Benfica gegen Liverpool: Der Job, der erledigt werden muss

Virgil van Dijk und Fabinho
Vorschau

Vorschau | Am Dienstagabend empfängt der vermeintliche Underdog Benfica den Liverpool FC in Lissabon. Auch wenn die Reds gerade Sieg um Sieg einfahren, könnte es zäh werden.

Siegesmaschine Liverpool als Favorit gegen Benfica

Nach der Auslosung des Viertelfinals der Champions League waren sich viele Experten einig: Der Liverpool FC hat mit Benfica den vermeintlich leichtesten Gegner der letzten acht verbleibenden Mannschaften zugelost bekommen. Eine Einschätzung, die einerseits nachvollziehbar ist, andererseits aber außer Acht lässt, dass das Weiterkommen von Benfica gegen Ajax schon bewiesen hat, dass man die Portugiesen keineswegs unterschätzen sollte. Trotzdem sind die Chancen für die Reds gut, dieses Jahr das Viertelfinale zu überstehen. Im letzten Jahr war hier gegen Real Madrid Schluss.



Dass die Aussichten nun gut sind, liegt aber nicht unbedingt am Gegner, sondern am wiedergefundenen Siegeswillen der Mannschaft von Jürgen Klopp. Wie in den besten Zeiten seiner Trainer-Ära scheint es fast egal, wie sich die Spiele des LFC gestalten, am Ende gewinnt das Team von der Merseyside. Zudem sind nun pünktlich zur europäischen Nacht alle fünf Offensivstars wieder fit, um sich ein Duell gegen alte Bekannte in der Innenverteidigung von Benfica zu liefern.

Benfica ist der Underdog

Benfica geht sicherlich als Underdog in die Partie gegen den Liverpool FC, doch auch in der letzten Runde des Wettbewerbes dürfte nicht jeder ein Weiterkommen der Portugiesen auf dem Zettel gehabt haben. Immerhin musste man gegen ein Ajax Amsterdam bestehen, welches in der Gruppenphase der Champions League einige der stärksten Mannschaftsleistungen aller Teilnehmer zeigte und zudem mit dem führenden Torschützen des Wettbewerbes, Sebastian Haller, in die K.O.-Phase startete. Doch die erste, schwere Aufgabe hat der Verein aus Lissabon bestanden. Gerade das 2:2 im Hinspiel gegen die Niederländer war dabei ein unterhaltsamer Auftritt, das Weiterkommen sicherte dann aber ein 1:0-Sieg in Amsterdam. Der einzige Torschütze dabei war Darwin Nunez, der sich auch mit diesem Tor noch weiter in den Fokus einiger Topklubs gespielt haben dürfte. Drei geschossene Tore und ein Erreichen der nächsten Runde weil man bei einem Auswärtsspiel die Null halten konnte – Benfica kann sowohl defensiv als auch offensiv für jeden Gegner zum Nervfaktor werden.

Einen kleinen Dämpfer mussten die Portugiesen dann aber doch noch vor der Ausrichtung des Spiels gegen Liverpool hinnehmen. Eine Serie von neun ungeschlagenen Spielen endete just am vergangenen Wochenende gegen Europa-League-Teilnehmer Braga in der heimischen Liga. 2:3 unterlag man am Ende, Darwin Nunez vergab zudem einen Elfmeter. Dennoch blieb man sich zudem offensiv treu und konnte im Jahr 2022 bis jetzt in jedem Spiel einen Treffer erzielen. Trotz des guten Jahres ist der Vorsprung der Konkurrenz an der Tabellenspitze weiter groß. Zwölf Punkte ist man vom Ersten aus Porto entfernt, neun Punkte vom Stadtrivalen Sporting, der den zweiten Platz besetzt. Der heimische Ligatitel dürfte damit außer Reichweite sein. Für positive Erinnerungen an diese Saison kann man aber dennoch sorgen. In der Champions League, gegen den LFC.

Darwin Nunez bejubelt seinen Treffer gegen Ajax Amsterdam

Photo by JOHN THYS/AFP via Getty Images

Alte Bekannte in der Innenverteidigung, junge Hoffnung im Sturm

Wie schon angesprochen stimmt bei Benfica in diesem Jahr die Balance zwischen beiden Mannschaftsteilen. Dies liegt auch an einer gelungenen Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Top-Talenten. Im Defensivverbund wird dabei vor allem auf die Veteranen gesetzt und deshalb dürften auf Liverpool in der Innenverteidigung Benficas wohl zwei alte Bekannte warten. Sowohl Jan Vertonghen als auch Nicolas Otamendi waren lange Jahre in der Premier League im Einsatz und lieferten sich mit Tottenham beziehungsweise Manchester City packende Duelle mit den Reds. Mit Alejandro Grimaldo steht den beiden Haudegen zudem ein technisch beschlagener Linksverteidiger zur Seite, über den zuletzt zahlreiche Wechselgerüchte zu europäischen Topklubs im Umlauf waren. Das gilt auch für den Hoffnungsträger im Sturm, Darwin Nunez.

Der 22-jährige Uruguayer scheint im Moment mit jeder Woche teurer zu werden und unter anderem der FC Barcelona soll die Entwicklung des Mittelstürmers ganz genau beobachten. Im Duell gegen Liverpool dürfte das Top-Talent zur Startelf gehören und man wird auf Seite der Portugiesen hoffen, dass er nach seinem Treffer gegen Ajax weiterhin Zählbares beisteuern kann. Schon vier Mal konnte der Goalgetter in der diesjährigen Königsklasse treffen. Auf der Bank könnte der Ex-Frankfurter Haris Seferovic zu einer Option für die Schlussphase werden. Der Angreifer gab am letzten Freitag gegen Braga sein Comeback nach Verletzung.

