Die Schweiz dominierte ihren WM-Auftakt gegen Katar nach Belieben, führte durch einen verwandelten Foulelfmeter und kassierte in der 94. Minute doch noch den Ausgleich zum 1:1. Das Westschweizer Fernsehen titelte „QATARSTROPHE“. Aus analytischer Sicht ist das Ergebnis weniger ein Unfall als die Fortschreibung eines bekannten Musters.
Breel Embolo verwandelte in der 17. Minute einen Foulelfmeter, den Remo Freuler herausgeholt hatte. Danach kontrollierte die Schweiz die Partie im Levi’s Stadium von Santa Clara fast vollständig: 26 Torschüsse standen am Ende sechs von Katar gegenüber, sieben zu drei auf das Tor, dazu 58 Prozent Ballbesitz. In der vierten Minute der Nachspielzeit köpfte Katars Kapitän Boualem Khoukhi unter Bedrängnis ein — registriert als Eigentor von Miro Muheim, der viertspäteste Ausgleich in regulärer Spielzeit der WM-Geschichte.
Dominanz ist nicht Effizienz
Der Befund ist für die Schweiz unangenehm, weil er nicht neu ist. Eine Mannschaft, die 26 Mal abschließt und nur einmal trifft, hat kein Chancen-, sondern ein Verwertungsproblem. Denis Zakaria brachte es im Anschluss auf den Punkt: Man habe zu viele Gelegenheiten liegen lassen und dafür teuer bezahlt.
Katar, trainiert vom früheren spanischen Nationalcoach Julen Lopetegui, machte das, was tiefe Blöcke gegen überlegene Gegner tun: verteidigen, warten, auf den einen Moment hoffen. Dass es aufging, ist Varianz — aber eine Varianz, die die Schweiz durch fehlende Effizienz erst ermöglicht hat.
Das Muster hat Geschichte
Wer die Schweizer WM-Bilanz kennt, erkennt die Linie. In vier der vergangenen fünf Weltmeisterschaften war im Achtelfinale Schluss, zuletzt 2022 beim 1:6 gegen Portugal. Den Sprung ins Viertelfinale gab es zuletzt 1954, im eigenen Land. Die Schweiz ist seit Jahren eine Mannschaft, die die Gruppenphase übersteht und dann an der eigenen Durchschlagskraft hängenbleibt.
Das 1:1 gegen Katar fügt sich in dieses Bild. Es ist nicht der Bruch mit dem Muster, sondern dessen früheste mögliche Bestätigung in diesem Turnier.
Das Muster, nicht der Ausreißer
Bestätigt ist die Überlegenheit: Die Schweiz war in nahezu jeder Kategorie das bessere Team. Bestätigt ist auch das alte Defizit: Aus Überlegenheit wurde kein Sieg. Offen bleibt, ob Murat Yakins Mannschaft die Verwertung über das Turnier korrigiert — oder ob sich wiederholt, was sich bei dieser Auswahl seit Jahren wiederholt. Der Markt hatte die Schweiz als soliden, aber selten durchschlagskräftigen Achtelfinal-Kandidaten eingepreist. Der Auftakt hat dieser Einschätzung nicht widersprochen.

