Montag, September 28, 2020

Ligue 1 Vorschau – Teil 1: Lille, Bordeaux, Straßburg, Angers

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Am Wochenende startet die Ligue 1 in die neue Saison – als erste der europäischen Topligen. Viele Klubs wollen versuchen, Meister Paris SG vom Thron zu stoßen.

  • Teil 1 der Vorschau: Lille, Bordeaux, Straßburg. Angers
  • OSC Lille: Gute Mannschaft, vielversprechende Talente
  • Girondins Bordeaux: Zurück zu alter Stärke?

OSC Lille (Letzte Saison: 4. Platz)

Mit großer Spannung wurde erwartet, wie sich der Vizemeister der Saison 2018/19 schlagen wird. Die Fans erwartete eine durchwachsene Saison. Obwohl den Klub aus Nordfrankreich einige Stammkräfte verließen (u.a. Nicolas Pepe (25), Rafael Leao (21) und Thiago Mendes (28)), waren die Erwartungen an das Team von Trainer Christophe Galtier (53) hoch. Zu gut waren die Auftritte, als dass die Euphorie im Vorhinein hätte gebremst werden können. 

Leider ging es aus Sicht der Anhänger der Dogues nicht so spektakulär weiter. In der Champions League bekam Lille deutlich die Grenzen aufgezeigt und holte nur einen Punkt in sechs Spielen. In der Ligue 1 wechselten sich gute mit schlechten Leistungen ab. Dank eines guten Endspurts qualifizierte sich die Galtier-Elf noch für die Europa League.

(Photo by DENIS CHARLET/AFP via Getty Images)

OSC Lille: Erneuter Umbruch

Die Selbstverständlichkeit, die Lille in der Saison 2018/19 ausstrahlte, war in der vergangenen Saison streckenweise weg. Dem Spiel mangelte es an vielen Kleinigkeiten. Lille spielte keine katastrophale Saison, aber es fehlte die Konstanz und eben auch ab und zu das Selbstvertrauen. Das 4-3-3 aus der Vorsaison, das als Grundgerüst verwendet, aber auch flexibel angepasst werden konnte, wurde verworfen. Galtier versuchte der Mannschaft durch Umstellungen auf eine Dreierkette oder auch durch ein 4-2-3-1 mehr Stabilität zu verleihen. Die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmte nie so ganz. Oftmals verschenkte LOSC unnötigerweise Punkte durch Aussetzer in der Verteidigung.

Die Befürchtung, dass Lille die Abgänge von Pepe und Leao nicht kompensieren könnte, war zwar berechtigt, aber mit der Verpflichtung von Victor Osimhen (21) gelang den Verantwortlichen des französischen Erstligisten ein Volltreffer. Allerdings ist dieser jetzt schon wieder weg ist. Den Stürmer zieht es für über 60 Millionen Euro nach Neapel. Seine 18 Tore und sechs Vorlagen in 38 Pflichtspielen überzeugten die Italiener derart, dass sie ihn zu ihrem Rekordtransfer machten. Für Lille bedeutet dies den nächsten Umbruch in der Offensive. 

OSC Lille: Clevere Transfers

Wenn die Franzosen in den vergangenen Jahren eines bewiesen haben, dann ist es kluges Verhalten auf dem Transfermarkt. Seit 2017 agiert Luis Campos (55) als Sportdirektor für LOSC und hat bereits viele clevere Transfers getätigt. Die Mannschaft steckt voller vielversprechender Talente, hat mit Galtier den richtigen Trainer, der sie weiterentwickelt und dank der Einnahmen der letzten Jahre kann Lille nun selbst größere Summen investieren. Les Dogues haben nun Jonathan David (20) für über 30 Millionen Euro von KAA Gent verpflichtet. Der Kanadier ist höchst flexibel, kein klassischer Stürmer, aber hat dennoch einen hohen Offensivdrang. Er ist mehr als Freigeist zu verstehen, der sich in der Rolle als hängende Spitze, auf der Zehn oder auch auf den Flügeln sehr wohlfühlt. Mit David wird das Spiel in der Offensive unberechenbarer. 

