Wer behauptet hatte, die ganz großen Namen würden bei Weltmeisterschaften oft enttäuschen, darf sich das gerade verkneifen. Messi, Mbappé, Haaland und Kane prägen die WM 2026 – und wie.
Ein Wettrüsten auf höchstem Niveau
Fünf Spiele, vier Spieler, dreizehn Tore: Die vermeintlichen Hauptdarsteller dieser Weltmeisterschaft nehmen ihre Rolle mit einer Ernsthaftigkeit an, die man zuletzt 2022 gesehen hat. Kein Warten, kein Anlaufen – schon die ersten beiden Spieltage der Gruppenphase lesen sich wie ein Zeugnis für das Selbstverständnis dieser Generation. Wer auf den Goldenen Schuh schielt, hat die Botschaft verstanden.
Messi: Alleinherrscher auf der Torjägerliste
Fünf Tore in zwei Spielen – und alle fünf von derselben Person. Lionel Messi hat Argentinien mit einem Hattrick gegen Algerien in das Turnier geführt und gegen Österreich mit einem Doppelpack zum alleinigen WM-Rekordtorschützen aller Zeiten aufgestiegen. 18 Treffer bei Weltmeisterschaften, Miroslav Klose überholt, Rekord. Das hat etwas Unwirkliches, zumal der Argentinier in zwei Tagen seinen 39. Geburtstag feiert.
Beim Elfmeter gegen Österreich, den er früh vergab, war er kurz menschlich. Danach wieder er selbst: kalt, präzise, unaufhaltsam. Bastian Schweinsteiger brachte es am ARD-Mikrofon auf den Punkt: „Er nimmt am Spiel eigentlich nicht teil, aber wenn, dann kommt einfach Magie raus.“
Mbappé und Haaland: Vier Tore, keine Spur von Mittelmaß
Beide Verfolger haben jeweils einen Doppelpack pro Spiel abgeliefert und stehen nach zwei Gruppenpartien bei vier Treffern. Kylian Mbappé traf beim 3:1 gegen Senegal und beim 3:0 gegen den Irak – das zweite Spiel zeitweise von einem Gewitter unterbrochen, Mbappé selbst unbeeindruckt. Erling Haaland wiederum erledigt seine Arbeit mit einer physischen Brutalität, die senegalesische Abwehrspieler noch tagelang beschäftigen dürfte. Beim gestrigen 3:2-Sieg Norwegens waren es Treffer in der 48. und 58. Minute, die das Spiel entschieden und den Skandinaviern gleichzeitig den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale gesichert haben. Vier WM-Tore in zwei Spielen – für seinen ersten Auftritt auf dieser Bühne ist das eine Ansage.
Kane und der Rekord, der schon Jahrzehnte auf ihn wartete
Zehn WM-Tore in drei Turnieren: Harry Kane steht jetzt gleichauf mit Gary Lineker, Englands bisheriger Sturmlegende aus einer anderen Epoche. Sein Doppelpack gegen Kroatien – Elfmeter in der 12., Kopfball in der 42. Minute – reichte, um den 40 Jahre alten Lineker-Rekord einzustellen. Und nebenbei: Kane ist erst der zweite Engländer nach David Beckham, der bei drei verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. 2018 war er Torschützenkönig mit sechs Toren, 2022 kamen zwei weitere hinzu. 2026 benötigte er eine Halbzeit für dieselbe Ausbeute.
Kane spielte die Rekordeinstellung nach dem Abpfiff demonstrativ herunter und lobte Tuchels Halbzeitansprache. Lineker ist eingeholt. Der nächste Schritt liegt auf der Hand – und er kommt heute Abend.

Heute Abend: Kane bekommt die nächste Chance
Um 22 Uhr (live in ARD und MagentaTV) trifft England im Gillette Stadium in Boston auf Ghana. Beide Teams haben ihren Auftakt gewonnen – Ghana bezwang Panama 1:0, England schlug Kroatien 4:2. Für Kane ist es das erste WM-Pflichtspiel gegen Ghana überhaupt; ein Treffer würde ihn zum alleinigen englischen WM-Rekordtorschützen machen. Lineker selbst hat bereits gezeigt, wie er damit umgehen würde: Beim Kroatien-Spiel soll er mit zehn gespreizten Fingern jubelnd die Rekordeinstellung gefeiert haben. Das sagt eigentlich alles.
Effizienz auf Topniveau: Die Zahlen im Vergleich
Wer die Leistungen der vier Angreifer nüchtern betrachtet, erkennt, wie außergewöhnlich effizient diese Gruppenphase läuft:
| Spieler | Tore | Spiele | Ø Tore/Spiel |
|---|---|---|---|
| Lionel Messi | 5 | 2 | 2,50 |
| Kylian Mbappé | 4 | 2 | 2,00 |
| Erling Haaland | 4 | 2 | 2,00 |
| Harry Kane | 2 | 1 | 2,00 |
Kanes zweites Spiel folgt heute Abend – und er ist der einzige der vier, der noch aufholen kann. Sofern er das Muster beibehält, wäre die Tabelle danach wieder ausgeglichen. Die WM 2026 hat ihren Rhythmus gefunden – und er heißt: Superstar nach Superstar, Tor für Tor.

