DFB-Pokal | FC Bayern und die zweite Runde: (K)eine Liebesgeschichte

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Spotlight | Am Mittwochabend tritt der FC Bayern zur zweiten Runde des DFB-Pokals in Augsburg an. Während diese Mitte des vergangenen Jahrzehnts Routine war, entwickelte sie sich in jüngerer Vergangenheit immer mehr zum Münchener Kryptonit. 

2015/16: Als der FC Bayern den Titelverteidiger wegzauberte

VfL Wolfsburg: Benaglio – C. Träsch, Naldo, Dante, R. Rodríguez – Guilavogui, Luiz Gustavo – Vieirinha, Draxler, Caligiuri – Dost
Trainer: Dieter Hecking

FC Bayern: Neuer – Lahm, J. Boateng, Javi Martínez, Alaba – Thiago, Xabi Alonso – Coman, Müller, D. Costa – Lewandowski
Trainer: Pep Guardiola

„Was haben wir gegeneinander? Ich hab’s jetzt verloren“, wunderte sich Sportschau-Moderator Alexander Bommes bei der Auslosung zur zweiten Pokalrunde 2015/16, nach dem Bundesliga-Eröffnungsspiel in der Allianz Arena. „Wir haben die Bayern und Wolfsburg. Bayern-Wolfsburg! Alter Schwede, ey!“Die letzte auszulosende Partie sollte gleichzeitig auch die größte werden: Der Titelverteidiger empfing den Rekordsieger. Gut ein halbes Jahr zuvor feierten die Wolfsburger ein sattes 4:1 über den Rekordmeister.

 



 

Ohne den frisch zu Manchester City transferierten Kevin De Bruyne taten sie sich allerdings schwer, in der Bundesliga mit dem FC Bayern mitzuhalten. Da dieser nach dem 10. Spieltag noch makellos war, hatte der VfL als Viertplatzierter bereits zwölf Zähler Rückstand. Auch an jenem Abend des 27. Oktober 2015 war von Augenhöhe nicht viel zu sehen. Die Münchener machten eines ihrer besten Spiele unter Pep Guardiola und glitten über den Rasen der Volkswagen Arena mit einer Eleganz wie die frisch im VW-Werk zusammengebaute Limousine.

Eine Viertelstunde war auf der Uhr, da zog Neuzugang Douglas Costa von rechts nach innen und schraubte einen Schuss von der Strafraumkante in den rechten Winkel. Fünf Minuten später brach Juventus-Leihgabe Kingsley Coman links durch. Costas Abschluss konnte noch geblockt werden. Bevor die VfL-Verteidiger sich orientieren konnten, legte David Alaba im Strafraum nach rechts zu Thomas Müller, der volley versenkte.

Kurz nach der Halbstundenmarke beendeten die Münchener die Partie mit einem wie am Reißbrett entworfenen Spielzug: Costa mit der Seitenverlagerung nach links zu Coman, Alaba hinterlief, Thomas Müller vollstreckte aus ähnlicher Position wie beim 0:2 – und Dieter Hecking rieb sich auf der Wolfsburger Bank versteinerter Miene das Kinn. In der zweiten Hälfte zeigte sich seine Mannschaft verbessert und wurde von André Schürrle nach schönem Steckpass Maximilian Arnolds mit dem 1:3 belohnt. Während für die Wolfsburger der DFB-Pokal mit dieser Partie endete, sicherten sich die Münchener nach torlosen 120 Minuten mit einem 4:3 im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund den 18. Titel.

2016/17: Lahm zum Letzten und Green zum Ersten

FC Bayern: Neuer – Lahm, J. Boateng, Hummels, Juan Bernat – Renato Sanches – J. Green, Kimmich, Thiago, Coman – Müller
Trainer: Carlo Ancelotti

FC Augsburg: Hitz – G. Teigl, C. Janker, Hinteregger, Stafylidis – D. Kohr, D. Baier – J.-C. Koo, Kačar, P. Max – D.-W. Ji
Trainer: Dirk Schuster

Fast genau auf den Tag ein Jahr später, am 26. Oktober 2016, empfing der FC Bayern den FC Augsburg. Bis auf drei aufeinanderfolgende sieglose Partien im Estadio Vicente Calderón (0:1), gegen den 1. FC Köln (1:1) sowie in Frankfurt (2:2) ließ sich die Amtszeit von Carlo Ancelotti relativ vielversprechend an. Vor dem Pokalduell gab es ein souveränes 2:0 über Borussia Mönchengladbach.