(Photo by KENZO TRIBOUILLARD/AFP via Getty Images)

Zusammen mit Jonathan Ikoné (22), Jonathan Bamba (24) und Renato Sanches (22) wird Lille wieder einen sehr interessanten Angriff auf die Beine stellen können. Viele kreative Akteure, die dem Spiel mit ihren intelligenten Läufen trotzdem Tiefe verleihen können. Sollte es doch mal rustikaler zugehen, hat Lille noch Burak Yilmaz (35) ablösefrei geholt. 

Interessant dürfte ebenfalls die Rolle von Isaac Lihadj (18) sein. Der Flügelstürmer kam von Olympique Marseille, nachdem er sich dort weigerte einen Profivertrag zu unterzeichnen. Der Franzose gilt als einer der talentiertesten Offensivspieler seines Jahrgangs. Lille konnte namhafte Konkurrenz wie z. B. Borussia Dortmund beim Werben um ihn ausstechen. 

Lille: Auch auf Dämpfer vorbereitet

Die Verantwortlichen in Lille haben sich (mal wieder) einen Kader zusammengestellt, der viele Facetten besitzt. Ob Ballbesitz oder doch lieber explosives Konterspiel: Galtier hat viele unterschiedliche Spielertypen und kann sich hervorragend auf jegliche Szenarien einstellen. Nach dem Abgang von Osimhen, verteilt Lille, wie im erfolgreicheren Jahr zuvor, die Verantwortung wieder auf mehrere Schultern ab. Es geht zwar ein wenig Direktheit verloren, aber das Kombinationsspiel dürfte Fahrt aufnehmen. Sollten Ikoné und Bamba bleiben, dürften sie davon sehr profitieren. 

Ein herber Dämpfer bleibt der bevorstehende Wechsel von Gabriel Magalhães (22). Der Brasilianer hat eine hervorragende Saison gespielt und wird dementsprechend von vielen Klubs aus dem Ausland intensiv beobachtet. Mehrere Interessenten haben dem Innenverteidiger bereits Angebote unterbreitet und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er wechselt. 

Im Fokus: Sven Botman

Natürlich haben sich die Verantwortlichen Lilles schon darauf vorbereitet und Sven Botman (20) von Ajax Amsterdam geholt. Der 20-Jährige wurde vom niederländischen Rekordmeister in der Jugend ausgebildet und hatte letztes Jahr seinen Durchbruch in der Eredivisie, als er an Heerenveen ausgeliehen war. Botman ist 1,95 m groß und verfügt über eine beeindruckende Physis. In der Luft ist er nur schwer zu überwinden.

Doch auch am Boden zeigt er schon viele positive Ansätze. Sein Timing bei Zweikämpfen ist sehr stark und Botman besitzt eine hohe Spielintelligenz. Der Niederländer ist ein typischer, moderner Innenverteidiger. Somit ist er am Ball ebenfalls sehr stark und besitzt eine gute Übersicht. Er kann mit beiden Füßen das Spiel eröffnen, scheut sich auch nicht davor anzudribbeln und dadurch das Pressing des Gegners zu überwinden, um danach einen Ball in die Spitze zu spielen. Lille und die Ligue 1 scheinen der perfekte nächste Schritt für ihn zu sein. 

Prognose

OSC Lille hat auf dem Transfermarkt hervorragend agiert und wieder eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt. In der letzten Saison mussten sie hier und da Lehrgeld zahlen, aber sollten sie ihr jetziges Gerüst und insbesondere Ikoné halten, dürfte es für sie wieder in Richtung Champions-League-Qualifikation gehen. 

Girondins Bordeaux (Letzte Saison: 12. Platz)

In der abgelaufenen Saison landete Girondins Bordeaux schlussendlich auf dem zwölften Rang und verpasste damit abermals den internationalen Wettbewerb. Grund für das enttäuschende Abschneiden war mitunter die Defensivleistung, 34 Gegentreffer in 28 Partien waren schlichtweg zu viele. Im Angriff dagegen wusste Bordeaux meist zu überzeugen und traf ganze 40 mal – und war damit besser als die Hälfte der Teams, welche letztendlich unter den Top-6 landen sollten.

