Champions League | Magische Momente auf dem Rasen, Totalversagen abseits – Die Tops und Flops der Saison 2021/22

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UEFA CL/EL

Spotlight | Am Samstagabend gewann Real Madrid zum 14. Mal in seiner Vereinshistorie die Champions League. Damit krönen die „Blancos“ nicht nur sich selbst, sondern auch einen Wettbewerb, der in dieser Saison einmal mehr Schauplatz vieler besonderer Momente wurde.

Die Champions League bot Überraschungen wie Enttäuschungen. Besondere Momente auf dem Platz wie Aussetzer abseits des Grüns. Wir haben die Tops und Flops der Saison 2021/22 für euch.

Champions League 2021/22 – Die Tops

Auswärtstorregel, ade!

Allein der Begriff ist sperrig. In der sportlichen Praxis hat die Auswärtstorregel in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass K.o.-Spiele möglichst schnell entschieden wurden. Oftmals zu schnell. Sie hat vielen ausgeglichenen und spannenden Matches eine würdige Entscheidung verwehrt. Stattdessen kam die Mannschaft weiter, die mehr Tore vor gegnerischem Publikum erzielt hatte. Für sinnvoll gehalten hat diese Regel kaum jemand. Daher reagierte die UEFA auch, schaffte die seit 1965 bestehende Regel zur Saison 2021/22 ab.

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Dass der Verband damit eine gute Entscheidung getroffen hatte, zeigte sich alsbald. Enge Spiele wurden noch spannender – aufgrund der einfachen Tatsache, dass Gleichstand in jedem Fall Gleichstand bedeutet. Die Verlängerung zwischen Real Madrid und ManCity im Halbfinale hätte es bis zur vergangenen Saison nicht gegeben. Die Abschaffung der Regel hat die Champions League also schon mal um mindestens einen magischen Moment bereichert.

Zudem gibt es ohne die Regel den Vorteil, dass das berühmt-berüchtigte Auswärtstor nun nicht mehr als taktisches Mittel angewendet werden kann. War es bis zur vergangenen Saison nicht unüblich, nach dem Auswärtstreffer im Hinspiel den Verwaltungsmodus anzuschalten, bringt der Spielstand nun ohne die Regel eine neue, ganz eigene Dynamik mit. Der Spielstand bleibt nicht nur de facto, sondern in dem Sinne auch de jure ausgeglichener.

Kein Exklusivturnier für Big Player: Die Kleinen sorgen für Furore

Im Zuge der Super-League-Pläne wurde vergangenes Jahr viel über die Attraktivität des Wettbewerbs gesprochen. Ein von Befürwortern gern genommenes Argument: Kleine Mannschaften bringen nicht das nötige Entertainment, sie seien Füllmaterial. Mitnichten! Die neueste Ausgabe der Königsklasse hat einmal mehr unter Beweis gestellt, wie gut vermeintliches Kanonenfutter dem Wettbewerb tut – und welche neuen Attraktivitätsmerkmale sie ihm verleihen.

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Es fing bereits in der Gruppenphase mit Überraschungssiegen an. So drehten die Young Boys aus Bern einen Rückstand gegen Manchester United in letzter Sekunde. Noch besser: Mit Sheriff Tiraspol bezwang ein absoluter Champions-League-Neuling niemand geringeren als Real Madrid im Bernabéu – und darf sich von nun an Champions-League-Sieger-Besieger nennen. Auch Ajax hatten vor der Saison nicht viele auf dem Zettel. Doch mit attraktivem Offensivfußball mischten die Jungs von Erik ten Hag (52) nach 2018/19 ein zweites Mal den Wettbewerb auf, wurden ohne Punktverlust Gruppensieger.

Das eindrucksvollste Beispiel lebte fast bis zum Schluss: Villarreal. Das Gelbe U-Boot vollbrachte das Kunstwerk, mit Juventus und Bayern zwei absolute Größen des Europäischen Fußballs in der K.o.-Phase zu bezwingen und bis ins Halbfinale zu kommen. Nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel gab man sich auch dort nicht geschlagen, setzte zum Comeback an und bereitete dem FC Liverpool über weite Strecken eine Zitterpartie. Die vermeintlich Kleinen sorgten für mehr als nur ein bisschen Aufmerksamkeit. Sie unterhielten – auf eine Art und Weise, die den großen Mannschaften Kopfschmerzen bereitete. Fußball, was willst du mehr?!

