Premier League: Liverpools Inspiration, reife Gunners und Haalands Robin

Harvey Elliott und Fabio Carvalho feiern den Comeback-Sieg des FC Liverpool gegen Newcastle in der Premier League.
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Premier League | Der FC Liverpool kann sich bei der Jugend bedanken, der FC Arsenal ist bereit für Größeres und Erling Haaland hat bei Manchester City einen „Robin“. Das und mehr haben wir am fünften Spieltag gelernt. 

Liverpool: Jugend übernimmt Verantwortung

Nach dem Schlusspfiff ballte Jürgen Klopp die Faust und verpasste der Luft nicht einen, nicht zwei, sondern acht Schläge vor der Fankruve der Anfield Road. Es war „nur“ ein 2:1-Sieg über Newcastle United und das am 5. Spieltag. Und doch war die Erleichterung beim FC Liverpool spürbar. Hätte Fabio Carvalho nicht in der achten Minute der Nachspielzeit den Ball unter die Latte gehämmert, es wäre bereits der vierte Punktverlust im fünften Spiel gewesen. Der Rückstand auf die Tabellenspitze (Arsenal) hätte zehn, der auf Vorjahresmeister Manchester City acht Zähler betragen.



Wer nämlich dachte, dass die 9:0-Demontage Bournemouths für den FC Liverpool der Befreiungsschlag war, der irrte sich. Die Reds taten sich auch gegen die Magpies schwer, die starbesetzte Offensivmaschinerie zum Laufen zu bekommen. Dass es nach Alexander Isaks – äußerst sehenswertem – 0:1 doch noch zu drei Punkten genügte, lag an diesem Mittwoch folglich auch nicht an den etablierten Unterschiedsspielern. Es waren zwei junge Spiele, die diese Mannschaft trugen und Verantwortung übernahmen: der 19-jährige Harvey Elliot im Mittelfeld und der 20-jährige Fabio Carvalho im Angriff.

Während Neuzugang Carvalho (Fulham) das nächste Ausrufezeichen als Einwechselspieler lieferte und für sein Siegtor die Schlagzeilen erntete, war Elliott für Klopp „der beste Spieler auf dem Platz“. Ständig war der Engländer in Bewegung, forderte immer wieder den Ball und hielt den Druck auf Newcastle durch seine Impulse aufrecht.

Sollte der FC Liverpool in dieser Saison noch zu alter Stärke finden und um den Titel kämpfen, wird dieses Spiel gegen Newcastle United bei der Nachbetrachtung eine zentrale Rolle spielen. Weil die Reds in der Spur blieben und womöglich, weil es zwei Youngster waren, die der strauchelnden ersten Garde mit Energie und Courage neues Leben einhauchten.

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Der FC Arsenal ist reif für die Top-Four

Seit Mikel Arteta den FC Arsenal im Winter 2019 übernahm, wurde immer wieder über einen „Prozess“ gesprochen. Oft ging es um den Kader und die Spielphilosophie. Nicht weniger wichtig war und ist jedoch der mentale Prozess.

Denn der Kaderumbruch scheint zwar erst diesen Sommer mit abgeschlossen. Dass die Gunners letzte Saison Platz vier verpassten, lag allerdings nicht nur an einem fehlenden Stürmer (Gabriel Jesus) oder mangelnder Tiefe. Es lag auch an Leistungsschwankungen, Aussetzern und unentwickelter Widerstandsfähigkeit: kein Team holte weniger Punkte nach Rückstand (vier).

Nach fünf Spieltagen der neuen Spielzeit hat sich die Spielphilosophie festigt. Gegner wird schonungslos gepresst, der Ball gleitet mühelos und zielstrebig über den Rasen. Der größte Unterschied ist jedoch in den Köpfen: Die Gunners strotzen nur so vor Charakter und Resilienz.

Sowohl gegen Fulham (Gabriel ließ sich den Ball zum 0:1 abluchsen) als auch gegen Aston Villa am Mittwoch (Aaron Ramsdale sah beim 1:1 unglücklich aus) hätten individuelle Fehler beinahe dominante Vorstellungen zunichte gemacht. Beide Male aber zeigte Arsenal prompt die Reaktion. Gegen Fulham wurde aus einem 0:1 ein 2:1 und Pechvogel Gabriel in der Nachspielzeit der Held. Gegen Aston Villa erzielte Gabriel Martinelli nur 151 Sekunden nach dem Ausgleich das 2:1.

