Brahim Diaz im Porträt: Der Klebstoff für die Offensive von Milan

Brahim Diaz für Milan im Duell mit Juventus
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Wenn ein Fußballprofi mit 22 Jahren schon Manchester City, Real Madrid und die AC Milan in der Vita stehen hat, ist das beeindruckend. Es muss aber nicht zwingend ein gutes Zeichen sein. Im Fall von Brahim Diaz wird ein besonderer Weg gezeichnet. 

  • Brahim Diaz: Technisch versiertes Offensivtalent aus Spanien
  • Über Umwege zum wichtigen Bestandteil eines Topklubs
  • Große Zukunft bei Milan?

Brahim Diaz: Viel Talent, aber zunächst wenig Spielzeit

Brahim Abdelkader Diaz (22) wurde am 3. August 1999 in Malaga, Spanien geboren. In seiner Heimat ging er die ersten Schritte im Fußball und schloss sich früh der Jugend des hiesigen FC Malaga an. In Zeiten, in denen junge Talente immer früher gescoutet werden, wurde das große Manchester City auf Diaz aufmerksam. Die Premier League lockte, wenn auch noch in der Zukunft. Denn mit gerade einmal 14 Jahren wechselte der Spanier auf die Insel. 



Dort ging er den traditionellen Weg. Jugendabteilung, U18, U23, Profis. Sein Debüt, wenn auch nur für zehn Minuten, feiere er im EFL-Cup 2016/17 gegen Swansea City, 2017/18 sollten immerhin zehn Einsätze folgen. Das Talent des Spaniers war unbestritten hoch und die Qualitäten des Cheftrainers, dem es nicht selten gelang, junge Spieler auf ein neues Level zu heben, ebenso. Was fehlte, war der letzte Schritt unter Pep Guardiola. Nämlich der zu einem Spieler, der regelmäßig zum Einsatz kommen kann.

Vielleicht mag es die fehlende Geduld gewesen sein, vielleicht auch ein bisschen Wehmut in Richtung der Heimat. Nach insgesamt 15 Einsätzen für die Skyblues zog es Brahim Diaz 2019 zu Real Madrid. Der Name der Königlichen kann bei der Entscheidung auch eine Rolle gespielt haben. Guardiola wollte den Spieler jedenfalls unbedingt halten. „Ich habe es mehrfach gesagt: Wenn Spieler nicht hier bleiben wollen, dann ist es schwer. Wir haben mit Brahim alles versucht, genau wie bei Phil (Foden) und Jadon (Sancho). Sie können wichtige Spieler werden und wir haben alles versucht“, so Guardiola damals. 

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Brahim Diaz: Über Madrid nach Mailand

Nach nur 15 Einsätzen mit insgesamt wenigen Spielminuten von Manchester City zu Real Madrid zu wechseln, mag von außen betrachtet zunächst etwas mutig erscheinen. Doch das junge Talent zeichnete sich seit jeher dadurch aus, über ein großes Maß an Selbstvertrauen zu verfügen. Und in der Tat schien es, als würde sich der Youngster in Madrid schnell zurechtfinden. 2018/19 verbrachte er lediglich die Rückrunde bei den Königlichen, sammelte aber immerhin elf Einsätze und knapp 400 Minuten Spielzeit. 

Brahim Diaz im Trikot von Real Madrid

(Photo by Alex Caparros/Getty Images)

Dass es für junge Spieler, insbesondere dann, wenn noch essenzielle Entwicklungssschritte folgen müssen, bei Topklubs schwer ist, musste der junge Brahim Diaz in der Folgesaison feststellen. Diese verlief nämlich nicht wie erhofft. Statt dem großen Durchbruch folgte eine Spielzeit mit wiederum nur zehn Einsätzen. Der Offensivspieler drohte, den Anschluss zu verlieren. Die Lösung lag auf der Hand, eine Leihe musste her.

Brahim entschied sich für einen Wechsel nach Mailand, schloss sich den Rossoneri im Sommer 2020 an. Auch die AC Milan trägt einen großen Namen in Europa, dennoch konnte dieser Wechsel nicht mit dem von Manchester nach Madrid verglichen werden. In Mailand war die Konkurrenz insgesamt etwas geringer, die Mannschaft steckte in einer Entwicklungsphase, in der sie jeden kreativen Input gut gebrauchen konnte.

