Europa League: Zwischen Real Betis und Zenit liegt der Schlüssel in der Abwehr

Marc Bartra (vorne) von Real Betis Sevilla jubelt.,
Vorschau

In der Zwischenrunde der UEFA Europa League treffen mit Zenit St. Petersburg und Real Betis zwei der stärksten Offensivereihen ihrer nationalen Ligen aufeinander. Doch die beiden Teams haben auch ein ganz ähnliches Problem.

Zenit und Real Betis im Duell der Gegensätze

Es ist das Duell zwischen dem russischen Serienmeister auf der einen und dem spanischen Emporkömmling auf der anderen Seite. Zumindest mit Blick auf die nationalen Wettbewerbe treffen am Donnerstagabend mit Zenit St. Petersburg und Real Betis Gegensätze aufeinander.

Da wäre zum einen Zenit, das in der russischen Premier Liga mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzehnten eine der prägendsten Rollen übernimmt. Seitdem sich Sergey Semak (45) der Aufgabe des Cheftrainers im Mai 2018 angenommen hat, hat es keinen anderen Meister als Zenit St. Petersburg mehr gegeben. Das Team hat seine Gegner dominiert, den Titel stets mit beachtlichem Vorsprung geholt.

Real Betis: Der siebte Trainer bringt Konstanz

Betis dagegen musste sich im ersten Meisterjahr Zenits überhaupt erst einmal strecken, um in La Liga Fuß wieder so richtig Fuß zu fassen. Die Béticos waren gerade dabei, sich nach dem Wiederaufstieg im Sommer 2015 zu stabilisieren, hatten wechselhafte Jahre mit zwischen Fast-Abstieg und Europa-League-Qualifikation hinter sich. In den Jahrzehnten, in denen Zenit nahezu durchgehend um Russlands Krone mitspielte, war Real Betis ein Fahrstuhlverein, der mal zu schwach für die erste und dann wieder zu gut für die zweite Liga war.

Diese Zeiten scheinen mit dem bisher letzten Wiederaufstieg 2015 jedoch vorbei zu sein. Nach fünf wechselhaften Jahren und sieben verschiedenen Cheftrainern an der Seitenlinie verpflichteten die Andalusier im Sommer 2020 schließlich den Chilenen Manuel Pellegrini (68). Dieser kam mit der Empfehlung von fünf großen Titeln, darunter der Gewinn der Premier League mit Manchester City im Jahr 2014, und sollte endlich Konstanz bringen. Und er brachte sie.

Gleich in seinem ersten Jahr hievte er Real Betis von Platz 15 auf Platz sechs und damit in die diesjährige Europa-League-Saison, in der sich die Andalusier nach Platz zwei in Gruppe G nun mit Zenit auseinandersetzen werden. Die Russen kommen ihrerseits als Absteiger aus der Champions League, wo es in einer Gruppe mit Juventus, dem FC Chelsea, Juventus Turin und Malmö FF nur zu Platz drei gereicht hatte.

Zenit-Offensive muss herben Verlust hinnehmen

Letztlich hatte Zenit in sechs Spielen, ebenso wie Gruppensieger Juventus, sogar zehn Tore geschossen, mit ebenfalls zehn aber auch zu viele kassiert. Für die starke Offensive waren, ebenso wie in der Liga, die Schlüsselspieler Claudinho (25), Artem Dzyuba (33) und Sardar Azmoun (27) auszumachen. Als Trio hatten sie fast nie zusammengespielt, stattdessen kam einer von dreien meist von der Bank. Dennoch machen sie mit sieben von 18 Scorerpunkten mehr als ein Drittel aller Zenit-Torbeteiligungen in der Gruppenphase aus. Auch in der Liga haben sie mit 36 direkten Torbeteiligungen einen großen Anteil an den bisher 44 erzielten Treffern. Unter den Konkurrenten sucht dieser Sturm seinesgleichen.

Dabei agiert Zenit gerne mit einer Dreierkette und einem echten Stürmer, den häufig Azmoun oder Dzyuba gaben. In den vergangenen Ligaspielen schickte Semak sein Team jedoch auch hin und wieder in einem 4-2-3-1-System auf den Platz. In beiden Systemen waren es meist Claudinho und Malcom (24), die zwei dynamische Zehner hinter der Spitze verkörperten. Zenit hatte Malcom im Sommer 2019 noch für 40 Millionen Euro vom FC Barcelona geholt. Im Vergleich zu seinen Offensivkollegen blieb der Brasilianer in der Königsklasse bisher blass, konnte in der Liga aber mit neun Torbeteiligungen glänzen. In Zukunft wird Semak jedoch eine Veränderung vornehmen müssen.

Denn sein Quartett Claudinho/Dzyuba/Azmoun/Malcom wird ihm in dieser Form nicht mehr zur Verfügung stehen. Azmoun hatte nach zwei starken Saisons mit 21 und 19 Pflichtspieltoren internationale Begehrlichkeiten geweckt. Schließlich entschied sich der 27-Jährige noch im Januar 2022 für einen Wechsel in die Bundesliga und schloss sich Bayer 04 Leverkusen an. Aller Voraussicht nach wird nun also Dzyuba vom Rotations- zum Stammspieler werden.

Mit einer kolportierten Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro bei noch einem halben Jahr Vertragslaufzeit war Azmoun der lukrativste, aber auch schmerzlichste von drei St. Petersburger Winterabgängen. Die Béticos konnten ihre Stammelf im Winter dagegen zusammenhalten. Und damit auch die mit 41 erzielten Toren zweitbeste Offensive der spanischen Liga.