(Photo by MEHDI FEDOUACH / AFP)

Zwei Jahre in Folge in der zweiten Tabellenhälfte waren den Verantwortlichen der Bordelais jedoch zu viel und Trainer Paulo Sousa (49) musste seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger ist der der 66-jährige Franzose Jean-Louis Gasset – der damit an seine alte Arbeitsstätte zurückkehrt. Zwischen 2007 und 2010 arbeitete Gasset bereits als Co-Trainer von Laurent Blanc (54) im Südwesten Frankreichs und soll nun als Cheftrainer dafür sorgen, dass Bordeaux in Zukunft nicht nur für das Weinanbaugebiet, sondern auch wieder für einen erfolgreichen Fußball steht.

Girondins Bordeaux: Kaum Aktivität auf dem Transfermarkt

Die bisherigen Aktivitäten in Sachen Transfers lassen sich in Bordeaux an einer Hand abzählen: Zunächst zum Team gestoßen sind mit den Torhütern Paul Bernardoni (23) und Over Mandanda (21), sowie Stürmer Alexandre Mendy (26) und Mittelfeldakteur Yassine Benrahou (21) lediglich Spieler, die zuletzt verliehen waren. Bernardoni (7,5 Millionen Euro) und Benrahou (1,5 Millionen Euro) hatten jedoch keine Perspektive mehr in Bordeaux und wurden bereits verkauft, außerdem verließ Aaron Boupendza (23) den Verein ablösefrei und Youssef Ait Bennasser (23) ging zurück zur AS Monaco, von der er lediglich ausgeliehen war.

Insgesamt ist jedoch noch davon auszugehen, dass sich Bordeaux noch punktuell verstärken wird. Gerade in der Defensive sollte Trainer Gasset noch nach Neuzugängen suchen, die Offensivabteilung bedarf insgesamt nur wenig Änderungen – die Leistungen der vergangenen Saison waren in diesem Bereich wie bereits angesprochen nicht zu kritisieren.

Mit Gasset zurück nach Europa?

Mit Gasset ist Bordeaux womöglich schon ein kleiner Coup gelungen: Der 66-jährige trainierte zuletzt von Dezember 2017 bis Juni 2019 St. Etienne und war dort auf Anhieb erfolgreich. Er formte aus einem Team, welches nur knapp vor den Abstiegsrängen stand, in kurzer Zeit eine Mannschaft, die sich für den internationalen Wettbewerb qualifizierte und letztlich sogar in der Champions League landete. Eine Tatsache, die man im Südwesten Frankreichs gerne kopieren würde.

Gasset lässt in der Regel ein 4-2-3-1 spielen, hin und wieder baut er jedoch auch ein 5-3-2 ein, dies jedoch primär, wenn man auf ein Team aus der Spitzenregion trifft. Dabei legt der Franzose viel wert auf eine funktionierende Offensive, die er bereits jetzt schon weitestgehend zur Verfügung hat und nicht noch großartig suchen muss. Mit Jimmy Briand (35), Nicolas de Préville (29), Ui-jo Hwang (27) und Josh Maja (21) hat Bordeaux zwar eine Offensivreihe, in der keiner exklusiv herausstricht und bemerkenswert viele Tore schießt, allerdings ist die Ausbeute bei den vieren in der vergangenen Saison sehr ausgeglichen gewesen, sodass auch so meist eine Treffergarantie bestand, die auf mehreren Schultern lastete. Des Weiteren zeigte sich vor allem de Préville als solider Vorlagengeber.

(Photo by NICOLAS TUCAT / AFP)

Auch die Defensive wusste Gasset bei St. Etienne weitestgehend zu stabilisieren, auch wenn am Ende im Durchschnitt knapp ein Gegentreffer pro Partie zu buche stand. Hohe Niederlagen setzte es dabei jedoch fast nie und wenn die Mannschaft von Gasset einen Gegentreffer fing, wurde dieser oftmals egalisiert, sodass ein Punktgewinn erzielt werden konnte. Ähnliches ist nun auch in Bordeaux zu erwarten. Die Hintermannschaft sollte zwar punktuell unterstützt werden, doch am Ende des Tages dürfte eher die vorhandene qualitativ beachtliche Offensive den entscheidenden Unterschied im Kampf um die Zähler machen.

