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90PLUS » Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus: „Ich stehe zur Verfügung“
WM 2026

Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus: „Ich stehe zur Verfügung“

Klaus Hürbl
30.06.26, 09:25
Klaus Hürbl
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Julian Nagelsmann
Foto: Getty Images

Nach dem Ausscheiden gegen Paraguay hat Julian Nagelsmann einen Rücktritt ausgeschlossen und auf seinen Vertrag bis 2028 verwiesen, Rudi Völler stellte sich hinter ihn. Und doch ist die Frage nach der Zukunft des Bundestrainers gestellt — es ist das dritte blamable WM-Aus in Folge und das erste bereits in der ersten K.-o.-Runde seit 64 Jahren. Nur ist es keine Frage, die Nagelsmann allein beantwortet.

Was Nagelsmann sagte

Nagelsmann zeigte sich enttäuscht, aber entschlossen: Er sei keiner, der weglaufe, er habe einen Vertrag und stehe zur Verfügung. Die Entscheidung, fügte er hinzu, liege ohnehin nicht bei ihm, sondern bei anderen. Sportdirektor Rudi Völler sprang ihm bei und bezeichnete ihn weiterhin als Spitzentrainer. Auf der anderen Seite war Jürgen Klopp, in vielen Lesarten der wahrscheinlichste Nachfolger, als Zuschauer vor Ort — und zeigte sich erschüttert.

Was ihm zuzurechnen ist — und was nicht

Eine faire Bewertung trennt die Ebenen. Das aberkannte Tor und der Ausgang des Elfmeterschießens lagen außerhalb von Nagelsmanns Einfluss; ein Trainer verantwortet nicht den VAR und nicht das Nervenkostüm einzelner Schützen. Verantwortlich ist er für das Muster davor — und das ist weniger schmeichelhaft. Deutschland scheiterte an genau dem Szenario, das vorher absehbar war: ein tiefer Block, gegen den der Mannschaft die Mittel fehlten. Die Rückholaktion von Neuer ging nicht auf, der Startelf-Tausch von Musiala zu Undav brachte vorne keine Torgefahr, und die Umstellung, die Nagelsmann vor dem Spiel ausgeschlossen hatte — Kimmich ins Zentrum —, nahm er in der 79. Minute selbst vor. Das ist ein stilles Eingeständnis, dass die Kritiker einen Punkt hatten.

Die kalte Rechnung

Ob daraus eine Trennung folgt, ist keine Frage der Stimmung dieser Nacht, sondern eine institutionelle Kalkulation. Für Nagelsmann sprechen ein Vertrag bis 2028, der Rückhalt des Sportdirektors und das Argument, dass ein Umbau Zeit braucht. Gegen ihn sprechen drei blamable Weltmeisterschaften in Folge — wenngleich er nur für die letzte verantwortlich zeichnet — und die Frage, ob die strukturellen Defizite unter ihm zu beheben sind oder einen Schnitt verlangen. Der Markt hatte Deutschland nie als Titelfavoriten geführt, sondern als Mannschaft mit begrenzter Decke; eine Übersicht der WM Wetten zeigt, dass die Erwartung an dem gemessen wird, was möglich war, nicht an dem, was erträumt wurde. Die Anwesenheit Klopps ist dabei nichts anderes als die Absicherung des Verbands für den Fall, dass die Rechnung gegen Nagelsmann ausfällt.

Festhalten ist der einfache Teil

Dass Nagelsmann an seinem Amt festhält, ist nachvollziehbar und folgerichtig — niemand mit Vertrag und Selbstvertrauen tritt nach einer einzelnen Niederlage zurück. Nur ist Festhalten die eine Seite. Die andere, ob der Verband ihn hält, entscheidet er nicht mit. Sie wird nicht in der Nacht von Foxborough fallen, sondern in den Wochen danach, wenn aus Enttäuschung eine Analyse geworden ist. Bis dahin gilt der Satz, den er selbst gesagt hat: Die Entscheidung liegt bei anderen.

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