Premier League | Liverpool FC: Meisterlich absteigerhaft

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Spotlight | Am Wochenende unterlag Liverpool Abstiegskandidat Fulham in Anfield 0:1. Für den amtierenden Meister der Premier League war es die sechste Heimniederlage am Stück. Es ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich schon länger abzeichnete. 

Liverpools Offensive zahnlos – Salah als Alleinunterhalter

1:1 gegen West Brom, 0:1 gegen Burnley, 0:1 gegen Brighton, 1:4 gegen Manchester City, 0:2 gegen Everton, 0:1 gegen Chelsea und nun auch 0:1 gegen Fulham. Was sich liest, wie die Heimbilanz eines Abstiegskandidaten, ist in Wirklichkeit die, des amtierenden Meisters Liverpool. Am Wochenende unterlag man zum sechsten Mal am Stück in Anfield – ein laufender Vereinsnegativrekord. Der bisherige lag bei vier und datiert vom Jahr 1923.

Bildquelle: imago

Dabei ist auffällig, wie sehr sich die Spiele in ihrem grundsätzlichen Verlauf ähneln. Die Gegner stehen zumeist tief, Liverpool agiert in der Offensive uninspiriert und fahrig. Am Ende ist es eine Gelegenheit, die zu ihren Ungunsten den Unterschied ausmacht. In vier der sechs Spiele unterlag man 0:1.

Es ist ein Trend, der sich schon in der Meistersaison abzeichnete. Neun der 38 Premier-League-Spiele gewann man 2:1, fünf weitere mit einem Tor Differenz. Auch damals tat sich Liverpool nach Rückständen schon sehr schwer. Allerdings konnten sie sich darauf verlassen, dass ihr Drei-Mann-Sturm genug Druck entfacht, um den Gegner früher oder später zu knacken. Heute ist das nur noch bedingt der Fall. Das Toreschießen bleibt zumeist an Mohamed Salah (28) hängen. Der Ägypter führt die Torjägerliste mit 17 Treffern vor Harry Kane (27/16 Tore) und Bruno Fernandes (26/16) an. Währenddessen stehen für Sadio Mané (28) sieben Tore zu Buche und Roberto Firmino (29) deren sechs. Gleich danach kommt Neuzugang Diogo Jota (24) mit fünf Treffern und Georginio Wijnaldum (30), der sich bislang zweimal auf die Torjägerliste eintragen konnte.

Liverpools Mittelfeldproblem führt zur Heimmisere

Hier offenbart sich eine andere Schwachstelle des Liverpooler Systems, die in Ermangelung von Stürmertoren besonders eklatant wird. Ihr Mittelfeld strahlt viel Stabilität, aber kaum Torgefahr aus. Schon letzte Saison hießen die beiden besten Torschützen – nach den drei Tenören – Virgil van Dijk (29/5 Tore) und Trent Alexander-Arnold (22/4 Tore). Die meisten Scorerpunkte nach den Angreifern hatten die beiden Außenverteidiger Alexander-Arnold (17) und Andy Robertson (26/14).

 

 

 

Das System steht und fällt also mit der Form seiner Offensivspieler. Treffen sie, machen sich auch die hochstehenden Außenverteidiger bezahlt und sammeln Vorlagen. Ist das nicht der Fall, kommt das gesamte Spiel zum Erliegen. In der Folge wird die offensive Viererkette zum Sicherheitsrisiko, die Mannschaft wird anfällig für gegnerische Konter. Besonders Chelsea wusste das mit der Schnelligkeit von Timo Werner (25) oder Mason Mount (22) auszunutzen. Mit etwas mehr Präzision wäre auch ein höherer Sieg als 1:0 möglich gewesen. Aber vor allem die Leichtigkeit, mit der die Mannschaft von Thomas Tuchel (47) in Anfield verteidigte, zeigt, dass das System – trotz der vielen Verletzungen – durchschaubar geworden ist.

Wegweisende Saison für Liverpool

Am 16. Dezember gewann Liverpool 2:1 gegen Tottenham. Es ist bis heute ihr letzter Heimsieg. Mit den drei Punkten übernahmen sie seinerzeit die Tabellenführung. Durch die jüngste Heimmisere in Anfield sind sie inzwischen auf Platz acht abgerutscht. Es könnte sogar noch tiefer gehen, denn der Neunte, Aston Villa, hat zwei Spiele in der Hinterhand. Die gute Nachricht für Jürgen Klopp (53) und die Seinen ist, dass der Rückstand auf die Champions League lediglich vier Zähler beträgt. Um sich aber erneut für die Königsklasse zu qualifizieren, muss Klopp in der Restsaison seine Drei-Mann-Bazooka wieder mit Munition beladen. Für den Sommer gilt es dann, durch Transfers innerhalb des Kaders neue Reize zu setzen. Thiago (29) und Diogo Jota waren dahingehend schon ein guter Anfang.

Es ist eine wegweisende Saison für den Liverpool Football Club. Durch den Champions-League-Sieg 2019 und die Meisterschaft im vergangenen Jahr haben sie sich eine Menge Kredit erarbeitet. Den sind sie im Begriff, mit jeder weiteren Heimniederlage ein Stück mehr zu verspielen. Sie werden zum Meister mit Absteigerzügen.

 

 

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Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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