Im Fokus: Rémi Oudin

Der 23-jährige Flügelspieler Rémi Oudin ist erst seit knapp einem halben Jahr bei Girondins Bordeaux. Der Franzose wechselte im Januar für zehn Millionen Euro von seinem Jugendklub Stade Reims zu dem Verein. Aufgrund der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Saisonabbruch konnte er sein Können jedoch nur im Ansatz zeigen und kam in seinen bisherigen acht Einsätzen als Bordelais auf einen Treffer und eine Torvorlage. Was er im Trikot von Stade Reims jedoch zeigte, rechtfertigte seine Ablöse insgesamt.

(Photo by NICOLAS TUCAT / AFP)

Oudin, der auf beiden Außenpositionen und im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, besticht durch ein hohes Tempo, eine gute Übersicht und ein tolles Spielverständnis. Obwohl er mit seinen 1,85m nicht besonders klein ist, ist er flink unterwegs und bereitet seinen Gegenspielern Probleme. Seine Verlagerungen sorgen mitunter für ein vertikales Spiel und machen sein Team gefährlich für Konter. Des Weiteren hat der Linksfuß einen starken Abschluss. Allerdings bedarf es noch einer Menge Konstanz, um der Rolle als potenzieller Stammspieler auch gerecht zu werden. Unter seinem neuen Trainer kann er nun zeigen, dass er in der Lage ist eine Offensive mit anzuführen und in die obere Tabellenregion zu schießen.

Prognose

Mit einem neuen Trainer versucht Girondins Bordeaux – nach zwei Jahren Abstinenz – wieder die internationalen Plätzen zu belegen. Der erfahrene Gasset soll den Kader punktuell verbessern und damit dafür sorgen, dass die gesteckten Ziele auch erreicht werden. Die schwungvolle Offensive kann auf jeden Fall mit den Teams aus der oberen Tabellenregion mithalten, nun gilt es aber eine gewisse Konstanz aus den Spielern herauszukitzeln und die Defensivarbeit zu stärken. Ein Erreichen der Top-6 scheint jedoch allemal realistisch.

Racing Straßburg (Letzte Saison: 10. Platz)

Seit 2017 gehört Racing Straßburg wieder zum Konzert der Großen in der französischen Ligue 1. Nach dem Aufstieg haben sich die Elsässer in der höchsten Spielklasse Frankreichs etablieren können. In der abgebrochenen Saison 2019/20 konnte ein solider zehnter Platz erreicht werden, auch in der kommenden Saison ist das Primärziel, so schnell wie möglich einen großen Abstand auf die Abstiegsränge herzustellen.

(Photo by GERARD JULIEN/AFP via Getty Images)

Ein wichtiger Eckpfeiler des Erfolgs der letzten Jahre ist Trainer Thierry Laurey (56), der die Mannschaft im Jahr 2016 übernahm und in seiner ersten Saison prompt den Aufstieg schaffte. In den letzten Jahren hat Laurey eine Mannschaft entwickelt, die sehr flexibel ist und zahlreiche Systeme beherrscht. Zudem legt der Trainer viel Wert auf eine disziplinierte Arbeit gegen den Ball. 32 Gegentore zum Zeitpunkt des Abbruchs sind eine solide Bilanz und untermauern dies. 

Racing Straßburg: Wenige Anpassungen im Kader

Auf dem Transfermarkt übte sich der Klub aus dem Elsass bisher in Zurückhaltung. Die finanzielle Lage ist angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie natürlich angespannt, bisher tat sich wenig. Mahame Siby (23) wurde aus der Ligue 2 von Valenciennes verpflichtet, zudem gab Straßburg zwei Millionen Euro für Stürmer Majeed Waris (28) vom FC Porto aus, der in der Rückrunde bereits auf Leihbasis für die Elsässer spielte. Auch auf der Abgangsseite tat sich wenig, die auslaufenden Verträge mit Benjamin Corgnet und Jeremy Grimm (beide 33) wurden nicht verlängert, Abdallah Ndour (26) wechselte nach Sochaux, Louis Pelletier (20) zog es nach Reims. 

