Der Druck wächst: Frühe Sorgen für José Mourinho bei der Roma

Mourinho ROma
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Im Sommer trat José Mourinho einen neuen Job an. Der Portugiese, zuvor in Diensten der Tottenham Hotspurs, wollte in der Serie A nach seinen Erfolgen vor einigen Jahren bei Inter wieder eine Duftmarke hinterlassen. Doch früh zeichnen sich Probleme ab. 

José Mourinho: Die Aufgabe bei der Roma

Nach Platz sieben in der Vorsaison trennte sich die Roma von Paulo Fonseca (48). Die Ansätze unter dem Trainer, der zuvor bei Shakhtar für Furore sorgen konnte, waren nicht schlecht. Es fehlte allerdings an der Konstanz. Das Selbstverständnis der Giallorossi besagt, dass diese Mannschaft in der Champions League, mindestens aber der Europa League spielen sollte. Mit der neu eingeführten Conference League, quasi der „3. Liga“ in Europa, gab sich niemand zufrieden. Dass die sportliche Leitung auf José Mourinho (58) aufmerksam wurde, ist gleichzeitig überraschend als auch in gewissen Aspekten logisch.



Der Portugiese gilt nun nicht als der Trainer, der für eine komplette taktische Revolution steht. Die Weiterentwicklung der durchaus ordentlichen Fonseca-Elemente war ihm aber dennoch zuzutrauen. Die Roma, davon ist auszugehen, holte Mourinho aber aus einem anderen Grund. Er versteht es, die Medien zu lesen, sich in kritischen Situationen schützend vor seine Spieler zu stellen und diverse Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen, um den Fokus insbesondere in schwierigen Zeiten von seinem Team wegzulenken. Auch ist Mourinho noch immer in der Lage, ein Team auf den Punkt zu motivieren und in großen Spielen zu großen Leistungen zu pushen. Die Frage war: Reicht das?

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Erste gute Ansätze unter Mourinho

Zu Saisonbeginn herrschte gute Stimmung bei der Roma. Die Qualifikation für die Conference League stellte kein Problem dar, Trabzonspor wurde verdient bezwungen. In der Liga gelangen dem Hauptstadtklub sofort drei Siege aus drei Spielen. Dabei gewann die Mourinho-Elf gegen die Fiorentina (3:1), Salernitana (4:0) und Sassuolo (2:1). Selbst der erste Rückschlag gegen Hellas (2:3) konnte mit einem Folgesieg gegen Udinese Calcio schnell wieder begradigt werden.

Mourinho Roma

(Photo by Paolo Bruno/Getty Images)

Die Mannschaft spielte ordentlichen Fußball, vor allem im Offensivdrittel zeigte sie zuweilen schönen Kombinationsfußball. Und Mourinho? Der wirkte phasenweise locker, ja fast altersmilde. So ein ein Video durch die sozialen Medien, das den Trainer zeigt, wie er nach dem Sieg bei Salernitana Pizza essend mit einer Dose Cola im Zug sitzt und den Moment sichtlich genießt. Auch diese Seiten gehören zum Portugiesen, der möglicherweise doch etwas lockerer geworden ist.

Derbyniederlage als Beginn einer unkonstanten Phase

Gerade im Fußball ist es nicht selten der Fall, dass bestimmte Spiele eine Art Wendepunkt darstellen. Für die Roma kann dies das Derby della Capitale gegen Lazio sein. Es war ein durchaus hektisches Spiel, das die Giallorossi am Ende mit 2:3 verloren. Das erste, besonders wichtige Spiel unter Mourinho ging also verloren. Es folgte eine Phase, die vor allem geprägt war durch eine enorme Konstanzdelle. Nach zwölf Punkten aus fünf Spielen zum Start gab es nur noch sieben Punkte in den sieben folgenden Partien in der Serie A

Das bedeutet, dass die Roma aktuell auf dem sechsten Platz steht. Das ist keine Katastrophe, aber 19 Punkte sind bis dato auch keine gute Ausbeute. Milan und Neapel stehen schon bei mehr als 30 Zählern. Hinzu kam der indiskutable Auftritt bei Bodø/Glimt in der Conference League. Hier unterlag die Mannschaft von José Mourinho deutlich mit 1:6, konnte sich auch beim Heimspiel im Stadio Olimpico gegen diesen Gegner (2:2) nicht rehabilitieren. Die Niederlage in Venedig (2:3) kurz vor der Länderspielpause war dann der Gipfel dieser ausbaufähigen Phase.

Kritik an Mourinho wächst

Die Kritik am Trainer wuchs in den letzten Wochen. Denn Mourinho zeigte wieder Verhaltensweisen, die typisch für ihn sind, wenn es nicht läuft. Alle haben einen Anteil an der Misere, nur er nicht. Die Schiedsrichter, die Gegner, die Medien: Mourinho legt sich mit allen an, aber hinterfragt er sich auch selbst? Er selbst prophezeite zuletzt eine Saison, die von „Schmerzen“ geprägt sein wird, weil die Mannschaft noch nicht auf dem Niveau ist, das für Platz vier notwendig ist. Der Punkt ist, dass ihm sowohl die Medien als auch die Vereinsführung einen sechsten Platz durchgehen lassen würden, wenn eine entsprechende Entwicklung zu sehen ist.

Mourinho wird bös

(Photo by Paolo Bruno/Getty Images)

Entwickelt haben sich einige Dinge zuletzt. Allerdings eher in eine ungute Richtung. Während Mourinho gegen alles und jeden wettert, macht die Mannschaft auf dem Platz nicht den Eindruck, dass sie gefestigt ist. Die Roma ist leicht zu verunsichern, lässt sich nicht selten auskontern und schafft es im Offensivbereich nicht, eine klare Struktur auf den Platz zu bringen. Gegen Genua, Bologna und Torino muss nach der Länderspielpause eine Steigerung her, damit die Giallorossi wieder in die Spur finden. Gelingt das nicht, verliert die Mannschaft den Anschluss und Mourinho verspielt mehr Kredit.

Gibt der Kader überhaupt viel mehr her?

Natürlich muss man sich angesichts der aktuellen Leistungen fragen, wie viel der Kader überhaupt hergibt. Vorab: Die Situation für Mourinho ist nicht ganz leicht, denn Spieler wie Chris Smalling (31), Leonardo Spinazzola (28) oder Lorenzo Pellegrini (25), immerhin Kapitän, fallen oder fielen aus. Den gesamten Kader hatte „The Special One“ bislang noch nicht zur Verfügung. Und selbst dann gäbe es Fragezeichen. Die Achse rund um Tammy Abraham (24), Henrikh Mkhitaryan (32), eben jenem Pellegrini, einem Jordan Veretout (28), Smalling und Gianluca Mancini (25) ist zweifelsohne gut. 

Doch in der Spitze und in der Breite fehlt es an der Klasse. Weltklassespieler sind im Kader nicht zu finden. Eine besondere taktische Flexibilität lässt sich auch nur dann herstellen, wenn alle Spieler zur Verfügung stehen. Und genau an dieser Stelle ist die eingangs erwähnte Frage wieder zu stellen. Reichen die Qualitäten von José Mourinho, um einen nicht ideal zusammengestellten Kader, der sich gewissermaßen im Umbruch befindet, auf ein höheres Level zu beringen? Aktuell lässt sich diese Frage nur schwer beantworten. Sollte der Portugiese die Antwort nicht bald geben können, wird es für ihn jedenfalls eng.

(Photo by Maurizio Lagana/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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