In genau einer Woche bestreitet das DFB-Team seinen WM-Auftakt gegen Curacao. Nach dem 4:0-Sieg gegen Finnland wurde die Euphorie zunächst durch die Verletzung und das WM-Aus von Hoffnungsträger Lennart Karl gedämpft. Der 2:1-Erfolg über die USA am gestrigen Abend zeigte allerdings auch, dass Deutschland durchaus überzeugenden Fußball spielen kann, einige Akteure ihre Topform aber noch suchen.
Ein sehenswerter Ausgleich von Robinson nach einer Ecke egalisierte zunächst den frühen Führungstreffer von Kai Havertz. Leroy Sane erzielte am Ende den Siegtreffer gegen das von Mauricio Pochettino trainierte US-Team.
1. Brown läuft Raum den Rang ab
Es ist womöglich die größte Überraschung der vergangenen beiden Testspiele. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzte sowohl gegen Finnland als auch gegen die USA auf Nathaniel Brown auf der linken Außenverteidigerposition und entschied sich damit zweimal gegen David Raum, der vor dem Turnier für viele Experten noch als gesetzt galt.
Einem souveränen Auftritt gegen Finnland ließ Brown 60 starke Minuten gegen die USA folgen. Der Frankfurter bringt nicht nur ein gutes Tempo mit, sondern wirkt auch spielintelligent, zweikampfstark und offensiv sehr aktiv. Gerade nach den Berichten über eine bestehende Einigung mit dem FC Bayern lagen viele Blicke auf dem 23-Jährigen, der seine Aufgabe jedoch einwandfrei erfüllte.
Zum Leidwesen von David Raum, der allerdings schon bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren zunächst hinter Maximilian Mittelstädt zurückstehen musste und sich im Laufe des Turniers doch noch in die Startelf spielte. Klar ist: Das DFB-Team ist auf dieser Position mit beiden Spielern gut aufgestellt, auch wenn Brown aktuell die Nase vorn hat und gegen Curacao wohl beginnen dürfte.
2. Ist Jamal Musiala beim DFB unantastbar?
Es war das Turnier des einstigen deutschen Shootingstars. Jamal Musiala überzeugte bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren mit starken Leistungen und wurde zum Torschützenkönig ernannt. An der Seite von Florian Wirtz sorgte er mit seinen Dribblings und seiner Abschlussqualität für die besonderen Momente und lieferte auch in den großen Spielen ab.
Eine Woche vor dem Start der Weltmeisterschaft ist von diesem unbekümmerten Musiala allerdings nur noch wenig zu sehen. Der Kreativspieler leidet offensichtlich weiterhin an den Folgen seiner schweren Verletzung und sucht noch immer nach seiner Form. Gegen die USA scheiterten nahezu alle seine Dribblings, seine größte Stärke kommt aktuell kaum zur Geltung.
Beim 2:1-Siegtreffer agierte er zwischenzeitlich in einer etwas anderen Rolle und gab als Spielgestalter mehrere kluge Pässe in Folge. Das Problem: Mit Florian Wirtz besitzt das DFB-Team bereits den idealen Lenker zwischen den Linien. Musiala muss seine Stärke im Eins-gegen-eins wiederfinden, um für das deutsche Spiel den maximalen Unterschied machen zu können.
Den Einsatz kann man dem Bayern-Star dabei keinesfalls absprechen. Er wirft sich in Zweikämpfe, arbeitet gegen den Ball und gibt sichtbar Vollgas. Mit Ball liefert der 23-Jährige dem deutschen Offensivspiel derzeit allerdings noch zu wenig.
3. Schießt uns „King Kai“ zum Titel?
Es könnte das Turnier von Kai Havertz werden. Trotz einer schwierigen Saison mit mehreren Verletzungen scheint der Arsenal-Profi pünktlich zur Weltmeisterschaft topfit zu sein. Bereits im Finale der UEFA Champions League traf er gegen PSG zum 1:0, nun zeigte er auch gegen die USA, in welch starker Verfassung er sich aktuell befindet.
Der Ex-Leverkusener präsentierte sich sehr agil, bot immer wieder Tiefe an und wirkt im letzten Drittel auffällig entschlossen. Eine butterweiche Flanke von Joshua Kimmich köpfte er gekonnt zum 1:0 ein, den späteren Siegtreffer von Leroy Sane bereitete er mustergültig vor. Der 26-Jährige dürfte damit eine der tragenden Rollen in der Offensive des DFB-Teams einnehmen.
Gerade seine enorme Flexibilität dürfte Julian Nagelsmann schätzen. Ein Einsatz als Sturmspitze, auf der Zehn oder auf der rechten Außenbahn scheint jederzeit möglich. Klar ist damit auch: Wenn Deutschland nächste Woche gegen Curacao in das Turnier startet, dürfte Kai Havertz als absoluter Stammspieler in der Anfangsformation stehen. Egal in welcher Rolle.

