Europa League | West Ham träumt vom Titel, Duell der Außenseiter in Braga

West Ham United erreichte das Achtelfinale der Europa League.
Vorschau

Neben Eintracht Frankfurt und RB Leipzig sind noch sechs weitere Vereine in der Europa League vertreten. Vier von ihnen treffen direkt aufeinander – mit ganz verschiedenen Ausgangslagen.

Europa League: West Ham vor dem nächsten Coup? – Braga und Rangers wittern ihre Chance

West Ham United – Olympique Lyon (07.04., 21.00 Uhr)

Vor 42 Jahren gewann West Ham United letztmals einen bedeutenden Titel, damals den FA-Cup. Die Fans sind – auch durch mehrere Abstiege – Leidenszeiten gewohnt. Die vergangene sowie die aktuelle Spielzeit liefen hingegen jeweils nahezu ideal. Die Hammers liegen in der Premier League erneut auf Kurs internationales Geschäft. Der 2:1-Erfolg über Everton war gleichbedeutend mit dem Sprung auf Rang sechs.

Doch der Fokus von David Moyes (58) richtete sich schnell, anscheinend schon während des Spielverlaufs auf den heutigen Donnerstag. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht an das Spiel gegen Lyon denken würde, denn das habe ich“, sagte er direkt nach dem Schlusspfiff (via Sky Sports). „Es ist eine ganz große Sache für uns“, unterstrich der schottische Trainer den Stellenwert der Europa League.

 

Seine Mannschaft bestätigte die Aussagen mit starken Auftritten in den vorangegangenen Runden. Die Gruppe gewann West Ham souverän, ehe im Achtelfinale eine Art Meisterstück vollbracht wurde. Der FC Sevilla, bekannter Europa-League-Spezialist, gewann zwar das Hinspiel mit 1:0, doch im London Stadium musste er sich nach Verlängerung mit 2:0 geschlagen geben. Tomas Soucek (27) und Andriy Yarmolenko (32) ließen fast 60.000 Unterstützer mit ihren Treffern ausflippen.

Beide nehmen wichtige Rollen im Kader von Moyes ein. Heraussticht weiterhin Declan Rice (23), der von nahezu sämtlichen Premier-League-Topklubs gejagt wird. Der auch für England auflaufende zentrale Mittelfeldspieler gilt als Antreiber auf beiden Seiten des Spielfelds. Defensiv besteht zudem Verlass auf Schlussmann Lukasz Fabianski (36), seinen erfahrenen Vordermännern Kurt Zouma (27) und Chris Dawson (31). Soucek gilt als wichtiger Unterstützer von Rice, während Jarrod Brown (25) den wohl wichtigsten Partner von Michail Antonio (32), dem einzigen Stürmer im Kader darstellt.

West Ham United schaltete den FC Sevilla im Europa-League-Achtelfinale aus.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

Ganz andere Stimmung herrscht bei Olympique Lyon, obwohl im Achtelfinale nach zwei eindrucksvollen Auftritten der FC Porto ausgeschaltet wurde. Den 1:0-Erfolg aus dem Hinspiel transportierte es im Rückspiel relativ sicher über die Ziellinie (1:1), sodass das Weiterkommen keineswegs unverdient schien. Die Darbietungen verdeutlichten nochmals das Potenzial, was im Kader von OL steckt, aber viel zu selten abgerufen wird.

In der Ligue 1 steht nämlich nur der neunte Platz zu Buche, obwohl Heimsiege gegen Nizza (2:0), Marseille (2:1) oder Monaco (2:0) heraussprangen und ein Remis gegen Paris St. Germain (1:1). Der von Peter Bosz (58) implementierte Spielstil erwies sich gegen spielstarke Mannschaften als erfolgsversprechend. Doch im Alltag tat sich seine Mannschaft, fand im Ballbesitz zu wenige Lösungen und fing sich den ein oder anderen Konter. Auch die Verpflichtung von Jerome Boateng (33) erwies sich noch nicht als hilfreich.

