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90PLUS » Curaçao gegen Elfenbeinküste: Den Elefanten reicht ein Remis — und genau darin liegt das Risiko
WM 2026

Curaçao gegen Elfenbeinküste: Den Elefanten reicht ein Remis — und genau darin liegt das Risiko

Klaus Hürbl
25.06.26, 16:58
Klaus Hürbl
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Livano Comenencia
Foto: Getty Images

Die Elfenbeinküste braucht im letzten Gruppenspiel nur ein Unentschieden, um Platz zwei und das Sechzehntelfinale sicher zu haben. Klingt nach einer Formsache gegen den kleinsten WM-Teilnehmer der Geschichte. Doch wer das Spiel gegen Deutschland gesehen hat, kennt die Schwachstelle der Ivorer — und Curaçao bringt den einen Mann mit, der jede Favoritenrechnung kippen kann.

In Gruppe E fallen die letzten beiden Entscheidungen zeitgleich. Während Deutschland als feststehender Gruppensieger gegen Ecuador antritt, geht es in Philadelphia um den zweiten direkten Platz — und die Ausgangslage ist klar verteilt. Die Elfenbeinküste hat es in der eigenen Hand, Curaçao kann nur noch hoffen. Trotzdem ist dieses Spiel weniger eindeutig, als die Tabelle nahelegt.

Die Rechnung: ein Punkt genügt — der Verlust nicht

Die Elfenbeinküste steht bei drei Punkten und einem ausgeglichenen Torverhältnis. Ein Remis gegen Curaçao würde reichen, weil die Ivorer den direkten Vergleich gegen den einzigen realistischen Konkurrenten Ecuador bereits gewonnen haben — das 1:0 am ersten Spieltag ist die Versicherung. Damit wäre Platz zwei auch dann sicher, wenn Ecuador parallel gegen Deutschland gewinnen sollte.

Die andere Seite der Rechnung ist unangenehmer. Verliert die Elfenbeinküste, fällt sie auf Rang drei zurück und ist plötzlich auf die Wertung der besten Gruppendritten angewiesen — also auf Ergebnisse in fünf anderen Gruppen, auf die sie keinen Einfluss hat. Aus „weiter aus eigener Kraft“ würde „abwarten und hoffen“. Diese Asymmetrie macht den eigentlichen Druck des Abends aus: Es geht nicht darum, zu gewinnen, sondern darum, nicht zu verlieren.

Die Elefanten: Klasse, die sich nicht absichert

An individueller Qualität fehlt es der Elfenbeinküste nicht. Mit Kapitän Franck Kessié, Amad Diallo, Nicolas Pépé und dem Leipziger Diomande verfügt das Team von Trainer Emerse Faé über Spieler, die in Europas Topligen ihr Geld verdienen. Genau das macht den bisherigen Turnierverlauf erklärungsbedürftig.

Gegen Deutschland führten die Ivorer durch Kessié, waren in der zweiten Hälfte sogar näher am zweiten Treffer als der Favorit — und verloren am Ende doch, weil sie das Spiel nicht zumachten und in der Schlussphase zweimal durch den eingewechselten Deniz Undav kassierten. Es war das Muster einer Mannschaft, die Kontrolle herstellt, sie aber nicht in Sicherheit übersetzt. Wer ein 1:0 gegen einen Top-Gegner nicht über die Zeit bringt, sollte sich auch gegen einen vermeintlich Schwächeren nicht zu früh sicher fühlen.

Curaçao: der Rekord-Außenseiter mit einem Ausnahmetorwart

Curaçao ist mit rund 156.000 Einwohnern der kleinste Verband, der sich je für eine WM-Endrunde qualifiziert hat — deutlich kleiner als der bisherige Rekordhalter Island. Geführt wird der Inselstaat von Dick Advocaat, mit 78 Jahren der älteste Trainer der Turniergeschichte. Schon die Teilnahme ist eine statistische Anomalie, die das aufgestockte 48er-Feld erst möglich gemacht hat.

Der erste WM-Punkt der Länderhistorie kam beim 0:0 gegen Ecuador zustande — und er trägt einen Namen. Torhüter Eloy Room hielt mit 15 Paraden in der regulären Spielzeit einen Turnierrekord auf und ließ knapp dreißig ecuadorianische Abschlüsse verpuffen. Das ist die entscheidende Einordnung: Curaçaos Defensivleistung gegen Ecuador war keine Frage der Organisation, sondern eines überragenden Schlussmanns. Gegen Deutschland, als Room sieben Gegentore kassierte, zeigte sich die andere Seite der Bilanz — ein Torverhältnis von 1:7, das die Hoffnung auf einen der besten Drittplätze selbst bei einem Sieg rechnerisch nahezu ausschließt.

Warum ein Remis nur auf dem Papier genügt

Damit treffen heute zwei Drucklagen aufeinander, die selten zugunsten des Favoriten ausschlagen. Curaçao kann praktisch nichts mehr gewinnen — die Tordifferenz hat den Weg über die Drittplatzierten-Wertung verbaut — und spielt entsprechend frei. Die Elfenbeinküste dagegen trägt das volle Risiko: Ein Patzer würde sie aus der Hoheit über das eigene Schicksal in die Lotterie der besten Dritten stürzen.

Ein befreiter Außenseiter mit einem Torwart in der Form seines Lebens gegen einen Favoriten, der vor allem Fehler vermeiden muss — das ist die Konstellation, in der Überraschungen entstehen. Die Wahrscheinlichkeit spricht weiter klar für die Elefanten; ihre individuelle Klasse sollte über 90 Minuten den Unterschied machen. Aber die eigentliche Frage des Abends ist nicht, ob die Elfenbeinküste das bessere Team stellt. Sie lautet, ob diese Mannschaft endlich beweist, dass sie ein Spiel auch dann kontrolliert nach Hause bringt, wenn ein einziger Punkt schon reichen würde.

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