Drei Spiele, drei Siege, ein Gegentor. Lazio Rom steht nach dem 2:1 bei Udinese punktgleich mit Roma und Inter an der Tabellenspitze. Über die Defensive der Römer wird trotzdem geredet – nur reden viele über die falsche.
Das war kein Zittersieg im Olimpico
Zur Einordnung, weil es kursiert: Das Spiel fand am Montagabend im Bluenergy Stadium in Udine statt, nicht in Rom. Und es lief anders herum als kolportiert. Jesper Karlström brachte Udinese vier Minuten nach der Pause in Führung, Davide Frattesi glich in der 75. Minute aus, der eingewechselte Albert Gudmundsson traf in der Schlussminute zum Sieg. Ein Auswärtssieg nach Rückstand, kein gehaltener Vorsprung.
Die Zahlen der Abwehr sprechen für sich
Karlströms Treffer war das erste Gegentor der Saison. In den ersten beiden Partien – 1:0 in Bologna, 1:0 gegen Genua – blieb Lazio zu null. Drei Spiele, ein Gegentreffer: Das ist ligaweit Spitzenwert-Region und ziemlich exakt das Gegenteil einer Wackel-Defensive.
Gennaro Gattuso hat den Laden nach dem Abgang von Maurizio Sarri, der nach Bergamo weiterzog, auf Kontrolle umgestellt. In der tiefen Aufbauphase kippt einer der Sechser zwischen die Innenverteidiger, die Außenverteidiger rücken auf eine Linie mit dem Mittelfeld – faktisch eine Dreierkette in Ballbesitz. Zwei Tore in drei Spielen. Das ist der eigentliche Schönheitsfehler.
Wo es tatsächlich dünn wird
Die Innenverteidigung besteht derzeit aus Danilho Doekhi, ablösefrei von Union Berlin gekommen, und Oliver Provstgaard. Alessio Romagnoli, unter Gattuso einst Stammkraft beim Milan, sitzt draußen – ein geplatzter Transfer, ein hohes Restgehalt, dazu zuletzt Sehnenprobleme. Samuel Gigot und Patric fehlen ebenfalls angeschlagen. Der Kader ist auf Kante genäht, weil die Kasse es ist.
Und dann war da noch der 0:2-Ausrutscher gegen Zweitligist Mantova in der ersten Runde der Coppa Italia, für den Gattuso vor Saisonstart heftig kritisiert wurde. Wer nach der Bruchstelle sucht, findet sie dort: nicht in der Struktur, sondern in der Substanz dahinter.
Milan kommt – und mit ihm die erste echte Messung
Als Nächstes empfängt Lazio den AC Milan im Stadio Olimpico, für Gattuso die Rückkehr gegen den Klub, bei dem er den Großteil seiner Spielerkarriere verbracht hat. Bologna, Genua und Udinese haben die Struktur nicht ernsthaft geprüft. Milan wird es tun.
Drei Siege aus drei Spielen sagen bislang vor allem eines: Diese Mannschaft weiß, wie man ein 1:0 verwaltet. Ob sie auch weiß, wie man ein 0:1 überlebt, hat sie in Udine immerhin angedeutet. Der Rest ist September.

