Neapel vor dem Gipfeltreffen mit Atalanta: Reif für den Scudetto?

Neapel trifft und feiert
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Kurz vor dem Ende der Hinrunde deutet sich in der Serie A ein Kampf um die Meisterschaft, den berühmten Scudetto, an. Die SSC Neapel liegt derzeit auf dem ersten Platz und wirkt enorm stabil. Mit dem neuen Trainer Luciano Spalletti vereinen die Partenopei taktische Disziplin und spielerische Leichtigkeit. 

  • Napoli unter Spalletti konstant
  • Gute Bilanz Spitzenspielen
  • Hartnäckige Konkurrenz in der Serie A

Samstagabend, 20:45 Uhr, Live bei DAZN: In Neapel kommt es zum Spiel zweier Mannschaften, die in der gesamten Saison oder zumindest in den letzten Wochen für Furore sorgten. Gastgeber Napoli geht, blickt man auf die Tabelle vor dem Spieltag, als Tabellenführer in das Duell mit Atalanta, das im November auf nationaler Ebene alle Spiele gewonnen hat und als Viertplatzierter nur fünf Punkte hinter dem Spitzenreiter liegt. Die Ausgangslage ist also sehr prickelnd.

Spalletti verhilft Neapel zu Konstanz

Im Sommer übernahm Luciano Spalletti (62) das Amt als Cheftrainer bei der SSC Napoli von Gennaro Gattuso (43). Dieser hatte es nicht geschafft, eine Mannschaft, die auf mehreren Positionen sehr gut besetzt war und natürlich noch immer ist, derart zu entwickeln, dass es für einen Platz ganz vorne in der Serie A gereicht hätte. Spalletti erkannte das Potenzial dieser Mannschaft und verzichtete auf teure Neuzugänge. Matteo Politano (27) wurde fest verpflichtet, hinzu kamen Leihrückkehrer und mit Juan Jesus (30) ein ablösefreier Verteidiger von der Roma, der den Kader eher auffüllt. 

Viele neue Einflüsse von außen gab es also nicht, doch wie lässt sich der Traumstart mit acht Siegen nacheinander zum Auftakt erklären? Auch vor dem 16. Spieltag stehen die Partenopei mit 36 Punkten herausragend da, verloren nur bei Meister Inter und das mit 2:3 auch denkbar knapp. Spalletti hat es geschafft, die Stärken der Mannschaft im Spielsystem hervorzuheben. Das 4-3-3 ist das Mittel der Wahl und das Team kennt diese Ausrichtung. Es gab keine vollumfängliche Revolution, aber viele kleine Anpassungen, die Neapel zu einem deutlich besseren und unberechenbareren Team machen.



Im Offensivzentrum herrscht eine gute Mischung aus Wucht, die der nun leider verletzte Victor Osimhen (22) generieren kann, und auch Fluidität. Spielt nämlich Dries Mertens (34) im Sturm, dann weicht er häufig auf die Flügel oder in den Zehnerraum aus, schafft wiederum Räume für andere Offensivspieler.

Und die Offensive hat es in sich. Neben Mertens, dem angesprochenen Politano und Osimhen befinden sich mit Andrea Petagna (26), Adam Ounas (25), Hirving Lozano (26), Lorenzo Insigne (30) und Piotr Zielinski (27) viele fußballerisch hochklassige Akteure im Aufgebot des Klubs. Das Mittelfeld ist zudem mit spielstarken Akteuren ausgestattet, allen voran Stanislav Lobotka (27), ein sehr ballsicherer Stratege, hat unter Spalletti Fortschritte gemacht. Die Rechnung ist einfach: Werden die Spieler individuell konstanter, gilt das auch für die Mannschaft. 

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Stark auch in einigen Spitzenspielen

Die Partenopei führen also die Tabelle an, wirken sehr stabil und konnten in dieser Saison immer wieder personelle Rückschläge verkraften. Eine Qualität der Italiener ist es, auch in Topspielen gute Leistungen zu bringen. Am dritten Spieltag schlug Neapel Juventus mit 2:1, bei der Roma dominierte die Spalletti-Elf, spielte 0:0, die Niederlage im offenen Schlagabtausch bei Inter war bitter, gegen Lazio gab es ein 4:0 mit absolutem Zauberfußball in einigen Phasen. 

