Im 48er-Format entscheidet nicht nur, wer Gruppensieger oder Zweiter wird, sondern auch, welche acht Gruppendritten weiterkommen. Diese Nebentabelle ist eine der am meisten unterschätzten Größen des Turniers — und sie bestimmt mehrere Achtelfinal-Paarungen mit, darunter die deutsche.
Wie es funktioniert
Erstmals in der WM-Geschichte ziehen aus den zwölf Gruppen nicht nur die zwölf Sieger und zwölf Zweiten in die Runde der letzten 32 ein, sondern auch die acht besten Drittplatzierten. Welche acht das sind, entscheidet eine eigene Rangliste, geführt nach Punkten, Tordifferenz und Toren. Erst wenn feststeht, aus welchen Gruppen diese acht kommen, greift die feste Zuordnungstabelle, die jedem Gruppensieger seinen Drittplatzierten-Gegner zuweist — eine Mechanik mit 495 möglichen Kombinationen.
Wer im Rennen ist
Aktuell führt Schweden aus Gruppe F diese Nebentabelle an, gefolgt von Schottland aus Gruppe C und Paraguay aus Gruppe D, wobei Schottland die bessere Tordifferenz aufweist. Die Plätze sind in Bewegung, weil am dritten Spieltag noch Punkte und Tore hinzukommen. Für mehrere Schwergewichte ist diese Liste von unmittelbarem Interesse: Deutschland, Mexiko, die USA und andere Gruppensieger treffen in der ersten K.-o.-Runde auf einen dieser Dritten, ohne vorher zu wissen, welcher es sein wird.
Was sie entscheidet
Aus zwölf Jahren am Trading-Desk weiß man, dass die unscheinbaren Tabellen oft die folgenreichsten sind. Die Nebentabelle der Drittplatzierten ist genau so eine: Sie steht im Schatten der Gruppentabellen, bestimmt aber, wer am Ende gegen wen antritt. Wer das Turnier präzise lesen will, sollte sie im Blick behalten — nicht, weil sie spektakulär wäre, sondern weil sie leise über Pfade entscheidet, die andere erst bemerken, wenn die Paarungen feststehen.

