Das 0:0 zwischen Ecuador und Curaçao hat zwei Geschichten — eine euphorische und eine besorgte. Curaçao, die kleinste Nation der WM-Geschichte, holt nach dem 1:7 gegen Deutschland seinen ersten WM-Punkt überhaupt. Ecuador, vor dem Turnier als möglicher Geheimfavorit gehandelt, verpasst zum zweiten Mal den Durchbruch.
Der historische Punkt
Für Curaçao ist das torlose Remis ein Triumph. Eine Insel mit rund 156.000 Einwohnern, trainiert vom 78-jährigen Dick Advocaat, hat dem favorisierten Ecuador einen Punkt abgenommen und damit die eigene WM-Geschichte um ein Kapitel erweitert. Nach dem Debakel gegen Deutschland war eine defensive Leistung dieser Art keineswegs zu erwarten — sie zeigt, dass diese Mannschaft mehr ist als ein Statist. Der Punkt ändert wenig an den Weiterkommens-Chancen, aber er ist ein Datenpunkt, den niemand mehr streichen kann.
Die Enttäuschung
Für Ecuador ist derselbe Punkt ein Rückschlag. Nach der späten Niederlage gegen die Elfenbeinküste war ein Sieg gegen Curaçao Pflicht — und blieb aus. Eine Mannschaft, der vor dem Turnier ein tiefer Lauf zugetraut wurde, hat in zwei Spielen kein einziges Tor erzielt und steht nun mit dem Rücken zur Wand. Das Muster ist symptomatisch: viel Aufwand, kein Ertrag im Strafraum.
Was bleibt
Mit einem Punkt aus zwei Spielen muss Ecuador am 25. Juni ausgerechnet Deutschland schlagen, um das Weiterkommen aus eigener Kraft zu sichern — eine Aufgabe, die der Geheimfavoriten-Erzählung wenig übriglässt. Curaçao wiederum geht mit Selbstvertrauen in das abschließende Spiel gegen die Elfenbeinküste. Zwei Mannschaften, ein Ergebnis, zwei Richtungen: Für die kleinste Nation des Turniers war das 0:0 ein Gewinn, für den Favoriten ein verlorener Schritt.

