Wenn Edin Džeko heute Nachmittag in Toronto aufläuft, wird er der zweite Über-40-Feldspieler der WM-Geschichte — der erste seit Roger Milla 1994, ebenfalls auf nordamerikanischem Boden. Bosniens Kapitän eröffnet gegen Kanada zugleich die erste WM seines Landes seit zwölf Jahren. Es ist das Spiel mit der besten Geschichte des Tages — und einer engeren Quote, als die Gastgeber-Rolle vermuten lässt.
Kanada steht bei 1,80, Bosnien bei 4,40, das Remis bei 3,50. Für ein Heimspiel des Gastgebers gegen einen Play-off-Qualifikanten ist das respektvoll — der Markt hat registriert, dass diese bosnische Mannschaft in den Play-offs Wales eliminierte, mit einem Džeko-Tor in der Verlängerung des Halbfinals und Nervenstärke im Elfmeterschießen.
Der Mann, der nicht aufhört
Die Eckdaten der Personalie: Džeko ist 40, führte Schalke zurück in die Bundesliga, spielte seine einzige WM 2014 — Bosniens erste als unabhängige Nation — und wartete zwölf Jahre auf die zweite. Vor diesem Turnier hat in der gesamten WM-Geschichte nur Roger Milla als Über-40-Feldspieler gespielt, 1994 in den USA, mit 42 und einem Tor gegen Russland. Heute zieht Džeko nach, drei Tage vor Ronaldo und Modrić. Auf die Frage nach 2030 hat er übrigens bereits geantwortet, nach einer Lachpause: „Definitiv nicht.“
Kanadas stilles Risiko
Für die Gastgeber ist das Spiel heikler, als es aussieht. Jesse Marschs Mannschaft kommt mit einem blassen 1:1 gegen Irland aus der Vorbereitung, und die Gruppe B mit Katar und der Schweiz ist genau die Sorte machbarer Staffel, die Erwartungen erzeugt: Ein Heimturnier ohne K.-o.-Runde würde als Scheitern gelesen. Bosnien wiederum ist der unangenehmste der drei Gruppengegner zum unangenehmsten Zeitpunkt — am ersten Spieltag, wenn die Nervosität am größten ist und ein Punktverlust die Rechnung sofort verkompliziert. Die 1,80 preisen genau diese Mischung: Favorit ja, Selbstläufer nein.
Was der Nachmittag bereithält
An dem Spiel in Toronto ist die Schlagzeile schon vor dem Anpfiff geschrieben — Džeko betritt den Platz und die Geschichtsbücher in einem Schritt. Was danach kommt, ist offen: Ein 40-Jähriger gegen die schnellste Abwehrreihe der Gruppe ist sportlich ein Experiment, und Bosniens Turnier hängt davon ab, ob der Kapitän mehr ist als ein Symbol. Kanada wiederum kann heute mit einem Sieg die leiseste der drei Gastgeber-Geschichten in die lauteste verwandeln. Einer von beiden wird am Abend mehr haben als nur eine Fußnote.

