Tottenham vs. Frankfurt: Tuta implodiert, Son brilliert – die Einzelkritik

Harry Kane und Heung-min Son feiern die 2:1-Führung gegen Eintracht Frankfurt in der Champions League.
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Eintracht Frankfurt verlor am Mittwochabend in der Champions League mit 2:3 (1:3) bei den Tottenham Hotspur. Bei den Spurs überragte ein üblicher Verdächtiger, bei der SGE war ein Verteidiger komplett von der Rolle.

Rund 70 Minuten lang zahlte Eintracht Frankfurt bei der 2:3-Auswärtsniederlage gegen Tottenham Hotspur am vierten Spieltag der Champions League Lehrgeld. Nach der 1:0-Führung durch Daichi Kamada wurden die Hessen passiv, machten zu viele Fehler und schenkten den Spurs dadurch Räume. Die Londoner wussten diese effizient auszunutzen, vor allem wegen ihres kongenialen Duos: Harry Kane und Heung-min Son. Die Spurs schalteten nach der 3:1-Führung früh in den Verwaltungsmodus und mussten nach dem Anschluss durch Faride Alidou in der Schlussphase trotz Überzahl zittern. Die Einzelkritik.



Tottenham: Son brilliert

Hugo Lloris: Souverän, beim 0:1 macht-, im Anschluss nahezu beschäftigungslos. Bei den wenigen Abschlüssen der Frankfurter aber reflexstark zur Stelle – was sich am Ende als wichtig erwies. Note: 2,5

Cristian Romero: Wie nahezu alle seine Mitspieler startete er etwas schlampig in die Partie und fing sich nach dem Ausgleich. In der Folge routiniert, antizipationsstark und mit guter Übersicht im Passspiel. Hatte einen gefährlichen Kopfball nach einem Eckball. Note: 2,5

Eric Dier (bis 77.): Sah früh Gelb. Konnte einen simplen Pass im eigenen Sechzehner nicht stoppen und leitete somit das 0:1 ein. Etwas unsicher im Zweikampf, erholte sich dann, als die Spurs sich steigerten und die Eintracht nachließ. Note: 4,0

Clement Lenglet: Unauffällig, was für einen Innenverteidiger nichts Schlechtes ist. Im Gegenteil:  souverän und fehlerfrei. Note: 3,0

Emerson Royal: Obwohl er Räume hatte, überraschend unauffällig in der Offensive. Defensiv selten gefordert, aber mit ein paar wichtigen Zweikämpfen am eignen Sechzehner. Note: 3,5

Rodrigo Bentancur (bis 67.) : Auch er hatte einen unkonzentrierten Start, auch er wurde immer sicherer und souveräner. Forderte ständig den Ball, verteilte ihn mit viel Auge und Ruhe. Note: 3,0

Pierre-Emile Höjbjerg (bis 85.): Übernahm im Mittelfeld Verantwortung und war der Antreiber der Spurs. Seine Vorlage zum 3:1 fasste seine Spielweise zusammen: Tankte sich entschlossen und aggressiv durch, hatte aber auch die Übersicht und das Ballgefühl, Son die Flanke maßgeschneidert zu servieren. Note: 2,0

Ryan Sessegnon: Leichtsinniger Ballverlust zu Beginn, wurde aber immer sicherer und beackerte den linken Flügel. Konnte eine große Chance zum 4:1 nicht nutzen, da er nach starkem Laufweg überhastet Kevin Trapp anschoss. Note: 3,5

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Richarlison (bis 67.): In der ersten Hälfte bemüht und mit cleveren Bewegungen. Insgesamt aber glücklos und schlichtweg zu wenig eingebunden. Hatte seine beste Aktion nach dem Seitenwechsel, als er sich rechts durchsetzte und eine präzise, flache Flanke in den Sechzehner lieferte, die Sessegnon mit einem Tor hätte krönen können. Note: 3,5