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Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images

Augsburg, die den zu Schalke abgewanderten Markus Weinzierl durch Dirk Schuster ersetzten, konnten von den ersten acht Ligaspielen lediglich zwei gewinnen. Die Favoritenrolle war vor der Partie klar verteilt. Nach nicht einmal zwei Minuten wurde der FC Bayern dieser auch gerecht: Philipp Lahm versenkte einen scharfen Schuss von rechts ins lange Eck. Es war das schnellste und gleichzeitig auch letzte Karrieretor des Bayern-Kapitäns.

Wo ein Kapitel endete, begann wenig später ein anderes: Vier Minuten vor der Pause versenkte Julian Green eine Flanke von Thomas Müller zu seinem ersten Treffer im Trikot des Rekordmeisters. In der zweiten Hälfte scheiterte zuerst Ja-Cheol Koo vom Punkt an Manuel Neuer, bevor auch Müller einen Strafstoß vergab. Gut 20 Minuten vor Schluss kam der FCA durch Dong-Won Ji zurück ins Spiel. Obwohl sich die Partie danach etwas zerfahren gestaltete, konnten die Augsburger das nicht zum Ausgleich ausnutzen. Mit der letzten Aktion der Partie überraschte David Alaba Marwin Hitz im kurzen Eck löste das Achtelfinalticket. Letztendlich war für die Münchener im Halbfinale nach einem 2:3 gegen den späteren Titelgewinner Borussia Dortmund Endstation.

2017/18: Rangnicks Handy und das VfB-Duell

RB Leipzig: Gulácsi – Bernardo, Orbán, Upamecano, Halstenberg – Kampl, Keïta – Sabitzer, Forsberg – Poulsen, J.-K. Augustin
Trainer: Ralph Hasenhüttl

FC Bayern: Ulreich – Kimmich, J. Boateng, Hummels, Alaba – Tolisso, Vidal – Robben, Thiago, Coman – Lewandowski
Trainer: Jupp Heynckes

Was zwei Jahre zuvor an Spannung und Brisanz fehlte, war am 25. Oktober 2017 fast im Überfluss vorhanden. Nach einem 0:3 in Paris war Carlo Ancelotti schon wieder Geschichte in München, Jupp Heynckes sprang ein um zu retten. Bis zur Pokalpartie gab es drei Siege am Stück, gegen den SC Freiburg (5:0), Celtic (3:0) und in Hamburg (1:0). Mit Ausnahme eines 0:1 in Augsburg und eines 0:2 bei Beşiktaş ließ sich auch RB nicht viel zu Schulden kommen, stand nach neun Spieltagen einen Zähler hinter den Münchenern auf Platz 3.

In der ersten Halbzeit des Pokalduells hielt Leipzig nicht nur gut mit, sondern hatte auch die besseren Chancen – und hätte zehn Minuten vor der Pause einen Elfmeter bekommen müssen, weil Arturo Vidal an der Strafraumkante Emil Forsberg legte. Felix Zwayer zeigte ursprünglich auch auf den Punkt, nahm die Entscheidung nach Rücksprache mit seinem Assistenten aber wieder zurück. Eine Szene, die vor allem Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick erzürnte. Zur Halbzeitpause stürmte er von der Tribüne auf den Platz und hielt Zwayer die Szene auf seinem Handy energisch unter die Nase.

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Photo by ROBERT MICHAEL/AFP via Getty Images

Im Interview mit der SportBild gab Rangnick allerdings zu, dass das nicht die „allercleverste Idee“ gewesen sei. „Die Szene hat mir jemand eine Minute vor der Pause vom Fernseher aus auf mein Handy geschickt. Dann kam mir irgendwie der Gedanke, du musst demjenigen die Szene zeigen, der sie falsch beurteilt hat. Aber schon am selben Abend war mir klar, dass es besser gewesen wäre, nicht so viel Emotionalität und Gerechtigkeitssinn an den Tag zu legen. Als ich die Szene von mir mit dem Handy beim Schiedsrichter später nochmal angesehen habe, habe ich zu mir selber gesagt: Was machst du da eigentlich?“

Anstatt den Münchenern war es aber RB, die das Spiel in Unterzahl beenden mussten, weil Naby Keïta, gelbvorverwarnt, in Minute 54 den enteilenden Lewandowski am Trikot hielt – Gelb-Rot. Gut 20 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit bekamen die Leipziger doch noch ihren Foulelfmeter, den Emil Forsberg sicher verwandelte. Fünf Minuten später machte Jérôme Boateng seinen Fehler mit einem starken langen Ball auf den durchstartenden Thiago wieder gut. Es ging schließlich bis ins Elfmeterschießen. Die Münchener führten bereits 5:4, als Timo Werner im Duell der Ex-Stuttgarter gegen Sven Ulreich antrat. Dieser ahnte die Ecke, parierte und löste das Achtelfinalticket. Obwohl die Münchener auf dem Weg ins Endspiel unter anderem Dortmund (2:1) und Leverkusen (6:2) eliminierten, scheiterten sie in Berlin an den Brüdern, die den Ball lang schlagen.