Neapel Serie A

(Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images)

Dass diese Mannschaft auch gegen die großen Teams der Liga bestehen kann, ist ein gutes und wichtiges Zeichen. Auch, weil das Programm bis zur kurzen Weihnachtspause mit den Spielen gegen Atalanta und Milan noch zwei absolute Topgegner für die Partenopei bereithält. Das Wissen, gegen Gegner des höchsten Kalibers gewinnen zu können, erhöht das Selbstvertrauen der Mannschaft weiter und lässt sie auch in schwierigen Phasen, die in solchen Spielen zwangsläufig eintreten, an sich glauben.

Neapel besticht durch Leichtigkeit und Disziplin

Es sind viele Faktoren, die Neapel in dieser Saison derart stark machen. Der Glaube an die eigene Stärke, den Spalletti den Spielern wieder eingeimpft hat, ist nur ein Teil davon. Die Mannschaft versteht es, fußballerische Leichtigkeit, die sich durch schöne Kombinationen, zielführende Dribblings und einige Kabinettstückchen auszeichnet, mit einer taktischen Disziplin zu kombinieren. Die Offensivspieler dürfen sich ihre Freiräume nehmen, auch einmal einen Gegner tunneln oder einen Hackenpass spielen, wenn sie nach Ballbesitz im Kopf sofort auf die Defensive umschalten. In vielen Spielen gelang das sehr gut, es ist kein Zufall, dass der Tabellenführer mit nur neun Gegentoren die beste Abwehr der Serie A stellt.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Unberechenbarkeit der Mannschaft. Neapel verfügt nicht über den einen, klassischen Torjäger. Osimhen ist mit fünf Treffern bester Ligaschütze, gemeinsam mit Mittelfeldspieler Fabian Ruiz (25), der eine fantastische Schusstechnik hat und es gerne aus der Distanz versucht. Es folgen mit Zielinski, Insigne und Mertens gleich drei Spieler, die viermal getroffen haben. Bei den Quoten der Torvorlagen gestaltet sich das exakt gleich, auch hier gibt es keinen klaren Spitzenreiter in der internen Liste. 

Milan, Inter, Atalanta: Die Konkurrenz schläft nicht

Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass die ersten Monate der Saison zwar sehr, sehr gut liefen, aber noch viele Spiele zu absolvieren sind. Jetzt wird sich zeigen, wie Neapel mit längeren Ausfällen umgehen kann. Und ob die Sinne wirklich in jedem Spiel bis zur letzten Minute geschärft sind. In der englischen Woche gab es gegen Sassuolo beispielsweise ein 2:2 nach 2:0-Führung, bei dem der Gegner am Ende mehr zuzusetzen hatte als die Spalletti-Elf. Das war ein kleiner Warnschuss, den Trainerteam und Mannschaft zur Kenntnis genommen haben dürften.

Neapel patzt gegen Sassuolo

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

Noch essenzieller ist aber die Tatsache, dass die Konkurrenz in dieser Saison sehr stark ist. Die AC Milan mit Trainer Stefano Pioli scheint sich beim 3:0 in Genua von einem kleinen Tief mit drei sieglosen Spielen nacheinander erholt zu haben und verfügt über einige, sehr erfahrene Spieler, vor allem im Sturmzentrum. Auch hier ist mit Simon Kjaer ein Schlüsselspieler länger verletzt, auch hier muss das Team das kompensieren. Meister Inter kommt zudem immer besser in Fahrt, ist auch in unmittelbarer Schlagdistanz. Und dann wäre da noch Atalanta, der Gegner von Neapel am Samstag, das Team, das alle Spiele im November gewonnen hat und mit einem Sieg plötzlich wieder mittendrin im Geschäft wäre. Ist Neapel also reif für den Scudetto? Das wird sich zeigen. Die Voraussetzungen sind aber sehr, sehr gut.

(Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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