Mit der Aufstockung auf 48 Mannschaften kursiert die These, die WM 2026 werde ein Fest der Außenseiter — Klinsmann hat mehr Überraschungen aus Afrika und Asien angekündigt. Der Befund ist gespalten: mehr Sensationen in der Menge ja, ein Bruch der Hierarchie an der Spitze eher nicht.
Erstmals treten 48 Teams an, das Turnier umfasst mehr Spiele als je zuvor, und Debütanten wie Kap Verde, Curaçao, Jordanien und Usbekistan sind dabei. Die Bühne ist breiter — die Frage ist, ob sie auch die Rangordnung verschiebt.
Mehr Partien bedeuten mechanisch mehr Sensationen
Der erste Teil der These ist trivial wahr. Mehr Mannschaften und mehr Spiele erhöhen schlicht die Zahl der Gelegenheiten, bei denen ein Außenseiter einen Favoriten ärgert. In absoluten Zahlen wird es also mehr Überraschungsergebnisse geben — allein, weil mehr gespielt wird. Dass schwächere Verbände überhaupt die K.o.-Runde erreichen, ist im erweiterten Format wahrscheinlicher als zuvor.
Warum die Spitze trotzdem geschützt bleibt
Der zweite Teil ist heikler. Eine Einzelsensation in der Gruppenphase ist etwas anderes als ein Titelgewinn eines Außenseiters. Das Format mit besten Gruppendritten federt einen einzelnen Ausrutscher der Großen ab: Wer ein Spiel verliert, scheidet selten sofort aus. Die längere Strecke bis zum Finale wirkt zudem als Filter — über sechs, sieben Runden setzt sich Qualität tendenziell durch, weil Zufall mit jeder Partie an Gewicht verliert. Historisch gilt: Gruppensensationen gibt es regelmäßig, am Ende steht fast immer einer der üblichen Namen.
Was das Format wirklich ändert
An Klinsmanns These ist ein wahrer Kern: Die Zahl der Überraschungen dürfte steigen, und einzelne Verbände aus Afrika und Asien werden für Schlagzeilen sorgen. „Chaos“ an der Spitze folgt daraus aber nicht. Das erweiterte Format produziert mehr Geschichten am Rand — und schützt zugleich die Favoriten in der Mitte. Wer auf einen Bruch der Hierarchie wettet, verwechselt mehr Lärm mit einer anderen Ordnung.

