Champions League | Unai Emerys Meisterleistung bringt unterirdische Bayern zur Verzweiflung – Die Einzelkritik zum Spiel

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Spotlight | 0:1 unterlag der FC Bayern am Mittwochabend bei Villarreal. Während die Gastgeber eine taktische Meisterleistung lieferten, präsentierte sich der FC Bayern in unterirdischer Verfassung und ist mit dem Ergebnis bestens bedient. Die Einzelkritik.

Villarreals Kollektiv überzeugt, Bayerns Kollektiv versagt

Bereits früh am Abend, in der 8. Minute, machte Arnaut Danjuma den hochverdienten Sieg für Villarreal fest. Die Gastgeber präsentierten sich dem deutschen Rekordmeister in allen Belangen überlegen und hätten aufgrund einer Vielzahl an Großchancen nach der Pause eigentlich höher gewinnen müssen.

 



 

Der FC Bayern hingegen ist kommenden Dienstag gefordert, die erste Auswärtspleite seit einem 0:3 bei Paris Saint-Germain Ende September 2017, damals ebenfalls von Unai Emery trainiert, zu drehen. An diesem Abend machte das Kollektiv den Unterschied. Villarreal lieferte taktisch ein nahezu perfektes Spiel ab, während beim FC Bayern nur ein Spieler Normalform hatte. Die Akteure in der Einzelkritik.

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Villarreal CF: Foyth, Parejo und Lo Celso vollenden Emerys Meisterwerk

Geronimo Rulli: Erstaunlich unterbeschäftigt. Viermal musste er binnen 90 Minuten eingreifen. Doch wirklich herausgefordert wurde er eigentlich überhaupt nicht. Im Herauslaufen und Aufbauspiel sicher. Den Rest nahmen ihm seine Vorderleute ab. Note: 2,5.

Juan Foyth (bis 81′): Viel wurde vor der Partie über die Duelle auf den Außen gesprochen. Auf seiner rechten Seite ließ sich der Argentinier nahezu nichts zu Schulden kommen. Einmal setzte er zu früh zum Tackling an und musste Serge Gnabry ziehen lassen (5′). Aber auch hier kam er rechtzeitig zurück und konnte Kimmichs Abschluss blocken. Machte zehn Minuten vor Schluss für Serge Aurier Platz. Note: 1,5.

Raúl Albiol: Löste viel mit der Erfahrung von 36 Jahren und 323 La-Liga-Spielen. Im Zweikampf kaum beizukommen. In der 65. Minute musste er Jamal Musiala gewähren lassen, konnte ihn aber noch so abbremsen, dass Pau Torres klären konnte. Note: 2,5.

Pau Torres: Er war mit der Hauptgrund, warum der FC Bayern sein Pace kaum ausspielen konnte. Immer, wenn es drohte brenzlig zu werden, räumte Villarreals Eigengewächs mit seiner Geschwindigkeit auf. Sehr aufmerksam zudem im Stellen der Abseitsfalle. Und Robert Lewandowski, der diese Saison schlanke zwölf Tore in der Champions League erzielte, nahm er im Verbund mit Raúl Albiol auch gänzlich aus dem Spiel. Note: 2,0.

Pervis Estupiñán: Der einzige im Abwehrverbund, der im Vergleich zu den anderen etwas abfiel. Leistete sich keine größeren Aussetzer, aber hatte im Duell mit Kingsley Coman sichtlich Schwierigkeiten. Handelte sich außerdem aufgrund wiederholten Zeitspiels beim Einwurf Gelb ein. Note: 3,0.

Etienne Capoue: Tat das, was man von ihm erwarten durfte: das Mittelfeld mit seiner Erfahrung und Zweikampfstärke zusammenhalten. Schaltete sich kurz vor der Halbzeitpause (45’+1) mit einem Solo in die Offensive ein. Nicht spektakulär, aber sehr effektiv. Note: 3,0.

