Champions League | Elf der Saison: Viel Chelsea – und zwei Dortmunder

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Der FC Chelsea gewann im Finale gegen Manchester City den zweiten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte. Nur logisch, dass die Mannschaft von Thomas Tuchel auch in der Elf der Saison gut vertreten ist. Ebenfalls mit dabei: Zwei Dortmunder.

  • Chelsea dominiert den Kader
  • FC Bayern nicht vertreten
  • Pariser Prominenz: Ein Fels in der Brandung – sowie der MVP

Tor: Edouard Mendy (29/Chelsea FC)

So billig können 25 Millionen sein. Vor der Saison kam der Senegalese aus Rennes, um dem bisweilen fehleranfälligen Kepa Arrizabalaga (26) Konkurrenz zu machen. Inzwischen hat Edouard Mendy dessen Stammplatz inne – und das zurecht. Neunmal zu Null in zwölf Spielen, dabei nur drei Gegentore kassiert, das ergibt einen Schnitt von 0,25 Gegentoren pro Spiel – Spitzenwert in der Champions League. Auch Mendys Fangquote von 90,9 Prozent gehört zu den besten des Wettbewerbs. Im Halbfinalrückspiel zweimal herausragend gegen Karim Benzema zur Stelle, um beim Stand von 1:0 eine Verlängerung abzuwenden. Das zeigt, dass Gamechanger nicht immer nur in der Offensive zu finden sind.

 



 

Abwehr: César Azpilicueta (31/Chelsea FC)

Bei Chelseas erstem Champions-League-Sieg 2012 spielte César Azpilicueta noch in Marseille, bevor er sich zur Saison 2012/13 den Blues anschloss. Zweimal gewann er mit Chelsea die Europa League, nun führte er seine Mannschaft als Kapitän an Europas Spitze. Im Finale war er, vor allem nach der Verletzung Thiago Silvas (36), mehr denn je als Leader gefragt. Verhinderte nach einem schnellen City-Angriff mit einer heroischen Grätsche das sichere 1:1 und gab seiner Mannschaft in den letzten Minuten des Finals enorm viel Sicherheit und Stabilität.

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Abwehr: Marquinhos (27/Paris Saint-Germain)

Der Pariser Fels in der Brandung. In den zwei Spielen gegen den FC Bayern war Marquinhos zwar nur gut 30 Minuten auf dem Platz, doch das hat gereicht, um den Ausgang der Begegnung maßgeblich zu beeinflussen. Traf in der Allianz Arena freistehend vor Manuel Neuer (35) zum zwischenzeitlichen 0:2.

FOTO: Markus Ulmer/Pressefoto Ulmer/Pool/imago

Auch im Heimspiel gegen Manchester City köpfte er seine Mannschaft nach einer Viertelstunde in Führung. Mit drei Treffern der drittbeste Pariser Torschütze nach Neymar (29/4 Tore) und Kylian Mbappé (22/8 Tore) – und sogar der zweitbeste in der K.O.-Phase. Wie wichtig Marquinhos für die Statik seiner Mannschaft ist, wurde vor allem ersichtlich, als PSG den Titelverteidiger ohne ihn eliminieren musste und dabei – vor allem im Hinspiel – Torchancen im Überfluss hergab.

Abwehr: Rúben Dias (24/Manchester City)

Schon bei Benfica fiel Rúben Dias immer wieder als Leader auf, was Manchester City veranlasste, ihn für 68 Millionen zu verpflichten. In dieser Saison füllte er die Lücke von Ex-Kapitän Vincent Kompany (35) und gab seiner Mannschaft dabei vor allem in Ballbesitz eine enorme Ruhe. 94 Prozent Passquote untermauern genau das. Dass Manchester City auf dem Weg ins Finale lediglich drei Gegentore kassierte, ist nicht zuletzt auch sein Verdienst. Im Halbfinalrückspiel ließ er die verzweifelten Pariser Angriffe einfach an sich abprallen, sodass zwei gelungene Konter, vollendet von Riyad Mahrez (30), zum souveränen Finaleinzug reichten.

