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90PLUS » Europa dominiert, Spanien an der Spitze: Das Power Ranking vor WM-Start
WM 2026

Europa dominiert, Spanien an der Spitze: Das Power Ranking vor WM-Start

Cedric Greh
10.06.26, 16:09
Cedric Greh
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Spanien
Foto: Getty Images

Schon Wochen und Monate vor dem Start eines sehnsüchtig erwarteten großen Turniers wird über den möglichen Ausgang philosophiert. Wer ,,muss“ eigentlich am Ende sicher den Titel holen, wer sind die Herausforderer, wer ist der Geheimtipp, den kaum einer auf dem Zettel hat? Diese Diskussionen machen einen Heidenspaß, man kann zudem bereits auf relevante Argumente zurückgreifen: Wie viel Turniererfahrung besitzt eine Mannschaft, wie hoch ist die Qualität des Kaders, begünstigt die Auslosung einen tiefen Titel-Run?

Nichtdestotrotz sind Einordnungen in dieser Phase noch sehr spekulativ. Spannend wird es wenige Tage vor Turnierbeginn. Bis dahin haben Interessierte deutlich mehr relevante Infos zur Verfügung, um zielführende Prognosen treffen zu können. Die aktuelle Form der Teams, Verletzungen oder auch Nicht-Verletzungen wichtiger Akteure spielen eine entscheidende Rolle.

All diese Faktoren sind in die Erstellung dieses Power Rankings mit eingeflossen. Herausgekommen ist eine Top-Ten, unterteilt in drei verschiedene Subkategorien.

Honorable Mentions: Schweiz, Japan, Kroatien, Kolumbien, Senegal

Tier 3: Stolpersteine

Platz 10: Belgien

Den Anfang machen die Roten Teufel. Die goldene Generation um Eden Hazard, Kevin de Bruyne, Thibaut Courtois hat das Titelfenster verstreichen lassen. Einige Akteure wie Hazard spielen längst nicht mehr in der Nationalmannschaft, die Übrigen sind in die Jahre gekommen. Der Kader ist geprägt durch einen großen Umbruch und featured mittlerweile viele jüngere Spieler in größeren Rollen.

Das merkt man vor allem in der Defensive. Dort mangelt es an Turniererfahrung und (bis jetzt) an Weltklasse-Niveau. Im Mittelfeld und der Offensive ist Belgien dagegen gut aufgestellt. Kapitän Youri Tielemans führt das Team, ein fitter de Bruyne kann weiterhin den Unterschied ausmachen, Jeremy Doku ist einer der explosivsten Dribbler der Premier League.

Belgien
Foto: Getty Images

Zudem stimmt die aktuelle Form. Belgien schlug in der Vorbereitung die USA, Kroatien und Tunesien und holte gegen Mexiko ein Unentschieden. Das sollte in einer machbaren Gruppe E komfortabel für das Weiterkommen reichen, auch in der K.O-Phase können die Roten Teufel an einem guten Tag die Favoriten ärgern. Für einen Vorstoß in ein mögliches Viertel- oder Halbfinale mangelt es aber an Erfahrung und gegen stärkere Gegner fairerweise auch an Qualität auf höchstem Niveau.

Platz 9: Marokko

Das Ergebnis einer sehr positiven Entwicklung, die mit dem WM-Halbfinale 2022 und dem Gewinn des Africa-Cups 2025 ihre vorläufigen Höhepunkte fand. Die Löwen vom Atlas sind alles andere als eine Eintagsfliege und ein enorm unangenehmer Gegner für jeden Favoriten.

Marokko spielt mit unglaublicher Leidenschaft und großem Kampfgeist, überzeugt aber auch fußballerisch. Dabei stechen Kapitän Achraf Hakimi und Brahim Diaz heraus, auch auf den voraussichtlich zukünftigen Münchner Ismael Saibari sollte man ein Auge werfen. Darüber hinaus spielt das Team von Trainer Mohamed Ouahbi mit großer taktischer Disziplin.

Marokko
Foto: Getty Images

In Gruppe C sollten die Nordafrikaner die Oberhand gegen Haiti, sowie Schottland haben und sich mit Brasilien im direkten Duell um den Gruppensieg streiten. Dass man in der K.O.-Phase dann große Teams schlagen kann, hat man bereits 2022 gezeigt. Die aktuelle Form ist in Ordnung, auf überzeugende Siege gegen schwächere Gegner folgte ein Unentschieden gegen Norwegen.

Platz 8: Niederlande

Oranje ,,nur“ als Stolperstein und nicht als Herausforderer? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die aktuelle Form wenig berauschend. Auf solide Ergebnisse wie den knappen Sieg gegen Norwegen und das Unentschieden gegen Ecuador folgte eine ernüchternde Niederlage gegen Algerien und ein schmeichelhafter Sieg über Usbekistan.

