Nach zwei Siegen zum Auftakt musste die DFB-Elf gestern ihre erste Niederlage hinnehmen. So fällt unser Fazit zur Gruppenphase aus deutscher Sicht aus.
Die 1:2-Niederlage gegen Ecuador hatte zwar keine Auswirkungen auf den Gruppensieg, der bereits im Vorfeld klar war. Nichtsdestotrotz wirft die Niederlage einige Fragen auf, wie es um den Ist-Zustand der deutschen Mannschaft steht. Die Niederlage war nämlich verdient und offenbarte erneut einige Schwachstellen.
Positiv: Es sind klare Muster erkennbar
Zunächst einmal die positiven Aspekte: Mit dem 7:1-Kantersieg über Curaçao und dem intensiven Kraftakt inklusive Last-Minute-Sieg gegen die Elfenbeinküste hat die deutsche Mannschaft zwei gute Spiele abgeliefert. Im Ballbesitz zeigte die Mannschaft von Julian Nagelsmann klare Muster und Prinzipien. Zwar wurde die Personalauswahl des Bundestrainers immer wieder kritisiert, doch mit der für viele überraschenden Entscheidung, Nathaniel Brown den Vorzug gegenüber David Raum zu geben, traf Nagelsmann eine wichtige Entscheidung in Bezug auf sein Spielsystem. Die Harmonie zwischen Florian Wirtz, der links in der Offensive oftmals die Breite hielt, und Brown, der im Halbraum die Tiefe belaufen konnte, war deutlich zu erkennen. Über den bis dato wohl besten deutschen Spieler aus der Startelf, Felix Nmecha, wurde bereits vieles gesagt. Seine Dynamik mit dem Ball hilft dem deutschen Spiel enorm. Dazu besitzt der Dortmunder Spielmacher auch eine exzellente Technik, was für das Kombinationsspiel in Nagelsmanns eng gestaffeltem Mittelfeld von enormer Bedeutung ist.
Mit Deniz Undav hat der DFB den wohl besten Joker des Turniers im Kader. Undav wurde in allen drei Gruppenspielen eingewechselt und war gegen Curaçao bereits an drei Treffern beteiligt. Gegen die Elfenbeinküste avancierte er mit zwei Treffern zum Matchwinner.

Das DFB-Problem: Welcher Offensivspieler ist in Form?
Wie bereits positiv erwähnt, ist Undav der bisher gefährlichste und beste Offensivspieler im deutschen Kader. Kai Havertz zeigte zwar als Startelfspieler ordentliche Leistungen, seine mangelnde Torgefahr bleibt aber ein Manko. Das größte Problem der deutschen Mannschaft ist, dass die komplette Offensivreihe mit Wirtz, Jamal Musiala und Leroy Sané außer Form ist. Zwar zeigte jeder einzelne von ihnen vereinzelt gute Aktionen, insgesamt überwiegt jedoch die Inkonstanz. Die Alternativen auf der Bank? Bis auf Undav gibt es keinen wirklichen Herausforderer, weswegen es wohl auch zu keinen Veränderungen kommen wird.
Ein weiteres Problem der deutschen Mannschaft ist das defensive Umschaltspiel und die Konterabsicherung. Wir haben auch Nmecha gelobt, der in den direkten Duellen physische Dominanz ausstrahlt. Trotzdem merkt man ihm an, dass er Probleme damit hat, frühzeitig die defensiven Räume zu erkennen und rechtzeitig zu schließen. Ähnliche Problemstellen begleiten seinen Nebenmann Aleksander Pavlovic – so gut das Duo mit Ball harmoniert, so anfällig zeigten sich die beiden im Verbund im Defensivspiel.

DFB-Team: Offene Fragen vor der K.-o.-Phase
Die größte Frage, die die deutschen Fans umtreibt, ist die Personalie Undav. Auch am Montag, wenn Deutschland in der Runde der letzten 32 antritt, wird es voraussichtlich einige Diskussionen geben. Aufgrund seiner aktuellen Form scheint eine weitere Bankrunde für Undav kaum vorstellbar. Nach der bitteren Verletzung von Nico Schlotterbeck wird wohl erneut Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung auflaufen. Hier stellt sich die entscheidende Frage, ob Nagelsmann die Rollen im Aufbau neu verteilt. Die Dreieraufbaukette mit Rüdiger in der halblinken Position war für das Pressing Ecuadors wie gefunden. Hier könnte sich Pavlović wohler fühlen – vorausgesetzt, der Spieler des FC Bayern München startet erneut. Eine Alternative könnte auch Angelo Stiller sein.
Insgesamt muss man jedoch festhalten. Als Gruppensieger hat die DFB-Elf selbstredend eine gute Gruppenphase gespielt. Das gestrige Spiel gegen Ecuador hat jedoch erneut Schwachstellen der deutschen Mannschaft aufgedeckt, die es zu beheben gilt. Dass von der Bank kaum ein Einwechselspieler überzeugen konnte (Undav ausgenommen), ist ebenfalls ein Alarmsignal.