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Liverpool will schon im Hinspiel den Sieg

Die Reds von Jürgen Klopp zählen schon seit ein paar Jahren wieder zu den Favoriten auf den ganz großen Wurf in der Königsklasse. Sowohl 2018 als auch 2019 drang das Team ins Finale des Wettbewerbs ein, im zweiten Versuch krönte man die Wiederauferstehung unter dem deutschen Trainer mit dem Gewinn des Henkelpotts, ein Jahr später gewann man dann auf beeindruckende Art und Weise den langersehnten Titel in der Premier League. Kein Wunder, dass man auch in dieser Spielzeit von Liverpool Großes erwartet. Auch deshalb dürften viele bei der Paarung gegen Benfica von einem, mehr oder weniger, entspannten Weiterkommen ausgehen. Dass es, trotz hoher Qualität, manchmal auch eng werden kann, sah man aber schon im Achtelfinale gegen Inter Mailand. In zwei ausgeglichenen Partien konnten beide Teams je einen Sieg einfahren, am Ende reichte Liverpool ein Treffer mehr zum Weiterkommen. Dass man dabei in Anfield nur knapp an einer großen Enttäuschung vorbeischrammte und auch von einem Platzverweis für die Italiener profitierte, sollte man aber nicht ignorieren.

Sowohl in der Champions League als auch in der Premier League sind die Reds damit weiter im Rennen um die ganz großen Ziele. Im englischen Oberhaus legt die Mannschaft seit dem Januar eine beindruckende Serie hin, konnte neun Spiele in Folge gewinnen, die letzten vier sogar zu Null. Doch wie auch in der CL sind nicht alle Auftritte vom Spektakel geprägt. Defensiv musste man sich auch beim 2:0-Sieg über Watford am Wochenende mehr als einmal auf den herausragend aufgelegten Alisson verlassen. Liverpool dominiert die meisten Partien, hat aber weiterhin nicht immer Lösungen parat um einen tiefstehenden Gegner auseinander zu spielen. Da kommt es gelegen, dass man mit Jota mittlerweile einen eiskalten Torjäger im Team hat, der gerne nur ein bis zwei Mal pro Spiel überhaupt auffällt, dann aber mit Treffern. Auch am Wochenende konnte der Portugiese jubeln, köpfte die Reds in Führung.

Jürgen Klopp umarmt Alisson

Photo by Clive Brunskill/Getty Images

Manchmal zäh, aber immer erfolgreich

In den besten Phasen unter Jürgen Klopp ist Liverpool eine Siegesmaschine. Der deutsche Trainer steht schon länger nicht mehr für unbedingtes Stürmen, aber seine Siegesquote hat darunter nicht gelitten. im Gegenteil. Das Team von der Merseyside ist seit Jahren eingespielt, die Schlüsselspieler im besten Fußballeralter und die Kaderbreite noch einmal besser geworden. Das wird vor allem in der Offensive deutlich. Neuzugang Luis Diaz konnte von Anfang an Eindruck machen, Diogo Jota entscheidet in schöner Regelmäßigkeit Spiele und dann sind da noch die Fab Three bestehend aus Sadio Mane, Roberto Firmino und Mo Salah. Sowohl Mané als auch Salah mussten am Wochenende nach ihrer Länderspielreise nicht über 90 Minuten ran. Es ist also wahrscheinlich, dass die beiden altgedienten Flügelspieler starten. Im Zentrum könnte dann aber Jota den Vorzug vor Firmino erhalten.

Defensiv hat sich eine klare Hierarchie eingebürgert. Neben Van Dijk ist auch Joel Matip fast unumstritten gesetzt, Sommer-Neuzugang Konaté ist der erste Ersatzmann. Und auf den beiden Außenverteidigerpositionen sind Robertson und Alexander-Arnold unumstritten. Gerade der Zweitgenannte wird zurecht immer wieder herausgehoben, fehlte aber zuletzt verletzt. Am Samstag nahm „TAA“ zum ersten Mal wieder auf der Bank Platz, ein Startplatz gegen Benfica ist deshalb noch fraglich. Optionen hat Klopp ein paar, sowohl Joe Gomez als James Milner wären naheliegende Ersatzspieler, wobei sich Gomez gegen Watford doch den ein oder anderen Ballverlust leistete, den man in einem Viertelfinale der Champions League sicherlich vermeiden möchte. Im Mittelfeld überzeugte vor allem Thiago Alcantara zuletzt, der Spanier nähert sich nach langer Eingewöhnungsphase immer mehr seiner Topform an und dürfte auch gegen Benfica gesetzt sein.

Prognose

Liverpool ist der Favorit und wird am Ende wohl auch Benfica niederringen können. Wer einen deutlichen Sieg erwartet, sollte aber nicht zu euphorisch werden. Denn Benfica wird, gerade im Estadio da Luz, alles versuchen,  um den Reds einen möglichst beschwerlichen Abend zu bereiten. Am Ende ist das Team von Klopp aber mit einer Fähigkeit gesegnet, die nur ganz wenige Mannschaften in der Welt haben. Egal wie zäh es wird, sie erledigen den Job trotzdem.

Voraussichtliche Aufstellungen

Benfica: Vlachodimos, Gilberto, Otamendi, Vertonghen, Grimaldo, Silva, Mario, Weigl, Everton, Nunez, Yaremchuk

Liverpool: Alisson, Milner, Matip, Van Dijk, Robertson, Henderson, Fabinho, Thiago, Salah, Jota, Mané

 

Julius Eid

Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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