Für Thierry Laurey stellt das alles aber kein großes Problem dar. Die Mannschaft ist intakt, eingespielt und auf den Schlüsselpositionen gut besetzt. Zudem stehen einige Spieler im Kader, die gleich auf mehreren Positionen zum Einsatz kommen können. Zu den Schlüsselfiguren zählen Kapitän und Abwehrchef Stefan Mitrovic (30), sowie die beiden zentralen Mittelfeldspieler Dimitri Lienard (32) und Adrien Thomasson (26). Der erfahrene Lienard bestimmt den Rhythmus im Mittelfeld und ist zudem ein exzellenter Standardschütze, Thomasson fungiert als Bindeglied zwischen den tieferen Positionen und dem Angriff, erzielte in der letzten Saison zehn Treffer und bereitete drei weitere vor.

Flexibilität und eine solide Defensive

5-3-2, 5-4-1, 4-3-1-2: Racing Straßburg beherrscht viele Systeme. Auffällig ist, dass es kein klassisches Flügelspiel gibt. Das Anschieben über die Außenbahnen wird primär von den Außenverteidigern bestimmt, insbesondere Kenny Lala (28) schaltet sich immer wieder mit nach vorne ein. Zudem weichen die Offensivakteure, je nach System also die offensiven Mittelfeldspieler oder Stürmer, immer wieder auf die Außenbahn aus, um dort zu unterstützen. Der französische Meister von 1979 verfügt im Angriff über viele verschiedene Spielertypen. Der beste Stürmer ist wohl Ludovic Ajorque (26), der in der letzten Saison an zwölf Ligatoren direkt beteiligt war.

(Photo by FREDERICK FLORIN/AFP via Getty Images)

Der 1,97 m große Mittelstürmer besticht durch seine Physis. Er kann lange Bälle sehr gut festmachen, ist überdies ein Zielspieler bei ruhenden Bällen. Um ihn herum agiert häufig Lebo Mothiba (24), der ein deutlich beweglicherer Stürmer ist. Er interpretiert die Position im Angriff deutlich flexibler, lässt sich fallen oder weicht auf den Flügel aus. Die Mischung im Offensivbereich  ist insgesamt sehr gut, Herzstück der Mannschaft ist aber das Mittelfeld. 

Lienard und Thomasson, die sich hervorragend ergänzen, wurden bereits angesprochen. Aber auch Sanjin Prcic (26) oder Ibrahima Sissoko (22) übernehmen sehr wichtige Aufgaben im Mittelfeldzentrum, fügen sich sehr gut ein und arbeiten diszipliniert gegen den Ball. Gelingt es, im noch lange offenen Transferfenster, möglicherweise noch ein kreatives Element zur Offensive hinzuzufügen, ist ein unangenehmes Straßburg noch facettenreicher und besser aufgestellt. 

Im Fokus: Mohamed Simakan

Der 20-jährige Innenverteidiger Mohamed Simakan war in der Vorsaison einer der Shootingstars bei Racing Straßburg. Schon seit 2017 spielte Simakan in der Jugendabteilung des Klubs, seit Beginn der Saison 2019/20 gehörte er regelmäßig zum Profikader. 19 Spiele absolvierte Simakan in der Ligue 1, dabei bestach er durch eine enorme Abgeklärtheit. Nicht umsonst wurde der Innenverteidiger im Laufe des Sommers mit Klubs wie der AS Monaco in Verbindung gebracht. Ein Wechsel ist weiterhin denkbar, allerdings nur, wenn die Ablösesumme stimmt. Diese muss im zweistelligen Millionenbereich liegen, vorher ist ein Abgang utopisch.

