Dienstag, September 29, 2020

La Liga Vorschau Teil 1: FC Barcelona, Granada, Osasuna, Real Betis

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Am kommenden Wochenende startet die neue Saison in La Liga. Im ersten Teil der 90PLUS-Saisonvorschau blicken wir auf den FC Barcelona, Granada, CA Osasuna und Real Betis!

  • FC Barcelona: Neuer Trainer und Umbruch!
  • Real Betis will wieder oben angreifen
  • Messi-Chaos und viel Ungewissheit bei den Katalanen

Teil 2: Sevilla, Valencia, Levante, Celta Vigo

Teil 3: Atletico, Getafe, Real Valladolid, Elche

Teil 4: Villarreal, Real Sociedad, Alaves, Cadiz

Teil 5: Real Madrid, Athletic, Eibar, Huesca

FC Barcelona

Letzte Saison: 2. Platz

Für den FC Barcelona glich die abgelaufene Saison einer mittelschweren Katastrophe. Der Fußball, der gespielt wurde, war in der Regel unspektakulär und eindimensional, die Ergebnisse ausbaufähig und die erwünschte Konstanz auf dem Trainerstuhl schlicht nicht vorhanden. Das alles wurde zudem von einem Titellosen Kalenderhalbjahr 2020 und der herben 2:8-Pleite gegen den FC Bayern München gekrönt.

(Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Mit dem Start der neuen Saison soll sich in Katalonien jedoch einiges ändern. Mit Neu-Trainer Ronald Koeman (57) holte man einen ehemaligen Spieler, der das “System Barça” bestens kennen und den Ambitionen des Vereins gerecht werden sollte. Seine Vorgänger Ernesto Valverde (56) und Quique Setien (61) waren offensichtlich nicht dazu in der Lage den FCB durch die Zeit des Umbruchs zu begleiten, beziehungsweise diese Zeit einzuleiten. Die Zeichen stehen auf Neuanfang, im Kader wird viel rotiert und verdiente Spieler transferiert. Doch hat dies auch den erhofften Effekt?

Transferphase ins Ungewisse

Die Katalanen treiben den angekündigten Umbruch voran, dennoch ist die aktuelle Transferphase mehr vom Wechsel-Chaos um Lionel Messi (33) geprägt. Mit seiner Entscheidung, in Barcelona zu bleiben, schafft er für die Verantwortlichen in dieser Hinsicht Gewissheit, doch dies gilt längst nicht für alle Positionen. Sowohl auf der Haben-Seite, als auch bei den Abgängen stehen noch viele Fragezeichen zu Buche. Des Weiteren hilft auch die angespannte finanzielle Lage nicht besonders weiter.

Bislang verpflichtet wurden Miralem Pjanic (30, Juventus Turin), Trincao (20, SC Braga), Matheus Fernandes (22, Palmeiras) und Pedri (17, UD Las Palmas). Weitere Zugänge sind wahrscheinlich, gerade auf der Position des Mittelstürmers und in der Defensive sind kommende Aktivitäten keinesfalls auszuschließen. Zudem kehren die ausgeliehenen Philippe Coutinho (28), Oriol Busquets (21), Rafinha (27), Carles Alena (22), Jean-Clair Todibo (20), Moussa Wagué (21) und Juan Miranda (20) zurück. Inwiefern es mit diesen Personalien weitergeht, bleibt abzuwarten. Trainer Koeman wird sich mit Sicherheit ein Bild von den Akteuren machen und anschließend entscheiden, ob sie Teil der neu formierten Mannschaft werden, oder den Verein verlassen müssen.

Abgegeben wurden bislang Arthur (24, Juventus Turin), Ivan Rakitic (32, FC Sevilla) und Arda Turan (33, Galatasaray Istanbul) – wobei Letztgenannter bereits in den vergangenen Jahren kein Teil der Mannschaft mehr war, der Transfer in Richtung Türkei nun aber permanent ist. Zu dieser Liste der Abgänge könnten sich in naher Zukunft auch Luis Suarez und Arturo Vidal gesellen. Mit keinem der beiden scheint Koeman zu planen, dementsprechend sieht alles nach einer Trennung aus. Nicht unwahrscheinlich, dass es die beiden in die italienische Serie A zieht. Weitere Aktivitäten auf der Abgabenseite sind – wie bereits anfangs angesprochen – möglich.

