24 Jahre nach der größten Auftakt-Sensation der WM-Geschichte trifft Frankreich erneut zum Auftakt auf Senegal – und diesmal bleibt der Schock aus. Das 3:1 mit einem Mbappé-Doppelpack beruhigt eine nervöse französische Vorwoche und beantwortet die Frage, die über dem brisantesten Auftaktspiel des Turniers hing. Ein nüchterner Blick auf einen Favoritensieg mit Ansage.
Die Ausgangslage war aufgeladen: dieselbe Paarung wie beim 1:0 für Senegal in Seoul 2002, ein Frankreich mit Rissen nach dem 1:2 gegen die Elfenbeinküste, ein Senegal mit dem wertvollsten afrikanischen Kader und einem Mané auf Abschiedstour. Die Marktlogik hatte den Favoriten bei rund 1,48 gesehen — eine kurze, aber keine selbstverständliche Quote. Am Ende setzte sich die Qualität durch, ohne dass die Geschichte sich wiederholte.
Mbappé schreibt französische Geschichte
Der Mann des Abends lieferte exakt das, was seine Favoritenrolle im Torjäger-Markt verlangt. Kylian Mbappé traf doppelt, erzielte sein 13. und 14. Länderspieltor und wurde zum Rekordtorschützen Frankreichs — Bradley Barcola steuerte den dritten Treffer bei. Aus der Logik des Bewertens heraus ist das die belastbarere Information als das Ergebnis selbst: Ein Stürmer, der in einem schweren Auftaktspiel gegen einen physisch starken Gegner doppelt trifft, untermauert die kurze Quote, die der Markt auf ihn als Turnier-Torschützenkönig stellt. Das senegalesische Gegentor zeigt zugleich, dass die französische Abwehr die Anfälligkeit der Vorwochen nicht vollständig abgelegt hat.
Senegals Problem ist die Gruppe, nicht die Leistung
Für Senegal beginnt das Turnier mit der härtest möglichen Hypothek. Eine Niederlage gegen den Topfavoriten ist kein Beinbruch — aber in Gruppe I, mit Norwegen und dem Irak als verbleibenden Gegnern, zählt jeder Punkt doppelt. Norwegen hat zeitgleich mit einem 4:1 gegen den Irak vorgelegt, womit das direkte Duell Norwegen gegen Senegal am 22. Juni zum vorgezogenen Ausscheidungsspiel um Platz zwei wird. Die These von vor dem Turnier bestätigt sich: Nicht das Talent dieses Senegal stand zur Debatte, sondern die Auslosung, die ihm den schwersten Weg zuwies.
Was der Abend bestätigt
An Frankreichs Sieg ist die Erleichterung größer als die Erkenntnis. Der Favorit hat geliefert, wo er vor 24 Jahren stürzte, und eine unruhige Vorwoche vorerst beendet — mehr aber auch nicht. Drei Punkte, ein treffsicherer Mbappé, eine Abwehr mit Restzweifeln: Das ist ein solider, kein überzeugender Auftakt. Das Gespenst von Seoul bleibt ein Kapitel der Vergangenheit. Ob Frankreich der Mitfavorit ist, als den der Markt es bei rund 6,00 führt, beantwortet erst die K.-o.-Phase — gegen Senegal an einem nervösen Dienstag war es schlicht die bessere Mannschaft.