Abwehr: Oleksandr Zinchenko (24/Manchester City)

Pep Guardiola mag bisweilen eine äußerst eigene Herangehensweise an große Spiele haben, aber wenn es um das Weiterentwickeln von jungen Spielern geht, gehört er mit zu den besten der Welt. Oleksandr Zinchenko ist nur eines von vielen Beispielen dafür. Als Mittelfeldspieler angefangen, wurde er nach dem Abgang von Aleksandar Kolarov über die Jahre Stück für Stück zum Linksverteidiger umfunktioniert und hat inzwischen nicht nur seinen Platz, sondern auch Kolarovs Nummer 11 übernommen. War im Halbfinale maßgeblich an der Entstehung des 1:0 beteiligt und zeigte sich auch sonst im Wettbewerb defensiv äußerst stabil. 90,9 Prozent gewonnener Kopfballduelle sind angesichts von nur 1,75 Metern nahezu surreal und wurden in dieser Saison nur von Matthijs De Ligt (21/Juventus/92,9 Prozent) überboten. Dazu waren 46,2 Prozent von Zinchenkos Druckphasen erfolgreich – Spitzenwert. Die Finalniederlage seiner Mannschaft wusste auch er nicht zu verhindern, was ihn allerdings nicht seinen Platz in der Elf der Saison kosten soll.

Mittelfeld: N’Golo Kanté (30/Chelsea FC)

„Man of the Match“ im Hinspiel gegen Real Madrid, „Man of the Match“ im Rückspiel gegen Real Madrid, „Man of the Match“ im Champions-League-Finale gegen Manchester City – und das als defensiver Mittelfeldspieler. Die Saison hat für Kanté schwierig begonnen, aber vor allem gegen Ende der Spielzeit drehte der französische Nationalspieler auf und bewies einmal mehr, dass der Spruch „70 Prozent der Erde sind von Wasser abgedeckt, der Rest von N’Golo Kanté“ nicht von ungefähr kommt. Mit seiner unheimlichen Laufstärke dämmte er die Wucht von Manchester Citys super-offensiven Mittelfelds nahezu im Alleingang ein, zudem inszenierte Kanté immer wieder blitzgefährliche Konter und gab seiner jungen Mannschaft extrem viel Sicherheit und Stabilität. Ob er jedoch ein ernsthafter Anwärter für den Ballon D’Or ist, wird vor allem die Europameisterschaft zeigen.

Mittelfeld: Kevin De Bruyne (29/Manchester City)

Dreh- und Angelpunkt in Citys Spiel, egal ob im Mittelfeld oder auf der falschen Neun. Im Achtelfinal-Rückspiel machte er gegen Borussia Mönchengladbach mit seinem frühen Tor den Deckel endgültig auf die Begegnung. Das Duell mit Borussia Dortmund eröffnete De Bruyne nach nicht einmal 20 Minuten. Zudem erzielte er in Paris den wichtigen Ausgleichstreffer. Auch seine 30 Ballführungen ins letzte Drittel gehören zu den besten in der aktuellen Champions-League-Saison. Im Finale zwar nicht so auffällig wie sonst, aber auf dem für City erstmaligen Weg dorthin ein absoluter Schlüsselspieler.

Mittelfeld: Jude Bellingham (17/Borussia Dortmund)

Nach seinem ersten Halbfinaleinzug seit 2016, damals noch in Diensten des FC Bayern, war Pep Guardiola (50) vor allem von einem BVB-Spieler beeindruckt: Jude Bellingham. „Ich kann es nicht glauben, vielleicht ist er ein Lügner! Er ist so gut für seine 17 Jahre, ein fantastischer Spieler!“ Nach 15 Minuten des Rückspiels schlenzte Bellingham die Kugel mit der allergrößten Selbstverständlichkeit in den rechten Winkel und brachte Borussia Dortmund damit zwischenzeitlich auf Halbfinalkurs.