Bloß keine erneute Saison ohne Titel

Um Nackenschläge in Form von unnötigen Punktverlusten in Zukunft zu vermeiden, bedarf es im gesamten Verein ein Umlegen mehrerer Schalter. Die Jugendarbeit muss intensiviert werden, Spieler wie Riqui Puig (20) brauchen mehr Einsatzzeit, um eine faire Chance auf Entwicklung zu erhalten. Dazu muss die Defensive dringend verstärkt und stabilisiert werden, um so einiges an Sicherheit zu gewinnen. Bereits weit vor der krachenden Pleite gegen Bayern München war offensichtlich, wie anfällig die Viererkette samt Vordermänner war.

Ronald Koeman wird beim FC Barcelona wieder das 4-3-3 fest integrieren, seine Vorgänger tauschten taktisch immer wieder einiges durch, was nicht zum erhofften Erfolg führte. Als Nationaltrainer der Niederlanden zeigte Koeman nicht nur gegen die Deutsche Nationalmannschaft, wie stabil und gefährlich das Spiel unter seiner Leitung aussehen kann – sofern er das passende Personal dafür hat.

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Interessant wird sein, inwiefern Coutinho, Griezmann (29) und Dembélé (23) in das Spiel eingebunden werden können. Alle drei floppten bislang und konnten nur selten begründen, weshalb jeweils eine dreistellige Millionensumme gezahlt wurde, um das Trio zu transferieren. Gelingt es dem neuen Trainer, das Beste aus seinen neuen Schützlingen herauszukitzeln oder bedarf es noch einer Reihe von Neuinvestitionen?

Im Fokus: Lionel Messi

Für diese Kategorie gibt es in dieser Saison sicherlich eine große Auswahl an Akteuren, die in Frage kommen würden – Spieler, die nun noch mehr Verantwortung übernehmen müssen, wie Frenkie de Jong, oder auf den nächsten Schritt in ihrer Karriere warten, wie Ansu Fati. Doch aufgrund des sicher geglaubten Wechsels und dem nun feststehenden Verbleib liegt der Fokus einmal mehr auf Lionel Messi. Der 33-Jährige bleibt für zumindest ein weiteres Jahr im Trikot der Blaugrana und schenkt den Anhängern damit eine Menge Hoffnung.

(Photo by David Ramos/Getty Images)

Mit dem Argentinier scheint der Umbruch um einiges erträglicher zu sein, auch wenn damit eine kleine Chance von Umverteilung der Verantwortung verloren geht. Zu was der mehrfache Weltfußballer jedoch in Stande ist, dürfte jedem Fußballfan bekannt sein. Allein die 444-Liga-Tore in 485 Spielen stehen für sich. Doch wie präsentiert sich Messi in Zeiten des angekündigten Umbruchs und kann er seinen Worten – wie viel ihm der Verein bedeutet und dass er zu jedem Zeitpunkt alles geben wird – auch Taten folgen lassen? Es wird eine interessante und spannende Saison werden, für Messi, für den FC Barcelona und für die zahlreichen Cules.  

Prognose

Der FC Barcelona steht vor einem entscheidenden Jahr. Eine möglicherweise letzte Saison mit Lionel Messi, einer heiklen Präsidentschaftswahl Anfang 2021 und einer Mannschaft, die zuletzt kläglich scheiterte. Dennoch stehen die Zeichen auf Erfolg nicht ganz so übel, wie es vielleicht klingt. Gelingt es Koeman seine Idee durchzusetzen und damit die Defensive zu stabilisieren, zeitgleich aber die Offensive zu beleben, dürfen sich die Fans von La Liga auf einen spannenden Meisterschaftskampf freuen.