Real Madrid und die galaktischen Momente

Real Madrid und die Champions League – dass das passt, wissen wir schon lange. Immerhin gewannen die „Blancos“ den Pott zwischen 2016 und 2018 nicht nur dreimal in Folge und sind mit 14 Titeln mit großem Abstand Rekordsieger des Wettbewerbs (dahinter AC Milan mit sieben Titeln). In der abgelaufenen Spielzeit zeigten sie auf eine ganz neue Art und Weise, dass die Königsklasse ihr Eigen ist.

Es fing im Achtelfinal-Rückspiel an, als man zur Pause scheinbar aussichtslos gegen PSG zurücklag. Doch nach dem Seitenwechsel drehte Karim Benzema (34) die Partie mit einem Dreierpack um 180 Grad, am Ende zog Real furios ins Viertelfinale ein. Dort angekommen, ging der Wahnsinn im Prinzip direkt weiter, und zwar mit einem weiteren lupenreinen Benzema-Hattrick. Opfer diesmal: der FC Chelsea. Zwar konnten die „Blues“ die 1:3-Niederlage im Rückspiel egalisieren, doch in der Verlängerung war erneut Benzema zur Stelle, schoss die Madrilenen unter die letzten Vier.

Dort lag man gegen Manchester City im Hintertreffen – die Lage schien noch aussichtsloser als im Achtelfinale gegen Paris. Diesmal hielt Joker Rodrygo (21) seine Mannschaft durch seinen Doppelpack in der Nachspielzeit im Rennen. Es ging in die Verlängerung, in der Benzema – natürlich, wer auch sonst? – vom Punkt eiskalt blieb und Real ins Finale führte. Letztlich musste auch in diesem ein entscheidender Moment her. Das Tor durch Vinícius Júnior (21) entstand aus einem von lediglich zwei Schüssen auf das Gehäuse von Liverpool-Schlussmann Alisson (29) und sicherte Real den 14. Champions-League-Titel der Vereinshistorie.

Die Königlichen waren praktisch die gesamte K.o.-Phase über die spielerisch unterlegene Mannschaft, standen mit Ausnahme des Viertelfinales stets mit dem Rücken zur Wand. Aber sie schafften es, in den entscheidenden Momenten einen unheimlichen Spirit zu entwickeln und da zu sein.

„Eine Schlussfolgerung ist, dass es in der Champions League nur um Momente geht. Man muss nicht immer die beste Mannschaft sein, man muss nur die richtigen Entscheidungen treffen und in den entscheidenden Momenten auftauchen“, sagte auch Sportjournalist Zach Lowy (u.a. Breaking The Lines und talkSPORT) jüngst in unserer Expertenrunde. Real Madrid nahm sich dieser Momente an und schaffte es dank Teamgeist, einer unglaublichen Reife und ein bisschen Benzema, diese gewinnbringend für sich zu nutzen.

Champions League 2021/22 – Die Flops

Barça, PSG, Bayern: Die enttäuschende Elite

Es war nicht die Saison der europäischen Fußball-Eliten. Überraschungssiegern und auftrumpfenden Unterdogs stehen gefestigte Größen gegenüber, die weit unter ihren Erwartungen spielten. Das prominenteste Beispiel ist wohl der FC Barcelona. Im Zuge der Post-Messi-Ära bekam die Mannschaft nicht nur wirtschaftliche Versäumnisse aus der Vergangenheit, sondern auch das fehlende Herzstück auf dem Platz zu spüren. In der Gruppenphase ging überhaupt nichts zusammen. Man blamierte sich nicht nur gegen den FC Bayern (Hin- und Rückspiel jeweils 0:3), sondern auch bei Benfica, gegen die es ebenfalls eine 0:3-Klatsche setzte. Letztlich musste man sich als Gruppendritter vorzeitig aus der Champions League verabschieden – erstmals seit der Saison 2000/01.

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Für PSG war die diesjährige Ausgabe der Champions League kaum minder enttäuschend. Die Gruppenphase überstand man zwar – wenngleich alles andere als souverän –, doch im Achtelfinale war Schluss. Nach dem 1:0-Hinspielsieg über Real Madrid war man eigentlich auch im Rückspiel die bessere Mannschaft, führte sogar zur Pause. Die zweite Halbzeit schenkte man jedoch auf eine äußerst fragwürdige Weise komplett dem Gegner. Benzema machte drei „Buden“, für PSG war erneut vorzeitig Schluss. Gerade angesichts der großen Aufrüstung vergangenen Sommer und den damit verbundenen Erwartungen ist der Zeitpunkt sowie die Art und Weise des Ausscheidens eine derbe Enttäuschung für die Pariser.

