West Ham empfängt Leicester im Kampf um die Champions League

Vorschau

Vorschau | Hätte einem zu Beginn der Saison jemand gesagt, dass am 31. Spieltag der Premier League der Tabellendritte gegen den Vierten spielen würde, hätte man sicherlich geantwortet: „Gut möglich, Tottenham gegen Manchester United“. Doch es ist ein anderes Spiel. Am Samstagnachmittag empfängt West Ham United die Foxes aus Leicester zu einem Spiel, das vorentscheidend im Kampf um die Champions-League-Plätze werden kann.

Anpfiff der Partie ist am Sonntag, 15:05 Uhr, live bei Sky.

  • West Ham United: Kann der Ausfall von Declan Rice kompensiert werden?
  • Leicester City: Die Rückkehr von James Maddison macht Hoffnung
  • Standardstärke trifft auf Standardschwäche

„Corona-Ball“ bringt West Ham United an die Spitze

Die Hammers sind endlich dort angekommen, wo sie seit Jahren hin wollten: Im Kampf um die europäischen Plätze. Der Verein aus London hat in den letzten Jahren regelmäßig viel investiert, nur um dann auf dem Feld maßlos zu enttäuschen. In diesem Jahr merkt man der Mannschaft zwei Dinge an: Sie ist spielerisch nicht unbedingt besser als in den letzten Jahren, charakterlich jedoch deutlich harmonischer zusammengestellt.

Dazu kommt, dass der Mannschaft von Trainer David Moyes (57) die fehlenden Zuschauer extrem gut tun. Nun kann die Mannschaft auch in Heimspielen ihren sehr langsamen und defensiven Fußball spielen. Wären Fans im Stadion, welche die Mannschaft nach vorne treiben und nach fünf ereignislosen Minuten schnell unruhig werden, wäre das in dieser Form nicht möglich. In Fachkreisen wird diese Spielweise bereits als „Corona-Ball“ bezeichnet. Die letzten Jahre über war der Wechsel zwischen zu Hause offensiv und auswärts pragmatisch spielen oft ein Problem, da die Eingespieltheit fehlte.

Zu Beginn der Saison holte die Mannschaft ihre Punkte nahezu ausschließlich gegen kleine Gegner, in den ersten acht Spielen gegen die sieben Topteams gab es nur fünf Punkte. Inzwischen ist man jedoch derart gut unterwegs, dass selbst der zuletzt sehr schwere Spielplan die Mannschaft nicht aufhalten konnte. In den letzten sechs Spielen ging es unter anderem gegen beide Vereine aus Manchester, Arsenal und Tottenham. Zehn Punkte aus den sechs Spielen ist eine mehr als achtbare Ausbeute.

West Ham: Der Ausfall von Rice schmerzt enorm

Nun hat Moyes jedoch ein Problem: Der absolute Topspieler der Hammers, Declan Rice (22), verletzte sich bei der englischen Nationalmannschaft so schwer, dass er den Rest der Saison auszufallen droht. Im ersten Spiel nach der Länderspielpause (3:2 gegen Wolverhampton) konnte der Ausfall gut kompensiert werden, doch bereits hier war in der zweiten Halbzeit deutlich das Fehlen zu sehen, als die Londoner beinahe eine 3:0-Führung noch aus der Hand gegeben hätten.

Rice England West Ham EM

Photo: Imago/Paul Chesterton

Es wird spannend zu sehen sein, wie Moyes das Problem löst. Dem natürlichen Ersatz Marc Noble (33) merkt man sein Alter inzwischen deutlich an. Eine Option wäre nach der Rückkehr von Arthur Masuaku (27) die Wiedereinführung der Fünferkette. Diese Formation funktionierte zu Beginn der Saison exzellent und wurde nur wegen der Verletzung von Linksverteidiger Masuaku aufgegeben. Neben Rice fehlen werden weiterhin Angelo Ogbonna (32) sowie der ehemalige Dortmunder Andriy Yarmolenko (31). Auch Michail Antonio (31) wird ausfallen. Aus gut unterrichteten Quellen hörte man in den letzten Tagen, dass die Oberschenkelverletzung, die er sich im letzten Spiel zugezogen hat, derart schlimm sein könnte, dass der Mittelstürmer den Rest der Saison verpassen könnte.

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Leicester City

Dass die Foxes in der Spitzengruppe der Premier League zu finden sind, ist hingegen nicht mehr so ungewöhnlich. Seit der Ankunft von Trainer Brendan Rodgers (48) konnte die Mannschaft die viertmeisten Punkte in Englands höchster Spielklasse generieren, Manchester United hat nur zwei Punkte mehr geholt (137 zu 135). Und das, obwohl Leicester auch in dieser Saison wieder sehr verletzungsgeplagt ist.

Doch Rodgers findet immer wieder neue Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Da vor der Länderspielpause kaum noch ein offensiver Mittelfeldspieler zur Verfügung stand, stellte er auf 3-4-3 um. Das funktionierte prächtig und brachte den Foxes zehn Punkte in vier Spielen sowie einen Sieg im FA-Cup-Viertelfinale gegen Manchester United (3:1) ein. Erst am letzten Wochenende verlor man mit dem neuen System erstmalig, gegen Manchester City (0:2).

Dennoch wird Rodgers froh sein, ab sofort wieder auf seinen kreativsten Spieler im Mittelfeld, James Maddison (24), zurückgreifen zu können. Der Engländer, der in 24 Spielen 15 Torbeteiligungen sammeln konnte, fehlte vier Spiele und wurde gegen Manchester City erstmals wieder eingewechselt. Gegen die Hammers dürfte er in die Startelf zurückkehren. Weiterhin ausfallen werden James Justin (23) und Harvey Barnes (23).

Prognose

Es erwartet uns ein Spiel auf Augenhöhe. West Ham dürfte einmal mehr dem Gegner den Ball überlassen und vor allem auf ihre Stärke nach Standards setzen. Die Hammers führen in dieser Statistik die Liga mit starken 15 Treffern nach ruhenden Bällen an. Leicester auf der anderen Seite steht hier ligaweit auf dem letzten Platz, lediglich vier Treffer fielen nach Ecken und Freistößen.

Vor allem auf Tomas Soucek (26) ist hierbei zu achten. Der Tscheche ist der kopfballstärkste Spieler der Liga und steht bereits bei neun Saisontreffern, viele nach Standards.Die Gäste hingegen werden auf die spielerische Klasse von Maddison bauen. Mit einem Sieg könnten die Foxes bereits für eine kleine Vorentscheidung im Kampf um die Champions League sorgen. Sieben Punkte betrüge der Vorsprung auf West Ham.

Mögliche Aufstellungen:

West Ham: Fabianski – Coufal, Diop, Dawson, Cresswell, Masuaku – Noble, Soucek – Fornals, Lingard – Bowen

Leicester City: Schmeichel – Fofana, Evans, Söyüncü – Pereira, Ndidi, Tielemans, Castagne – Maddison – Iheanacho, Vardy

Photo: Imago / Joe Toth

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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