Steffen Gronwald

FC Granada

Letzte Saison: 7. Platz

Der FC Granada hat eine sehr erfolgreiche Saison erlebt. Die Andalusier konnten als Aufsteiger auf ganzer Linie überzeugen und zogen das Interesse des ganzen Landes auf sich. Ein überragender Saisonstart brachte ihnen kurzzeitig die Tabellenführung ein. Ein Highlight war auch der 2:0-Sieg gegen den FC Barcelona. Auf die Anfangseuphorie folgten zwar auch vermehrt Rückschläge, aber der von vielen prognostizierte Einbruch kam nicht. Im Herbst und Winter mussten sich die Nazaries in acht aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen geschlagen geben und das war schon die größte Schwächeperiode der Elf von Diego Martinez (39). Für einen Aufsteiger eine hinnehmbare „Krise“. 

Nach der Coronapause folgte ein starker Endspurt und der erste Einzug ins europäische Geschäft. Am letzten Spieltag sprang Granada dank eines 4:0-Erfolgs gegen Athletic vom neunten auf den siebten Tabellenrang. Die beste Platzierung seit 1974. 

Granada: Kann sich der Underdog etablieren?

Unterschätzen werden die anderen Mannschaften La Ligas die Andalusier auf keinen Fall mehr. Die zweite Saison im Oberhaus ist für Liganeulinge ohnehin eine schwierige. Jetzt muss die Mannschaft ohne die Aufstiegseuphorie und mit gewachsenen Erwartungen zurechtkommen. Dass der Glaube an eine erneut souveräne Spielzeit vorhanden ist, liegt insbesondere an Trainer Diego Martinez. Der Spanier, der in Sevilla als Co-Trainer von Unai Emery (48) tätig war, hat sich mit seiner Tätigkeit in Granada in das Blickfeld größerer Klubs bewegt. Wie er den Klub in der zweiten Liga stabilisierte, dann den Aufstieg auf Anhieb erreichte und die Entwicklung noch weiter vorantrieb, ist beeindruckend.

 (Photo by Aitor Alcalde/Getty Images)

Der jüngste Coach La Ligas hat eine klare Spielphilosophie und verlangt von seiner Mannschaft ein kompaktes Auftreten in der Defensive. Reine Abwehrschlachten muss man von Granada allerdings nicht erwarten. Los Nazaries können den Ball sauber in den eigenen Reihen halten und auch mal das Spiel in aller Ruhe aufbauen. Gefährlicher sind sie allerdings, wenn sie den Gegner mit ihren schnellen Kontern vor Probleme stellen. Martinez will, dass seine Mannen koordiniert, aber auch aggressiv beim Pressing vorgehen und somit den Ball erobern. 

Granada unter Martinez taktisch flexibel

Das alles sind keine unüblichen Eigenschaften für Mannschaften. Warum also war Granada so erfolgreich? Es lag zum großen Teil an der taktischen Flexibilität des Teams. Martinez hat direkt mehrere Systeme intensiv eingeübt. Granada hatte nicht nur einen Plan, sondern immer noch alternative Herangehensweisen in der Hinterhand. Nachdem die Mannschaft das 4-2-3-1 blind beherrschte, beließ es Martinez nicht dabei, sondern nutzte dies zum Anlass, auch weitere Ausrichtungen in das Repertoire Granadas aufzunehmen. So konnte das Team letztendlich vollkommen frei zwischen dem bereits genannten System und anderen hin und her wechseln. Ob 3-4-3, 5-3-2 oder auch ein 4-4-2: Granada konnte sich dem Gegner und unterschiedlichsten Spielsituationen anpassen. 

 (Photo by Angel Martinez/Getty Images)

Das bereits erwähnte Defensivverhalten war dabei der Kern des Erfolgs. Die Andalusier hatten kein Problem damit, dem Gegner auch mal den Ball zu überlassen und eine vermeintlich passivere Rolle einzunehmen. Der Aufsteiger machte die Räume eng und erstickte die Offensivbemühungen der Gegner im Keim. Es war nicht immer unbedingt attraktiv oder unterhaltsam, aber effektiv und ebnete den Weg in eine Saison ohne größere Schwierigkeiten. Und letztendlich auch den Weg in die Europa-League-Qualifikation. 

Granada: Kaum schmerzhafte Abgänge

Das Geld,das der sparsame Klub aus Andalusien in der letzten Saison verdiente, wurde zum großen Teil dafür genutzt, um Leihspieler wie Rechtsverteidiger Dimitri Foulquier (27) von Watford und den defensiven Mittelfeldspieler Maxime Gonalons (31) von der Roma fest zu verpflichten. Yangel Herrera (22), ein talentierter Mittelfeldspieler von Manchester City, und Jesus Vallejo (23), der bei Real Madrid nicht auf genügend Spielpraxis kommen würde, konnten erneut ausgeliehen werden.

