Trio sticht heraus, Nmecha mit solidem Debüt – Deutschland in der Einzelkritik

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Mit einem 9:0 verabschiedete das DFB-Team Ex-Bundestrainer Joachim Löw. Drei Spieler stachen bei diesem Spektakel besonders heraus, für andere ergeben sich schwierige Konstellationen. Die Einzelkritik zum Deutschland-Spiel.

Defensive und Mittelfeld kaum gefordert, Trio glänzt

Das DFB-Team bescherte Joachim Löw einen Abschied nach Maß und gewann nach Treffern von Leroy Sané (2), Thomas Müller (2), Marco Reus, Ridle Baku, einem Elfmeter von Ilkay Gündoğan sowie zwei Eigentoren 9:0 gegen Liechtenstein, obwohl zahlreiche Leistungsträger ausfielen. Deutschland in der Einzelkritik.

Manuel Neuer (FC Bayern): 90 Minuten lang ausschließlich als elfter Feldspieler tätig. Erledigte diese Aufgabe souverän. Ansonsten hatte der Kapitän den besten Platz im Stadion, um das Spektakel zu genießen und hätte nebenbei noch die Taktiken für das Bundesligaspiel in Augsburg durchgehen können. Wird in Yerevan geschont. 3,0.

Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach): Wie die gesamte Defensive an diesem Abend in ihrem Kerngeschäft kaum gefordert. Mit einigen guten Akzenten nach vorne, aber auch etwas zu viel Streuung in den Hereingaben. 3,0.

Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain): Weiterhin einer der größten Gewinner unter Hansi Flick. Überzeugt durch Variabilität und Spielstärke. Rückte teilweise bis an den gegnerischen Strafraum. Souveräner, fehlerfreier Auftritt. 3,0.

Antonio Rüdiger (Chelsea FC): Was für Kehrer gilt, gilt auch für Antonio Rüdiger. Hatte einige Halbchancen, selbst auf die Anzeigetafel zu kommen. Etwas leichtsinnig, als er sich bereits gelb vorverwarnt in einer Szene kurz vor der Pause mit Fabio Wolfinger anlegte. 3,0.

Christian Günter (SC Freiburg): Zwang Daniel Kaufmann mit einer scharfen Hereingabe zum Eigentor. Ansonsten der Antreiber, den man auch aus Freiburg kennt. Immer wieder mit guten Läufen über die linke Seite, wenngleich er diesmal nicht dazu kam, auch seine Abschlussstärke unter Beweis zu stellen. 2,5.

 



 

Leon Goretzka (FC Bayern): Von Jens Hofer früh im Spiel nach der körperlichen Unversehrtheit getrachtet. Steckte das brutale Foul aber gut weg und lieferte im Anschluss eine ausgezeichnete Partie. In der 22. Minute Vorlagengeber für das zwischenzeitliche 3:0 von Leroy Sané. Im Abschluss allerdings noch mit Luft nach oben. 2,5.

Ilkay Gündoğan (Manchester City): Eröffnete das Spektakel nach elf Minuten vom Punkt. Sicher in der Spielgestaltung, wenngleich nicht ganz so torgefährlich, wie bei Manchester City. Musste er in diesem Fall aber auch nicht zwingend sein. 2,5.

Ridle Baku (VfL Wolfsburg): Im eigenen Stadion extrem engagiert. Bot sich immer wieder an, machte die Läufe in die Tiefe – und hatte zehn Minuten vor Schluss auch das entscheidende Quäntchen Glück, als sich sein Schlenzer wunderschön über den Innenpfosten ins Tor senkte. Beim anschließenden Torjubel konnte er selbst kaum glauben, was ihm da gerade gelungen ist. Musste sich hinten rechts bislang hinter Jonas Hofmann anstellen oder war gar nicht erst nominiert. Mit Auftritten wie diesen betreibt er allerdings Werbung in eigener Sache. 2,0.

Deutschland Liechtenstein

Photo by Alex Grimm/Getty Images

Marco Reus (Borussia Dortmund): „Ich fühle mich gut und spüre das Vertrauen vom Bundestrainer“, sagte er nach der Partie. Das bewies Reus in den 90 Minuten zuvor. Ein Tor, zwei Vorlagen und ein großer Bewegungsradius gepaart mit vielen guten Ideen. In dieser Form definitiv eine Bereicherung für das DFB-Team. 1,5.

Leroy Sané (FC Bayern): Eigentlich ein komplett neuer Spieler, seitdem ihn Julian Nagelsmann auf die linke Seite gestellt hat. Außergewöhnlicher Zug zum Tor, schnürte gegen Liechtenstein seinen ersten Länderspiel-Doppelpack und vergab nach einer Stunde den Hattrick. Ließ sich immer wieder tief fallen, um sich die Bälle auch selbst zu holen. Trotzdem noch mit der ein oder anderen Unsauberkeit im Vorwärtsgang. 1,5.