Foto: Maik Hölter/TEAM2sportphoto/imago

Schon im Etihad machte Bellingham auf sich aufmerksam, als er nach einem Stockfehler von Ederson (27) gedankenschnell reagierte und ins leere Tor einschob, aber Pech hatte, dass dieser Treffer keine Anerkennung fand. Auch Bellinghams Statistiken lesen sich für sein Alter mehr als beeindruckend: 25 Zweikämpfe, Top 10 in der Champions League, dazu gehört er zu den meistgefoulten Spielern dieser Saison. Und seine Karriere hat gerade erst begonnen.

Angriff: Karim Benzema (33/Real Madrid CF)

Der Atlas Real Madrids. Trug in der Saison 2020/21 das Gewicht eines ganzen Klubs auf seinen Schultern. War am 6. Spieltag zur Stelle, um nach eher suboptimalen Gruppenphase den Madrider Super-GAU, die verpasste Qualifikation für das Achtelfinale, mit einem Doppelpack gegen Borussia Mönchengladbach abzuwenden. Das Duell mit Atalanta entschied Benzema nach einer guten halben Stunde vor. Im Halbfinale gegen Chelsea erzielte er sehenswert den Ausgleichstreffer und war auch an der Stamford Bridge mit Abstand der gefährlichste – oder am wenigsten ungefährlichste – Spieler seiner Mannschaft. Das alles eingedenk von über 60 (!) Verletzungen in dieser Saison für Real Madrid und notorisch unterperformenden Flügelspielern. Angesichts dieser Leistungen ist Benzemas Comeback in der französischen Nationalmannschaft nicht nur hochverdient, sondern überfällig.

Angriff: Erling Haaland (20/Borussia Dortmund)

Der Norweger hielt Borussia Dortmund bisweilen eigenhändig im Wettbewerb. Wie schon 2019/20 erzielte Haaland auch in dieser Spielzeit zehn Treffer, die ihn diesmal allerdings zum besten Torschützen des Wettbewerbs machten. Seine zwölf Torbeteiligungen sind ebenfalls Spitzenwert in dieser Saison. Doppelpack gegen Sevilla im Hinspiel, Doppelpack gegen Sevilla im Rückspiel. Dazu legte Haaland im Etihad Marco Reus (31) mustergültig das 1:1 auf. Und auch die Daten wissen Haalands Ausnahmesaison zu bestätigen. Neun Nicht-Elfmetertore (Spitzenwert), ein nPxG von 5,8 (Spitzenwert), zudem hat er seinen xG um 3,5 und seinen nPxG um 3,7 Tore überboten. Und dank der geglückten Champions-League-Qualifikation ist es sehr wahrscheinlich, dass Haaland auch in der kommenden Saison ähnliche Zahlen für den BVB abliefert.

Angriff: Kylian Mbappé (22/Paris Saint-Germain)

22 Jahre – und damit schon der MVP eines ambitionierten Champions-League-Klubs. Beim 4:1-Sieg seiner Mannschaft nahm er das Camp Nou mit drei Treffern eigenhändig auseinander. Eine Runde später versetzte Kylian Mbappé dem FC Bayern den frühen Schock – und war keine zehn Minuten nach dem 2:2 von Thomas Müller (31) erneut zur Stelle, um das entscheidende Tor der Begegnung zu erzielen. Was für Marquinhos gilt, gilt auch für ihn: Wie wichtig Mbappé für seine Mannschaft ist, merkte man erst, als er im Halbfinalrückspiel gegen Manchester City nicht mitwirken konnte.

Ohne seine Schnelligkeit und Geradlinigkeit verlor sich Neymar viel zu oft in Schnörkeln und PSG ging damit der Großteil an Wucht im Angriff verloren. Weltmeister ist Mbappé schon, Europameister kann er noch werden. Und bis er auch die Champions League gewinnt, dürfte es allenfalls eine Frage der Zeit sein. Ob er das allerdings für PSG tun wird, ist mehr als fraglich. Die Vertragsgespräche stocken. Real Madrid soll mehr als interessiert daran sein, ihn zum Thronfolger Cristiano Ronaldos (36) zu ernennen. Bei dieser Konsequenz in Spitzenspielen, ist das allerdings auch keine größere Überraschung.

