Samstag, Oktober 31, 2020

Thiago Almada im Porträt: Der nächste Topstar aus Argentinien?

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Für viele aufstrebende Talente aus Südamerika ist der Schritt in eine europäische Topliga ein großes Ziel. Sie träumen von der großen medialen Aufmerksamkeit, aber auch von der Champions League, dem größten Vereinswettbewerb auf der Welt.

Gleichzeitig erfreuen sich diese südamerikanischen Talente auf dem europäischen Markt großer Beliebtheit. Viele Klubs schicken Scouts nach Südamerika, um schon im Juniorenbereich Daten zu erfassen und Spieler zu beobachten. Ein Spieler, der in zahlreichen Datenbanken auftauchen wird, ist Thiago Almada.

Thiago Almada: Der Junge von Velez Sarsfield

Am 26. April 2001 erblickte Thiago Almada in Buenos Aires das Licht der Welt. Schon während seiner Zeit als aufstrebender Jugendspieler schloss sich Almada der Jugendabteilung des ortsansässigen Vereins Club Atletico Velez Sarsfield an. Das große Ziel des Offensivspielers war es, als Profi mit der Mannschaft aus seiner Heimatstadt in das Estadio José Amalfitani einzulaufen. Und dieser Traum ging in Erfüllung.

Zunächst wurde Thiago Almada mit 17 Jahren zur Profimannschaft geholt, anschließend gab er am 1. Spieltag der Saison 2018/19 sein Debüt – in eben jenem Stadion. Gegen die Newell’s Old Boys wurde er beim 2:0-Erfolg von Velez Sarsfield eingewechselt, spielte knapp 30 Minuten. Nur knapp drei Monate später stand Almada erstmals über 90 Minuten auf dem Platz, traf gegen Defensa y Justicia gleich zweimal und machte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt einen Namen im argentinischen Fußball. 

Velez Sarsfield: Ideale Umgebung für Almada

Beim zehnfachen argentinischen Meister Velez Sarsfield ist der junge Thiago Almada sehr gut aufgehoben. Der mittlerweile 19-jährige wird dort von Gabriel Heinze trainiert. Heinze, der selbst im Alter von 19 Jahren den Sprung nach Europa zu Real Valladolid wagte und später unter anderem für Manchester United, Real Madrid und die Roma auflief, ist der ideale Förderer für den Offensivspieler. Er kennt den europäischen Fußball, weiß selbst, wie groß der Schritt ist. Denn Heinze hatte nach seinem Wechsel Akklimatisierungsprobleme, startete erst zwei Jahre nach dem Sprung nach Europa so richtig durch.

 (Photo by RODRIGO BUENDIA/AFP via Getty Images)

Doch die Zeiten haben sich geändert. Einerseits ist die Ausbildung in Argentinien mittlerweile sehr gut, was man beim Blick auf die Vielzahl vielversprechender Spieler in der argentinischen Liga sieht, andererseits sind junge Talente heutzutage häufig schon früher mit der nötigen Reife ausgestattet. Ein Profidebüt mit 17, ein Stammplatz mit 19 und einige Länderspiele für die A-Nationalmannschaft, wenn man eigentlich noch im Juniorenbereich hätte spielen können, sind keine Seltenheit.

Thiago Almada: Instinktfußballer mit brillanter Technik

Bisher wartete der 19-jährige Offensivspieler noch mit dem großen Schritt nach Europa. Sieht man ihm aber auf dem Platz zu, dann stellt man schnell fest, dass er die Qualitäten dafür mitbringt. Der 1,71m große Thiago Almada verkörpert mit seiner engen Ballbehandlung, seiner eher schmächtigen Statur und seinem Spielwitz den Prototypen eines Straßenfußballers. Er liebt es, Tempo aufzunehmen, sich in engen Räumen gegen seine Gegenspieler zu behaupten und Lösungen in schier ausweglosen Situationen zu finden. 

Almada kann im Mittelfeldzentrum als klassischer Spielmacher agieren, aber auch auf den Außenbahnen eingesetzt werden. Zieht er sich als „10er“ häufiger in tiefere Räume zurück und baut das Spiel mit auf, so kann er auf der Flügelposition durch gewonnene 1-gegen-1-Duelle und Tempodribblings für Torgefahr sorgen. Mit schnellen, wirkungsvollen Körpertäuschungen schafft er es, seine Gegenspieler abzuschütteln und Dynamik aufzunehmen, was ihm insbesondere aus der Tiefe des Zentrums kommend zahlreiche Möglichkeiten eröffnet.