Auch der FC Bayern blickt mit mehr negativen als positiven Gefühlen auf die abgelaufene Saison zurück. Dabei begann alles so vielversprechend. Die Gruppenphase dominierte der deutsche Rekordmeister nach Belieben, ließ den FC Barcelona in beiden Spielen keine Chance. Im Achtelfinale entpuppte sich Salzburg als Stolperstein, doch das Rückspiel gewannen die Münchner auf eine beeindruckende Art und Weise und machten das Viertelfinale klar. Dort sollte dann allerdings Endstation sein. Gegen den FC Villarreal. Im Hinspiel funktionierte überhaupt nichts, die komplette Mannschaft war ein Totalausfall, während der Underdog aus Spanien um Trainer Unai Emery (50) die volle Klaviatur an taktischem Meisterwerk auspackte und 1:0 gewann. Auch im Rückspiel ging für die Bayern wenig zusammen, am Ende kam man nicht über ein 1:1 hinaus. Das frühe, unerwartete Ausscheiden war in der Summe gerechtfertigt. Weil für einen Wettbewerb wie diesen an beiden Tagen zu wenig stimmte.

„Hey Google, how to organize a competition“ – die UEFA versagt auf ganzer Linie

Dass die UEFA in der Vergangenheit vieles versäumt hat, dazu bedarf es kaum Aufklärung. Beziehungsweise könnte diese wohl ein ganzes Buch füllen, weshalb sie an der Stelle den Rahmen sprengen würde. In der abgelaufenen Saison zeigte der europäische Dachverband jedoch Seiten, die bisher nicht viele kannten. Die UEFA offenbarte, dass grundlegende organisatorische Aufgaben anscheinend auch für milliardenschwere Unternehmen eine wahre Herausforderung darstellen.

So etwa die Ziehung von acht Spielpaarungen. Bei der Achtelfinal-Auslosung im Dezember 2021 wurde die Begegnung ManUnited gegen Villarreal gezogen. Blöd nur, dass beide Teams schon in der Gruppenphase aufeinandertrafen, eine Begegnung im Achtelfinale laut Reglement daher nicht möglich war. Damit aber nicht genug. Wurde der erste Fehler weggewischt, indem Villarreal im zweiten Anlauf den anderen Manchester-Klub zugelost bekam, trat das nächste Hindernis auf, als Atlético fälschlicherweise als Gruppengegner von ManUnited ausgeschlossen wurde.

Stattdessen befand sich der FC Liverpool mit im Topf, der aber schon in der Gruppenphase gegen Atlético spielte. Klingt kompliziert? Ist es auch. Die UEFA erklärte sich das kleine Desaster mit „technischen Probleme mit der Software eines externen Dienstleisters“, entschied, die Auslosung zu wiederholen. Immerhin: Der erneute Versuch wenige Stunden später saß – und ManUnited traf im Achtelfinale tatsächlich nicht auf Villarreal.

Champions League Liverpool FC Real Madrid CF

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Versagen größeren Ausmaßes boten sich im Finalmonat Mai. Zunächst beim Finale der Europa League. Eineinhalb Stunden vor Anpfiff gab es in der andalusischen Hitze zu Sevilla nämlich kein Getränkeangebot mehr für die Eintracht-Fans. Wasser und Softdrinks waren an nahezu sämtlichen Ständen aus, Nachschub kam nur schleppend.

Die Trilogie des Versagens gipfelte schließlich im Stade de France – vor den Toren des heiligen Rasens, auf dem an jenem Abend der Champions-League-Sieger gekürt werden sollte. Offenbar schafften es eine Vielzahl an Liverpool-Fans ohne Ticket, sich an die Tore vorzudrängen, um sich dort illegalen Zugang zum Stadion zu verschaffen. Weil Anhänger mit gültigem Ticket rechtzeitig vor Anpfiff ins Stadion wollten, drohte in der unübersichtlichen Gemengelage eine Massenpanik. Die Polizei setzte Tränengas ein, offenbar auch gegen unschuldige Fans.

Wie sich im Nachgang herausstellte, hatte es auch organisatorische Mängel gegeben. Glück im Unglück: Ernsthaft zu Schaden kam niemand. Dennoch: Die UEFA muss sich erneut Fragen gefallen lassen. Weil sie es ganz offensichtlich nicht geschafft hat, ein Finale ordnungsgerecht zu organisieren. Schaut man auf die Champions League 2021/22 zurück, ist neben großartigen sportlichen Momenten leider auch das ein Thema.

Photo by Getty Images

Michael Bojkov

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