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Photo by JAVIER SORIANO/AFP via Getty Images

Dani Parejo: Absolute Instanz im Mittelfeld. Verteilte die Bälle extrem intelligent. Mal kurz mit einem Kontakt, mal mit präzisen Steckpässen oder Seitenverlagerungen. Wusste genau, wann er das Spiel zu be- und entschleunigen hatte, sodass seine Mannschaft nur selten unter Druck geriet. Außerdem robust im Zweikampf. Sein Lauf in die Spitze leitete den Siegtreffer maßgeblich ein. Wenn man einen Kritikpunkt finden will, dann sind es die Standards, die noch einen Tick präziser hätten kommen können. Note: 1,5.

Francis Coquelin (bis 59′): Traf kurz vor der Pause aus Versehen zum zwischenzeitlichen 2:0, stand dabei aber auch abseits. Ansonsten wie beim Copa-Sieg des FC Valencia 2019 das Arbeitstier an der Seite von Dani Parejo. Machte nach einer Stunde Platz für Alfonso Pedraza. Note: 2,5.

Giovani Lo Celso: Von der UEFA zum Man of the Match gekürt. Zeigte sich nicht nur zweikampf- und laufstark, sondern auch enorm kreativ und variabel. Sein Lauf an die Grundlinie riss die Bayern-Defensive vor dem Siegtreffer auseinander (8′). Bei Kontern mit seiner Spielübersicht Dreh- und Angelpunkt. Note: 1,5.

Gerard Moreno: Vor der Partie noch ein unbeschriebenes Blatt für die Münchener. Dürfte sich nun allerdings nachhaltig ins Gedächtnis gespielt haben. Wich wiederholt auf den rechten Flügel aus oder ließ sich tiefer fallen, sodass Parejo und Danjuma die Läufe in die Spitze machen konnten. Auf diese Art und Weise fiel auch der Treffer. Im Abschluss ohne Fortune. Traf einmal den Pfosten (53′), wurde von Alphonso Davies abgeblockt (57′) und setzte einen Versuch nach Neuer-Fehlpass mit seinem starken Linken aus der eigenen Hälfte rechts vorbei (63′). Nichtsdestotrotz hat er sich mit diesem Auftritt und vor allem dem Ergebnis zum heutigen 30. Geburtstag reich beschenkt. Note: 2,0.

Arnaut Danjuma (bis 81′): Wenngleich Villarreal eine Vielzahl an Chancen hatten, so kam nur ein Ball aufs Tor, der allererste – und der war gleich drin. Danjumagic machte auf der Anzeigetafel den Unterschied, hätte ihn allerdings noch öfter machen müssen. In der 67. Minute stand er nahezu allein vor Neuer. Ein Stockfehler machte die Chance letztlich zunichte. Dafür sicher im Zusammenspiel mit Gerard Moreno, dem er eine seiner Topchancen auflegte (57′). Note: 2,0.

Auswechslungen von Villarreal

Alfonso Pedraza (ab 59′): Kam für Coquelin ins Spiel und verbuchte über die linke Seite zwei Topgelegenheiten (60’/87′). Letztere hätte er zwingend für Chukwueze auflegen müssen. Defensiv dafür makellos. Note: 2,5.

Serge Aurier (ab 81′): In der Saison 2019/20, damals noch mit Tottenham, böse unter die Räder gekommen, was nicht zuletzt mit seinem Namensvetter zu tun hatte. Trotz lediglich 14 Minuten Spielzeit war er an diesem Abend der bessere Serge auf dem Platz. Hielt für Juan Foyth in den letzten Minuten die rechte Seite komplett dicht. Note: 2,5.

Samu Chukwueze (ab 81′): Lief sich in der 87. Minute wunderbar in Position, um nur noch einschieben zu müssen, Pedraza verweigerte jedoch das Zuspiel. Ansonsten sorgte er allein mit seiner Präsenz dafür, dass die Münchener nicht zu sehr ins Risiko gehen konnten. Note: 3,0.