Heung-Min Son (bis 85.): Verbreitete mit jedem Dribbling, jedem Sprint Angst und Schrecken in der Frankfurter Hintermannschaft. Tutas Platzverweis war sein Verdienst. Schnell, wendig, ballsicher und zielstrebig. Hervorragender Laufweg und souveräner Abschluss zum 1:1, Weltklasse-Volley mit links zum 3:1. Seine Formkrise dürfte beendet sein, strotzte nach seinem ersten Tor vor Selbstvertrauen.  Note: 1,5

Harry Kane: Ließ sich immer wieder ins Mittelfeld fallen und demonstrierte seine Spielmacherqualitäten. Lieferte auf diese Weise einen fantastischen Steckpass auf Son zum 1:1. Für manche war es unsportlich, für andere clever: Jedenfalls suchte er den Körperkontakt im Strafraum, fiel früh, holte den Elfmeter zum 2:1 heraus und verwandelte souverän. Strahlte in Ballbesitz jederzeit Gefahr aus, war aber nicht ganz so involviert wie Son. Machte aus einer Note 2,0 in der Schlussphase eine 2,5, da er erst den Elfmeter, dann einen einfachen Querpass zur 4:2-Vorentscheidung verfehlte.  Note: 2,5

Yves Bissouma (ab 67.): Kam in einer Phase, in der das Spiel vor sich hin plätscherte. Sauber im Passspiel Note: 3,0

Oliver Skipp (ab 67.): Auch er kam, als Spurs im Verwaltungsmodus waren, strahlte aber Biss aus. Note: 3,0

Davison Sanchez (ab 77.): nicht zu bewerten 

Bryan Gil (ab 85.): nicht zu bewerten (holte mit einem guten Dribbling einen Elfmeter raus)

Lucas Moura (ab 85.): nicht zu bewerten 

Tottennham gegen Frankfurt: Heung-min Son im Zweikampf mit SGE-Verteidiger Tuta

(Photo by ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Noten von Chris McCarthy

Eintracht Frankfurt: Tuta von der Rolle

Kevin Trapp: War bei allen drei Gegentreffern machtlos. Hielt die Eintracht bis zur Pause durch Paraden gegen Heung-Min Son und Cristian Romero (42. & 45.+2) im Spiel. Auch im zweiten Durchgang unter anderem gegen Sessegnon (52.) Rettungsanker in der defensiven Not. Kleine Unsicherheit bei Emerson Royals Befreiungsschlag (58.). Häufig von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Note: 2,5

Tuta: Begann die Partie mit einer starken Rettungsaktion gegen Harry Kane (11.). Danach folgte eine indisponierte Vorstellung des Brasilianers. Gewann nur 27% seiner Zweikämpfe. Wirkte behäbig und hölzern in seinen Aktionen. Sein Passspiel geriet zuweilen abenteuerlich. Als negative Schlusspointe seiner Leistung wurde er nach 59. Minuten mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen, als er sich gegen Son abermals nicht zu helfen wusste. Note: 5,5

Makoto Hasebe (bis 69.): Wie die meisten Frankfurter Akteure erwischte auch der japanische Routinier einen vielversprechenden Start. Seine Passsicherheit (90 % angekommene Pässe) und Ruhe sollten der neuformierten Dreierkette Halt geben. Mit fortschreitender Spieldauer wurden seine Temponachteile gegenüber den pfeilschnellen Spurs-Angreifern augenscheinlich. Vor dem 0:1 kam er nicht in den Zweikampf mit Kane. Musste nach einem Tackling gegen Son leicht angeschlagen das Spielfeld verlassen. Note: 4,0

Evan Ndicka: Auch der Franzose mit einer, für einen Defensivakteur, unterdurchschnittlichen Zweikampfbilanz (25% gewonnen). Hatte zunächst ein paar gute, progressive Pässe in sein Spiel eingestreut. Wirkte aber zunehmend vom Tempo und der individuellen Klasse der Londonder überfordert. Teilweise zu ungeschickt und forsch in den direkten Duellen: Beispielhaft 52. Minute gegen Richarlison. Note: 5,0

Kristijan Jakic: Fügte sich mit einer starken Grätsche gegen Son gut ein (10.). In der Folge ließ der rechte Schienenspieler seine Seite defensiv viel zu häufig verwaist. Konnte Sons hohem Tempo zumeist nicht folgen. Wurde wiederholt sehr einfach überspielt. Verursachte den berechtigten Strafstoß gegen Kane (25.). Leitete mit seinem missglückten Hackentrick kurz vor Ende der Partie auch den zweiten Elfmeter gegen die Eintracht mit ein (90.+1). Note: 5,0

