Julian Nagelsmann hat seinen Kader für die anstehende WM bekanntgegeben. Mit diesen Spielern geht der Bundestrainer in das Turnier.
In den vergangenen Tagen waren bereits einige Informationen rund um den Kader der deutschen Nationalmannschaft für die WM durchgesickert. Zudem gab der DFB am Donnerstag auf seinen Social-Media-Kanälen mit Videos schon einige Spieler bekannt. Nun präsentierte Julian Nagelsmann seinen Kader auch offiziell. Neben vielen zu erwartenden Namen sorgte der Bundestrainer mit so mancher Entscheidung auch für Verwunderung. Wir analysieren die deutsche Mannschaft für die WM 2026.

Nagelsmann holt Neuer tatsächlich zurück
Nachdem lange darüber spekuliert worden war steht nun fest, dass Manuel Neuer nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft doch nochmal zurückkehrt und seine fünfte Weltmeisterschaft als Nummer eins im deutschen Tor absolvieren wird. Oliver Baumann, den der Bundestrainer im März schon zum Stammtorwart erklärt hatte, wurde ebenfalls nominiert. Trotz der Enttäuschung über seine Degradierung kam es für ich nicht infrage, deswegen nicht mitzukommen. Als Nummer drei nominierte Nagelsmann Alexander Nübel vom VfB Stuttgart und betonte, damit die besten deutschen Torhüter in seinem Kader zu haben. Außerdem reist Jonas Urbig als Trainingstorwart mit zur WM.
Neuer hat in der letzten Saison unter Beweis gestellt, dass er mit seinen Paraden nach wie vor ein sicherer Rückhalt sein kann. Gerade im Viertelfinal-Hinspiel der Bayern gegen Real Madrid präsentierte er sich in einer herausragenden Verfassung. Dennoch birgt seine Rückkehr für ihn und für Nagelsmann auch Risiken. Denn neben glänzenden Paraden viel Neuer hin und wieder auch durch Patzer auf. Zusätzlich ist nicht sicher, ob der 40-Jährige über das ganze Turnier hinweg fit bleibt. Zuletzt verletzte er sich an der Wade. Die Torhüterposition war keine Baustelle und es ist nicht sicher, ob Neuer wirklich mehr Rückhalt als Risikofaktor sein kann. Zudem hat sich der Bundestrainer mit seiner Kommunikation rund um das Thema angreifbar gemacht.
Grundgerüst in der Defensive steht, dahinter wird es spannend
In der Defensive gibt es die wenigsten Überraschungen. Die Innenverteidigung dürften Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund und Jonathan Tah vom FC Bayern München bilden. Neben den beiden hat Nagelsmann mit Waldemar Anton vom BVB, Antonio Rüdiger von Real Madrid und Malick Thiaw von Newcastle United drei weitere Innenverteidiger nominiert. Matthias Ginter vom SC Freiburg und Yann Bisseck von Inter schafften es trotz guter Argumente für eine Nominierung nicht.
Auf der linken Abwehrseite gibt es mit David Raum von RB Leipzig und Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt eine 1a- und b-Variante. Wegen der starken Leistungen der beiden sowohl bei den Vereinen als auch bei den Einsätzen in der Nationalmannschaft muss Maximilian Mittelstädt vom VfB Stuttgart trotz seiner überzeugenden Form zuhause bleiben.
Die Rechtsverteidigerposition ist jedoch dünn besetzt. Kapitän Joshua Kimmich von den Bayern wird diese Rolle voraussichtlich ausfüllen, allerdings ist er kein Etatmäßiger Rechtsverteidiger. Auch ansonsten hat Nagelsmann keinen gelernten Rechtsverteidiger wie beispielsweise Benjamin Henrichs von RB Leipzig nominiert. Stattdessen könnten Brown, Thiaw oder auch Pascal Groß diese Position wohl notfalls ausfüllen.

Die logischen Entscheidungen im Mittelfeld und der Offensive
Die Nominierung von Spielern wie Florian Wirtz von Liverpool, Jamal Musiala und Aleksander Pavlovic vom FC Bayern, Kai Havertz von Arsenal, Nick Woltemade von Newcastle United sowie Deniz Undav vom VfB Stuttgart sind logische Entscheidungen des Bundestrainers. Wirtz und Musiala sind die deutschen Unterschiedsspieler schlechthin, Woltemade und Havertz zählen ebenfalls zu den besten deutschen Offensivspielern. Undav musste nach dieser genialen Saison beim VfB auch dabei sein, Pavlovic überzeugte im Mittelfeld der Münchner auf ganzer Linie.
Den Platz neben dem defensiver orientierten Pavlovic in der Mittelfeldzentrale wird entweder sein Bayern-Teamkollege Leon Goretzka oder Felix Nmecha von Borussia Dortmund einnehmen. Beide können als Gegenstück zu Pavlovic Dynamik und offensive Elemente hereinbringen. Der eins-zu-eins Ersatz für Pavlovic von der Spielanlage her ist Angelo Stiller vom VfB Stuttgart.
Überraschungen in der Zentrale
Außerdem nominierte Nagelsmann den erfahrenen Pascal Groß von Brighton, der Drucksituationen mit seiner Ballsicherheit und Übersicht weiterhelfen kann. Mit Nadiem Amiri vom FSV Mainz 05 nominierte der Bundestrainer einen Akteur im Mittelfeld, der mit seiner starken Schusstechnik und seinen Standards ein zusätzliches Element hereinbringen kann. Zusätzlich kann Amiri die Statik eines Spiels verändern, was er auch im DFB-Dress gegen Nordirland schon unter Beweis gestellt hat. Anton Stach von Leeds United, der bei den letzten Länderspielen noch dabei war, und Tom Bischof vom FC Bayern haben es nicht in den Kader geschafft.

Mit Sane, ohne El Mala: Die Offensive hinter den Topspielern
Die weiteren von Nagelsmann nominierten Offensivkräfte sind Maximilan Beier von Borussia Dortmund, Lennart Karl vom FC Bayern, Jamie Leweling vom VfB Stuttgart und Leroy Sane von Galatasaray. Beier bringt mit seiner Schnelligkeit, seiner Flexibilität und seiner Laufstärke spannende Elemente für das deutsche Spiel mit. Karl kann über den Flügel oder durchs Zentrum mit seinen Dribblings und seiner Unnbekümmertheit für Gefahr sorgen. Leweling bringt Tempo über den Flügel und ebenfalls eine Stärke in eins-gegen-eins Situationen mit. Die Nominierung von Sane, der keine gute Saison in der Türkei spielte und statistisch deutlich schlechter als Said El Mala vom 1. FC Köln oder Chris Führich vom VfB Stuttgart dasteht, begründete Nagelsmann so: „Ich habe einen super Draht zu ihm und traue mir zu, dass ich ihn so kitzle, dass er nach der WM deutlich positiver wahrgenommen wird! Er hat etwas besonderes auf engen Räumen.“ Mit Assan Ouedraogo von RB Leipzig, der bereits Teil der Nationalmannschaft war und Stürmer Nicolo Tresoldi von Club Brügge verzichtete Nagelsmann auf zwei weitere hoffnungsvolle Nachwuchsakteure in der Offensive.
Ein klassischer Stoßstürmer fehlt ebenfalls im Kader, was Nagelsmann mit den langfristigen Ausfällen von Tim Kleindienst und Niclas Füllkrug begründete. Auch Jonnathan Burkardt schaffte es nicht in den Kader.