Unai Emery: Wenn man es mit einer Mannschaft zu tun bekommt, die in acht Spielen bisher 30 Tore erzielte, braucht es schon etwas besonderes, um sie kleinzukriegen. Unai Emery lieferte an diesem Abend mehr als das. Sein Matchplan war eine taktische Meisterleistung. Defensiv löste es sein Team enorm diszipliniert, zeigte sich äußerst ball- und passsicher im Umschaltspiel, überbrückte das Mittelfeld immer wieder mit einem Kontakt und war vorne extrem variabel. Mal war es Arnaut Danjuma, der in die Spitze stieß, mal Dani Parejo, Gerard Moreno wich wiederholt auf die Flügel aus. Zudem wechselte Villarreal Phasen des Ballbesitzes und schnellen Umschaltens ab, um nicht zu sehr unter Druck zu geraten. Genau so stellt man eine Spitzenmannschaft vor ernsthafte Probleme. Dazu waren Emerys Wechsel auf den Punkt. Rechtzeitig sorgte er auf den defensiven Außen für frische Bereifung, bevor der FC Bayern aus etwaiger Müdigkeit Kapital schlagen konnte. Mit Samu Chukwueze respektive seiner Geschwindigkeit, verhinderte Emery zudem, dass es sich die Münchener in der Schlussphase zu bequem der gegnerischen Hälfte machten. Kurz und gut: An der Seitenlinie war es ein Klassenunterschied. Note: 1,0.

Victor Catalina

FC Bayern: Viermal Note 5,5! Einzig Coman in Normalform

Manuel Neuer: Sah beim kuriosen Abseitstor durch Coquelin (41.) etwas unglücklich aus, leistete sich zudem einen katastrophalen Fehlpass (62.), der beinahe im 0:2 durch Gerard Moreno mündete. Beim Gegentor machtlos, ansonsten wenig gefordert. Note: 5,0

Benjamin Pavard (bis 71.): Rettete einmal stark gegen Gerard Moreno (29.). Durch seine recht offensive Positionierung fehlte er allerdings das ein oder andere Mal hinten, als es brenzlig zu werden drohte. Ansonsten ein weitestgehend unauffälliges Spiel des Franzosen. Note: 4,0

Dayot Upamecano: War nicht immer nah genug am Gegner, hatte auch am Gegentor (8.) seine Aktien. Ließ auch nach dem Seitenwechsel immer wieder Spieler im Rücken laufen. Positiver Vermerk: In der Viererkette noch der Beste im Spielaufbau. Note: 4,5

Lucas Hernández: Sah beim Gegentor nicht gut aus, kam danach aber besser ins Spiel und wurde in den Zweikämpfen griffiger. Baute meist über Davies auf, hätte hier und da die progressivere Variante wählen können. Seine langen Bälle verpufften. Note: 4,5

Alphonso Davies: Beim Gegentor nicht nah genug an Gerard Moreno, offensiv kein Vorbeikommen an Foyth im ersten Durchgang. Steigerte sich nach dem Seitenwechsel: Rettete einmal hinten (57.), kam auch offensiv und durch gute Seitenverlagerungen zur Geltung. Note: 4,0

Joshua Kimmich: Im ersten Durchgang ungewöhnlich unpräzise im Passspiel, zudem nicht immer resolut genug in den Zweikämpfen. Immerhin: Abgesehen von einer Menge unpräzisen Halbfeldflanken eine Leistungssteigerung im zweiten Durchgang. Note: 5,0

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Jamal Musiala: Sah bei der Arbeit gegen den Ball nicht gut aus, ließ vor dem Gegentor Giovani Lo Celso an die Grundlinie ziehen. Nach dem Seitenwechsel dafür vorne präsenter, bot sich gut zwischen den Linien an und brachte immer wieder Tempo ins Spiel der Bayern. Note: 4,0

Serge Gnabry (bis 62.): Hätte sich mehr anbieten müssen, suchte zu oft zum falschen Zeitpunkt den Weg in die Tiefe. War er mal am Ball, verlor er diesen – mit wenigen Ausnahmen – umgehend an einen gelb gekleideten Spieler. Auch defensiv nicht präsent. Ein gebrauchter Tag für den Nationalspieler. Note: 5,5