Real Betis muss seinen Spielmacher ersetzen

Real Betis geht in aller Regel in einem 4-2-3-1-System an den Start. Auch das Personal ist, zumindest offensiv, häufig identisch. Der Erfolg gibt Pellegrini eben kaum Anlass, etwas zu verändern. Im Duell gegen Zenit wird es nun aber doch tun müssen. Denn auch dem Chilenen ist eine wichtige Offensivoption weggebrochen. Nabil Fekir (28) war im am vierten Gruppenspieltag mit Bayer Leverkusens Kerim Demirbay aneinandergeraten. Beide ließen sich in einer Rangelei zu Tätlichkeiten hinreißen und sahen die Rote Karte. Fekir wird Pellegrini also nicht zur Verfügung stehen.

Real betis

(Photo by JOSE JORDAN/AFP via Getty Images)

Seine Rolle als zentraler offensiver Mittelfeldspieler hatten in der Folge Rober (21), der mittlerweile für UD Las Palmas spielt, und Joaquin (40) bekleidet. In der Liga hatte Sergio Canales in den Topspielen gegen Atletico Madrid und den FC Barcelona diese Rolle ebenfalls zweimal übernommen. Als Offensivallrounder kam er in dieser Saison schon auf beiden Flügeln und in der Zentrale zum Einsatz. Gut möglich also, dass Pellegrini im Duell mit dem russischen Meister auf seinen Dauerbrenner als Fekir-Ersatz bauen wird.

Interessant wird auch, wer als alleinige Spitze den Vorzug erhalten wird. Mit Willian José (30) und Borja Iglesias (29) hat der Chilene zwei Optionen, die mit acht und 13 Pflichtspieltreffern ihre Torgefahr bereits nachgewiesen haben. Zuletzt hatte Iglesias, dem in der Liga zwei Doppelpacks nacheinander gelungen waren, die Nase vorn. Beim jüngsten 4:2-Sieg über Levante durfte Iglesias von Beginn an ran. In der Europa League stand er darüber hinaus bisher immer in der Startelf.

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Beide Teams leben eher von der Offensive

Sowohl dem Betis-, als auch dem Zenit-Angriff fehlt im direkten Duell also ein wichtiger Baustein. Auf der einen Seite ist Azmoun dem Ruf der Bundesliga gefolgt, auf der anderen ist Fekir noch Rot-gesperrt. Neben ihrer Offensivstärke unterscheiden sich die beiden Teams jedoch ein wenig mit Blick auf ihre Defensiven. Der souveräne Tabellenführer aus Russland musste in 18 Spielen bisher 20 Gegentreffer hinnehmen, was den drittbesten Wert der Liga darstellt. Real Betis steht nach 24 Spielen bei 29 Gegentoren und hat damit im ligaweiten Vergleich nur die achtbeste Abwehr. Unter den ersten Elf in der Tabelle sind die 29 Gegentreffer gar der zweitschwächste Wert.

Und dennoch spielt Betis als Tabellendritter, vor Teams wie Barca und Atletico, um die direkte Champions-League-Qualifikation. Sicherlich gilt es zu berücksichtigen, dass die Qualität der russischen Liga insgesamt niedriger ist als die der spanischen. Dennoch wird es sich am Donnerstagabend zumindest lohnen, ein Auge auf die Betis-Defensive zu werfen. In die hat sich, neben dem Argentinier Germán Pezzella (30), zuletzt auch wieder der ehemalige Dortmunder Marc Bartra (31) gekämpft. Doch auch der Spanier Edgar González (24) und Víctor Ruiz (33) hatten in der Zentrale zuletzt ihre Chancen bekommen. In den vergangenen sieben Ligaspielen, in denen die Béticos nur einmal ohne Gegentreffer geblieben sind, hat Pellegrini einiges ausprobiert.

Ähnlich schwierig gestaltet sich eine Prognose der Zenit-Defensive, da das bisher letzte Pflichtspiel Mitte Dezember 2021 gestiegen ist. Die Premier Liga pausiert während des extrem kalten russischen Winters, sodass die St. Petersburger, im Gegensatz zu Real Betis, noch nicht im Pflichtspiel-Rhythmus sind. Zenit nahm daher zuletzt am Atlantic Cup teil. Dabei handelt es sich um ein Freundschaftsturnier, durch den die Teilnehmer im Spielrhythmus bleiben können.

Schickt Semak eine Dreierkette auf den Rasen, dürfte diese aus Dimitriy Chistyakov (38), Kapitän Dejan Lovren (32) und Yaroslav Rakytskiy (32) bestehen, wobei letzterer in einer Viererkette auch auf die Linksverteidigerposition rücken könnte. Das erscheint jedoch unwahrscheinlich, da mit dem ehemaligen Hamburger Douglas Santos (27) ein gelernter Linksverteidiger ebenfalls gesetzt ist. Auf der rechten Seite dürfte kein Weg an Vyacheslav Karavaev (26) vorbeiführen.

So oder so wird spannend zu beobachten sein, wie sich Zenit nach fast zwei Monaten ohne Pflichtspiel schlägt. Mit rund 230 Millionen Euro ist der Kader der Béticos zudem gut 61 Millionen Euro teurer als der der Russen. Für beide Seiten wird es vor allem darauf ankommen, die jeweils starke Offensive des Gegners in den Griff zu bekommen.

 

Photo by Fran Santiago/Getty Images

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