(Photo by Rodrigo Valle/Getty Images)

Doch es sind nicht nur die offensichtlichen Qualitäten, nicht nur die, die sofort auffallen, wenn man den 19-jährigen auf dem Platz beobachtet. Thiago Almada zeichnet sich auch dadurch aus, dass er im Offensivbereich instinktiv Dinge richtig macht. Sei es die Bewegung in die exakt richtigen Räume, um seinen Mitspielern eine Anspielstation zu bieten oder das Gespür für den richtigen Moment, in dem der Pass ausgelöst werden muss: Almada bringt diese Kernelemente, die einen Offensivspieler auszeichnen, einfach mit. Und genau das könnte für den Sprung nach Europa wichtig sein.

An Defiziten muss gearbeitet werden

Denn nicht selten kommen junge, aufstrebende Talente aus Südamerika nach Europa und denken, sie können mit ihren Körpertäuschungen, ihrer Brillanz in der Ballführung und dem ein oder anderen Hackentrick zum Publikumsliebling avancieren. Manchen Spielern, die solche Komponenten in ihrem Skillset haben – dieses Phänomen lässt sich auch bei europäischen Talenten beobachten – fehlen essenzielle Qualitäten im taktischen Bereich. Und eben der Instinkt, eine Fähigkeit, die man nicht lernen kann.

Natürlich: Je mehr Qualitäten ein Spieler mitbringt, desto vielversprechender ist es, wenn er instinktiv die richtigen Dinge tut. Denn dann ist er in der Lage, seine in einem Sekundenbruchteil entstehenden Ideen auszuführen. Grundsätzlich helfen aber auch die besten Ideen nicht viel, wenn ein Spieler mit fußballerischen Defiziten diese ausführen soll.

Glücklicherweise vereint Almada all dies. Gleichermaßen werden bei genauerer Betrachtung seiner bisherigen Karriere und seiner aktuellen Saison auch noch Defizite sichtbar, die für einen 19-jährigen ganz normal sind. Damit sind nicht die “nur” sieben Torbeteiligungen in 25 Pflichtspielen gemeint, denn Almada und sein Spiel nur über Statistiken zu definieren, wäre unangemessen.

Trotzdem ist noch ein Mangel an Konstanz festzustellen. Nicht in jedem Spiel schafft es Thiago Almada, eine Vielzahl an Torchancen zu kreieren oder sich wie gewohnt in Szene zu setzen. Diese Konstanz herzustellen ist wohl der letzte Schritt, den er noch gehen muss, um unangefochtener Stammspieler zu werden und nicht partiell auch von der Bank zu kommen. Darüber hinaus besteht noch Verbesserungspotenzial in der Arbeit gegen den Ball, zudem muss die generelle Bereitschaft, Defensivarbeit zu verrichten, noch verbessert werden.

Thiago Almada: Wohin führt der Weg?

Optimierungsbedarf besteht auch im offensiven Bereich – trotz umfassender Qualitäten – noch reichlich. Gleichzeitig kann man konstatieren, dass Thiago Almada nahezu alles mitbringt, was ein Talent benötigt, um es in Europa zu schaffen. Neben den Qualitäten auf dem Platz ist es aber auch sehr wichtig, dass die richtige Entscheidung bei der Vereinswahl getroffen wird.

Atletico Madrid und Manchester United waren die letzten Klubs, die mit dem 19-Jährigen in Verbindung gebracht wurden. Schon 2019 Interessierte sich angeblich Manchester City für den Youngster, der eine Ausstiegsklausel im Bereich von 25 Millionen Euro besitzen soll und noch bis 2023 an Velez Sarsfield gebunden ist.

 (Photo by Marcelo Endelli/Getty Images)

Möglicherweise wäre aufgrund der Tatsache, dass Thiago Almada zwar ein Rohdiamant, aber noch ein ungeschliffener ist, ein Zwischenschritt ideal. Gleichermaßen könnte dies in diesem Sommer ein schwieriges Unterfangen sein, denn gerade die Klubs, die nicht zum obersten Regal zählen, können Transfers in dieser Größenordnung möglicherweise nicht stemmen. Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich ein Wechsel zu einem Topklub, der ihn langsam aufbaut und gebenenfalls noch einmal verleiht. Die bestmögliche Lösung zu finden, wird nun die Aufgabe des Spielers und seiner Berater sein.

Der Klub, der Interesse an Thiago Almada hat und ihn verpflichtet, völlig unabhängig ob im Sommer 2020 oder 2021, wird einen sehr talentierten Spieler erhalten. Ob der U20-Nationalspieler den Sprung von einem vielversprechenden Talent zu einem Topspieler schaffen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar. Das ist von vielen, gegenwärtig nicht bestimmbaren Faktoren abhängig. Mit den richtigen Entscheidungen in Sachen Karriereplanung und dem nötigen Quäntchen Glück, könnte Almada aber einen Weg gehen, wie ihn viele südamerikanische Talente vor ihm gehen konnten.

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(Photo by RODRIGO BUENDIA / AFP)

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