Thomas Müller (FC Bayern): In der ersten Halbzeit konnte man sehen, dass ihm die Position hinter der Spitze mehr liegt. Es ist kein Zufall, dass er seine beiden Tore erst nach der Einwechslung Lukas Nmechas erzielte und dabei einmal mehr sein Raumgefühl unter Beweis stellte. In der Spielgestaltung nicht allzu sehr gefordert. 1,5.

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Auswechslungen von Deutschland: Nmecha solide, Volland fällt ab

Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach, ab 46′): Kam zur zweiten Halbzeit für Leon Goretzka ins Spiel und erledigte seinen Part im Mittelfeld souverän. Eine gute Viertelstunde vor Schluss legte Neuhaus geistesgegenwärtig und mit viel Übersicht für Thomas Müller auf. Es sind gerade diese Aktionen, die nicht nur Hansi Flick, sondern auch Adi Hütter gerne sehen wird. 2,5.

Lukas Nmecha (VfL Wolfsburg, ab 46′): Länderspieldebüt für den Siegtorschützen aus dem U21-EM-Finale. Gut zehn Minuten nach seiner Einwechslung scheiterte Nmecha am Aluminium. Mit eine der letzten Aktionen verhinderte Benjamin Büchel, dass der Wolfsburger die Angelegenheit im eigenen Stadion zweistellig gestaltet. Ein Auftritt, auf dem sich definitiv aufbauen lässt. Gut möglich, dass ihn Flick am Sonntag in Yerevan von Beginn an bringt. 3,0.

Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg, ab 64′): Machte sieben Jahre nach seinem ersten vor eigenem Publikum nun sein zweites Länderspiel und wurde bei seiner Einwechslung von der anwesenden VfL-Fraktion mit „Fußballgott“ empfangen. Musste in der 88. Minute mitansehen, wie Liechtensteins Abwehr sein 9:0 verhinderte. Ansonsten ließ auch er sich nichts zu Schulden kommen. 3,0.

Kevin Volland (AS Monaco, ab 64′): Der Einzige, der im Vergleich zu seinen Teamkollegen in der Offensive etwas abfiel. Kam für Leroy Sané ins Spiel und wirkte nur selten wirklich eingebunden. In der 79. Minute köpfte er an den Querbalken, stand dabei allerdings auch abseits. Muss gewaltig zulegen, wenn er sich gegen Timo Werner, Karim Adeyemi, Lukas Nmecha oder den momentan formstarken Jonathan Burkardt durchsetzen will. 3,5.

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach, ab 72′): Unter Joachim Löw noch gesetzt, bei Hansi Flick musste er diesen Status zugunsten Thilo Kehrers einbüßen. Scheiterte in der 76. Minute mit einem Kopfball aufs kurze Eck. Trotzdem resultierte aus dieser Aktion das 6:0. In der Defensive kaum gefordert. Keine einfache Konstellation für den Gladbacher, da auch Niklas Süle und Antonio Rüdiger berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz anmelden. 3,0.

Hansi Flick: Das Bild, wie er nebst einem absurd hohen Spielstand grimmig dreinblickt, ist im Internet inzwischen Kult. Nach der Partie meinte er, er sei immer „tief konzentriert, deswegen ist das mit meiner Mimik nicht ganz so einfach“. Wesentlich einfacher dürfte das Spiel an sich gewesen sein. Auch ohne etliche Leistungsträger wusste Flicks Mannschaft zu glänzen. Setzte nach der Pause mit der Einwechslung von Lukas Nmecha einen neuen Reizpunkt, sodass auch Thomas Müller endgültig ins Spiel fand. Mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel zum Einstand fiel auch für ihn ein Rekord vom Laster. 2,0.

Ivana Martinčić: Gab ihr Debüt im Herrenfußball und bewies viel Fingerspitzengefühl, als sie Jens Hofer sich zuerst nach Leon Goretzka erkundigen ließ und ihn erst dann des Feldes verwies. Ansonsten ein relativ ruhiger Abend für sie. Das Spiel verlangte dem Unparteiischengespann nicht viel ab. Hätte in der zweiten Halbzeit nach einem Kontakt gegen Christian Günter zum zweiten Mal auf den Punkt zeigen können. Aber eine klare Fehlentscheidung lag hier mitnichten vor. Gut möglich, dass ihr Name in der Zukunft noch häufiger auf den Spielberichtsbögen im Herrenfußball zu sehen sein wird. 2,0.

Spielnote: Im Hinspiel beschränkte Liechtenstein das DFB-Team auf ein 0:2. Mit dem frühen Platzverweis hatten sie dem DFB-Team nichts mehr entgegenzusetzen. Es war genau das Spektakel, das man im Vorfeld der Partie erwarten durfte mit einigen spektakulären Treffern, aber auch etwas Leerlauf nach der Pause. Ein gelungener Abschied für Joachim Löw. 2,0.

Photo by Stuart Franklin/Getty Images

Alle Tabellen der WM-Qualifikation

Victor Catalina

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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