2018/19: Maaßen gegen Bayern, Teil 1

SV Rödinghausen: N. Heimann – Velagic, L. von Piechowski, D. Flottmann, J. Wolff, N. Knystock – K. Lunga, F. Kunze, F. Pfanne, L. Meyer – Si. Engelmann
Trainer: Enrico Maaßen

FC Bayern: Neuer – Rafinha, Süle, Javi Martínez, Alaba – Goretzka, Thiago, Renato Sanches – Müller, Wagner, Ribéry
Trainer: Niko Kovač

Es muss eine ziemlich unbefriedigende Situation für Enrico Maaßen gewesen sein. Gerade erst hatte er den SV Drochtersen/Assel verlassen, da bekamen diese ausgerechnet den FC Bayern zugelost. Erwartungsgemäß setzte sich der Favorit durch – aber nur 1:0. In Runde zwei kam es schließlich zum Aufeinandertreffen zwischen Maaßen und dem Rekordmeister, nachdem seine Rödinghauser in Runde 1 Dynamo Dresden ausschalteten (3:2 n.V.).

Nach Treffern von Sandro Wagner (8′) und einem verwandelten Elfmeter Thomas Müllers (13′) schien die Münchener Lok auf dem richtigen Gleis zu stehen. Einen zweiten Strafstoß nagelte Renato Sanches allerdings nur an den Querbalken. So blieb Rödinghausen im Spiel – und kam durch Linus Meyer tatsächlich zum Anschlusstreffer. Zwar hatten die Münchener im Anschluss die besseren Gelegenheiten, Rödinghausen hielt allerdings mit den Möglichkeiten eines Viertligisten sehr gut dagegen und holte sich ein achtbares Ergebnis ab. Für die Bayern war es eine geradezu abstruse Pokalsaison. Bis ins Finale konnten sie keine Partie mit mehr als einem Tor Differenz gewinnen, unter anderem gab es im Viertelfinale ein wildes 5:4 gegen den 1. FC Heidenheim. Das Endspiel gewannen die Münchener dann aber 3:0 gegen RB Leipzig und holten sich das zwölfte Double der Vereinsgeschichte.

Auch die damaligen Akteure des SV Rödinghausen sollten noch weiter auf sich aufmerksam machen: Fabian Kunze spielte bis vergangene Saison mit Arminia Bielefeld in der Bundesliga, Stürmer Simon Engelmann schaltete 2020/21 im Achtelfinale des DFB-Pokals mit Rot-Weiß Essen Bayer Leverkusen in Minute 117 aus. Enrico Maaßen kam über die Zweitvertretung Borussia Dortmunds zum FC Augsburg – und wird heute Abend erneut auf den FC Bayern treffen, dem er am 7. Spieltag seine bislang einzige Saisonniederlage zufügte.

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2019/20: „Ich bin nur da, um da zu sein“

VfL Bochum: Riemann – Celozzi, Decarli, Bella Kotchap, Danilo Soares – Losilla, Tesche – Si. Zoller, C.-y. Lee – D. Blum – Ganvoula
Trainer: Thomas Reis

FC Bayern: Neuer – Kimmich, Pavard, J. Boateng, Davies – Tolisso, Thiago, Goretzka – Perišić, Gnabry, Coman
Trainer: Niko Kovač

Nach der extrem wackligen Saison 2018/19, einer unsouveränen wie wenig überzeugenden Spielweise und elf Gegentoren in neun Partien stand Niko Kovač an der Säbener Straße zur Disposition. In der letzten Ligapartie, einem 2:1 gegen Union Berlin, verursachten die Münchener gleich zwei Elfmeter. Bereits davor unterlag man der TSG Hoffenheim erstmals zuhause 1:2 und kam auch in Augsburg nicht über ein 2:2 hinaus. Nach dem ebenfalls mühsamen 3:2 bei Olympiakos mussten die Münchener im Pokal, beim damaligen Sechzehnten der 2. Bundesliga ein standesgemäßes Ergebnis einfahren.

