Beide Klubs hatten unterschrieben. Das Deal Sheet lag bei der Premier League, die Nachfrist lief. Und dann verließ Folarin Balogun nach Mitternacht das Trainingsgelände von Everton – ohne Vertrag, mit Rückflugticket nach Monaco.
Was in Finch Farm wirklich passierte
Der Ablauf ist inzwischen gut dokumentiert. Everton hatte sich mit der AS Monaco auf rund 40 Millionen Pfund geeinigt, Balogun absolvierte den Medizincheck in Finch Farm. Danach meldete der Klub Bedenken an und eröffnete die Verhandlungen neu – über Ablöse und Gehalt. Um 23 Uhr britischer Zeit schloss das Fenster, beide Seiten reichten das Deal Sheet ein, das eine zweistündige Verlängerung gewährt. In dieser Verlängerung entschied sich der Spieler um.
Der Grund war nach Darstellung mehrerer Quellen nicht medizinisch, sondern atmosphärisch: Balogun war mit der Art unzufrieden, wie der Klub die Sache behandelt hatte. Ein Transfer scheitert selten an einem Befund. Er scheitert daran, was man mit dem Befund macht.
Zwei Versionen einer Untersuchung
Monacos Sportdirektor Thiago Scuro hat die Version aus Liverpool öffentlich bestritten. Nach seiner Schilderung ergaben die Rückfragen der Engländer weder für die Monegassen noch für den Privatarzt des Spielers einen Sinn; Everton habe am Ende selbst festgestellt, dass kein Problem vorliege, und sei zur Unterschrift bereit gewesen. David Moyes wiederum stellte es schlicht dar: Der Spieler habe ein Problem im Medizincheck gehabt, das sei alles gewesen, es gebe keine weiteren Geschichten.
Zwei Klubs, zwei Erzählungen, ein Spieler, der zurückflog. Wer die eine Version glaubt, hält Everton für vorsichtig. Wer die andere glaubt, hält Everton für gierig.
Ein Sturmzentrum, besetzt von genau einem Mann
Die sportliche Folge ist unstrittig. Everton verkaufte am selben Tag Beto an die Fiorentina und Iliman Ndiaye für kolportierte 65 Millionen Pfund an Manchester City. Übrig bleibt mit Thierno Barry ein einziger gelernter Mittelstürmer. Tyrique George und Tyler Dibling können die Position ausfüllen, sind aber Flügelspieler. Versuche bei Joshua Zirkzee und Tammy Abraham scheiterten, ein Vorstoß bei Kenny Tete ebenfalls – Fulham fand keinen Ersatz.
Gekommen sind Jack Grealish, erneut per Leihe von Manchester City, und Ainsley Maitland-Niles von Olympique Lyon für rund drei Millionen Pfund. Das ist Breite. Es ist keine Neun.
Die Tabelle weiß davon noch nichts
Und hier wird es unbequem für die Krisenerzählung: Everton ist ungeschlagen. 2:0 gegen Crystal Palace, 1:1 in Bournemouth, 2:2 gegen Manchester United am Sonntag – fünf Punkte aus drei Spielen, Barry hat getroffen. Moyes selbst räumte ein, enttäuscht zu sein, mehr sei nicht gegangen, man müsse mit Enttäuschungen leben und weitermachen.
Vier Monate bis Januar – und ein Kader, der nicht rotieren kann
Das Problem ist nicht der September. Es ist der November, wenn Barry eine Zerrung hat oder eine Sperre absitzt und Moyes einen Flügelspieler in die Spitze stellen muss, weil das Fenster geschlossen ist und Ablösefreie selten das lösen, wofür man 40 Millionen ausgeben wollte. Everton hat den Sommer mit einem Gewinn abgeschlossen und einer Lücke. Kader baut man nicht aus Bilanzen.