Die Bank: Viel Chelsea – und Bayerns abermaliger Albtraum

Keylor Navas (34) brachte den FC Bayern mit seinen Paraden einmal mehr zur Verzweiflung. Ganze zehn zeigte er allein beim 3:2-Sieg in der Allianz Arena und ermöglichte dieses Duell mit neun Paraden beim 1:1 gegen Barcelona – unter anderem vom Punkt gegen Lionel Messi (33), was ansonsten das 2:1 für die Katalanen gewesen wäre. Seine 4,5 Paraden pro Spiel sind Spitze in der diesjährigen Champions-League-Saison.

Ablösefrei kam Thiago Silva (36) aus Paris zu Chelsea – und wurde spätestens unter Thomas Tuchel (47) zum unangefochtenen Abwehrchef. Nachdem er sich letzte Saison noch dem FC Bayern geschlagen geben musste, sicherte sich der Brasilianer diesmal den Titel und half mit, der jungen Chelsea-Mannschaft Stabiliät zu geben.

Eigentlich stand John Stones (27) schon auf der Transferliste Manchester Citys. Doch in dieser Spielzeit bildete er zusammen mit Rúben Dias ein äußerst sicheres Innenverteidigerpärchen, die beiden ergänzten sich wunderbar, was auch einer der Schlüssel zu Citys erstmaligem Finaleinzug war.

James und Mount – Cobham setzt sich auch in der ersten Mannschaft durch

Reece James (21) war im Champions-League-Finale einer der auffälligsten Spieler Chelseas. Immer wieder inszenierte er über seine rechte Seite gefährliche Angriffe oder brachte maßgenaue Standards und Flanken in den Strafraum. Auch er gehört zu den jungen, wissbegierigen Spielern, die unter Thomas Tuchel einen großen Schritt nach vorne gemacht haben – und voraussichtlich auch noch machen werden.

Für Kai Havertz (21) ging am Samstagabend ein Kindheitstraum in Erfüllung. Technisch hochwertig legte er sich den Ball an Ederson vorbei – um dann wie 2012 Fernando Torres (37) im Camp Nou nur noch einschieben zu müssen. Sein erstes Champions-League-Tor und dann auch noch das siegbringende. Havertz scheint mit diesem Spiel sämtliche Schwierigkeiten, die ihn nach seinem Wechsel aus Leverkusen begleiteten, abgeschüttelt zu haben. Ruhe am Ball, viel Übersicht und Kreativität zeichneten den Ex-Leverkusener im Finale aus. In dieser Form eine große Bereicherung für die Nationalmannschaft bei der EM.

In England wurde wiederholt über Mason Mount (22) gewitzelt, er würde nur spielen, weil er der Lieblingsschüler von Ex-Trainer Frank Lampard (42) sei. Da er unter Thomas Tuchel immer noch gesetzt ist, kann man diese Behauptung getrost in den Papierkorb verbannen. Auf dem Weg ins Finale einer von Chelseas Leistungsträgern, eröffnete das Duell mit Porto und besiegelte mit seinem 2:0 den Finaleinzug. Dort packte er einen Geniestreich von Pass aus, den Kai Havertz zum Siegtreffer vollendete. Einer von vielen Cobham-Absolventen, denen noch eine große Zukunft bevorsteht.

Im Sommer musste Manchester City Leroy Sané (25) gen München ziehen lassen. Riyad Mahrez (30) füllte die entstandene Lücke nahezu problemlos. Gegen Dortmund sicher vom Punkt zum 1:1. Das Duell mit PSG entschied der Algerier dann nahezu im Alleingang. Ein direkt verwandelter Freistoß im Hinspiel und ein Doppelpack im Rückspiel besiegelten den erstmaligen Finaleinzug der Cityzens.

Mandatory Credit: Photo by Dave Shopland/BPI/Shutterstock/imago

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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