Sebastian Rode (bis 69.): Der Kapitän war lange Zeit ein Leader auf dem Platz. Bissiges, zweikampstarkes Spiel mit viel Übersicht. Diese behielt er auch vor dem 1:0-Führungstreffer, als er den besser postierten Torschützen Kamada uneigennützig bediente. Als die Gastgeber ihre stärkste Phase hatten, wurde er zunehmend unauffälliger. Note: 3,0

Djibril Sow: Versuchte die Mittelfeldzentrale der Hessen zu organisieren und das Aufbauspiel der Engländer frühzeitig zu stoppen. Dies gelang dem Schweizer Nationalspieler aber nur situativ. Zu häufig lief er dem Spielgeschehen hinterher. Note: 4,0

Christopher Lenz (bis 69.): In Frankfurts starker Anfangsphase suchte Jakics linker Schienenspieler-Gegenpart einige Male die Offensive. Ab der 20. Minute war er fast ausschließlich mit Defensivaufgaben beschäftigt. Wirkte stets bemüht, aber aufgrund der individuellen Klasse des Gegners teilweise auch überfordert. Vor dem 3:1 kam er nicht ins direkte Duell mit Vorlagengeber Pierre-Emile Höjbjerg (36.).  Note: 4,5

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Jesper Lindström: War bemüht, seine Schnelligkeit und Dribbelstärke über den Flügel ins Spiel zu bringen. Starker Ballgewinn nach Pressing gegen Eric Dier vor dem 1:0 (14.). Sein Schlenzer in der 74. Minute war, neben dem späten Anschlusstreffer durch Alidou, die gefährlichste Offensivaktion der Eintracht im zweiten Durchgang. War in Tottenhams Drangphase fast ausschließlich defensiv gebunden. Note: 3,5

Daichi Kamada (bis 79.): Der Japaner war der umjubelte Torschütze zum frühen 1:0 der Adlerträger, als er Rodes Vorlage nur noch veredeln musste (14.). Bewegte sich immer wieder geschickt aus dem Deckungsschatten seiner Gegenspieler heraus. Technisch gut, aber mit zunehmender Spieldauer unsichtbar. Note: 3,5

Randal Kolo Muani (bis 69.): Blieb zumeist an den Spurs-Verteidigern hängen oder hatte Probleme bei der Ballannahme- bzw. sicherung. Konnte sein Potenzial nicht entfalten. Kam zu keinem nennenswerten Abschluss. Note: 5,0

Rafael Borré (ab 69.): War nach seiner Einwechslung engagiert und rieb sich in Zweikämpfen auf. Guter Abschluss aus der Distanz, den Hugo Lloris, wenn auch mit Mühe, parieren konnte (87.). Note: nicht zu bewerten

Éric Ebimbe (ab 69.): Brachte mehr Handlungsschnelligkeit und Kontrolle ins Frankfurter Mittelfeldzentrum.  Note: nicht zu bewerten

Hrvoje Smolcic (ab 69.): Verursachte leichtfertig den zweiten Spurs-Strafstoß gegen den ebenfalls eingewechselten Bryan Gil (90.+1). Wurde in dieser Szene allerdings auch durch Jakics zu lässigen Hackentrick in Bredouille gebracht. Note: nicht zu bewerten

Faride Alidou (ab 70.): Er sorgte nicht nur per Kopf für den Anschlusstreffer der Eintracht (87.), sondern wirkte sich überdies belebend für das Offensivspiel der Gäste aus. Temporeich, mit Zug zum Tor. Konnte sich für weitere Einsätze empfehlen. Erstes Pflichtspieltor für seinen neuen Arbeitgeber. Note: 2,0

Mario Götze (ab 79.): Der Weltmeister bereitete mit seiner perfekt getimten Ecke Alidous 2:3 vor (87.). Note: nicht zu bewerten

 

Noten von Steven Busch

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

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