Die Elftal ist nicht in Topform, was zu den Saisons einiger Schlüsselspieler passt. Unter anderem rissen Tijani Reijnders, Frenkie de Jong und Cody Gakpo bei ihren Vereinen keine Bäume aus, Spielmacher Xavi Simons fällt genauso wie Jurrien Timber verletzt aus. Dazu kommt eine komplizierte Gruppe mit Japan, Schweden und Tunesien. Die Niederlande könnte früh Probleme bekommen und eine gute Ausgangsposition für die K.O.-Runde verspielen.

Niederlande
Foto: Getty Images

Nichtsdestotrotz ist die individuelle Qualität im Kader weiterhin sehr hoch. Vor allem in der Defensive verfügt Oranje über Weltklasse und massig Turniererfahrung mit Akteuren wie Van Dijk, Dumfries, Aké und van de Ven.

Tier 2: Herausforderer

Platz 7: Brasilien

Die Selecao hat eine ähnliche Ausgangssituation wie Belgien – nur ein, bis zwei Level darüber. Das Team von Trainer Carlo Ancelotti weist eine klare Diskrepanz zwischen Defensiv- und Offensiv-Qualität auf. Vor allem die Außenverteidigerpositionen sind Problemstellen.

Solche Dinge machen auf dem aller höchsten Niveau den Unterschied aus und sorgen für eine klarere Abstufung. Nichtsdestotrotz besitzt Brasilien eine ungeheure Qualität und hat mit Vinicius Junior und Raphinha (im fitten Zustand) die vielleicht beste Flügelzange der Welt. Trainer Ancelotti ist in der Theorie ein großer Trumpf. Schafft er es alle Egos zu bündeln und dem Team ausreichend taktische Disziplin mitzugeben, ist viel möglich. Auf dem Papier sollte Brasilien das Viertelfinale erreichen, dort sind auch Siege über die möglichen Gegner England, Deutschland oder Frankreich (je nach Turnierverlauf) nicht auszuschließen.

Brasilien
Foto: Getty Images

Platz 6: Deutschland

Schafft es Deutschland nach den Enttäuschungen der vergangenen Weltmeisterschaften mal wieder über die Gruppenphase hinaus? Viele Argumente sprechen dafür, denn Deutschland hat sich seit dem Fiasko der WM in Katar deutlich stabilisiert. Julian Nagelsmann verfügt über eine gute Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit, die sich mittlerweile gut kennt und sich durch eine stabile Achse mit relevanter Turniererfahrung auszeichnet.

Auch die jüngsten Ergebnisse waren positiv. Die DFB-Elf gewann die vergangenen neun Spiele, darunter auch die Generalprobe gegen die USA. Grundsätzlich gefällt die Konstanz, die Gegnerqualität war aber zugegebenermaßen nicht auf dem höchsten Niveau. Eine noch höhere Platzierung in diesem Ranking wird durch den direkten Vergleich gegen die Top-Gegner in den letzten Jahren verhindert.

Deutschland
Foto: Getty Images

Zudem ist der Turnierbaum nach der Gruppenphase ungünstig, bereits im Achtelfinale könnte man auf Frankreich treffen. Ohne Zweifel besitzt Deutschland aber im Vakuum genug Qualität, um in den Titelkampf eingreifen zu können.

Platz 5: England

Ob es unter Thomas Tuchel endlich mit dem so lange ersehnten Titel für die Three Lions klappt? Unter Vorgänger Gareth Southgate war England regelmäßig ganz nah am großen Triumph, zog dann aber kurz vor Schluss doch den Kürzeren. Dennoch ist die Bilanz von zwei EM-Endspielen in Folge und dem Erreichen des WM-Viertelfinals 2022 Grund genug, Harry Kane und Co. weit oben einzusortieren.

England
Foto: Getty Images

England hat sich unter Southgate auf Ergebnisfußball spezialisiert und unter Tuchel das Ganze konsequent fortgesetzt. Die spielerische Qualität kommt trotz riesiger Qualität im Kader zu kurz. Bei den jüngsten Testspielen riss man keine Bäume aus und nahm die komplette Ergebnispalette mit. Die unfassbare Kaderqualität reicht allerdings trotzdem aus, um England weit oben im Ranking einzusortieren. Kapitän Harry Kane ist mittlerweile titelerfahren und neben Declan Rice, Bukayo Saka und Jude Bellingham der Schlüsselspieler im Team.

Platz 4: Portugal

Beim voraussichtlichen Last Dance von Cristiano Ronaldo ist der portugiesische Kader so stark besetzt wie lange nicht mehr. Vor allem das Mittelfeld ist das Prunk- und Herzstück des Teams. Vitinha und Joao Neves bilden momentan das wohl beste zentrale Mittelfeld-Duo der Welt, sind mit PSG Champions-League-Sieger geworden und daher bestens eingespielt. Bruno Fernandes stellte jüngst einen neuen Assist-Rekord in der Premier League auf und was macht Trainer Roberto Martinez eigentlich mit Bernardo Silva?

