltig schien das übereffiziente Spiel der Spurs in diesem Zeitraum allerdings nicht. Ist es auch nicht, wie die zwei Niederlagen seitdem zeigten.

Beim 0:2 gegen Manchester United war der Auftritt besonders ernüchternd, das 1:2 gegen Newcastle am Sonntag war nicht ganz so schlimm, aber womöglich aussagekräftiger. Wieso? Weil das sportliche Kollektiv von Newcastle 2022/2023 überzeugender auftritt als die Spurs, die zugegebenermaßen auf einige Schlüsselspieler verzichten müssen.

So fragwürdig die Entstehung dieser Mannschaft aufgrund des Besitzerwechsels auch ist, die Mannschaft von Eddie Howe ist hervorragend organisiert, mit und ohne den Ball, kann daher reagieren, aber dank seiner spielstarken Individuen wie Miguel Almirón oder Bruno Guimarães ebenso agieren. Alles wirkt ein Tick positiver, durchdachter und entschlossener als bei Tottenham. Dass Newcastle nun auf Platz vier gesprungen ist und nur noch zwei Punkte Rückstand auf die Spurs hat, ist kein Zufall. Womöglich nur der Anfang. Für Tottenham wird es ohne gewaltige Besserung eng. Denn auch Chelsea und Manchester United sind in Schlagdistanz.

 

„FIFA“-Award: Wolverhampton Wanderers

61 Prozent Ballbesitz, 21:5 Schüsse und trotzdem 0:4 verloren. Die Heimpleite der Wolverhampton Wanderers gegen Leicester City war die Art Spiel, die auf der Konsole bereits dem ein oder andere Controller das Leben kostete.

Bei den Wolves kostete das anhaltende Unvermögen, Chancen in Tore umzuwandeln bereits den Job von Trainer Bruno Lage. Unter Interimstrainer Steve Davis hat sich dahingehend nichts verändert. Erst fünf Tore hat das Team 2022/2023 in der Premier League erzielt, und damit fast sieben weniger als gemäß xG zu erwarten gewesen wäre.

Das Problem liegt auf der Hand, der 34-jährige Diego Costa ist in Abwesenheit der verletzten Raúl Jiménez und Sasa Kalajdzic derzeit die einzige echte Option im Sturm. Darüber hinaus haben die Probleme im Angriff offenbar auch Auswirkungen in der Hintermannschaft. Die Defensive weiß, dass die eigene Mannschaft nicht viele Tore schießen wird. Das führt zu einem erhöhten Druck und größerem Fehlerpotential. Gegen Leicester kam all dies zusammen.

(Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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