Allein, der rote Faden der vergangenen Wochen sollte sich auch in Bochum durchs Spiel ziehen. Thomas Reis machte erst sein sechstes Spiel an der Seitenlinie, als Nachfolger Robin Dutts und durfte in Minute 36 die verdiente Führung bejubeln. Alphonso Davies, in diesem Spiel erstmals für den FC Bayern als Linksverteidiger unterwegs, drückte einen Querpass von Danny Blum ins eigene Tor.

Bis sieben Minuten vor Schluss sah es so aus, als könnten die Bochumer das Ergebnis tatsächlich ins Ziel bringen. Dann aber glich Serge Gnabry aus. In Minute 88 verlor der damals 17-jährige Armel Bella Kotchap als letzter Mann die Standfestigkeit und musste gegen den heraneilenden Thomas Müller mit der Hand retten. Robert Schröder blieb nur eine Wahl. Gute 60 Sekunden danach erzielte Müller den Siegtreffer.

Es war nicht der erhoffte Befreiungsschlag. In der Mixed Zone war Bayerns damaliger Sportdirektor Hasan Salihamidžić sichtlich um Contenance bemüht, konnte aber nur schwer verbergen, wie sehr es in ihm brodelte: „Top-Abend! Top! Wir haben sie hergespielt! Das war gut, richtig gut!“, sagte er mit beißendem Sarkasmus. Er versuchte zwar später noch die Lage zu schildern: „Wir werden am Freitag nach Frankfurt fahren, werden uns fürs Spiel vorbereiten, werden versuchen…Ach, komm! Bitte! Ich bin da, aber einfach nur, um da zu sein!“

In Frankfurt holte sich der FC Bayern eine 1:5-Watschn ab, die das Ende Niko Kovačs beim Rekordmeister bedeutete. Hansi Flick ließ in den Folgemonaten eine nicht zu stoppende, rote Dampfwalze über Europa los und gewann erstmals in der Geschichte des Rekordmeisters alle sechs verfügbaren Titel, das Sextuple.

Dennoch musste auch der erfolgsverwöhnte FC Bayern nach dieser Partie feststellen, was noch schlechter ist, als in der zweiten Runde nur knapp und unsouverän weiterzukommen…

2020/21: „Ein Spiel, das jedem von uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird“

Holstein Kiel: Gelios – J. Dehm, H. Wahl, Thesker, J. van den Bergh – J. Meffert – F. Bartels, A. Mühling, F. Porath, J. Mees – J.-S. Lee
Trainer: Ole Werner

FC Bayern: Neuer – B. Sarr, Süle, L. Hernández, Davies – Tolisso, Kimmich – Musiala, Müller, Sané – Gnabry
Trainer: Hansi Flick

Nach dem Champions-League-Sieg bekam der FC Bayern nur gut zwei Wochen Pause. Durch die Pandemie war der Zeitplan komplett verrutscht. Da im Sommer 2021 noch eine Europameisterschaft anstand, musste man umso mehr rechtzeitig mit der Spielzeit 2020/21 fertig werden. Mangelnde Zuschauereinnahmen ließen darüber hinaus keinen großen Transfersommer zu.

Daher rotierte Hansi Flick in dieser, aufgrund der hohen Anzahl an Spielen auf Mitte Januar verlegten Pokalpartie, im Rahmen seiner Möglichkeiten: mit Bouna Sarr hinten rechts, Corentin Tolisso im Mittelfeld, dem damals 17-jährigen Jamal Musiala auf rechts und Serge Gnabry für Robert Lewandowski. Dieser erzielte in Minute 14 – aus Abseitsposition – die Führung. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Videoassistent gibt, stand der Treffer.

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Photo by Stuart Franklin/Getty Images

Ohne Thiago als defensives Korrektiv und durch die naturgemäß hohe Linie, die Hansi Flick spielen lässt, offenbarte der FC Bayern in der Saison 2020/21 immer wieder Defensivschwächen. In der Bundesliga stand man bei 24 Gegentoren nach 16 Partien. Daher witterte auch Holstein Kiel seine Chance: 37. Minute, Jannik Dehm schickte mit einem langen Ball Fin Bartels auf die Reise – und schon stand es 1:1.