Portugal
Foto: Getty Images

Auch abseits der Schaltzentrale warten Spieler auf Weltklasseniveau wie Nuno Mendes, Ruben Dias oder Pedro Neto auf. Nicht zu vergessen ihre Majestät selbst. CR7 ist auch im Winter seiner Karriere ein produktiver Torjäger und sich selbst im Klaren, dass seine Zeit abläuft. Dementsprechend wird er dem Teamerfolg alles unterordnen.

Neben der Kaderqualität sprechen auch die jüngsten Ergebnisse für sich. Portugal gewann im Vorjahr die Nations League und bezwang dabei unter anderem Deutschland und Spanien. Die Selecao sollte die eigene Gruppe gewinnen, auf dem Papier stellt nur Kolumbien eine ernsthafte Herausforderung dar. Läuft dann alles nach Plan, trifft man im Viertelfinale auf Argentinien. Es wäre das erste Aufeinandertreffen zwischen Ronaldo und Messi in einem Pflichtspiel. Portugal wäre in jedem Fall dafür gewappnet, der Titel ist ihnen definitiv zuzutrauen.

Tier 1: Klare Titelfavoriten

Platz 3: Argentinien

Die Albiceleste geht nach dem Triumph von 2022 als Titelverteidiger ins Rennen. Vier Jahre sind eine lange Zeit, aber viele Bausteine von damals sind auch heute noch wichtige Spieler von Erfolgscoach Lionel Scaloni. Unter anderem sind Emiliano Martinez, Alexis MacAllister, Julian Alvarez und Lautaro Martinez wieder mit von der Partie, auch Enzo Fernandez, Lisandro Martinez und Cristian Romero spielen wichtige Rollen. Haben wir jemanden vergessen…?

Natürlich bekommt Lionel Messi seinen eigenen Absatz. Auch mit 38 Jahren (er wird 39 im Turnierverlauf) ist La Pulga ein Unterschiedsspieler, wenngleich er sich seine Kräfte einteilen muss. Messi war in der südamerikanischen Qualifikation erfolgreichster Torschütze aller Teams und führte Argentinien als deutlicher Gruppensieger zur WM.

Lionel Messi
Foto: Getty Images

Die vergangenen Testspiele bewiesen zudem die gute Form der Albiceleste. Argentinien sollte trotz unangenehmer Gegner wie Österreich souverän die eigene Gruppe gewinnen und im Anschluss gewappnet sein, auch gegen absolute Top-Teams siegreich hervorzugehen.

Platz 2: Frankreich

Auf diesem Level entscheiden nur noch Nuancen. Frankreich ist ein erstklassiger Bewerber um den Spitzenplatz im Ranking und deckt den Kriterienkatalog fast vollständig ab. Die Kaderqualität ist fast in allen Mannschaftsteilen unglaublich hoch, die Offensive ist auf dem Papier die Beste der Welt. Der Kader ist überaus turniererfahren und tief in der Breite, bis auf wenige Ausnahmen messen sich die Akteure Woche für Woche auf dem höchsten internationalen Niveau.

Bei Didier Deschamps Abschiedsturnier sinnt die Équipe Tricolore zudem auf Rache. 2022 verloren Les Bleus das Finale gegen Argentinien, es gibt also etwas gutzumachen. Die Franzosen werden direkt zu Beginn in einer schwierigen Gruppe mit dem Senegal, Norwegen und dem Irak bereits gefordert. Das wird nicht einfach, könnte aber auch dabei helfen, schnell auf Betriebstemperatur zu kommen.

Frankreich
Foto: Getty Images

X-Faktor könnten die Egos der Stars werden. Deschamps muss die Einheit zusammenhalten, Unzufriedenheit der Alphatiere könnte das Projekt Titelgewinn scheitern lassen.

Platz 1: Spanien

Hauchdünn vor Frankreich schafft Spanien (zumindest in diesem Ranking) den Sprung an die Spitze. La Furia Roja ist amtierender Europameister, enorm eingespielt und steht in der Qualität des Kader niemandem etwas nach. Der Kader bietet (Verletzungen ausgenommen) keine Schwachstellen und arbeitet unglaublich harmonisch miteinander, was den entscheidenden Vorteil gegenüber Frankreich bringt. Spanien spielt den besten Fußball, ohne dabei in Schönheit zu sterben.

Spanien
Foto: Getty Images

In Gruppe H trifft man auf Uruguay, Cap Verde und Saudi-Arabien. Wird Spanien Gruppenerster und erledigen auch in den anderen Gruppen die Favoriten ihre Hausaufgaben, könnte Spanien ein Aufeinandertreffen mit einem absoluten Spitzenteam bis zum Halbfinale vermeiden.

Das einzige Fragezeichen steht kurz vor Turnierbeginn vor dem Fitnesszustand von Lamine Yamal und Nico Williams. Die Unterschiedsspieler fehlten zuletzt verletzt und standen auch beim letzten Testspielsieg gegen Peru nicht auf dem Platz. Beide sind essenziell wichtig für einen tiefen Run im Laufe des Turniers.

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