Thomas Müller (bis 62.): Im Pressing wirkungslos, im eigenen Ballbesitz so gut wie gar nicht ins Spiel eingebunden. Verbuchte in 62 Minuten gerade einmal 29 Ballkontakte, brachte lediglich 73 Prozent seiner Pässe an den Mann. Verpasste darüberhinaus die Chance zum Ausgleich (50.). Note: 5,5

Kingsley Coman: Wenn was ging für Bayern, war so gut wie immer Coman beteiligt. In der ersten Halbzeit hatten ihn die gegnerischen Verteidiger gut im Griff, nach dem Seitenwechsel schaffte es der Franzose dann aber immer besser, sich zu lösen, sammelte auch zwei ordentliche Abschlüsse. Nicht überragend, aber der mit Abstand beste Bayern-Spieler an diesem Abend. Note: 3,0

Robert Lewandowski: War komplett vom Spielgeschehen abgemeldet, hatte keine einzige gefährliche Szene. Was einen Stürmer wie ihn bei der Bewertung zumindest ein bisschen entlastet: Es ist immer undankbar, wenn die gegnerischen Verteidiger einem auf den Füßen stehen und die eigene Mannschaft praktisch ohne Mittelfeld spielt. Note: 5,5

Auswechslungen des FC Bayern:

Leon Goretzka (62. für Müller): War nach seiner Einwechslung bemüht, kam jedoch kaum noch zur Geltung. Auch sein Passspiel war nicht immer sauber. Note: 4,5

Leroy Sané (62. für Gnabry): Auch er kam nach seiner Einwechslung nicht häufig in Szene. Wenn doch, wirkte er etwas festgefahren, verlor den Ball schnell wieder. Für Bayern kein Faktor, der in der Schlussphase den Unterschied hätte ausmachen können. Note: 4,5

Niklas Süle (71. für Pavard): Brachte etwas Stabilität ins Spiel der Bayern. Defensiv fehlerlos, zudem mit der ein oder anderen ordentlichen Spieleröffnung. Note: 3,5

Marc Roca (90.+5 für Goretzka): keine Bewertung

Julian Nagelsmann: Der Plan mit Coman auf rechts und Gnabry auf links ging überhaupt nicht auf. Zudem war im eigenen Ballbesitz kein klares Konzept erkennbar: Die Offensivspieler boten sich kaum an, die Laufwege wirkten schlecht koordiniert. Bayern spielte über weite Strecken des Spiels – insbesondere der ersten Halbzeit – praktisch ohne Mittelfeld. Weiteres Manko: Flügelangriffe des Gegners erwiesen sich heute nicht das erste Mal als Schwachstelle bei den Münchnern. Gegen den starken Matchplan – besser gesagt: die Matchpläne – seines Kontrahenten Unai Emery fand Nagelsmann heute zu keinem Zeitpunkt eine Lösung. Auch die offensiven Wechsel zündeten nicht. Note: 5,5

Michael Bojkov

Anthony Taylor: Ruhige, unaufgeregte Spielleitung. Nachvollziehbare Linie in den Zweikampfentscheidungen. Hätte nach gut einer Stunde nach einem Foul von Pau Torres an Thomas Müller sowie ganz am Ende, als Leon Goretzka den Ellenbogen des spanischen Nationalspielers abbekam auch auf den Punkt zeigen können. Dass er es nicht tat, ist jedoch keine klare Fehlentscheidung. Note: 2,0.

Spielnote: Ein packendes, dramatisches Viertelfinalspiel. Villarreal war perfekt vorbereitet und wusste, die Schwächen des FC Bayern perfekt auszunutzen. Vor allem nach der Pause hatte die Partie teils wilde Phasen, in denen es für zwei bis drei Minuten von einem Strafraum an den anderen ging. 1:0 stand letztlich drauf, drin war ein 5:2. Note: 2,0.

Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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