Zwei Minuten nach Wiederanpfiff versenkte Leroy Sané einen Freistoß sehenswert zum 1:2. Es schien, als sollte es dabei bleiben. Allerdings hatten die Münchener die Rechnung ohne das größte Trademark von Ole-Werner-Teams gemacht. Der Original-Sky-Kommentar von Wolff Fuss:

„Jetzt sind es die vier Minuten, die Thesker gefordert hat. Ein letzter Angriff! Ein letzter Ball IN DEN SECHZEHNER – UND DER BALL IST DRIN! UND ES STEHT 2:2! Das darfst du keinem erzählen! Mutmaßlich die letzte Aktion in diesem Spiel, innerhalb der 90 Minuten! Hauke Wahl! Die Bayern kriegen die Flanke nicht verhindert und den Kopfball auch nicht. Ist der frei! Du liebe Zeit, ist der frei!“

„Diese Momente sind natürlich unbeschreiblich und schwer in Worte zu fassen“, so Wahl im 90PLUS-Interview. „Ich habe den Ball in der letzten Minute der regulären Spielzeit gar nicht richtig mit dem Kopf getroffen und hatte mich schon geärgert. Und dann sah ich, wie der Ball hinten ins Tor fiel und wir uns damit in die Verlängerung gerettet haben. Wie wir uns als Mannschaft 120 Minuten gegen die aktuell beste Vereinsmannschaft präsentiert haben und wie souverän und kaltschnäuzig wir dann das Elfmeterschießen gegen den besten Torwart der Welt absolviert haben, das hat glaube ich niemand von uns erwartet. Wir sind alle wahnsinnig stolz und glücklich, weil dieses Spiel jedem von uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird.“

Für Holstein Kiel ging es damals sogar bis ins Halbfinale. Dort war allerdings gegen den späteren Titelgewinner Borussia Dortmund nach einem satten 0:5 Endstation. In der 2. Bundesliga reichte es, trotz zwischenzeitlicher Mannschaftsquarantäne, für die Relegation. Nach einem 1:0 in Köln zeigte die Tanknadel im Rückspiel auf 0. Der Effzeh spannte den Bizeps an, führte unter Friedhelm Funkel bereits zur Pause 4:1 und hielt letztlich mit einem 5:1 die Klasse.

2021/22: Bayerns Rekordpleite

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Ginter, Elvedi, J. Beyer – J. Scally, Zakaria, Manu Koné, Bensebaini – J. Hofmann, Stindl – Embolo
Trainer: Adi Hütter

FC Bayern: Neuer – Pavard, Upamecano, L. Hernández, Davies – Kimmich, Goretzka – Gnabry, Müller, Sané – Lewandowski
Trainer: Dino Toppmöller

Dass Borussia Mönchengladbach Bayerns Angstgegner ist, sollte inzwischen bekannt sein. Am 1. Spieltag 2021/22 trotzte man den Münchenern im Borussia-Park ein 1:1 ab. Bereits in dieser Partie fielen die Gladbacher durch eine extrem aggressive Anfangsphase auf. Der Führungstreffer Alassane Pléas (10′) war folgerichtig.

Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass der FC Bayern diesmal einen besseren Auftritt hinlegt. Die Startelf ließ keinen Platz für Ausreden und auch die Form stimmte. In Leverkusen gab es ein 5:1, bei SL Benfica sowie gegen die TSG Hoffenheim jeweils ein 4:0. In den beiden letztgenannten Partien mussten die Münchener jedoch auf den COVID-19-positiven Julian Nagelsmann verzichten.

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Ohne ihn ließen die Bayern vor allem in der Anfangsphase alles vermissen: Kampfgeist, Einstellung, taktische Disziplin – und wurden gnadenlos überrollt. Bereits nach 20 Minuten führte die Borussia 3:0. In der zweiten Hälfte legte Breel Embolo noch zwei Treffer nach. Das 0:5 ist Bayerns höchste Pokalniederlage aller Zeiten.

Anders, als die vorigen Gegner der Münchener wusste Gladbach nicht besonders viel aus Bayerns Absenz im DFB-Pokal zu machen. Gleich in der nächsten Runde, dem Achtelfinale, ließ man sich selbst in Hannover 0:3 abfertigen.

2022/23: Erlösung oder Hattrick?

Und jetzt? Druck sollte bei der Pokalpartie in Augsburg mehr als genug vorhanden sein. Die vier sieglosen Bundesligaspiele in Folge tragen die Münchener tabellarisch als Ballast mit sich. Sollte sich ein weiteres frühes Pokalaus dazugesellen, wäre das Wasser auf die Mühlen derjenigen, die dem Verein eine Krise andichten wollen.

Allerdings gibt es eine Bilanz, die klar für die Münchener spricht: Alle drei Pokalduelle mit dem FC Augsburg konnte man bislang siegreich gestalten. Das sind, außer dem 3:1 aus der Saison 2016/17, zwei 2:0-Siege in Augsburg, in den Achtelfinals 2012/13 und 2013/14. Beide Male gewann der FC Bayern den Titel.

Photo by Lars Baron/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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