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90PLUS » Monaco stoppt den Camara-Transfer nach schriftlicher Zusage
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Monaco stoppt den Camara-Transfer nach schriftlicher Zusage

Fritz Pecker
03.09.26, 11:13
Fritz Pecker
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(Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)

Ein Wechsel für rund 55 Millionen Euro. Eine schriftliche Einigung zwischen zwei Klubs. Ein absolvierter Medizincheck. Und am Ende des Abends: kein Transfer, kein Geld, zwei wütende Vereine – und ein Spieler, der am Dienstagmorgen noch nach London fliegen sollte.

Der Anruf um 16 Uhr

Die AS Monaco brauchte in diesem Sommer Geld. Nicht aus Übermut, sondern aus regulatorischem Zwang – Sportdirektor Thiago Scuro hat das nach Schluss des Fensters selbst so beschrieben. Zwei Namen standen auf der Liste möglicher Verkäufe: Lamine Camara und Folarin Balogun. Der eine sollte bleiben, der andere durfte gehen.

Chelsea hatte an Camara Interesse, seit Wochen. Nach Scuros Darstellung sprach er rund zehn Tage lang mit den Londonern. Die Antwort war jedes Mal dieselbe. Auch am Nachmittag des Deadline Days, gegen 16 Uhr, als Chelsea nach dem Verkauf von Enzo Fernández an Manchester City für kolportierte 125 Millionen Pfund noch einmal anklopfte: nein.

Ein Medizincheck in Liverpool kippt den Markt

Balogun war da längst auf Merseyside. Everton hatte sich mit Monaco auf rund 40 Millionen Pfund geeinigt, der US-Amerikaner absolvierte den Medizincheck, alles lief nach Plan. Bis am frühen Abend Zweifel aus Liverpool nach Monte Carlo drangen – Bedenken, die Monacos Ärzte nach eigener Darstellung nicht nachvollziehen konnten.

Und plötzlich brauchte Monaco einen Plan B. Chelsea roch das sofort. Scuro erzählt die Szene fast ungerührt: Die Londoner hätten sich gemeldet, sie könnten vielleicht die Lösung sein. Gegen 20 Uhr begannen die Verhandlungen. Camara absolvierte einen Medizincheck, die Klubs einigten sich auf einen Vertrag bis 2032, Chelsea hatte die Zusage schriftlich vorliegen.

Dann meldete sich Everton zurück. Das medizinische Problem war keines, der Deal für Balogun stand wieder. Monaco brauchte Camara nicht mehr zu verkaufen – und tat es nicht. „It’s part of the game“, sagte Scuro dazu.

Am Ende bekommt keiner, was er wollte

Die Pointe kam nach Mitternacht. Balogun, der zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass sein Wechsel Camaras Transfer gekostet hatte, machte einen Rückzieher und ließ den Wechsel nach Everton platzen. Monaco hatte damit beide Spieler noch im Kader – und keinen Cent der dringend benötigten Einnahmen.

Chelsea steht ohne Ersatz für Fernández da. Im zentralen Mittelfeld bleiben Moisés Caicedo, Romeo Lavia, Jordan Henderson und Valentín Barco. Everton hat bis Januar mit Thierno Barry genau einen etatmäßigen Mittelstürmer. Und Monaco hat einen 22-Jährigen im Kader, dem man an einem Abend erst gesagt hat, er dürfe gehen, und dann, er müsse bleiben.

Regelkonform gehandelt – und trotzdem beschädigt

Formal hat Monaco nichts falsch gemacht. Ohne unterschriebenes Deal Sheet vor Marktschluss war der Vorgang tot, egal wie viele Papiere vorher hin und her gingen. Chelsea sieht das anders und spricht von unprofessionellem Verhalten. Beide Positionen sind nachvollziehbar, und genau das ist das Problem.

Denn die interessanteste Wortmeldung kam nicht aus einem Klub. Diomansy Kamara, Berater von Camara und von Ismaïla Sarr, wurde nach dem Abend grundsätzlich: „Our African players deserve respect.“ Man kann das als Berater-Rhetorik abtun. Man kann es auch als Hinweis lesen, dass in diesem Geschäft die Verhandlungsmasse zwischendurch selbst atmet.

Die Frage ist nicht, ob Monaco im Recht war. Die Frage ist, warum ein Klub, der Geld verdienen muss, an einem einzigen Abend zweimal die Richtung wechselt und am Ende mit leeren Händen dasteht. Wer bis zur letzten Minute pokert, verhandelt irgendwann nicht mehr über Ablösen, sondern über Vertrauen. Und das notiert kein Transferportal.

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