Das Aufblühen bei den Rossoneri

Schnell entpuppte sich der Wechsel in die Serie A als genau der richtige Schritt. Dafür waren mehrere Faktoren verantwortlich. Die bereits angesprochene Konkurrenz, die in Sachen Prominenz nicht mit der in Madrid zu vergleichen war, spielte eine Rolle, aber nicht nur. Brahim Diaz ist ein flexibel einsetzbarer Spieler, der sowohl auf der Zehnerposition als auch auf den Flügelpositionen zum Einsatz kommen kann. Diese Flexibilität ermöglichte es ihm, einem Spiel in der Schlussphase noch einen Input zu geben. Darüber hinaus rotierte er auch immer häufiger in die Startelf.

Die Debütsaison in Mailand war erfolgreich. 39 Pflichtspieleinsätze, knapp 1900 Minuten Profifußball und elf Torbeteiligungen standen am Ende auf dem Konto des Spielers. Überdies zeichnete sich am Ende der Saison 2020/21 der bevorstehende Abgang von Hakan Calhanoglu (27), dem Spielmacher der Rossoneri ab.

Milan unternahm also prompt Bemühungen, Brahim auf permanenter Basis in das San Siro zu lotsen – mit Erfolg! Im Sommer verpflichteten die Italiener den Spieler erneut auf Leihbasis, allerdings diesmal mit einer Kaufoption. Real Madrid behält dank einer Rückkaufklausel aber den Fuß in der Tür.

Nun, da die Spielmacherposition „frei“ war, stieg Brahim Diaz auch in der internen Hierarchie zum Stammspieler auf. In acht von neun Spielen in der neuen Saison stand er in der Startelf und hatte einen großen Anteil am starken Saisonstart der Rossoneri. Vier Tore und zwei Vorlagen bereits so früh in der Saison sprechen eine klare Sprache.

Brahim Diaz: Der wichtige Klebstoff für die Offensive

Die Gründe für die positive Entwicklung von Brahim Diaz sind vielschichtig. Zunächst einmal hat der Spanier sehr viel Talent, das die Basis bildet. Die Flexibilität dieses Spielers wurde bereits angesprochen, ist aber nicht mehr von zentraler Bedeutung, weil er eben deutlich häufiger als Spielmacher agiert. Zwischen dem Spanier und den Rossoneri – und auch Trainer Stefano Pioli (55) – passt es einfach. Der Trainer will einen offensiven, technisch hochwertigen Fußball spielen und die Grundelemente, die dafür nötig sind, verkörpert Diaz.

Sein Passspiel ist genau wie kreativ, sein Dribbling hat sich in den letzten Jahren verbessert. Brahim führt den Ball eng am Fuß, übertreibt es mit den 1-gegen-1-Duellen auf dem Feld aber nicht. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, mit einem Kabinettstückchen Räume zu öffnen, nutzt er das. Er ist zielstrebiger und geradliniger geworden, setzt seine technische Finesse klug ein statt für die Galerie zu spielen. 

Brahim Diaz im Trikot von Milan

(Photo by Gabriele Maltinti/Getty Images)

Milan verfügt über schnelle Flügelspieler, wuchtige Stürmer und ein zentrales Mittelfeld, das Ballsicherheit ausstrahlt. Brahim Diaz als zentrales Element inmitten all dieser Fähigkeitsprofile ist sozusagen der Klebstoff für das Spiel der Rossoneri. Über ihn laufen viele Angriffe, gleichzeitig nimmt er sich nicht zu wichtig. Er übernimmt immer häufiger Verantwortung, sieht aber auch den besser postierten Mitspieler. Kurzum: Der Spanier ist gerade dabei, den entscheidenden Schritt zur Weltklasse zu machen. Kontinuität und harte Arbeit, um die wenigen Schwächen in der Rückwärtsbewegung und möglicherweise auch im physischen Bereich noch zu beheben, sind dafür notwendig. Die Fähigkeiten und, das ist auch entscheidend, das Umfeld dafür sind vorhanden.

(Photo by Pier Marco Tacca/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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