Deshalb besteht trotz herausragender Individualisten Houssem Aouar (23), Lucas Paqueta (24), Toko Ekambi (29), dem frisch aus Donezk geliehenen Tete (22) oder dem treffsicheren Moussa Dembélé (25) realistisch betrachtetet nur noch die Möglichkeit, über den Gewinn der Europa League in der kommenden Spielzeit international vertreten zu sein. Dementsprechend motiviert wird OL in die Begegnung gehen – oder wie Bosz es zuletzt ausdrückte: „Die einzige Lösung ist, Spiele zu gewinnen und eine Serie zu starten.“

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Sporting Braga – Glasgow Rangers (07.04., 21.00 Uhr)

Lech Posen, FC Liverpool,Dynamo Kiew und Sporting: Das waren die Gegner von Sporting Braga auf dem Weg ins Europa-League-Endspiel 2011, das knapp mit 0:1 gegen Porto verloren ging. Gewisse Parallelen zeichnen sich in dieser Spielzeit ab. In der Zwischenrunde setzte sich die vierte portugiesische Kraft nämlich mit großer Mühe gegen Sheriff Tiraspol durch. Die Entscheidung fiel erst im Elfmeterschießen. Danach wartete mit der AS Monaco ein vermeintlich deutlich überlegender Gegner, doch Os Arcebispos hatte die Nase vorn.

Als ausschlaggebend erwies sich abermals die Heimstärke. Im durch seine Felswand europaweit bekannten Estádio Municipal de Braga netzten Abel Ruiz und Vitor Oliveira zum 2:0-Erfolg ein. Jener Ruiz traf im Fürstentum frühzeitig zur Führung, weshalb letztlich zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkam. Ohne persönliches Erfolgserlebnis blieb Ricardo Horta (27), dem in dieser Saison schon 19 Pflichtspieltore gelangen. Abseits seiner Treffsicherheit kann Sporting auf ein stabiles defensives Fundament zurückgreifen.

Trainer Carlos Carvalhal (56) orientiert sich oftmals am Gegner und wechselt daher flexibel zwischen Dreier- und Viererkette – mit Erfolg. Im Ligabetrieb kassierte seine Auswahl lediglich ein Gegentor am Schnitt, international liegt der Wert nur etwas höher. Als Rückhalt gilt der schon seit 2014 als Schlussmann fungierende Matheus (29). Auf ihn könnte einiges an Arbeit zukommen, denn der Gegner besitzt seine Stärken in der Offensive, weist aber eine Ähnlichkeit mit Dynamo Kiew aus dem Jahr 2011 auf – er ist ebenfalls alles andere als übermächtig.

Das Stadion von Sporting Braga.

(Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Eine vergleichbare Denkweise dürfte bei den Rangers vorherrschen. Allerdings müssen sie zunächst einmal den Rückschlag aus dem Old Firm abschütteln. Im heimischen Ibrox Stadium unterlagen die Gers dem ungeliebten Celtic mit 1:2. Der Rückstand auf den Erzrivalen wuchs damit auf sechs Punkte an, wodurch die Verteidigung der schottischen Meisterschaft in weite Ferne geriet. Umso besser passt es, dass die Glasgower sich in der Europa League für die Runde der letzten Acht qualifizierten.

Was früher der Normalfall war, entwickelte sich schon vor, aber spätestens infolge der Insolvenz zu einer Rarität. 2008 fanden sich die Rangers letztmals im Viertelfinale wieder und erreichten sogar das Finale, wo Zenit St. Petersburg eine Nummer zu groß war. Warum auch in dieser Saison der große Sprung gelingen könnte, deutete die seit November von Giovanni van Bronckhorst (47) trainierte Auswahl im laufenden Wettbewerb bereits an. Mit beeindruckendem Konterspiel schaltete sie Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb aus (4:2/2:2). Auffällig agierte wieder einmal der bullige Angreifer Alfredo Morelos (25), der sich häufig im Eins-gegen-eins durchtankt und die Bälle festmacht. Im restlichen Saisonverlauf wird er aufgrund einer Oberschenkelverletzung allerdings nicht zur Verfügung stehen.

Ob es dem längst nicht so robuste Ersatzmann Kemar Roofe (29) die Aufgaben zufriedenstellend erledigt, sodass Mitspieler wie der umsichtige Ryan Kent (23) oder dem keinen Weg nach vorne auslassenden James Tavernier (30) rechtzeitig nachrücken können, bleibt abzuwarten.. Zweitgenannter nimmt die Rolle des Außenverteidigers ein, die im von Steven Gerrard (41), den es schließlich zu Aston Villa, entwickelten Spielstil eine hohe Bedeutung genießen. Sie prägen nämlich auch das Offensivspiel. Die Rangers greifen daher mit einer Vielzahl von Akteuren an und kommen zu vielen Torerfolgen, was auch die K.o.-Spiele in der Europa League bewiesen.

Die Hürde Roter Stern Belgrad wurde im Achtelfinale problemlos überquert, während Braga in der Vorrunde keinen Sieg gegen die Serben erzielte. Viel Aussagekraft besitzt der Quervergleich aber kaum. Dennoch können sich die Schotten realistische Chancen auf das Halbfinale ausrechnen.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

 

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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