Somit konnte die Erfolgsmannschaft zumindest zu großen Teilen beibehalten werden. Ärgerlich dürfte der Abgang von Flügelspieler Alvaro Vadillo (25) sein, der sich ablösefrei Celta Vigo anschloss. Sehr schmerzhaft ist der Verlust von Carlos Fernandez: Der 24-Jährige kehrt nach seiner Leihe zum FC Sevilla zurück und hinterließ in Granada bleibenden Eindruck, indem er insgesamt 14 Pflichtspieltreffer erzielte. Der Stürmer war ein Schlüsselspieler im System des Überraschungsteams. 

(Photo by JORGE GUERRERO/AFP via Getty Images)

Die Offensive ist allerdings weiterhin interessant aufgestellt. Mit Antonio Puertas (28, sieben Tore/ vier Vorlagen) und Darwin Machis (27, sieben Tore/ sechs Vorlagen) hat Granada eine äußerst interessante Flügelzange. Im Sturmzentrum wird erneut Roberto Soldado (35) gesetzt sein. Der Spanier ist Führungsspieler Granadas, ein wichtiger Baustein im Kadergefüge und knipste in der vergangenen Spielzeit auch regelmäßig (insgesamt elf Pflichtspieltreffer).

Dazu komplettieren die Neuzugänge Luis Milla (25), Alberto Soro (21) und Jorge Molina (38) die Offensive. Milla kam für 5 Millionen Euro vom Zweitligisten Teneriffa, um das Mittelfeld mit offensiven Impulsen zu beleben. Soro wurde von Real Madrid verpflichtet und stellt eine weitere Option auf dem Flügel dar und Molina wird wie schon Soldado als Routinier im Sturmzentrum gebraucht. Er kam ablösefrei von Getafe. 

Im Fokus: Rui Silva

Es gibt viele interessante Spieler im Kader von Granada, aber letztendlich überzeugt das Team wirklich im Kollektiv. Rückhalt der Mannschaft ist dabei Torhüter Rui Silva (26). Der Portugiese spielte eine sehr überzeugende Saison und hat auf der Linie seine Stärken. Auch am Ball ist Silva zu gebrauchen und spielt somit eine wichtige Aufgabe im Aufbau. Er gibt der Mannschaft viel Sicherheit und wird wohl erneut seinem Team einige Partien mit seinen Leistungen gewinnen. Der Portugiese könnte sich in den Fokus von größeren Klubs spielen.

Prognose

Es wird härter für Granada, der Rest der Liga wird los Nazaries ernster nehmen. Trotzdem reicht es am Ende für den Klassenerhalt und das vielleicht sogar sehr souverän. Europa wird diese Saison allerdings nicht erreicht. 

Damian Ozako

CA Osasuna

Letzte Saison: 10. Platz

Osasuna spielte eine starke Saison. Als Aufsteiger etablierte man sich schnell in der spanischen Beletage und agierte in einem Spielsystem, mit dem kleinere Gegner phasenweise dominiert und große Schwergewichte ein Bein gestellt werden konnten. Über die ganze Saison sammelte man konstant Punkte und ein starker Schlussspurt sorgte dafür, dass mit Platz zehn die Erwartungen klar übertroffen wurden.

In der Offensive war die Last auf mehrere Schultern verteilt, da sich Top-Stürmer „Chimy“ Avila (26) kurz vor der Winterpause einen Kreuzbandriss zuzog. Der 26-Jährige schoss bis dahin neun Tore und blieb damit durchgehend der erfolgreichste interne Torschütze. Als Vorlagengeber konnte Roberto Torres (31) mit acht Assists, und damit Platz vier der Liga, auf sich aufmerksam machen.

