Champions League | Liverpool: Ein Abend, an dem selbst die Basics fehlten

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Spotlight | 4:1 gewann die SSC Napoli am Mittwochabend zum Champions-League-Auftakt gegen den Liverpool FC. Besonders fiel dabei auf, dass Napoli genau die Attribute zeigte, die Liverpool normalerweise ausmachen.

Liverpool fehlt die Intensität – Klassenunterschied zum Auftakt

Ganz vorsichtig umarmte Jürgen Klopp sein Gegenüber Luciano Spalletti bei der Begrüßung. Erst am Montag musste sich Napolis Coach nach einem Schlüsselbeinbruch auf dem Weg zum Training operieren lassen und stützte sich daher an der Seitenlinie an einem Gehstock ab.

 



 

So in etwa muss man sich auch die folgenden 90 Minuten zum Auftakt in der Champions League vorstellen – nur in umgekehrter Rollenverteilung und mit dem Unterschied, dass Spallettis Neapolitaner weitaus weniger sanft mit Klopps Reds umgegangen sind. Dass Liverpool diese Saison nicht Liverpool ist, konnte man bereits in der Premier League sehen. Zwei Siege stehen aus sechs Spielen zu Buche, ein 9:0 gegen Aufsteiger Bournemouth sowie ein Last-Second-2:1 über Newcastle. In beiden Fällen war das Zustandekommen eher Ausnahme denn Regel. Alexander Isak erzielte das vermeintliche 2:0 für Newcastle, stand dabei allerdings genauso knapp abseits, wie Conor Coady vergangenen Samstag beim torlosen Remis im Goodison Park. Ein paar mehr unglückliche Fügungen und der Vizemeister der Vorsaison stünde bereits bei drei Niederlagen aus den ersten sechs Partien mit fünf Zählern auf Platz 16 statt Platz 7.

Daher kam die Leistung am Mittwochabend alles andere als überraschend. Napoli, seinerseits auf Platz 2 der Serie A mit drei Siegen und zwei Remis aus den ersten fünf Partien, presste Liverpool sofort extrem hoch und kam so bereits nach weniger als zwei Minuten zur ersten Großchance, als Victor Osimhen das rechte Gestänge traf.

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Nur Napoli spielt nach Klopps Mantra – zu viele Leistungsträger außer Form

Generell wirkte Liverpool nahezu apathisch. Leistungsträger wie Virgil van Dijk, Trent Alexander-Arnold, Andy Robertson, Fabinho oder Mohamed Salah performen schon seit geraumer Zeit unter ihrem Niveau. Das wurde am Mittwochabend gepaart mit individuellen Fehlleistungen wie der Joe Gomez‘, der zweimal kurz vor dem eigenen Strafraum die Kugel hergab, was postwendend zu Großchancen für Napoli führte. Vor allem aber stand das Mittelfeld im Fokus. James Milner gegen den äußerst agilen André-Frank Zambo Anguissa war ein Mismatch epischer Proportionen. Lediglich zwei von zehn Duellen gingen an den Engländer. Dadurch konnte Napoli immer wieder Umschalt- und Kontersituationen generieren.

Das Klopp’sche Mantra basiert darauf, stets härter zu arbeiten, als die Gegenspieler. Von jenem intensivem Spiel war so gut wie nichts zu sehen. Zumindest nicht bei der Mannschaft in rot. Beispielhaft dafür das 2:0. Kvicha Kvaratskhelia nahm Joe Gomez an der Grundlinie die Kugel ab. Im Anschluss standen sechs Mann, Verkehrspylonen gleich, im Strafraum und schauten zu, wie Zambo Anguissa einen herausragenden Doppelpass mit Piotr Zieliński spielte und lässig einschob. Vor dem 3:0 legte Kvaratskhelia kurz den sechsten Gang ein, ließ Alexander-Arnold links liegen, schüttelte Gomez erneut ab. Im Zentrum musste „Cholito“ Simeone lediglich zu seinem ersten Champions-League-Tor verwerten. Virgil van Dijk hatte die Bewegungen seines Gegenspielers, zuerst zu ihm hin und im letzten Moment von ihm weg ins Zentrum nicht mal ansatzweise auf dem Zettel.

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Photo by Giuseppe Bellini/Getty Images

Der Liverpool Football Club tat sich zwar schon in den vergangenen Jahren bei Angstgegner Napoli schwer. Diesmal wurden sie in den ersten 45 Minuten gnadenlos deklassiert. Das 1:4 ist Liverpools zweithöchste Niederlage der Wettbewerbshistorie, nach einem 1:5 bei Ajax am 7. Dezember 1966. Eigentlich ist Liverpool mit dem Ergebnis sogar noch geschmeichelt, angesichts der Tatsache, dass Victor Osimhen einen Elfmeter vergab und van Dijk alles geben musste, um den Treffer von Kvaratskhelia auf der Linie zu verhindern.

Napoli wurde durch den Sieg im eigenen Kurs bestätigt und kann die Aufgaben gegen Spezia, in Ibrox sowie bei Milan voller Selbstvertrauen angehen. Liverpool hingegen muss schnellstens Antworten auf dieses Debakel und vor allem Alternativen finden. Thiago beispielsweise gewann während seines gut dreißigminütigen Einsatzes sieben seiner neun Zweikämpfe. Dazu gilt es, die Neuzugänge Arthur und Darwin Núñez durch Spielzeit in die Mannschaft zu integrieren. Am Wochenende kommen die Wolves, bevor es gegen Ajax und an die Stamford Bridge geht. Liverpool muss zur eigenen Intensität zurückfinden. Viel Zeit dafür haben sie nicht.

Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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