(Photo by PATRICK HERTZOG / AFP)

Warum Simakan im Fokus größerer Klubs steht, wird schnell deutlich. Er wirkt bereits sehr reif, gewinnt viele Zweikämpfe, setzt sich robust gegen seine Gegenspieler durch. Seine Athletik ist außerdem beeindruckend, insbesondere in einer Fünferkette dribbelt er häufig an, geht mit langen Schritten nach vorne und eröffnet so das Spiel. Im Aufbau unter Druck muss Simakan noch an seiner Präzision arbeiten, zuweilen geht der Franzose noch zu ungestüm in den Zweikampf. Wenn er bei Straßburg bleibt, wird er eine sehr wichtige Rolle in der kommenden Saison spielen und den nächsten Entwicklungsschritt gehen können. 

Prognose

Der Kader ist ausgewogen, der Trainer verfolgt einen klaren Plan und die Mannschaft ist eingespielt. Racing Straßburg kann der neuen Saison entspannt entgegenblicken. Nachdem sich der Klub in den letzten Jahren in der Ligue 1 etabliert hat, soll nun der nächste Schritt folgen. Ein dauerhafter Platz in der oberen Tabellenhälfte ist das Ziel, das kann mit den beschriebenen Rahmenbedingungen in dieser Saison auch funktionieren. Die Elsässer werden im gesicherten Mittelfeld landen. 

 Manuel Behlert

SCO Angers (Letzte Saison: 11. Platz)

Seitdem Angers 2015 nach 21 Jahren in die Ligue 1 zurückkehrte, zählte das Team zunächst zu den Abstiegskandidaten, hat sich inzwischen aber in der Liga etabliert. Wie in der ersten Saison nach dem Aufstieg 2015 spielte Angers in den ersten Wochen der Vorsaison oben mit. Der Saisonstart war besonders stark, der SCO gewann fünf der ersten sieben Spiele. Noch im November stand das Team nach zwölf Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz, dann wurden die Leistungen unkonstanter und es folgten einige Niederlagen. Nachdem Angers ab Februar zunächst vier Spiele in Folge verlor, gewann das Team von Trainer Stéphane Moulin (53) die letzten Partien bis zum Saisonabbruch.

Schwankende Leistungen zogen sich durch die gesamte vergangene Spielzeit, auch in der starken Phase zu Saisonbeginn verlor Angers mit 0:6 in Lyon. Die guten und schlechten Spiele glichen sich aber aus. Am Ende stand eine durchschnittliche Saisonbilanz, die mit jeweils elf Siegen und Niederlagen sowie sechs Remis komplett ausgeglichen war.

SCO Angers: Die Abwehr ist die Stärke

Eine Spielzeit ohne Abstiegssorgen dürfte auch in diesem Jahr wieder das Ziel des SCO sein. Mit unaufgeregtem, oft aber auch pragmatischem, dafür aber effektivem Fußball hat sich das Team in der Ligue 1 etabliert. Im Angriff herrscht seit Jahren wenig Spektakel, vergangenes Jahr traf der Sporting Club in 28 Spielen nur 28 Mal. Die Defensive (33 Gegentore in der Vorsaison) ist oftmals stabil, gegen die großen Kaliber, also wenn sie über 90 Minuten gefordert wurde, zeigte sie sich aber anfällig,

Kein anderer Trainer steht in der Ligue 1 so sehr für Kontinuität wie Stéphane Moulin. Er ist seit 2011 im Amt und damit der mit Abstand dienstälteste Coach der Liga. Er bevorzugt eine defensive Grundordnung, stellte Angers vergangenes Jahr häufig im 4-1-4-1 oder im 4-2-3-1 System auf. Wenn keine fünf Akteure im Mittelfeld spielten, stellte er auch mal eine Fünfer-Abwehrkette auf. Die Unaufgeregtheit im eigenen Spiel zeichnet den Club auch außerhalb des Platzes aus. Intern herrscht Ruhe, Moulin genießt das Vertrauen der Bosse, nur so konnte sich Angers in der Ligue 1 etablieren.

(Photo by PASCAL GUYOT/AFP via Getty Images)

Angers verstärkt die Defensive

Die defensive Ausrichtung wird auch in der kommenden Saison im Fokus stehen. Der bislang teuerste Transfer ist der von Torhüter Paul Bernardoni (23). Der französische Schlussmann kommt von Girondins Bordeaux. Der bisherige SCO-Stammkeeper Ludovic Butelle (37) soll langfristig nicht mehr das Tür hüten. Das war auch schon vergangenen Sommer der Plan, der damals von Lorient gekommene Danijel Petkovic (27) konnte sich aber nicht durchsetzen.