(Photo by CRISTINA QUICLER/AFP via Getty Images)

Torro als Top-Transfer – Neue spielerische Facette integriert

Der Transfer-Sommer verlief weitestgehend erfolgreich. Aufgrund seiner langen Verletzung ging kein Top-Verein bei Avila in die Vollen, weshalb der Chilene zum Start der neuen Saison seine Qualitäten einmal mehr in Pamplona unter Beweis stellen kann. Für Luis Perea (23), der in der abgelaufenen Saison lediglich zwei Spiele absolvierte, erhielt man drei Millionen Euro.

Jenes Geld wurde in die Hand genommen und in Lucas Torro (26) investiert. Der zentrale Mittelfeldspieler ist defensiv flexibel einsetzbar und kombiniert Zweikampfstärke mit Qualitäten im Spielaufbau. Dem Spanier gelang in Frankfurt nie der Durchbruch, doch bei Osasuna könnte Torro für eine neue, spielstarke Komponente sorgen. In der letzten Saison war man, wie fast schon üblich für einen Aufsteiger, am Spiel mit dem Ball nicht unbedingt interessiert. Während man gegen dominante Gegner in einem 5-3-2 System agierte, versuchte man es gegen das Mittelfeld bzw. dem Schluss der Liga mit einem klaren 4-4-2. Die Defensive stand zwar im Vordergrund, doch Osasuna lediglich auf das Spiel gegen den Ball zu beschränken, wäre zu einfach.

Der Fokus lag auf einem schnellen, temporeichen und gefährlichen Umschaltspiel, welches durch flexibel einsetzbare Offensivspieler unterstützt wurde. Es waren die einfachen Werkzeuge, die das Team von Jagoba Arrasate (42) passabel einsetzte. Im letzten Drittel agierte man häufig mit Flanken, oder setzte auf die Qualitäten des Koordinators Roberto Torres, der neben acht Vorlagen auch sieben Tore vorzuweisen hatte.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Cruz als Estupinan-Nachfolger – Weitere Verstärkungen für die Breite

Bitter, aber vorhersehbar war der Abgang von Pervis Estupinan (22). Der Linksverteidiger gehörte in der vergangenen Saison zu den besten Außenverteidigern La Ligas und glänzte mit einem Tor und sechs weiteren Assists. Der 22-Jährige, der nach seiner Leihe nach Watford zurückkehrt, brachte eine hohe Dynamik mit und war wie gemacht für das schnelle Umschaltspiel Osasunas. Dass Atletico Madrid und die Tottenham Hotspurs Interesse am Ecuadorianer anmeldeten, kommt nicht von Ungefähr.

In die großen Fußstapfen soll nun Juan Cruz (28) treten. Der 28-Jährige kam für 2,75 Millionen Euro vom FC Elche aus der zweiten spanischen Liga und bekleidet ebenso die Linksverteidiger-Position. Mit einem Tor und gar neun Assists hat der Spanier fast identische Scorer aufzuweisen, doch ob sich Cruz eine Liga höher ebenso beweisen kann, wird sich erst zeigen.

Mit Brandon (25) kehrt ein Stürmer von seiner Leihe beim FC Girona zurück und soll für die nötige Breite im Kader und zudem für Konkurrenzkampf sorgen. Der 22-Jährige Barbero wird die nächste Saison erneut ausgeliehen und steht nun bei Alcorcon unter Vertrag. Intern sieht man ihn als Projekt für die Zukunft an.

Mit Enric Gallego (33) wurde ein – zuvor von Getafe ausgeliehener – Stürmer für zwei Millionen Euro fest verpflichtet. Juan Villar (32), Antonio Otegui (22) und Jaume Grau (23) verstärken das Mittelfeld, alle auf Leihbasis. Positiv ist zudem die feste Verpflichtung von Verteidiger Raul Navas (32), der für 250.000 Euro aus Sociedad kam.

In Zeiten von finanziellen Einbußen aufgrund der Corona-Pandemie bleibt aber festzuhalten, dass sich Osasuna clever und zielstrebig auf Problempositionen verstärkt und insgesamt einen besseren Kader, als noch in der Saison zuvor, vorzuweisen hat.