Rückschläge werden zwar nicht zu verhindern sein. Dafür sind die Gunners weiterhin zu jung. Mittlerweile aber wissen sie damit umzugehen. Nach sieben Jahren Abwesenheit scheint der einstige Dauergast der Top-Four bereit für eine Rückkehr zu sein.

Die Spieler des FC Arsenal feiern den fünften Sieg im fünften Premier-League-Spiel

(Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

Manchester City: Erling Haalands Robin

Wir werden nicht müde zu betonen, wie absurd es war, daran zu zweifeln, dass Erling Haaland auch in der Premier League ein voller Erfolg werden würde. Auch am Mittwoch glänzte Norweger, der wie kein Zweiter Wucht und Eleganz vereint, erzielte beim 6:0-Erfolg über Nottingham Forest drei Tore in der ersten Halbzeit.

Allerdings können wir nicht jeden Spieltag darüber reden, wie toll Erling Haaland ist (er ist toll). Also haben wir uns bei Manchester City einen anderen Stürmer ausgesucht, der sich in Haalands Schatten klammheimlich prächtig entwickelt: Julián Álvarez, der im Winter für 17 Millionen Euro von River Plate verpflichtet wurde und im Sommer zur Mannschaft stieß.

Am Mittwoch erzielte der 22-jährige Argentinier seine ersten beiden Tore für die Skyblues. Zugegeben, es stand zu diesem Zeitpunkt bereits 4:0. Nichtsdestotrotz zeigte Álvarez bei beiden Treffern seine Klasse. Beim ersten Tor startete er im richtigen Zeitpunkt in den Sechzehner, verwandelte kaltschnäuzig aus wenigen Metern per Flachschuss, beim zweiten verarbeitete er einen Abpraller und knallte den Ball kompromisslos mit links unter die Latte.

Auch Pep Guardiola war angetan, geriet trotz Haalands Galavorstellung bei Alvarez ins Schwärmen: „Wenn er in der nähe des Tores ist, oh mein Gott. Er ist so präzise, so gut.“ Seit Sergio Agüeros Abgang, wohl schon einige Monate zuvor, fehlte dem spanischen Taktiker bei City ein Vollstrecker. Nun könnte er sogar zwei haben, Erling Haaland als Batman, Julian Alvarez als Robin.

Kurzpässe zum 5. Spieltag der Premier League

Thomas Tuchel is not amused. Am Dienstagabend lieferte Chelsea erneut eine enttäuschende Vorstellung ab, verlor 1:2 bei Southampton. „Es ist zu einfach, uns zu schlagen, uns zu verwirren“, sagte er bei Match of the Day. „Wir müssen Lösungen finden“, betonte er und meinte diesmal nicht das kränkelnde Offensivspiel sondern die inkonsequente Defensivarbeit. Am Deadline Day versuchten die Blues nachzuhelfen, lieferten Tuchel mit Denis Zakaria und Pierre-Emicker Aubameyang die nächsten namhaften Neuzugänge. Die Saison wird zeigen, ob sie mehr waren als große Namen und daraus wieder ein kaum zu schlagendes Konstrukt geformt werden kann.

Manchester United ist wieder in der Spur. Drei Siege in Folge feierte das gescholtene Team von Erik ten Hag seit dem horrenden Auftakt (1:2 gegen Brighton, 0:4 gegen Brentford. Die drei Siege (gegen einen angeschlagenen FC Liverpool und schwache Gegner aus Southampton und Leicester) waren keine Glanzleistungen. Und dennoch waren sie Siege. Lob an den Trainer, der mit Pragmatismus wieder Selbstbewusstsein und Glaube in den Kader injiziert hat.

Den Wolves fehlen die Zähne: Auch gegen Bournemouth (0:0) zeigte Wolverhampton bis zum letzten Drittel eine gute Vorstellung, kontrollierte das Spiel nach Belieben. Doch es war bezeichnend, dass das Team von Bruno Lage gegen einen Gegner, der vor wenigen Tagen neun Tore kassierte, torlos blieb. Und da sind wir beim Problem: Kein Team der Premier League hat aus seinen expected Goals (5,43) so wenig Kapital geschlagen (2 Tore). Nur drei Punkte aus 6,55 expected Points sind die Folge.

(Photo by Alex Livesey/Getty Images)

 

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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