Die Abwehr wurde noch weiter verstärkt: Mit Souleyman Doumbia (23) kommt ein weiterer Defensivspieler, der sich noch entwickeln kann. Der ivorische Nationalspieler war seit Januar aus Rennes ausgeliehen und wird nun fest verpflichtet. Angers zahlte für den Linksverteidiger drei Millionen Euro an Stade Rennes. Vor dem Saisonabbruch in der Ligue 1 bestritt er fünf Spiele über die volle Distanz und konnte eine Torvorlage beisteuern. In Rennes absolvierte er vergangene Saison nur ein Spiel. Doumbia wurde bei Paris Saint-Germain ausgebildet und gilt als sehr talentiert, bislang konnte er sich aber noch bei keinem Verein langfristig durchsetzen. Bei Angers war der Beginn vielversprechend. Moulin dürfte auch in dieser Spielzeit auf ihn setzen.

(Photo by JEAN-FRANCOIS MONIER/AFP via Getty Images)

Nicht als Soforthilfe dürfte Enzo Ebosse (21) gedacht sein, der Franko-Kamaruner kommt für 400.000 Euro von Le Mans aus der Ligue 2 und ist auch Linksverteidiger. Auch zum Team stößt Kevin Bemanga (22), der Rechtsaußen kommt von Zweitligust Paris FC nach Angers. Neben den vier Neuzugängen kommen mehrere Leihspieler zurück. Die Innenverteidiger Elhadji Pape Diaw (25) kommt von Zweitligist SM Caen zurück, konnte dort aber nicht überzeugen. Mittelfeldspieler Lassana Coulibaly (24) kehrt von Cercle Brügge zurück, genauso wie Harisson Manzala (26) von Le Mans. Im Sturm kehrt Thomas Touré (26) vom FC Sochaux zurück.

Drei zuvor verliehene Profis verlassen den Club. Innenverteidiger Ibrahim Cissé (24) war an Zweitligist Paris FC verliehen und geht jetzt in die dritte Liga nach Dunkerque, Baptiste Guillaume (25) war an Valenciennes verliehen und wurde nun fest verpflichtet. Vincent Pajot (29) war an den FC Metz verliehen und wechselt nun fest für 700 000 Euro Ablöse. Außerdem wird Torwart Anthony Mandréa (23) in die dritte Liga nach Cholet verliehen und Linksverteidiger Théo Pellenard (26) geht ablösefrei.

Im Fokus: Rayan Ait Nouri

Rayan Ait Nouri ist erst 19 Jahre jung und spielte sich vergangene Saison sofort in die Startelf. Defensiv spielt der Linksverteidiger für sein junges Alter meistens sehr konzentriert und hat viel Drang nach vorne. Letztes Jahr bereitete er drei Tore vor, ehe er sich im Winter den Kiefer brach und für den Rest der Spielzeit ausfiel. Der französische U21-Nationalspieler hat das Interesse internationaler Topclubs geweckt. Paris Saint-Germain, Manchester United und Atletico Madrid sollen an ihm interessiert sein. Dennoch hofft man in Angers, trotz möglicherweise großer Einnahmen, dass der Spieler bleibt und die nächsten Entwicklungsschritte in Angers geht.

SCO Angers
(Photo by JEAN-FRANCOIS MONIER/AFP via Getty Images)

Prognose

Angers hat eine ausgeglichene Mannschaft, die vor allem defensiv zumeist gut ausbalanciert ist und auch noch verstärkt wurde. Im Angriff fehlt dem Team aber die Durchschlagskraft, hier hatte man vergangene Saison keinen Leistungsträger. Der SCO Angers hat auf jeden Fall die Qualität, um sich von den Abstiegsrängen fernzuhalten und einen Platz im Mittelfeld anzupeilen.

Piet Bosse

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(Photo by FRANCOIS LO PRESTI/AFP via Getty Images)

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