Estupinan
(Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

Im Fokus: „Chimy Avila“

Auch wenn Lucas Torro als spannender Neuzugang vorgestellt wurde, wird Chimy Avila das Steckenpferd in Pamplona bleiben. Der 26-Jährige kann nach seiner Rückkehr das komplette Offensivspiel reformieren und in entscheidenden Spielen den Unterschied ausmachen. Seine Stärken im Kombinationsspiel und im Abschluss kommt zudem seinen Mitspielern zu Gute, die einerseits eine dauerhafte Anspielstation mehr und einen altruistischen Teamplayer zu Verfügung haben. Nach einem Kreuzbandriss muss sich ein Spieler immer erst finden, doch sollte Avila ansatzweise an den alten Leistungen anknüpfen können, sollte der Klassenerhalt gesichert sein.

Prognose

Wie eben angedeutet, wird der erste Blick nichtsdestotrotz nach unten gehen. Zwar musste man – bis auf Estupinan – keinen Stammspieler abgeben, doch die zweite Saison ist für einen Aufsteiger bekanntlich schwieriger als die erste. Sollte Arrasate seinen Spielern mit dem Ball aber noch mehr Lösungen an die Hand geben, ohne dass die defensive Giftigkeit darunter leidet, darf man in Pamplona auch 2021 mit Erstliga-Fußball rechnen. Für einen europäischen Platz ist die Konkurrenz dagegen wohl zu stark.

Osasuna
(Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

Hendrik Wiese

Real Betis

Letzte Saison: 15. Platz

Mit großen Ambitionen startete Real Betis Balompie in die Saison 2019/20. Der Kader der Andalusier gab auf dem Papier einiges her, sowohl individuell als auch in Sachen Homogenität. Doch die Realität sah anders aus. 17 Niederlagen, 60 Gegentore, ein Trainerwechsel: Die Saison verlief nicht nach Plan. Am Ende belegte Real Betis nur den 15. Platz in La Liga. 

(Photo by CRISTINA QUICLER/AFP via Getty Images)

Im Sommer änderte sich nun erneut einiges. Manuel Pellegrini (66), der erfahrene Chilene, übernahm das Amt des Cheftrainers von Alexis (55), der nur wenige Wochen auf der Bank saß. Mit Pellegrini soll in ruhigere Tabellenregionen vorgestoßen werden – mindestens. Doch noch wartet viel Arbeit auf die Verantwortlichen. 

Real Betis holt Erfahrung dazu

Finanziell müssen nahezu alle Klubs in diesem Sommer Abstriche machen, das ist aufgrund der Pandemie die logische Konsequenz. Das merkt man auch beim Blick auf die bisherigen Transferaktivitäten von Real Betis. Die Tottenham Hotspurs aktivierten zwar die Kaufoption für Giovani Lo Celso (24), der dem Klub mehr als 30 Millionen Euro einbrachte, auf der Zugangsseite wurde aber gespart. 

Neben bei Spielern, die aus der zweiten Mannschaft befördert wurden und dem ein oder anderen Leihrückkehrer wurden ausschließlich ablösefreie Spieler verpflichtet. Martin Montoya (29) kam von Brighton and Hove Albion, Claudio Bravo (37) von Manchester City und Victor Ruiz (31) aus der Süperlig von Besiktas. Das zeigt auch: Real Betis stellt sich mit erfahrenen Spielern auf. 

 (Photo by Alex Livesey/Getty Images)

Neben Lo Celso, der ohnehin schon nicht mehr zum Kader gehörte, verließ auch der erfahrene Mittelfeslpieler Javi Garcia (33) den Klub. Ihn zog es nach Portugal zu Boavista, Zouhair Feddal (30) wechselte zu Sporting. Außerdem endeten die Leihen von Alfonso Pedraza (24, Villarreal) und Carles Aleña (22, Barcelona). Die Fluktuation im Kader hält sich also in Grenzen. 

Erneute Abstiegssorgen unbedingt vermeiden

In der vergangenen Saison hatte Real Betis phasenweise sogar mit Abstiegssorgen zu kämpfen. Das soll sich auf keinen Fall wiederholen. Im Klub traut man dem neuen Trainer Manuel Pellegrini zu, die Probleme der Vorsaison zu beheben. Der Chilene unterschrieb sofort einen Vertrag über drei Jahre. Zu verbessern ist insbesondere die Defensive, die angesprochenen 60 Gegentore, die in der Vorsaison kassiert wurden, sind deutlich zu viel. Neuzugang Victor Ruiz hat gute Chancen auf einen Platz in der Startelf, möglicherweise neben Ex-BVB-Verteidiger Marc Bartra (29). Zudem gehört mit Aissa Mandi (28) noch ein weiterer, potenziell sehr guter Innenverteidiger zum Aufgebot.

 (Photo by Fran Santiago/Getty Images)

An der individuellen Qualität wird es also nicht scheitern. Das gesamte Spielsystem von Real Betis muss sich allerdings verbessern. Vor wenigen Jahren galten die Andalusier noch als eines der spannendsten und flexibelsten Teams im spanischen Fußball. Mittlerweile ist der spielerische Ansatz, der gezeigt wird, auf vielen Ebenen durchschnittlich. Dabei ist vor allem das Mittelfeld sehr ordentlich besetzt. William Carvalho (28) ist ein dynamischer Spieler für die defensive Position, mit Andres Guardado (33) steht ein technisch versierter, guter Passspieler im Aufgebot und Nabil Fekir (27) und Sergio Canales (29) können mit ihrer Qualität im letzten Drittel für den Unterschied sorgen. Die Probleme sind woanders zu verorten.

Real Betis: Es fehlt an den Bindegliedern 

Die Statistiken der beiden Stürmer in der Vorsaison geben Aufschluss darüber. Loren Moron (26) erzielte zehn Tore bei 36 Einsätzen, Borja Iglesias (27) kam in 35 Ligaspielen auf drei Treffer. Die Verbindung zwischen dem potenziell spielstarken Mittelfeld und den Angreifern funktioniert nicht ideal. Außenspieler Diego Lainez (20) muss noch viel lernen, Cristian Tello (29) ist unkonstant. Nicht selten bleibt vieles deswegen an Joaquin (39) hängen. Mit elf Scorerpunkten in der Liga merkt man ihm sein fortgeschrittenes Alter keineswegs an. 

Doch Joaquin benötigt immer wieder Pausen, kann ohnehin nicht 90 Minuten auf der Außenbahn wirbeln. Ihn sollte man eher als veritablen Edeljoker sehen. Spannend wird die Frage nach dem System sein. Die Andalusier spielten in der Vorsaison mal in einem 4-3-3, mal in einem 3-4-2-1 und am Ende der Saison in einem 4-2-3-1. Die Probleme bestanden allerdings in allen Formationen, sodass Pellegrini auch hier eine große Aufgabe bewältigen muss, um die Verbindung zwischen dem Mittelfeld und dem Angriffsdrittel zu optimieren. Es wird einen Moment dauern, bis alle Räder ineinander greifen. Diese Zeit muss man dem Trainer geben. 

Im Fokus: Diego Lainez

Im Januar 2019 wechselte Diego Lainez von CF America aus Mexiko zu Real Betis. Damals kostete der junge mexikanische Flügelspieler rund 14 Millionen Euro. Seine bisherige Bilanz in La Liga ist ernüchternd. In 27 Spielen traf Lainez noch nicht, eine Torvorlage gelang ihm aber immerhin. Dennoch ist es nachvollziehbar, dass Real Betis Geduld mit dem Youngster hat. 

(Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Denn das Potenzial des Mexikaners ist unbestritten hoch. Lainez ist ein Dribbler mit einer sehr guten Ballführung auf engstem Raum, der den Unterschied machen kann. Lainez muss nun aber den nächsten Schritt gehen, konstanter werden und vor allem Erfolgserlebnisse erzielen. Wird er besser eingebunden und präsentiert sich die Mannschaft stärker, könnte die neue Saison eine entscheidende für ihn werden. 

Prognose

Real Betis verfügt über viel Qualität, dem Kader fehlt es auf der ein oder anderen Position aber noch an Ergänzungen. Diese im Sommer 2020 zu verpflichten ist nicht einfach und erfordert viel Geduld. Eine zentrale Frage wird sein, ob es der neue Trainer Manuel Pellegrini zeitnah schafft, die Defensive signifikant zu stabilisieren. Gelingt das, kann Real Betis zumindest in das sichere Mittelfeld der Tabelle vorstoßen. 

Manuel Behlert

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(Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

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